WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg: Industrialisierung in B.+W.
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Industrialisierung und Wirtschaft
in Baden und Württemberg im 19. und 20. Jahrhundert

Übersicht in einigen Daten:
(Industriegründungen, innovative Erfindungen; Landwirtschaft; Handel; Verkehr, Energie, Geld, Bevölkerungsentwicklung, Qualifikation; Soziale Frage; weitere Rahmenbedingungen)

Gliederung:

1. Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert: Handwerk und Gewerbe

2. 19. Jahrhundert I: Beginn der Industrialisierung
3. 19. Jahrhundert II: Hauptphase der Industrialisierung ab 1850
4. 20. Jahrhundert I: Hochindustrialisierung und Krisen
5. 20. Jahrhundert II: Wiederaufbau und Globalisierung
6. Große Industriekonzerne in Baden-Württemberg (Stand: 2003)

7. Weitere Web-Informationen
 
1618-1648 Dreißigjähriger Krieg

1. Entwicklung bis zum 19. Jahrhundert:
Handwerkliche Produktion, Kleingewerbe und Manufakturen

1650 Calwer (Woll-)Zeughandelskompanie gegründet

1720ff Uhrenherstellung (Kuckucksuhren) im Schwarzwald

1758 Dekret zur Ludwigsburger Porzellanmanufaktur
Uhrenindustrie1767 Schmuck-und Uhrenindustrie Pforzheim durch Edikt gegründet
1770 Erfindung der Neigungswaage durch P.M.Hahn; Beginn der Fertigung von Präzisionswaagen im Zollern-Alb-Kreis

[Bild (Marke BRD,1992): 225 Jahre Gründung der Schmuck- und Uhrenindustrie Pforzheim durch Edikt von Markgraf Karl Friedrich von Baden; Abbildung eines Anhängerss von 1890 und einer Uhr von 1990]



2. 19. Jahrhundert I: Beginn der Industrialisierung.
Schwerpunkte: Textilverarbeitung, Papiermaschinen
 
1806 Großherzogtum Baden + Königreich Württemberg

1809 Erste mechan.Spinnerei Badens in St. Blasien gegründet

1810 Carl Bookshammer bringt die erste englische Spinnmaschine nach Württemberg (Berg/Stuttgart)
1816/1817 Mißernten und Hungerjahre; Auswanderung
1817 Gründung der Zentralleitung für Wohltätigkeit
1817ff Industrieschulen in Südwestdeutschland gegründet
1817 Laufrad Draisine durch C. Drais/Karlsruhe erfunden
1817 - 1866: Rheinkorrektur; Rhein wird besser schiffbar
1818 Landwirtschaftliches Hauptfest in Cannstatt gestiftet
1818 Gründung des Landwirtschaftlichen Instituts Hohenheim

1822 Uhrenfabrik Kienzle in Schwenningen gegründet
1824 Erstes Dampfschiff ("Wilhelm") auf dem Bodensee
1824 Zollvertrag Württembergs und Hohenzollerns
1825 Älteste technische Hochschule Deutschlands in Karlsruhe gegründet (Polytechnikum)
1826 Erste mechan. Baumwollweberei Südwestdeutschlands in Heidenheim
1828 Zollverein mit Bayern
1829 Gründung des Polytechnikums Stuttgart
1830 Zündholzfabrik Kammerer in Ludwigsburg

1834/1835: Beitritt zum Deutschen Zollverein
1837 Voith baut in Heidenheim die erste Papiermaschine
1837 Zuckerfabrik in Waghäusel gegründet
1838 Gesetz über den Eisenbahnbau in Baden verabschiedet (Mannheim- Basel) (s. extra Seite "Eisenbahnen in B.+Württ.")

