WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg: Auswanderung /Migration                              
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Überblick:

I. Einwanderung nach Deutschland und Südwestdeutschland

II. Auswanderung im 18. bis 20. Jahrhundert

I.  Einwanderung nach Deutschland und nach Südwestdeutschland:

Vor allem als Folge der Reformation und der Gegenreformation wurde das protestantische Deutschland und auch Südwestdeutschland seit dem 17. Jahrhundert Einwanderungsland für Glaubensflüchtlinge. Dafür 2 Beispiele:

Potsdamer Edikt- 1685 wurde in Potsdam das Edikt von Potsdam erlassen, mit dem vor allem den protestantischen Hugenotten, die in Frankreich durch die katholischen Herrscher vertrieben wurden, eine Heimat in Preußen und vielfältige Rechte angeboten wurde. Die Hugenotten, die oft den höheren Kreisen in Frankreich angehört hatten, kamen in großer Zahl z.B. nach Berlin. Es wird berichtet, dass nach 1685 in Berlin jeder vierte Einwohner zu den französich sprechenden Hugenotten gehörte, die bald sehr erfolgreich integriert waren.
(Insgesamt flüchteten 1685, als in Frankreich das Edikt von Nantes aufgehoben wurde, etwa 250 000 Hugenotten aus Frankreich, davon etwa 45 000 nach Deutschland, etwa 3000 nach Südwestdeutschland.9

[Bild (Marke Berlin, 1985): 300. Jahrestag des Edikts von Potsdam 1685: Kurfürstlich Brandenburgisches Siegel und Titel des Edikts von Potsdam
Text: "Kurfürstlich-Brandenburgisches Edict darin enthalten: Alle Berechtigungen, Freiheit und Privilegien, welche Ihre Chur-Fürstl. Durchlaucht denen der Reformierten Religion zugetanen Franzosen, die sich in deren Landen niederlassen wollen, zu gönnen versprochen."]
[Entwurf der Briefmarke: Graschberger]


Salzburger Emigranten- 1732 wurden in Österreich vor allem die Bewohner der "Salzburger Ebenen" (daher nahmen einige von dort den Namen "Ebener" oder "Ebner" an), in der viele Protestanten lebten, vom katholischen Kaiser vertrieben (entgegen den Regelungen des Westfälischen Friedens von 1648, in dem alle Religionen erlaubt worden waren). Wieder war es Preußen, das die Salzburger Emigranten großzügig aufnahm, auch weil dort genug Land zur Verfügung stand und Bauern u.a. Arbeitskräfte fehlten.

[Bild (Briefmarke Berlin, 1982): 1732: Ankunft der Salzburger Emigranten in Preußen: Salzburger Emigranten erreichen die preußische Grenze]
[Entwurf der Briefmarke: Gerstetter]

Einwanderung nach Südwestdeutschland:

Vor allem nach dem 30-jährigen Krieg, durch den ganze Landstriche vor allem in Südwestdeutschland entvölkert waren, wurde Südwestdeutschland Einwanderungsland:
Ab 1650 wurden vor allem Glaubensflüchtlinge aus dem Alpenraum ins Land geholt: Protestanten aus Österreich, z.B. nach Freudenstadt; Waldenser aus Italien, z.B. nach Perouse; Hugenotten aus Frankreich; Juden, z.B. nach Mannheim u.a. Die Einwanderer waren willkommen zur Bevölkerung und Bearbeitung der durch den Krieg entvölkerten Landstriche; sie waren willkommen als Handwerker, Unternehmer und Händler in den Städten.

