WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg: Klima + Klimaveränderungen in der Geschichte
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Zur Bedeutung des Klimas und der Klimaveränderungen für die Geschichte:
Übersicht in Daten und Bildern. 

Übersicht über den Artikel:

A: Vorbemerkungen
B: Vor- und Frühgeschichte, Altertum: Eiszeitalter

C. Mittelalter: von 375 bis ca. 1500 n.Chr: Wärmeoptimum.
D: Neuzeit: von 1500 bis zum 19. Jhdt: "Kleine Eiszeit".
E: Vom 19. bis zum 21. Jahrhundert
F: Literaturhinweise


A: Vorbemerkungen:

Klimaschutz[Bild (Marke BRD, 2006): Werbung für mehr Klimaschutz:"Klimaschutz geht alle an"; Spiralnebel über der Erde, Satellitenfoto]]

 


Hier wird ein kurzer Rückblick durch die Geschichte vor allem der letzten 2000 Jahre versucht unter der Fragestellung: Wie läßt sich das Klima einer bestimmten Zeit charakterisieren? Und: Welche Folgen hatte dies für die Entwicklungen in der Geschichte? -

Die älteren Zeiten (etwa die sog. Eiszeit) sind sehr knapp gehalten, vor allem deshalb, weil hier kaum gesicherte Daten vorliegen und der Unsicherheitsbereich der Schätzungen groß ist. Denn natürlich gab es keine regelmäßigen Wetteraufzeichnungen.

Wetterstation ZugspitzeAber auch für die letzten 2000 Jahre gibt es nur wenig gesicherte Daten: Eine regelmäßige Wetter- aufzeichnung gibt es noch nicht lange. Für die anderen Zeiten muss man indirekte Indikatoren heranziehen: Berichte, Eiskernbohrungen u.ä.

[Bild (Marke BRD, 2000): 100 Jahre Wetterstation Zugspitze; Zugspitzhaus und Wetterkarte]

Am ausfühlichsten wird in dem Artikel die "Kleine Eiszeit" in der Frühen Neuzeit dargestellt. Die anderen Zeiten können nur kurz angedeutet werden.
Der Begrenzung dieses Lexikons entsprechend ist dabei der Fokus vor allem auf das Gebiet Südwestdeutschlands gerichtet.

Zur Bedeutung des Klimas und der Klimaveränderungen für die Geschichte auch in Südwestdeutschland:


Übersicht über den Artikel:
 
A: Vorbemerkungen
B: Vor- und Frühgeschichte, Altertum: Eiszeitalter

C. Mittelalter: von 375 bis ca. 1500 n.Chr: Wärmeoptimum.
D: Neuzeit: von 1500 bis zum 19. Jhdt: "Kleine Eiszeit".
E: Vom 19. bis zum 21. Jahrhundert
F: Literaturhinweise

A: Vorbemerkungen:

Klima und Klimawandel als ein treibender Motor geschichtlicher Veränderungen ist durch die befürchtete Klimakatastrophe der Zukunft allgegenwärtig.
Hier soll der Blick rückwärtsgewandt werden und der Einfluss des Klimas und der verschiedenen Klimaveränderungen auf den Menschen und seine Geschichte in den vergangenen Jahrtausenden beschrieben werden. Ziel ist es einige historische Entwicklungen in den vergangenen Jahrtausenden genauer wahrzunehmen und zu verstehen.

Es kann dabei nicht um einen "Klimadeterminismus" gehen, bei dem geschichtliche Entwicklungen und Veränderungen monokausal auf das Klima zurückgeführt werden. Das Klima ist nur ein Erklärungs- Faktor neben anderen, allerdings ein Faktor der lange Zeit gar nicht oder zu gering wahrgenommen wurde. Auf das Klima wird darum hier in dem skizzierten Kurzdurchgang (wie in der unten genannten Literatur) die Wahrnehmung besonders fokussiert.

- Klimaveränderungen: das kann Veränderungen mindestens in 2 Bereichen bedeuten: Veränderungen der Temperatur (weniger Wärme, im Extremfall durchgehende Kälte bis zur Eiszeit; oder zunehmende Erwärmung, bis zur tropischen Wärme); und/ oder Veränderung der Feuchtigkeit und der Niederschlagsmengen (von extremer Trockenheit bis zu sintflutartigem Dauerregen).