1841 Erste Dampfmaschine in Württemberg
1843 - 1880 Bau der Staatseisenbahnen in Württemberg
1846 Erste Eisenbahnstrecke in Württemberg eröffnet (Cannstatt-Ludwigsburg)
F. List1846 + Friedrich List (Volkswirtschaftler) gestorben

[Bild (Marke BRD, 1989): 200. Geburtstag des Nationalökonomen und Wirtschaftspolitikers Friedrich List; Portrait von F.List, Eisenbahnzug des 19. Jhdt.]

1846 Maschinenfabrik Esslingen (Lokomotivenbau Kessler) gegr.
1848 Gründung der "Zentralstelle für Handel und Gewerbe" in Württemberg mit Ferdinand Steinbeis
1848 Finanzkrise, Bankenkrise, Firmenpleiten in Baden
 
1848/1849 Deutsche Nationalversammlung; Revolution



3. 19. Jahrhundert II: Hauptphase der Industrialisierung.
Schwerpunkt: Maschinenindustrie

1853 Württ.Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen gegründet
1855 F. Steinbeis wird Leiter der Zenralstelle für Handel und Gewerbe
1855 Gründung von Handels- und Gewerbekammern in Stuttgart, Ulm, Heilbronn und Reutlingen
1857 Hohner-Musikinstrumentenbau in Trossingen begründet
1859 Firma Märklin, Spielzeugfabrik, in Göppingen gegründet
1859 Landmaschinenfabrik Lanz in Mannheim gegründet

1860 Erste Arbeiterbildungsvereine
1861 Uhrenfabrik Junghans in Schramberg gegründet
1862 Flügel- und Klavierfabrik J.A.Pfeiffer in Stuttgart gegründet
1862 Einführung der Gewerbefreiheit
1863 Erste Gewerkschaft in Baden
1865 Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) in Mannheim gegründet
1867 Offiz. Gründungsdatum der Firma Voith in Heidenheim
 
1871 Deutsches Reich

1872 Mauser-Werke (Waffenfabrik) in Oberndorf gegründet
1873 NSU (Fahrradwerke) in Neckarsulm gegründet
1877 Margarethe Steiff eröffnet Filz-Näh-Geschäft in Giengen

1883 Motorenfabrik Benz & Cie in Mannheim gegründet
1883 Daimler-Motorenfabrik in Cannstatt gegründet
1886 Geburtsstunde des Automobils; Benz, Daimler, Maybach
1886 Robert Bosch eröffnet feinmechan.Werkstatt in Stuttgart

Lauffen1891 Drehstromübertragung von Lauffen nach Frankfurt

[Bild (Marke BRD, 1991): Drehstromübertragung vom Neckar- Kraftwerk Lauffen nach Frankfurt am Main: Energieübertragung, Elektrizität]

1891 Salamander (Schuhfabrik) in Kornwestheim gegründet
1894/1885 Erstes europäisches Flusskraftwerk zur Stromerzeugung in Rheinfelden (Baden) am Hochrhein 
1895 Erstes Elektrizitätswerk Württembergs in Ulm
1897 Maggi, Nahrungsmittelfirma, in Singen gegründet
1899 C.H.Knorr, Nahrungsmittelfirma, in Heilbronn gegründet



4. 20. Jahrhundert I: Hochindustrialisierung und Krisen
Schwerpunkte: Fahrzeug-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie; Elektroindustrie

1900 Erster Zeppelin startet bei Friedrichshafen
1902 Bosch erfindet den elektrischen Magnetzünder
1903 Fa. Steiff (Teddybären und Co.) expandiert in Giengen
1908 Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen gegründet
Maybach1909 Maybach-Motorenwerke in Friedrichshafen gegründet

1914 Flugzeugwerke Friedrichshafen durch C. Dornier gegr.

[Bild (Marke BRD, 1999): 100 Jahre Automobilclub von Deutschland, AvD; Abbildung: Maybach- Luxusauto: Maybach Pullman- Transformations- Cabriolet, gebaut 1936]

