bach-enblem Zur Einführung

Sollte man den Verfassern des Nekrologs und dem Bachbiographen Forkel glauben,
müßten uns eine grössere Anzahl Motetten von Bach überliefert sein.
Dies ist leider nicht der Fall und der Umfang dieses Reportiers ist nicht mehr zu ermitteln.
So könnten, neben Verlusten durch Erbteilung  oder ähnlichem Motetten unter anderem auch durch
den Gebrauch an der Thomasschule zu Leipzig verloren gegangen sein, da sie im Gegensatz
zu den sonstigen Vokalwerken Bachs, noch rund 50 Jahre lang nach dessen Tod in Gebrauch
waren (bis ca. 1800 wurde Stimmmaterial teilweise erneuert.)
So hörte Mozart noch 1789 in Leipzig bei einer Probe der Thomaner die
Motette Singet dem Herrn ein neues Lied.
Von den überlieferten Werken sind heute nur die sechs" grossen" Motetten BWV 225 - 230
allgemein bekannt. Die Motette BWV 118a/b wurde irrtümlich bei den Kantaten einsortiert.
Zwei weitere Motetten sind bachsche Bearbeitungen von Werken anderer Komponisten:

- BWV Anh.160: Jauchzet dem Herrn, alle Welt (Satz 1 & 3 Vorlagen von Telemann)
- BWV deest: Der Gerechte kömmt um (Lotti / Kuhnau)


Ander Motetten sind aufführungspraktische Einrichtungen von Werken anderer Komponisten,
in der Regel mit Ergänzungen um colla parte geführte Instrumentalstimmen, so z. Bsp.

- BWV deest: Erforsche mich Gott (Sebastian Knüpfer)
- BWV deest Lieber Herr Gott, wecke uns auf (Johann Christoph Bach)


Die Motette BWV Anh. 159 Du segnest mich denn
wurde früher fälschlicherweise Johann Christoph Bach
zugewiesen und hat sich erst in den letzten Jahren, als die früheste von J. S. Bach
überlieferte Motette erwiesen.

Schon zur Zeit Bachs galt die Motette als antiquiert und so scheinen Bachs Kompositionen
eher für besondere Anlässe - vielleicht auch als Aufragskompositionen - geschaffen worden zu sein.
Die liturgische Funktion im Gottesdienst ist bislang nicht geklärt,
im Gottesdienst verwendete Bach als Introitus-Motette die Motetten aus der Sammlung
Florilegium Portense von E. Bodenschatz (1603)
Allein für Trauerfeiern scheinen die Motetten Bachs aber auch nicht bestimmt gewesen zu sein,
nur bei BWV 226 lies sich dieVerwendung als Trauermusik bislang konkret nachweisen.
So sind Bestimmungen aufgrund der Texte und des biographischen Kontextes zu Neujahr oder anderen Gelegenheit,
eventuell auch als Werke für Potentaten denkbar, wenn gleich bislang noch nicht konkret nachweisbar.

Die Praxis die Motetten als A-Capella Werke aufzuführen entstammt der Tradition der Romantik und
hat nichts mit der Aufführungspraxis Bachs zu tun. Zu seiner Zeit wurden seine eigenen Motetten und
die Introitus-Motetten der Bodenschatz-Sammlung mit einer mehr oder weniger großen Continuo-Gruppe,
im Sinne eines basso seguente begleitet. Hierbei bestand die Continuo-Gruppe im wesentlichen aus
Orgel, Cembalo (in Leipzig gab es extra ein sogenanntes Motetten-Cembalo), Laute, Fagott,
Violoncello (Viola da spalla) und/oder Violone.
Die colla-parte Begleitung der Chorstimmen wurde wohl nur teilweise gefordert und ist eher bei den
grossformatigen komplexen Werken angebracht (siehe die überlieferten Stimmen zu BWV 226).

Copyright© 2002 - by Jochen Grob
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Literaturverzeichnis