Weitere Kapitel nach 1945 wären

- Flüchtlinge aus den Ostgebieten nach 1945
- Einwanderung als Gastarbeiter nach 1950
- Einwanderung als Flüchtlinge/ Asylanten ab 1960

Literaturhinweis:
Kulturelle Vielfalt. Baden-Württemberg als Einwanderungsland. Herausgegeben von K.-H. Meier-Braun und Reinhold Weber. Landeszentrrale für Politische Bildung, Kohlhammer-Verlag 2005


II. Auswanderung vom 18. bis 20. Jahrhundert

ConcordAuswanderung im 18. Jahrhundert:

[Bild (Briefmarke BRD, 1983): 300. Jahrestag der Einwanderung der ersten Deutschen nach Amerika (Glaubensflüchtlinge aus Krefeld); Auswanderer- Segelschiff "Concord", 1683]
[Entwurf der Briefmarke: Schlecht]


Seit dem 18. Jahrhundert ändert sich die Situation nach dem 30-jährigen Krieg grundlegend. Die Bevölkerung wächst sehr stark. Durch die bäuerliche Realteilung in Württemberg werden die landwirtschaftlichen Anbauflächen ziemlich mager. Vor allem Wirtemberg ist eines der ärmsten Länder Europas (auch verstärkt durch die luxuriösen Bauten und Hofhaltungen der Herzöge, Fürstäbte, Grafen u.a.). Auswanderung scheint für viele die einzige Perspektive. Andere werden zur Emigration gezwungen. In großen Auswanderungswellen wandern viele Menschen aus Südwestdeutschland aus wirtschaftlichen, religiösen oder politischen Gründen nach Osteuropa oder Übersee:

Im 18. Jhdt. wirbt Habsburg eine große Zahl von Kolonisten für die schwach bevölkerten Donauländer an, die besonders im  Banat siedeln. Der 1.  Schwabenzug ist 1716 - 1738, der 2. große Schwabenzug unter Maria Theresia 1765 - 1771, der 3. unter Joseph II. 1783 - 1788. Insgesamt ziehen im 18. Jhdt. aus Südwestdeutschland etwa 150 000 Menschen in die Donauländer. Der Name "Donauschwaben" hat sich für sie eingebürgert, auch wenn es nicht nur Schwaben waren.
Rumänien, in dessen Gebiet heute ein Teil des Banat liegt, hat einige Marken mit "deutschen Persönlichkeiten im Banat" herausgegeben:

Lenau[Bild (Briefmarke Rumänien, 1998): Nikolaus Lenau, österreichischer Dichter, geboren 1802 in Csatad/Lenauheim im Banat.
Rechtes Bild: schwäbisches Haus im Banat]
 
 
 
 
 

Müller-Guttenbrunn[Bild (Briefmarke Rumänien, 1998): 
Adam Müller-Guttenbrunn, Dichter und Theaterintendant, geboren 1852 in Guttenbrunn / Zabrani im Banat, gestorben 1923 in Wien. - Von Müller-Guttenbrunn stammt der Roman "Der große Schwabenzug", 1913.
Rechtes Bild: Timisoara, deutsches kulturelles Zentrum Adam Müller-Guttenbrunn]
 

 

Jäger[Bild (Briefmarke Rumänien, 1998): Stefan Jäger, Maler, geboren 1877 in Tschene im Banat, gestorben 1962 in Hatzfeld.  - Von Jäger stammt ein berühmtes Bild "Die Einwanderung der Schwaben ins Banat", 1910.
Rechtes Bild: Schwäbische Trachten im Banat]
 

Auswanderung nach Rußland in größerem Umfang beginnt iin der 2. Hälfte des 18. Jhdt. Zarin Katharina II. erlässt 1762 ein Einladungsmanifest, das eine große Zahl von Kolonisten auch aus Südwestdeutschland nach Südrußland ins Schwarzmeergebiet bringt.

Ab 1750 zieht eine große Auswanderergruppe nach Nordamerika; allein 1757 sind es 6000 Wirtemberger, die eine neue Heimat in Übersee suchen. 

SteubenBekannte Amerika- Auswanderer dieser Zeit sind z.B. der spätere Unternehmer J..J. Astor und General Steuben.