 
1914-1918 Erster Weltkrieg

1919 Besetzung Badens durch Frankreich
 
1923 Inflation und Einführung der "Rentenmark"

1923 - 1938: Neckarkanalisation von Mannheim bis Heilbronn
1926 Fusion zur Daimler-Benz-AG in Stuttgart
1927 Hirth-Motoren- GmbH in Stuttgart gegründet

1931 Porsche-AG (Autohersteller) in Stuttgart gegründet
 
1939-1945 Zweiter Weltkrieg



5. 20. Jahrhundert II: Wiederaufbau und Globalisierung der Wirtschaft.
Weitere Schwerpunkte:
Informationstechnologien und Dienstleistungsbereich

1948 Firma Zeiss beginnt neu in Oberkochen

1950 Heinkel- Motorenwerke in Stuttgart gegründet
1952 IBM Deutschland: Entwicklungslabors in Böblingen

1968 Neckarkanalisation von Heilbronn/ Stuttgart bis Plochingen

1972 SAP (Softwarehersteller) in Mannheim/Walldorf gegr.

1998 Fusion zu Daimler-Chrysler




6. 2003: Große Industriekonzerne in Baden-Württemberg (Stand 2003)

Eine Übersicht der 50 größten Industriekonzerne mit Geschäftsstandort in Baden- Württemberg (Rangfolge nach Umsatz im Jahr 2003) enthält auch eine ganze Reihe von Firmen, die auf Gründungen vor 100 oder 150 Jahren zurückgehen, auch wenn sich die Firmenstruktur durch Kooperationen, Beteiligungen, Zukäufe, Fusionen, Ausgründungen u.ä. sehr verändert haben. 
Die Rangfolge (nach Umsatz im Jahr 2003, wobei die Nr.1, Daimler-Chrysler, einen Umsatz von ca. 136 Mrd. €, ausweist, die Nr. 50, Agilent in Böblingen, einen Umsatz von ca. 1 Mrd. €) ergibt folgendes Bild, das auch für die Standorte und für die Branchen interessant ist:

1. Daimler-Chrysler, Stuttgart (Automobile u.a.)
2. Robert Bosch, Stuttgart (Kfz-Zulieferer, Elektro)
3. EnBW, Karlsruhe (Energie u.a.)
4. ZF, Friedrichshafen (Kfz-Zulieferer)
5. SAP, Walldorf (Software)
6. IBM Deutschland, Stuttgart/Berlin (Computer)
7. Heidelberger Zement, Heidelberg (Bau)
8. Röchling-Gruppe, Mannheim (Elektro, Maschinenbau)
9. Bilfinger & Berger, Mannheim (Bau) 
10. Porsche, Stuttgart (Automobil)

11. Hewlett Packard, Böblingen (Computer)
12. Südzucker, Mannheim (Lebensmittel) 
13. Carl Zeiss Stiftung, Heidenheim (Optik) 
14. Freudenberg, Weinheim (Kfz-Zulieferer, Textil)
15. Heidelberger Druckmaschinen, Hd. (Maschinenbau) 
16. Mahle, Stuttgart (Kfz-Zulieferer) 
17. J.M. Voith, Heidenheim (Maschinenbau)
18. Behr, Stuttgart (Kfz-Zulieferer) 
19. Debitel, Stuttgart (Mobilfunk) 
20. ABB, Mannheim (Elektro, Kraftwerksbau)

21. Roche Deutschland, Grenzach-Whylen (Pharma)
22. IWKA, Karlsruhe (Wehrtechnik, Maschinenbau)
23. Dürr, Stuttgart (Anlagenbau) 
24. John Deere, Mannheim (Fahrzeugbau)
25. Burda, Offenburg/München (Medien)
26. Altana Pharma, Konstanz (Pharma) Getrag, Ludwigsburg (Kfz-Zulieferer)
27. Holtzbrink, Stuttgart (Medien)
28. Pfizer- Gruppe, Karlsruhe (Pharma)
29. Michelin, Karlsruhe (Reifen)
30. MVV, Mannheim (Energie, Verkehr)