Die Veränderungen können durch natürliche kontinuierliche Einflüsse vor allem der Sonneneinstrahlung kommen oder durch große Naturereignisse ausgelöst werden wie Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Änderung der Winde, Änderung der Meeresströmungen. (Ursache und Folge sind dabei im Kreislauf der Natur manchmal nicht zu unterscheiden.) Und /Oder: Die Veränderungen können durch den Menschen gemacht werden etwa durch die übermäßige Verbrennung fossiler Brennstoffe und damit der Über- Produktion des Treibhausgases CO2, wie es für die kontinuierliche globale Erwärmung seit etwa 1850 angenommen wird.

B. Vor- und Frühgeschichte + Altertum:
      Pliozän - Eiszeitalter - Holozän - Altertum.


Im Pliozän, am Ende des Tertiär: Entstehung des Menschen vor etwa 9 Millionen Jahren.

Vor 9 Millionen Jahren, am Ende der geologischen Formation Pliozän im sog. Tertiär, erschien vermutlich eine Vorform des Menschen auf der Erde, zunächst in Afrika.
(zu den geologischen Formationen s. die "geologische Zeittafel" im Lexikon)


 

 

Das Pleistozän oder Eiszeitalter: 1,85 Mill.Jahre bis vor 10.000 Jahren.

EiszeitgletscherEiszeit in Südwestdeutschland

[Karte aus Bauer u.a.: Unser Land Baden-Württ.-
Dargestellt ist die Eisbedeckung während der Riß- Eiszeit, über die heutige topographische Karte gezeichnet. Die rote Linie markiert den äußersten Eisrand der Höhenvergletscherung im Schwarzwald.]
[Vergrößerung der Karte durch Anklicken!]

vor 600.000 Jahren: homo heidelbergiensis (homo erectus) lebt in Südwestdeutschland
vor 300.000 Jahren: homo steinheimiensis (Vor-Neandertaler) lebt im Südwesten
vor 130.000 Jahren: Neandertaler lebt wohl auch im Südwesten

NeandertalerDer Neandertaler lebte wohl von 130.000 bis vor 30.000 Jahren.

[Bild (Marke BRD, 2006): 150 Jahre Entdeckung des Neandertalers im Neandertal bei Düsseldorf; Schädel des Neandertalers, Neandertal]

vor 35.000 Jahren erscheint der homo sapiens in Europa.

Wildpferdvor 35.000 Jahren: Älteste geschnitzte Kunstwerke der Welt, gefunden in Höhlen der Schwäbischen Alb

[Bild: Eines der ältesten Kunstwerke der Welt, ein elfenbeingeschnitztes Wildpferdchen, geschaffen etwa 35 000 Jahre v.Chr., gefunden in Höhlen im Lonetal auf der Ostalb]

Das Holozän: Zeit von 10.000 /8.000 Jahren vor heute

vor 10.000 Jahren: Ende der Kaltphase der letzten Eiszeit;
                             Beginn einer stabilen Warmzeit
                             "Neolithische Revolution": der Mensch wird
                             sesshaft und erfindet die Landwirtschaft

vor 5000 Jahren (= 3.000 v.Chr.): Hochkulturen in Ägypten,  
                            Vorderasien, Ostasien (China) u.a.

vor 3.600 Jahren (= 1.600 v.Chr.): Griechische Antike
                           
Stabile Warmzeit

vor 2650 Jahren (= 650 v. Chr. Römische Antike - Römisches Weltreich
                           - ca 650 v. Chr. - 375 (oder 476) n.Chr.:

                            ab 650 v.Chr.: kühles Subatlantikum
                           
(Kelten in Südwestdeutschland; ab 400 "Keltische Wanderungen")   

                            ab +/- 0: Beginn der Warmphase des Altertum

                            ab 300 n.Chr.: Abkühlung, frühmittelalterliches Pessimum

B. Vor- und Frühgeschichte + Altertum:
      Pliozän - Eiszeitalter - Holozän - Altertum.


Im Pliozän, am Ende des Tertiär: Entstehung des Menschen vor etwa 9 Millionen Jahren.