 

[Bild (Briefmarke Berlin, 1980): 250. Geburtstag von General Steuben; F.W. von Steuben]
[Entwurf der Briefmarke: Gerstetter]

Auswanderung im 19. Jahrhundert:

Im 19. Jhdt. führen wirtschaftliche Gründe (Missernten und Hungersnöte 1816/17 und 1845 - 1857; Überbevölkerung, Armut und Perspektivlosigkeit in Württemberg und Baden), religiöse Gründe (Unzufriedenheit mit der landeskirchlichen Religiosität, die Prophezeiung des Wiederkommens Christi durch A. Bengel für das Jahr 1836 in Südrussland) und politische Gründe (vor allem die Freiheitsbewegung und Revolution 1848/49) zu großen Auswanderungen: 

1803 wandert der fromme pietistische (und separatistische?) Schuster  Rapp aus Iptingen nach Pennsylvanien / USA aus. 500 - 700 Schwaben folgen ihm, mit denen er die blühende Kolonien "Harmony" und "New Harmony" in Pennsilvania und Indiana gründet.

1816/17, zur Zeit der Hungersnöte, verlassen ca. 40 000 Bewohner Baden und Württemberg und wandern vorwiegend nach Amerika aus.

Aus politischen Gründen emigrieren in der Restaurationszeit zwischen 1819 und 1848 viele liberal, national, demokratisch oder kommunistisch Engagierte nach Frankreich (u.a. G. Herwegh), England (z.B. Freiligrath), in die Schweiz (u.a. J. Friedrich Kammerer) oder nach Nordamerika (z.B. Friedrich List).

1849 - 1855, nach der Niederlage der Freiheits- und Nationalbewegung und dem Ende der badischen Revolution müssen viele der politisch Engagierten das Land verlassen. In dieser Zeit emigrieren und wandern ca. 5 % der Bevölkerung im Gebiet Badens und Württembergs vor allem nach USA aus.
SchurzProminente Emigranten sind dabei Gottlieb Rau, Karl Rösch, Friedrich Hecker, Gustav Struve, Carl Schurz, Franz Sigel, Adolf Cluss.

[Bild (Briefmarke BRD, 1976): 200 Jahre Unabhängigkeit der USA; Portrait von Carl Schurz, deutscher Freiheitskämpfer, später amerikanischer Staatsmann; Hintergrund Fahne der USA, Capitol in Washington]
[Entwurf der Briefmarke: Knoblauch]

Um 1860 bis Ende des Jahrhunderts bleibt die Zahl der Auswanderer vor allem nach Übersee hoch. Manche der deutschen Auswanderer werden berühmt und reich. 

MergenthalerOttmar Mergenthaler aus Hachtel z.B. erfindet 1884 in Baltimore die Zeilensetzmaschine, die den Zeitungsdruck verändert. H. Frasch aus Gaildorf wird reich durch Erfindungen zur Erdölentschwefelung.

[Bild (Briefmarke Berlin, 1954): 100. Geburtstag O. Mergenthalers; Portrait Mergenthalers, Zeilensetzmaschine]
[Entwurf der Briefmarke: H. Zapf]

Ende des Jahrhunderts beginnt auch Einwanderung nach Palästina: 1868 wird von Christoph Hoffmann in Ludwigsburg die pietistische Deutsche Tempel- Gesellschaft gegründet. Ihre Mitglieder wandern nach Palästina aus und erbauen dort eine BauernfeindReihe von blühenden deutschen Kolonien,  z.B. in Haifa.

 
   

[Bild (MBriefmarke Israel, 1991): Gemälde von Gustav Bauernfeind: Ansicht der deutschen Kolonie in Haifa, 1898]
 



Auswanderung im 20. Jahrhundert

Im 20. Jhdt. ist die größte Wanderungsbewegung die Emigration zur Zeit des Nationalsozialismus seit 1933: Emigration vor allem nach USA (darunter Prominente aus Baden und Württemberg: Albert Einstein, Bruno Frank, Joseph Wirth).