31. M+W Zander, Stuttgart (Gebäudetechnik)
32. Stihl, Waiblingen (Motorsägen, Elektrogeräte) 
33. LUK- Gruppe, Bühl (Kfz-Zulieferer)
34. Iveco, Ulm (Fahrzeugbau)
35. J. Eberspächer, Stuttgart (Kfz-Zulieferer) 
36. Paul Hartmann, Heidenheim (Hygieneartikel)
37. Ed. Züblin, Stuttgart (Bau)
38. Trumpf, Ditzingen (Maschinenbau)
38. Festo-Gruppe, Esslingen (Pneumatik)
40. Alcatel SEL, Stuttgart (Elektronik)

40. Merckle/ Ratiopharm, Ulm (Pharma)
40. Wieland-Werke, Ulm (Metallverarbeitung)
43. Mann + Hummel, Ludwigsburg (Kfz-Zulieferer)
44. Alcan Holdings Germany, Singen (Aluminium)
45. Campina, Heilbronn (Lebensmittel) 
46. Hugo Boss, Metzingen (Textil)
47. Fuchs Petrolub, Mannheim (Schmierstoffe)
48. Kärcher, Waiblingen (Reinigungsgeräte)
48. SEW Eurodrive, Bruchsal (Antriebstechnik)
50. Agilent, Böblingen (Messtechnik)

(Rangreihe der Spitzenreiter nach der Stuttgarter Zeitung vom 31.7.2004)

[Rangreihe der 20 größten Handelsunternehmen: siehe
rechte Spalte]

Industrialisierung und Wirtschaft
in Baden und Württemberg im 19. und 20. Jahrhundert

Einige Entwicklungslinien bis zur Gegenwart:

Gliederung:

8. Einleitung: Vom armen Agrarland zum Industriezentrum
9. Anfänge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert
10. Aufschwung der Industrie im Königreich Württemberg
ab 1840
11. Entwicklung im Großherzogtum Baden
12. Industrialisierung im 20. Jahrhundert
13. Große Handelsunternehmen in Baden-Württemberg
(Stand: 2003)

14. Literaturhinweise

8. Einleitung: Vom armen Agrarland zum Industriezentrum

Baden-Württemberg gehört heute zu den wohlhabendsten Regionen in Deutschland und zu den am stärksten industrialisierten Ländern der Bundesrepublik.

Diese Situation ist besonders erstaunlich, wenn man die Lage im Großherzogtum Baden und im Königreich Württemberg zu Beginn des 19. Jhdt. betrachtet: Beide Länder gehörten damals zu den sehr armen Ländern in Europa. Die Länder waren überwiegend von der Landwirtschaft geprägt (wobei die meist vorherrschende Realteilung nur kleine und unrentable Bauernhöfe erlaubte); es gab nur kleine Städte; Bodenschätze waren kaum vorhanden (siehe dazu noch das Lied "Preisend mit viel schönen Reden"); die großen Verkehrs- und Handelsstraßen liefen anderswo. Dazu war wenigstens Württemberg durch seine prachtliebenden Herzöge und die vielen Kriege ausgepowert. 

In der linken Spalte sind einige Daten zur Entwicklung, zur Gründung der wichtigsten Industrien usw. zusammengestellt.

Hier finden sich einige Anmerkungen zu drei Fragen::

- Wie war es möglich, dass in einem so armen Land eine so erfolgreiche Industrialisierung erfolgte? Welche besonderen Bedingungen waren gegeben?
- Wo bestehen Unterschiede in der Entwicklung in Baden und in Württemberg?
- Wie wirkt sich die Geschichte der Industrialisierung auf die Struktur der Wirtschaft im Südwesten aus - und auf die landschaftliche Prägung?
 

