WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg: Herzogtum Schwaben /Karte III-2

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Schwaben, Herzogtum Schwaben von 916 bis 1268 in Südwestdeutschland:

Übersicht über den Artikel (mit Links):

1. Territorium des Herzogtums Schwaben
2. Geschichte des Herzogtums Schwaben
3. Bedeutung des Herzogtums
4. Chronologie der Herzöge von Schwaben
5. Karte III-2: Herzogtum Schwaben im 10.und 11. Jahrhundert
6. Karte III-2b: Herrschaftsbereiche innerhalb des Herzogtums Schwaben


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1. Territorium des Herzogtums Schwaben:

Das Herzogtum Schwaben im Gebiet der Alemannen in Südwestdeutschland umfasste ein Gebiet, das erheblich größer war als das heutige Baden-Württemberg: neben dem Süden Baden- Württembergs gehörten dazu große Teile der heutigen Schweiz, das Elsaß (heute Teil Frankreichs), das bayrische Schwaben und Vorarlberg (heute Teil Österreichs) (s.die Karte auf dieser Seite). Es bestand im Mittelalter von 916/ 917 bis 1268.


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2. Zur Geschichte des Herzogtums Schwaben:

Nach der Zerschlagung des alemannischen Herzogtums 746 und der Eingliederung der Alemannen in das Frankenreich gibt es zunächst kein Herzogtum im Südwesten mehr. Das Land wird im Auftrag der Frankenkönige von fränkischen Adligen, die meist aus Moselfranken nach Alemannien importiert werden, verwaltet und regiert.
Als seit 900 die Überfälle der Ungarn immer bedrohlicher werden, gegen die das Land durch die ostfränkischen Könige nicht wirkungsvoll geschützt wird, beschliessen die Adligen im Land einen der ihren zum Herzog auszurufen. Nach einigen Kämpfen zwischen rivalisierenden Adelsfamilien gelingt es 916 dem Hunfridinger Burchard aus Rätien (heute Vorarlberg) seine Ausrufung als Burkhard (oder Burchard) I. zum Herzog von Schwaben zu erreichen. So wird 916/917 das Herzogtum Schwaben begründet, das bis 1268 besteht.

Durch die Unterwerfung Burkhards unter den neu gekrönten König Heinrich I. (919) erhält die schwäbische Herzogswürde ihre Legitimation vom Königtum. - Der begehrte Titel ist nicht erblich, er wird in Zukunft vom König verliehen.Die Könige belehnen möglichst verlässliche Unterstützer ihrer Politik mit dem Herzogsamt. Das führt in den ersten 150 Jahren zu häufigen Kämpfen um die Herzogwürde und zu einer ziemlich verwirrenden Folge von Herzögen aus unterschiedlichen Geschlechtern. Erst 1079 – 1268 ist der Herzogstitel meist im Besitz der Staufer; das Herzogtum Schwaben endet mit dem Tod des letzten Staufers.


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3. Zur Bedeutung der Herzöge und des Herzogtums::

Das Herzogamt war eine der bedeutendsten Machtpositionen im Reich; wer mit dem Herzogamt belehnt war wurde auch mit erheblichem Grundbesitz als Benefizium (als Amtsausstattung) belehnt. Der Herzog konnte dann auch den Adel mit Grundbesitz belehnen. - Der Herzog war Beauftragter und Stellvertreter des Königs in Schwaben, er sprach Recht, schlichtete Streit und sollte den Frieden sichern. 

Und er sollte auch für die Kriege des Königs die notwendigen Kampftruppen zuführen. So haben 955 in der "Schlacht auf dem Lechfeld" gegen die Ungarn 2 schwäbische Legionen mit etwa 2000 Mann gekämpft. - In den Kriegen Kaiser Heinrichs IV. um 1075 haben die Schwaben das Recht des Vorstreits ausgeübt, d.h. sie hatten das - zweifelhafte - Vorrecht in der ersten Reihe und als erste zu kämpfen. Dieses Recht haben die Schwaben lange Zeit als ehrenvolles Vorrecht des ganzen Stammes behauptet.

Der Herzog konnte in seinem Gebiet nicht diktatorisch regieren. Er war nicht einmal Herrscher eines Flächenstaates, sondern Herrscher über einen losen Stammesverbund. Und er hatte es in Schwaben mit besonders mächtigen Adligen zu tun: den Welfen, den Zähringern und später den Markgrafen von Baden, den Grafen von Calw und von Tübingen, später auch den Grafen von Wirtemberg u.a. Deren Zustimmung, Rat und Unterstützung mußte er immer wieder gewinnen. Versammlungen, Landtage mit den Adligen wurden dafür schon früh eingeführt. - Wichtige Vororte der Herzogsherrschaft und Orte herzoglicher Landtage waren u.a. Esslingen (mit dem dazugehörigen Gestüt "stutgarten"), Ulm, Bodman, Hohentwiel, Breisach, Straßburg (s. die Karte)..

Das Herzogtum Schwaben spielte schon wegen seiner Lage im Reich eine hervorragende Rolle: Wegen der Italienpolitik der Könige und Kaiser seit Otto d. Gr. wurde Schwaben zu einem Kernland des Reiches. Schwaben war ein wichtiges Durchzugsland für die Feldzüge nach Italien, Schwaben waren auch die Hüter der Pässe in den Süden.