Vor 5 - 9 Millionen Jahren bildeten sich die Vorformen des Menschen, der sich u.a.durch den aufrechten Gang, die Entwicklung des Gehirns und den Werkzeuggebrauch von den anderen Säugetieren unterschied. Sie bildeten sich - nach allen bekannten Funden - zuerst in Ostafrika (Australopithecus Africanus) und ihre Entstehung hat vermutlich mit klimatischen Veränderungen zu tun: Durch Abkühlungen verschwanden in Afrika große Mengen des tropischen Waldes und es entstanden Savannen in denen man sich nicht von Baum zu Baum hangeln konnte. Die Mutation zum aufrechten Gang war eine hervorragende Anpassung an diese neue Situation.

Der Mensch im Eiszeitalter (vor 1,85 Mill. bis 10.000 Jahre):

Im Eiszeitalter, dessen Beginn man vor etwa 1,85 Mill. Jahren datiert, war das Klima geprägt von extremer Kälte, die höheren Gebirge wie die Alpen und die Gegend um den Feldberg in Südwestdeutschland waren dauerhaft mit Gletschern bedeckt. Allerdings wechselten sich die Eiszeiten immer wieder ab mit längeren Warmzeiten.

Die Weiterentwicklung des Menschen ist eine komplizierte und sehr umstrittene Geschichte: In den langen Jahrtausenden des Eiszeitalters (für die Paläontologen die Altsteinzeit) lebten in Südwestdeutschland verschiedene Menschentypen, teils sukzessiv, teils parallel nebeneinander: Aus den Fund des homo heidelbergiensis in Mauer bei Heidelberg (dem ältesten Menschenfund in Deutschland) kann man schließen, dass vor 600.000 Jahren Menschen vom Typ homo erectus im Raum Südwestdeutschlands gelebt haben. Der "Steinheimer Mensch" weist auf ein Alter von 300.000 Jahren; er gilt als eine Vorform des Neandertaler. Der in Neandertal bei Düsseldorf gefundene Neandertaler lebte von ca. 130.000 Jahren bis vor ca. 30.000 Jahren, wohl auch in Südwestdeutschland. Der moderne Mensch, der homo sapiens, der sich schon vor einigen hunderttausend Jahren von Afrika aus entwickelt hatte, lebte in Europa wohl seit ca. 35.000 Jahren.

Die Menschen im Eiszeitalter waren Sammler und Jäger, keine Bauern. Ein regelmäßiges Bebauen von Feldern und Viehhaltung ließ das Klima nicht zu. Sie lebten gelegentlich in Höhlen. Und in Höhlen in Südwestdeutschland hat man auch die ältesten Kunstwerke gefunden, die von den Menschen im Eiszeitalter geschaffen wurden, z.B. die geschnitzten Mammutfiguren, oder die "Venus vom Hohle Fels", oder die geschnitzten Flöten - alle vor ca. 35.000 Jahren entstanden, von Menschen vom Typ homo sapiens (oder noch von Neandertalern?).

Holozän: Zeit von 10.000 /8.000 Jahren vor heute

Vor etwa 10.000 Jahren war die Eiszeit (vorläufig ?) zu Ende. In der beginnenden stabilen Warmzeit begann, zunächst in Vorderasien im "fruchtbaren Halbmond" die "Neolithische Revolution" mit der Sesshaftwerdung des Menschen: der Mensch war nicht mehr nur Sammler und Jäger, sondern er kultivierte bei einem stabil freundlichen Klima das Land, erfand die Landwirtschaft, domestizierte das Vieh, errichtete feste Häuser und Siedlungen; und bald baute er auch die ersten Städte.

Die frühen Hochkulturen z.B. in Vorderasien und Ägypten entfalten sich in dieser Zeit (etwa ab 3.000 v.Chr.); auch die Griechische Antike (ab etwa 1.600 v.Chr.)
Mitteleuropa erreichte diese neue Kulturstufe einige Jahrtausende später, setzte sich dann aber überall durch.

