Zur Bedeutung des Stimmtonnes:

Heutzutage werde die Instrumente in der Regel mit einem einheitlichen Stimmton gestimmt.
Zur Zeit Bach gab es keinen einheitlichen Stimmton für alle Instrumente, die Höhe des Stimmtons war von Ort zu Ort unterschiedlich und innerhalbe eines Ensembles verschieden.
Dies hat zur Folge, das je nach Instrument der Stimmton a unterschiedlich hoch war, d.h. innerhalb eines Ensembles wurde gleichzeitig mit ver. hohen Stimmtöne gespielt.
Um ein gemeinsames Spiel der Instrumente zu ermöglichen, mussten somit Notenmaterialien in unterschiedlichen Tonarten verwendet werden. z. Bsp.

a =Tonart
415 HzD-Dur
465 HzC-Dur

Wurde ein Werk der weimarer oder köthener Zeit später in Leipzig wieder aufgeführt,
musste Bach je nach Fall, das Notenmaterial anpassen und entsprechend transponieren.

Die heutige Praxis (auch bei Ensemble der historischen Aufführungspraxis) aus Notematerialien mit einheitlicher Tonart und einheitlichem Stimmton zu spielen entspricht
nicht der Spielpraxis von Johann Sebastian Bach und führt selbst bei Verwendung historischer Nachbauten oder Originalen von Instrumenten der Bachzeit,
aufgrund physikalischer Phänomene zu Nachteilen im Klangbild, es entsteht ein Klangbild das nur mehr oder weniger dem Klangbild der Bachzeit entspricht.

So klingen die mit einem tieferen Stimmton gespielten Holzbläser grundtöniger, d. h. sie haben einen weicheren dunkleren Klang.
Saiteninstrumente klingen aufgrund der höheren Stimmung und der damit einhergehenden höheren Saitenspannung
heller und silbriger, oft sind auch Saiten anderer Dicke nötig, wodurch der Klang wiederum verändert wird..

Anhand des Grundtones können wir im wesentlichen die Tonhöhe eines Tones festellen,
durch ver. hohe Stimmtöne gibt es aber auch Veränderung, in dem für uns wahrnehmbaren Bereich der Obertonspektren, die "Farbe" der Instrumente verändert sich.
Durch die beim Spiel eines Instrumentes entstehenden Obertonspektren ist es uns möglich die Klangfarbe eines Instrumentes zu bestimmen,
nur durch diese instrumentenspezifische Obertonspektren sind wir in der Lage das gespielte Instrument zu identifizieren.
(Würden wir z.Bsp. nur den Grundton einer Violine hören, wären wir nicht in der Lage das Instrument als Violine zu identifizieren, hierzu sind die Obertöne nötig)
Bei Tönen die nur aus einer reinen Sinusschwingung bestehen können wir allein nur die Tonhöhe festellen.

Betrachteten man dann auch noch die Temperierung der Bachzeit, so kommt man zu komplexen akustischen Phänomenen, die das Klanggbild wesentlich bestimmen
und in der Summe zu einer nicht zu vernachlässigenden Klangänderungen führt. Es wäre die Frage zu stellen, ob die sogenannten Urtext-Ausgabe,
nicht auch diesen Umstand wieder herstellen sollten.

Copyright© 2002 - by Jochen Grob
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Literaturverzeichnis