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4. Chronologie der Herzöge von Schwaben:

Herzog Burkhard I. (reg. 917 - 926), Hunfridinger, aus Rätien (heutiges Vorarlberg)
Herzog Hermann I. (929 - 949), aus Franken
Herzog Liudolf (949 - 954), Sachse, Sohn Otto d.Gr. (verliert das Herzogtum nach einer Fürstenrevolte gegen Otto d.Gr.)
Herzog Burkhard II. (954 - 973), Hunfridinger (Ehefrau Hadwig)
Herzog Otto I. (973 - 982), Sachse
Herzog Konrad I. (982 - 997), Franke
Herzog Hermann II. (997 - 1003), Franke (Sohn Herzog Konrads)

Herzog Hermann III. (1003 - 1012), Franke (Sohn von Hermann II.)
Herzog Ernst I. (1012 - 1115), Babenberger
Herzog Ernst II (1015 - 1030) (Sohn von Ernst I.)
Herzog Hermann IV. (1030 - 1038) (Sohn von Ernst I.)
Herzog Heinrich III. (1038 - 1045), Sachse (späterer Kaiser)
Herzog Otto (1045 - 1047), Pfalzgraf bei Rhein
Herzog Otto (1047 - 1057), Otto von Schweinfurt, Babenberger, 
Herzog Rudolf (1057 - 1079), Rudolf von Rheinfelden (er wurde 1077 zum Gegenkönig gegen Heinrich IV. gewählt)

Herzog Friedrich I. (1079 - 1105), Friedrich von Staufen, wird von Kaiser Heinrich IV. zum Herzog von Schwaben ernannt

Herzog Berthold I. (1079 - 1098), Sohn Herzog Rudolfs von Schwaben/Rheinfelden, wird von den gegen Kaiser Heinrich IV. opponierenden schwäbischen Adligen in Ulm zum Gegen-Herzog gewählt. - 1098 verzichtet Berthold I. zugunsten des Staufers auf den Herzogtitel in Schwaben. Er erhält dafür Zürich als Reichslehen und nennt sich "Herzog von Zähringen"

Seit 1079 bleibt damit das Herzogtum Schwaben bei den Staufern [s. dazu die Stammtafel der Staufer]. z.T. wurden Staufer als Kinder bzw. Unmündige zum Herzog von Schwaben ernannt und das Herzogtum von Prokuratoren verwaltet. Für manche war das Herzogtum auch Sprungbrett für die Wahl zum König und/oder Kaiser. - Mit den Staufern verschmilzt das Herzogtum Schwaben immer mehr mit dem Königtum.

Die weiteren Herzöge von Schwaben von den Staufern:
Herzog Friedrich II (1105 - 1147), Staufer (Sohn Herzog Friedrichs I.), "der Burgenbauer"
Herzog Friedrich III. (1147 - 1152), Staufer, Friedrich Barbarossa, ab 1152 König (als Friedrich I.) und Kaiser
Herzog Friedrich IV von Rothenburg (1152 - 1167), Sohn König Konrads III.
Herzog Friedrich V. (1167 - 1171), Staufer, Sohn Barbarossas
Herzog Friedrich VI. (1171 - 1191), Staufer, Bruder Friedrich V.
Herzog Konrad II. (1192 - 1196), Staufer, Bruder Kaiser Heinrichs VI.
Herzog Philipp von Schwaben (1196 - 1208), Staufer, Sohn Barbarossas, seit 1198 auch König
Herzog Heinrich (1217 - 1235), Staufer, Sohn Kaiser Friedrichs II., seit 1220 auch König Heinrich (VII.)
Herzog Konrad III. (1237 - 1254), als König Konrad IV., Sohn Kaiser Friedrichs II.
Herzog Konradin (1254 - 1268), letzter Staufer, Sohn Konrads.

Mit dem Tod Konradins endet das Herrschergeschlecht der Staufer und es endet auch das Herzogtum Schwaben.

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5. Karte III - 2:
Das Herzogtum Schwaben im 10. und 11. Jahrhundert:
(zur Karte III-2b: Herrschaftsbereiche innerhalb des Herzogtums Schwaben im 12. und 13. Jahrhundert)

Übersicht über das Herzogtum Schwaben, wie es seit 916 (Burkhard I. Herzog von Schwaben) bestand.
Auf der Karte sind auch die Vororte des Herzogs von Schwaben, die Bischofssitze und einige wichtige Klöster aus jener Zeit verzeichnet.

[Karte nach dem Buch von Ehmer u.a.: Gott und Welt in Württemberg, 2000]




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6. Karte III-2b:
Herrschaftsbereiche innerhalb des Herzogtums Schwaben im 12. und 13. Jahrhundert
Linkes Bild: Herrschaftsbereiche Ende des 12. Jahrhunderts: Macht- und Einflussbereich der Staufer, der Welfen und der Zähringer
Rechtes Bild: Stauferbesitz um 1240

[Bilder aus Bauer u.a.: Unser Land Baden-Württemberg, S. 106]
Herrschaftsbereiche um 1200


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© Manfred Ebener / m.ebener@z.zgs.de / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Karten B.-W. III-2: Herzogtum Schwaben / letzte Änderung: 23.2.2014

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