Die Jungsteinzeit, die Bronzezeit und die beginnende Eisenzeit entwickelte sich in diesem jahrtausende andauerndem relativ stabilem warmen Klima.

Die Zeit der Römischen Antike (ab etwa 650 v.Chr. bis zum Ende des Römischen Weltreichs) war zunächst von einer Abkühlung seit etwa 650 v.Chr. bestimmt: Das feucht-kühle Klima des Subatlantikums war etwa bis zum Jahr 0 bestimmend.
(In dieser Zeit lebten in Südwestdeutschland die Kelten. Die "Keltischen Wanderungen" seit etwa 400 v.Chr., bei denen die Kelten nach Süden, Westen und Osten wanderten, könnten mit der Klimaverschlechterung in diesen Jahrhunderten in Mitteleuropa zusammenhängen)

Danach erlebte das Römische Weltreich eine Warmphase für etwa 300 Jahren, verbunden mit einer Blütezeit des Reiches, in der vor allem die Ausbreitung nach Norden (auch nach Germania superior) erleichtert wurde.
WeinbauIn dieser Warmphase wurde auch der Weinbau in Deutschland (und sogar in England) eingeführt.

[Bild (Marke BRD, 1980): Zwei Jahrtausende Weinbau in Mitteleuropa, eingeführt von den Römern; Anbau, Ernte und Veredelung des Weines, Holzschnitte aus dem Lehrbuch "Rurelia commoda" von Petrus de Crescentiis (1309)]

Nach etwa 300 n.Chr. begann eine starke Abkühlung, die zur frühmittelalterlichen Kaltzeit (auch "frühmittelalterliches Pessimum" genannt) führte.

C. Mittelalter: von ca. 375 bis ca. 1500 n.Chr.
      Kaltzeiten - Wärmeoptimum - Übergangsphase

Einige klimarelevante Daten:

210 n.Chr. (ca.): Wanderung der Sueben/ Alemannen von der Elbe nach Süden in die Gegend zwischen Main und Donau:

Frühmittelalter von ca. 375 bis 1000 n.Chr.

375 n.Chr.: Beginn der Völkerwanderung der Ostgermanen in südlichen Gegenden.

850 n.Chr.(ca.) bis etwa 1000: Übergangsphase zu mehr Wärme

Hochmittelalter von ca. 1000 - 1250 n Chr.: Wärmeoptimum

982 (ca.) Entdeckung von Grönland und Besiedlung des "Grünen Landes"

1000 - 1250: "Mittelalterliches Wärmeoptimum" mit einer hohen Durchnittstemperatur wie sie erst um 1950 wieder erreicht wurde.

Spätmittelalter von ca. 1250 bis 1500: Übergangsphase (oder schon "Kleine Eiszeit")

1300: Beginn der Klimaänderung mit Abkühlungen, Ende der mittelalterlichen Warmphase

1315 - 1322: Große Hungersnöte in Europa wegen Ernteausfall;

1348: Beginn der großen Pestwellen, der ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel, - wohl auch weil die Menschen durch die Hungersnöte besonders geschwächt waren

1380 (ca) Aufgabe der Siedlungen auf Grönland, da das Eis das ganze "Grüne Land" bedeckt hatte

14./15. Jahrhundert: Zeit der "Wüstungen", Aufgabe von Siedlungen und Wirtschaftsflächen auch in Deutschland

C. Mittelalter: von ca. 375 bis ca. 1500 n.Chr.
      Kaltzeiten - Wärmeoptimum - Übergangsphase

210 n.Chr. (ca.): Wanderung der Sueben/ Alemannen von der Elbe nach Süden in die Gegend zwischen Main und Donau: (Wanderung evtl. auch aus Klimagründen?)

375 n.Chr.: Beginn der Völkerwanderung der Ostgermanen auf der Suche nach neuem Land, häufig in südlichen Gegenden, ausgelöst wohl auch durch Klimaveränderungen (Kälteschock) in ihren bisherigen Gebieten im Norden und Osten. (Eine durchaus umstrittene Theorie!)

Die Zeit des Frühmittelalters war, nach dem Ende der Warmzeit im 5. Jahrhundert, eine relativ kalte und unwirtliche Zeit.