 9. Anfänge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert:

Die Industrialisierung begann in Baden und Württemberg relativ spät und anfangs ziemlich langsam. Ein Grund dafür war die anfangs konservative und ablehnende Einstellung zu Fabriken und Maschinen. Außerdem fehlte Kohle o.a. als Energie. 
Aber was sollte man machen zum Überleben in den Notzeiten, bei dem zunehmenden Bevölkerungsdruck und den immer kleineren Feldern? Man konnte nur verhungern, sich kärglich durchschlagen, auswandern - oder schaffen, produzieren, unternehmerisch tätig werden. Und das letztere wurde dann noch unterstützt durch die Begabung zum Tüfteln und Erfinden und durch das pietistische Arbeitsethos.
Als die ersten Maschinen aus England ins Land geschmuggelt wurden waren es Maschinen, die vor allem die Textilherstellung revolutionierten: Spinnmaschinen, mechanische Webstühle, Strickmaschinen.
Da es in Baden und Württemberg keine Kohle als Energielieferant gab (und deren Import unerschwinglich teuer war, bis durch die verbesserten Schiffahrtswege und die Eisenbahn Kohle billiger transportiert werden konnte); - 

Mühleso blieb das Wasser als wichtigster Antriebs-und Energielieferant: in Mühlen, Hammerwerken,als Wasserräder zum Antrieb der Maschinen in fast jeder Fabrik. Die Industrieansiedlungen waren darum lange Zeit ganz an die Wasserläufe gebunden. Erst später wurden dann auch die wasserunabhängigen Dampfmaschinen eingesetzt, bis um die Jhrhundertwende die Elektrizität zur Verfügung stand.

[Bild (Marke BRD, 1997): Schwarzwälder Wassermühle]

Neben der Textilindustrie spielten in der Anfangszeit der Industrialisierung vor allem die Papiermaschinen eine wichtige Rolle.
 

10. Aufschwung der Industrie im Königreich Württemberg ab 1840:

Der große Aufschwung der Industrie wurde - jedenfalls in Württemberg - sehr stark durch staatliche industriepolitische Initiativen verstärkt. König Wilhelm I. war nicht nur an der Weiterentwicklung der Landwirtschaft stark engagiert, sondern auch an der Unterstützung der neuen Unternehmen durch finanzielle Unterstützungen, Ausbildung der Arbeiter (Industrieschulen, Polytechnische Hochschulen), Wissenstransfer, Aufbau des Eisenbahnnetzes. Die Gründung der Zentralstelle für Handel und Gewerbe 1848 mit Ferdinand Steinbeis als Leiter war dabei für die Industrieförderung besonders wichtig.

So wurden im Königreich Württemberg ab 1840 eine Reihe von Firmen gegründet, die zum Teil Weltruhm erlangten, - und die, teilweise wenigstens, heute noch bestehen:
- 1846 die Maschinenfabrik Esslingen
- 1853 die Württ. Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen
- 1857 der Hohner- Musikinstrumentenbau in Trossingen
Hohner- 1859 die Spielwarenfabrik Märklin in Göppingen

[Bild (Marke BRD, 2001): Volksmusik: Handharmonika. - Der Hohner-Musikinstrumentenbau in Trossingen produzierte u.v.a. Mundharmonika und Akkordeons]

- 1861 die Uhrenfabrik Junghans in Schramberg
- 1867 die Firma Voith in Heidenheim
- 1872 die Mauser-Werke in Oberndorf
- 1873 die NSU- Fahrradwerke in Neckarsulm
- 1877 der Beginn des Filz-Näh-Geschäftes Steiff in Giengen
- 1883 die Daimler-Motorenfabrik in Cannstatt
- 1887 die feinmechan. Werkstatt von Robert Bosch in Stuttgart
- 1891 die Schuhfabrik Salamander in Kornwestheim
- 1899 die Nahrungsmittelfirma Knorr in Heilbronn.
 