Alijah1933 beginnt die Emigration aus Deutschland und die Masseneinwanderung deutscher Juden nach Palästina.

 

 

[Bild (Briefmarke Israel, 1983): 50. Jahrestag des Beginns der Masseneinwanderung deutscher Juden nach Palästina; 5. Alijah, Einwanderungsphase nach Palästina]



- Weitere Web-Informationen zu Auswanderern nach Amerika u.a.:
http://www.auswanderer.lad-bw.de
http://www.routes.de

- Weitere Web-Informationen zu Donauschwaben und Banat:
http://www.genealogy.net/gene/genealogy_de.html
http://www.banater-schwaben.de

Anlage:
Die Auswanderer 
Gedicht von Ferdinand Freiligrath (1832)

[In diesem populären Gedicht, geschrieben in der romantischen Frühphase Freiligraths, wird die Auswanderung nach USA fast idyllisch verklärt. Die schwierigen Gründe die zur Auswanderung führten werden ausgeblendet, ebenso die harten Seiten: die viele Wochen dauernde Überfahrt in oft völlig überfüllten Segelschiffen, Krankheiten und Todesfälle bei der Überfahrt, die Schwierigkeiten bei der Ankunft in den USA.
s. das Buch zum Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven,
Katalog zum Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven, 2006.]

Die Auswanderer

Ich kann den Blick nicht von euch wenden;
Ich muss euch anschaun immerdar:
Wie reicht ihr mit geschäftgen Händen
Dem Schiffer eure Habe dar!

Ihr Männer, die ihr von dem Nacken
Die Körbe langt, mit Brot beschwert,
Das ihr aus deutschem Korn gebacken,
Geröstet habt auf deutschem Herd.

Und ihr, im Schmuck der langen Zöpfe,
Ihr Schwarzwaldmädchen, braun und schlank,
Wie sorgsam stellt ihr Krug und Töpfe
Auf der Schaluppe grüne Bank!

Das sind dieselben Töpf und Krüge,
Oft an der Heimat Born gefüllt!
Wenn am Missouri alles schwiege,
Sie malten euch der Heimat Bild:

[Forstsetzung des Gedichts rechte Spalte]

[Gedicht Die Auswanderer, Fortsetzung:]

Des Dorfes steingefasste Quelle,
Zu der ihr schöpfend euch gebückt,
Des Herdes traute Feuerstelle,
Das Wandgesims, das sie geschmückt.

Bald zieren sie im fernen Westen
Des leichten Bretterhauses Wand;
Bald reicht sie müden braunen Gästen,
Voll frischen Trunkes, eure Hand.

Es trinkt daraus der Tscherokese,
Ermattet, von der Jagd bestaubt;
Nicht mehr von deutscher Rebenlese
Tragt ihr sie heim, mit Grün belaubt.

O sprecht! Warum zogt ihr von dannen?
Das Neckartal hat Wein und Korn;
Der Schwarzwald steht voll finstrer Tannen,
Im Spessart klingt des Älplers Horn.

Wie wird es in den fremden Wäldern
Euch nach der Heimatberge Grün,
Nach Deutschlands gelben Weizenfeldern,
Nach seinen Rebenhügeln ziehn!

Wie wird das Bild der alten Tage
Durch eure Träume glänzend wehn!
Gleich einer stillen, frommen Sage
Wird es euch vor der Seele stehn.

Der Bootsmann winkt! - Zieht hin in Frieden!
Gott schütz euch, Mann und Weib und Greis!
Sei Freude eurer Brust beschieden
Und euren Feldern Reis und Mais!

(Ferdinand Freiligrath)


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© Manfred Ebener / E-Mail- Kontakt: m.ebener@z.zgs.de / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Auswanderung / letzte Änderung: 30.4.2018

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