Das Hochmittelalter ist bestimmt vom mittelalterlichen Wärmeoptimum nicht nur in Mitteleuropa, sondern auch in Nordeuropa u.a. Eindrucksvollstes Beispiel dafür ist Grönland: Als Erik der Rote 982 Grönland entdeckte war es eisfrei und er nannte es "Grünes Land" das zur Besiedelung einlud. (Nach dem Ende der Warmphase und dem Einbruch der kalten Übergangszeit mussten die Siedlungen auf Grönland um 1380 wieder aufgegeben werden.)

Einige Folgen der hochmittelalterlichen Wärmephase (die auch den nötigen temperierten Regen brachte) war die Entwicklung einer florierenden Landwirtschaft und ein fast explosives Bevölkerungswachstum.

Im Spätmittelalter ab etwa 1300 endet die hochmittelalterliche Warmphase.
1315 - 1322 sind in Europa langdauernde Hungersnöte die mit dem Ausfall der Ernte wegen der zunehmenden Kälte zusammenhängen. Für W. Behringer sind das schon Zeichen der beginnenden "Kleinen Eiszeit" (s. unten), für andere signalisieren sie eine Übergangsphase
Im Spätmittelalter erfolgt ein dramatischer Bevölkerungsrückgang.

14./15. Jahrhundert: Zeit der "Wüstungen", Aufgabe von Siedlungen und Wirtschaftsflächen auch in Deutschland (etwa 40.000 Wüstungen rechnet man für das Gebiet Deutschlands, oder 23 % des Siedlungsbestandes; ein Beispiel ist die Wüstung Vöhingens nahe beim heutigen Schwieberdingen). ein Grund für das Aufgeben der Siedlungen war wohl das ungünstig gewordene Klima.

D. "Frühe Neuzeit" von ca. 1500 n.Chr. bis
     zum 19. Jhdt. : "Kleine Eiszeit"

1500 - 1750: "Kleine Eiszeiten" (nach Düwel-Höselbarth)

Klimawandel
[Bild (Graphik aus dem Buch von Düwel-Hösselbarth: "Ernteglück und Hungersnot", S. 19): Schematische Darstellung des Klimaverlauf der letzten 1000 Jahre, in relativen Temperaturschwankungen; unter der Zeitleiste sind die Klimaveränderungen in Bezug gesetzt zu Sonnenfleckenschwankungen.]

Graphik zum Klimawandel
[Bild (Graphik aus dem Buch von Rahmstorf/Schellnhuber: "Der Klimawandel", S. 27): Temperaturverlauf auf der Nordhalbkugel im letzten Jahrtausend: über 2 Jahrzehnte geglättete Daten, Abweichungen relativ zur Periode 1961 - 1990. Dargestellt sind 4 unterschiedliche Berechnungen, z.T. mit der dazugehörigen Unsicherheitsmarge, grau. Berechnungsgrundlage sind u.a. die Ausdehnung der Gebirgsgletscher, Eiskernanalysen, Baumringe, Messdaten der Wetterstationen für das letzte Jahrhundert.)]

Behringer: KlimaW. Behringer hat seinem Buch "Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung" (s.u.) auf dem Umschlag eine Abbildung des Gemäldes von Pieter Brueghel d.Ä. "Die Heimkehr des Jägers" von 1565 beigegeben: Ein eisiges Winterbild aus den Niederlanden aus der Zeit der "Kleinen Eiszeit", wo auch die Grachten und Seen zugefroren sind.. Und er weist darauf hin, dass es wohl kein Zufall war, dass von Brueghel und anderen Malern seiner Zeit die Winter- und Kältebilder "erfunden" und hoffähig wurden.

Einige klimarelevante Daten:

1600 - 1800: "Kleine Eiszeit" auf der Nordhalbkugel (nach Glaser und Rahmstorf/Schellnhuber)

1618 - 1648: Dreißigjähriger Krieg

1789: Französische Revolution (auch ausgelöst durch die klimatisch bedingten schlechten Ernten, Hungersnöte und Verelendung der Bauern in Frankreich)

1815: Vulkanausbruch des Tambora in Ostasien; zusätzliche Kälteeinbrüche, Ernteausfälle, Hungersnöte, Auswanderungen nach USA u.a.