11. Entwicklung im Großherzogtum Baden:

Im Großherzogtum Baden verlief die Industrialisierung zunächst rascher und erfolgreicher als in Württemberg. (Die erste mechanische Spinnerei Südwestdeutschlands wurde 1809 im säkularisierten Kloster St. Blasien eingerichtet. - Die älteste technische Hochschule Deutschlands wurde 1825 in Karlsruhe errichtet.)
Für die bessere Entwicklung im Großherzogtum spielte es eine Rolle, dass Baden viel verkehrsgünstiger lag als Württemberg mit seinen engen Tälern: In Baden bot die Rheinebene einen hervorragenden Verkehrsweg, der dann auch noch durch einen frühen Eisenbahnbau gut erschlossen wurde; Frankreich und die Schweiz waren nahe Handelspartner; und mit Mannheim hatte Baden einen Großhafen, um den sich bald große Industrien ansiedelten (siehe das Badnerlied: "In Mannheim steht die Fabrik..."):
- 1859 wurde in Mannheim die Landmaschinenfabrik Lanz gegründet
- 1865 wurde die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) in Mannheim gegründet.
- 1883 wurde die Motorenfabrik Benz & Cie in Mannheim gegründet.

In Baden gab es keine so starke staatliche Unterstützung der Unternehmen wie in Württemberg; hier war Baden liberaler als das fast noch merkantilistische Württemberg. Dafür kamen nach Baden viele Unternehmer vor allem aus Frankreich und der Schweiz mit Kapital und Unternehmensgründungen: Sie wollten nach der Gründung des Deutschen Zollvereins (1833ff) zumindest eine Filiale ihrer Firmen in einem Land Deutschlands aufbauen, um von den Vorteilen des einheitlichen Zollgebietes profitieren zu können. So gibt es aus jener Zeit eine ganze Reihe von Schweizer und Französischen Firmen in Baden.

Die geographische Lage Badens war Chance und Verhängnis: Besonders nach 1871, als Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich kam, war für Baden die Grenzlandsituation vorbei und Baden lag mitten im Deutschen Reich, mit direktem Handelszugang zum Elsaß.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde Baden seine Lage zum Verhängnis: Zunächst kam das Elsaß 1919 wieder zu Frankreich, Baden war also wieder Grenzland. Dazu wurde Baden nach 1919 fast ganz von Frankreich besetzt. Die wirtschaftliche Entwicklung Badens wurde dadurch enorm erschwert.
Das wirtschaftliche Schwergewicht hat sich danach immer stärker nach Württemberg hin verschoben.
 

12. Industrialisierung im 20. Jahrhundert:

Im 20. Jahrhundert tritt die Bedeutung der Textilindustrie, die lange Zeit "Leitindustrie"  in Baden und Württemberg war, zurück. Neue Schwerpunkte sind der Maschinenbau, und es dominieren zunehmend die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie mit der notwendigen Zulieferer- und Reparaturindustrie.

Bosch- 1902 entwickelt Bosch den elektrischen Magnetzünder 

[Bild (Stempel und Schmuckblatt 2002): Portrait Robert Boschs; 100 Jahre Magnetzünder; Zündkerze]

- 1908 wird die Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen gegr.
- 1909 werden die Maybach-Motorenwerke gegründet
- 1914 gründet C.Dornier die Flugzeugwerke Friedrichshafen

- 1926 entsteht die Daimler-Benz-AGin Stuttgart
- 1931 entsteht die Porsche-AG in Stuttgart.

Räumlich lassen sich 9 Bereiche besonderer industrieller Dichte (oder: industrielle Ballungsräume) ausmachen: In Baden die Wirtschaftsräume Mannheim-Heidelberg, Karlsruhe-Pforzheim, Mittelbaden um Lahr und Offenburg, Hochrhein, Konstanz und Singen. In Württemberg sind es das Industriegebiet Mittlerer Neckar um Stuttgart, Raum Reutlingen- Balingen- Ebingen, Ravensburg und Friedrichshafen, Raum Aalen- Heidenheim.