1816: Erfindung des Laufrads von Drais, das eine Zeit lang als Alternative zur Fortbewegung mit den verhungernden Pferden galt (s. bei Drais im Lexikon)

D. "Frühe Neuzeit" von ca. 1500 n.Chr. bis
     zum 19. Jhdt. : "Kleine Eiszeit"

Von ca. 1500 n.Chr.bis zum 19. Jahrhundert gab es eine dramatische Klimaveränderung auf der Nordhalbkugel, die seit einiger Zeit als "Kleine Eiszeit" bezeichnet wird.
(Der Begriff "Kleine Eiszeit" geht auf den amerikanischen Gletscherforscher Francois Matthes zurück, der um 1935 feststellte, dass die Gletscher in Nordamerika und in den Alpen u.a. seit dem 14. Jhdt. bis ins 19. Jhdt. sich immer weiter ins Vorland ausbreiteten, so weit wie seit der letzten großen Eiszeit nicht mehr - ein Zeichen für eine längerdauernde Kälteperiode.)

Es läßt sich schwer sagen, um wieviel Grad durchschnittlich die Jahrestemperatur sank - schon weil genaue Messungen aus jener Zeit nicht vorhanden sind. Auch war es nicht so, dass alle Jahre sehr kalt waren; vielmehr kamen in jener "kleinen Eiszeit" auch extrem warme Jahre und längere wärmere Perioden vor. Aber die durchschnittliche Temperatur sank doch in jener Periode gegenüber der mittelalterlichen Warmphase um ca 0,5 - 1,5 °. Und diese scheinbar geringe Veränderung hatte erhebliche Folgen, auch weil die kalten Winter oft mit extrem kühlen und regennassen Sommern verbunden waren (s.u.).

"Belege" für die Klimaänderung in dieser Kleinen Eiszeit gibt es  viele. In dem Buch von W. Düwel-Hösselbarth: "Ernteglück und Hungersnot. 800 Jahre Klima und Leben in Württemberg" (s.unten) sind viele Beispiele vor allem aus der Landwirtschaft, vom Weinbau u.a. aus Württemberg zusammengestellt. Es gab Jahre in denen der Schnee bis in den Juni und Juli fiel. Und die "Seegfrörne", das Zufrieren auch der größeren Seen (z.B. des Bodensees) im Winter ist ein Zeichen für sehr kalte Winter; mehrmals war sogar die Ostsee komplett zugefroren. - W. Behringer sieht auch in der "Erfindung" der Winterbilder durch P. Brueghel u.a. niederländische Maler des 16. Jahrhunderts einen Hinweis auf das Klima der "Kleinen Eiszeit". (s.dazu in der linken Spalte das Gemälde von Brueghel "Die Heimkehr des Jägers" von 1565 auf dem Deckblatt von Behringers "Kulturgeschichte des Klimas".)

Welche Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte werden zur "Kleinen Eiszeit" gerechnet? Es ist hauptsächlich die gesamte "Frühe Neuzeit" von etwa 1500 bis etwa 1830, wobei die Grenzen fließend sind und von verschiedenen Autoren auch  unterschiedlich gesetzt sind. (Dass kein abrupter Übergang gegeben ist, wie es die schematische Zeichnung aus Düwel-Hosselbarth in der linken Spalte oben suggeriert, wird schon aus der unteren Graphik zu den Temperaturschwankungen aus dem Buch von S.Rahmstorf/ H.J.Schellnhuber deutlich.

Als Anfang der Abkühlung wird von W. Behringer das 14. Jahrhundert (etwa 1320) angenommen; als Ende Anfang des 19. Jahrhunderts. R. Glaser nennt die Zeit von 1300 - 1600 "Übergangsphase" und reserviert den Begriff "Kleine Eiszeit" für die Zeit von 1600 - 1800. Ähnlich verwenden Rahmstorf/ Schellnhuber das Etikett "Kleine Eiszeit" für das 17. und 18. Jahrhundert. - Die kältesten Phasen innerhalb dieser Periode waren wohl die Jahre zwischen 1570 und 1750.

Als Grund für die Abkühlung der Kleinen Eiszeit werden meist Veränderungen der Sonneneinstrahlung angenommen die wohl mit Sonnenfleckenschwankungen korrelieren (s. dazu die obere Graphik in der linken Spalte). Dazu spielen auch Vulkanausbrüche eine Rolle: 1815 z.B. wurde durch den Vulkanausbruch des Tambora bei Bali (dem stärksten Vulkanausbruch der letzten 10000 Jahre) die gesamte Atmosphäre auch über Nordeuropa völlig verfinstert, sodass kaum Sonnenstrahlen durchdrangen. Eine Folge war eine weitere dramatische Abkühlung, dadurch Ernteausfall, weltweite Hungersnöte.

Einige Folgen der "Kleinen Eiszeit" für Nordeuropa (und auch für Südwestdeutschland)::

- Rückgang der Landwirtschaft in Deutschland und auch in Südwestdeutschland; immer wieder Ernteausfälle
- Aufgeben des Weinbaus in klimatisch ungünstigen Lagen; Wechsel zum Most als Hauptgetränk

- Hungersnöte
- Seuchensterblichkeit

- Bevölkerungsrückgänge
- Auswanderungen

- Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen auf der Suche nach Schuldigen
- Judenpogrome

E. 19. - 21. Jahrhundert

1850 (ca.): Allmählicher Anstieg der Temperatur nach den Kältezeiten

1950 (ca.): Die Temperaturen haben die Werte des mittelaltersichen Wärmeoptimums erreicht. Von nun an erfolgt ein weiterer Anstieg der Temperaturen.

Ein Beispiel für die globale Klimaerwärmung und ihre Folgen:

Monteratsch-GletscherDie Abschmelzung des Monteratsch- Gletschers bei Pontresina im Engadin in der Schweiz von 1850 - 2008. Die Erhöhung der Temperatur um 1,5 Grad in dieser Zeit hat einen Großteil der Gletscherzunge bereits abgeschmolzen.

[Bild (Marke Schweiz, 2009): Kampagne zum Schutz der Gletscher: Rückgang des Monteratsch- Gletschers von 1850 - 2008 bei einer Temperaturerhöhung um 1,50.]

E. 19. - 21. Jahrhundert

1850 (ca.): Allmählicher Anstieg der Temperatur nach den Kältezeiten (Beginn der Industrialisierung);

1950 (ca) Die Temperaturen haben die Werte des mittelaltersichen Wärmeoptimums erreicht. Von nun an erfolgt ein weiterer Anstieg der Temperaturen. Es handelt sich um überwiegend anthropogene Veränderung des Klimas vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe; Erhöhung der Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre)

F. Literaturhinweise:

- Glaser, Rüdiger:
Klimageschichte Mitteleuropas.
1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Wiss. Buchgesellschaft Darmstadt 2001

- Düwel-Hösselbarth, Waltraud:
Ernteglück und Hungersnot. 800 Jahre Klima und Leben in Württemberg. Theiss-Verlag 2002

- Rahmstorf, Stefan / Schellnhuber, Hans Joachim:
Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie.
Verlag C.H.Beck 2006; 5. akt. Auflage 2007

F. Literaturhinweise:

- Behringer, Wolfgang:
Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. Verlag C.H.Beck 2007; 4. durchges. Aufl. 2009

Das Buch von Behringer ist das derzeit umfassendste Buch zum Thema, vor allem zur "Kleinen Eiszeit" (auch wenn Behringer die Bedeutung des Klimas für die Veränderungen der Welt- und Kulturgeschichte wohl etwas überschätzt, ebenso wie die Erklärungskraft des Konzepts der Kleinen Eiszeit für die Veränderung von Glaubensvorstellungen u.ä.)

- Eiszeit - Kunst und Kultur.
Begleitband zur Großen Landesausstellung Eiszeit - Kunst und Kultur 2009/2010 in Stuttgart. Thorbecke-Verlag 2009

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© Manfred Ebener / m.ebener@z.zgs.de / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Klima und Geschichte / letzte Änderung: 7.12.2013

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