In Baden-Württemberg bestehen eine ganze Reihe weltbekannter Firmen, die auch Großfirmen sind (z.B. Bosch, Daimler; siehe dazu die Übersicht in der nebenstehenden Spalte). Darüber hinaus ist die Industrie stark mittelständisch geprägt, mit vielen kleineren Firmen, die auch außerhalb der industriellen Ballungszentren tätig sind. Große und kleine Firmen prägen den Charakter einer exportintensiven Verarbeitungs-, Veredelungs-, und Qualitätsindustrie, die für Baden-Württemberg typisch ist.

 




13. 2003: Die 20 größten Handelsunternehmen in Baden-Württ. (Stand 2003)

Die Rangfolge der nach Umsatz im Jahr 2003 größten Handelsdunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg ergibt folgendes Bild (wobei die Nr.1, Schwarz-Gruppe Neckarsulm, einen Umsatz von ca. 30 Mrd. € ausweist und die Nr. 20, Heine- Gruppe Karlsruhe, einen Umsatz von ca. 1 Mrd. €):

1. Schwarz-Gruppe Neckarsulm (Einzelhandel: Lidl, Kaufland)
2. Celesio, Stuttgart (Pharma)
3. Phoenix, Mannheim (Pharma)
4. Schlecker, Ehningen (Drogeriemärkte) [der seit 2012 insolvent ist]
5. Edeka Südwest, Offenburg (Groß- und Einzelhandel)
6. Würth, Künzelsau (Schrauben, Befestigungstechnik)
7. RIC, Ditzingen (Fachhandelskooperation)
8. DM Drogeriemarkt, Karlsruhe (Drogeriemärkte)
9. Bauhaus- Gruppe Mannheim (Baumärkte)
10. Intersport, Heilbronn (Sportartikel)

11. Müller, Ulm (Drogeriemärkte)
12. Emil Frey, Stuttgart (Fahrzeughandel)
13. Fiat Automobil, Heilbronn (Fahrzeughandel)
14. Interpares Mobau, Karlsruhe (Baustoffe)
15. Zeppelin, Friedrichshafen (Baumaschinenhandel)
16. Der Kreis, Leonberg (Einkaufsverbund)
17. VKG Ver. Küchenfachhandel, Pforzheim (Einkaufsverbund)
18. Klingel, Pforzheim (Versandhandel)
19. Schneidersöhne, Ettlingen (Papierhandel)
20. Heine Gruppe Karlsruhe (Versandhandel)

(Rangreihe der Spitzenreiter nach der Stuttgarter Zeitung vom 31.7.2004)

[Rangreihe der 50 größten Industriekonzerne: siehe linke Spalte]

- 7. Weitere Web-Informationen zum Industrieland Baden-Württemberg:

http://www.lpb.bw.de/publikat/politischelandeskunde/kpl_08.pdf
http://www.landesmuseum-mannheim.de
http://www.pantel-web.de/bw_mirror/history/handel.htm
14. Literaturhinweise:

Willi A. Boelcke: Die Industrialisierung - Bedingtheiten im Südwesten. Aufsatz in dem von R.Rinker und W. Setzler herausgegebenen Sammelband "Die Geschichte Baden-Württembergs", Theiss-Verlag 1986

Frank Lang u.a.: Industrialisierung in Württemberg. / Gewerbeförderung / Die Landwirtschaft.
Kapitel im Ausstellungskatalog zur Landesausstellung 2007: "Das Königreich Württemberg. 1806 - 1918. Monarchie und Moderne". Thorbecke-Verlag 2007


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© Manfred Ebener / E-Mail- Kontakt: m.ebener@z.zgs.de  / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Industrialisierung in B.+W.  / letzte Änderung: 21.11.2013

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