WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg:
Geschichte Württembergs 2: Herzogtum Wirtemberg (1495 - 1806)

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Geschichte Württembergs 2:
Herzogtum Wirtemberg (1495 - 1806)

Daten zur Chronologie:



1495: Eberhard im Bart wird auf dem Reichstag zu Worms 
         zum Herzog erhoben; Wirtemberg wird Herzogtum
1496: Tod von Herzog Eberhard im Bart
1496 - 1498: Herzog Eberhard II.
1498: Absetzung Eberhards II. durch die Landstände;
         Erste Landesordnung; Juden aus Wirtemberg
         ausgeschlossen
1498: Ulrich (unmündig) zum Herzog erhoben
Geschichte Württembergs 2:
Herzogtum Wirtemberg (1495 - 1806)

Überblick über einige wichtige Ereignisse:



Eberhard im Bart wurde 1495 auf dem Reichstag zu Worms von Kaiser Maximilian zum Herzog erhoben, das Land wird Herzogtum. Kurz darauf stirbt Herzog Eberhard I.

Nach dem frühen Tod von Eberhard im Bart im Jahr 1496 regiert zunächst Herzog Eberhard II, Sohn Graf Ulrich V. von der Stuttgarter Linie. Er wird 1498 durch die Landstände (!) für geisteskrank erklärt und abgesetzt.

Daten zum 16. Jhdt.: Reformation, Konfessionsspaltung; Frühbürgerliche Revolution
(siehe auch Zeittafel: 16. Jahrhundert)


1503 - 1519: Ulrich Herzog von Wirtemberg
                1. Regierungszeit von 1503 - 1519
1504: Ulrich beteiligt sich am Landshuter Erbfolgekrieg; 
         Zugewinn verschiedener Gebiete der Kurpfalz

1511: Hochzeit Herzog Ulrichs mit Sabine von Bayern

1514: Aufstand des "Armen Konrad"

1514: Tübinger Vertrag zwischen Herzog Ulrich und den 
         Landständen Grundlage der Landesverfassung
 
Luther1517: Beginn der Reformation Luthers; 95 Thesen

[Bild (Marke BRD, 1983): 500. Geburtstag Martin Luthers; Portrait Luthers als Prediger mit der Bibel, nach einem Kreuzigungsbild von Lucas Cranach d.Ä.]

1521: Reichstag zu Worms: Ächtung Luthers,
         Flucht auf die Wartburg, Bibelübersetzung
1530: Augsburger Reichstag mit Vorlage der 
        "Augsburger Konfession"

1518: Heidelberger Disputation Luthers. - Bei der 
         Disputation in Heidelberg werden viele der späteren
         Reformatoren Wirtembergs für die Reformation
         gewonnen, z. B. J.Brenz, M. Bucer

1519: Herzog Ulrich wird vertrieben durch den 
         Schwäbischen Bund und verliert das Herzogtum

Überblick zum 16. Jhdt.: Reformation, Konfessionsspaltung; Frühbürgerliche Revolution
(siehe auch Zeittafel: 16. Jahrhundert)


Die politische Entwicklung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird dann stark von Herzog Ulrich bestimmt, der 1503 für volljährig erklärt wurde. Ulrich regiert als Herzog von Wirtemberg zunächst von 1503 bis 1519. 
Die enorme Schulden- und Steuerlast führt 1514 mit zum Bauernaufstand des "Armen Konrad" im Remstal um Beutelsbach. 

1514 wird auch zur Abwehr der Bauern mit der Landschaft der "Tübinger Vertrag" geschlossen, der Grundgesetz der Wirtembergischen Verfassung bis 1806 bleiben sollte: Die Landschaft übernimmt die Schulden, ist mit Ulrich einig im Kampf gegen die Bauern und erhält weitgehende Mitbestimmungsrechte. Auch wird hier die starke Verbürgerlichung in Wirtemberg festgelegt: Adel und Bauern werden von der Landschaft ausgeschlossen. - 

Als Ulrich seinen Stallmeister Hans von Hutten ermorden lässt und 1519 die Reichsstadt Reutlingen überfällt, zieht der schwäbische Bund gegen Herzog Ulrich zu Feld und erobert die festen Plätze in Wirtemberg. 

HohenaspergAlbrecht Dürer hat in einer Skizze die Belagerung des Hohenasperg durch die Truppen des schwäbischen Bundes festgehalten.

[Bild: Federzeichnung von Albrecht Dürer, 1519: Belagerung des Hohenasperg durch den schwäbischen Bund unter Georg von Frundsberg]

Nach der Niederlage muss Ulrich das Kernland Wirtembergs verlassen. Er lebt einige Jahre vor allem in Mömpelgard und in Marburg beim Landgraf Philipp von Hessen.

1520 - 1534: Wirtemberg gehört zu Österreich
     Georg Truchseß von Waldburg wird Statthalter

Bauernkrieg1525: Der Bauernkrieg breitet sich vor allem in Südwestdeutschland aus, bis er vom schwäbischen Bund gewaltsam beendet wird.
 
 

[Bild (Marke DDR, 1975): 450. Jahrestag des Deutschen Bauerkrieges; Bundesordnung der Christlichen Vereinigung Oberschwabens (Augsburger Druck, 1525)]

1530, auf dem Augsburger Reichstag, erhält Ferdinand von Habsburg Wirtemberg auch förmlich zum Lehen
 
Enführung der Reformation in den Freien Reichsstädten in Südwestdeutschland:

Die Reformation in den Freien Reichsstädten war schon früh eingeführt worden:
1522 beginnt die Reformation in Schwäbisch Hall durch Johannes Brenz
1523: Beginn der Reformation in Reutlingen durch Matthäus Alber
1530: Reformation in Ulm u.a. durch Martin Bucer und Ambrosius Blarer

Bucer1530 formulierte Bucer für den Reichstag in Augsburg die "Confessio Tetrapolitana", als Bekenntnis der 4 Städte Straßburg, Landau, Konstanz, Memmingen.
1536 war Bucer wesentlich beteiligt an der "Wittenberger Konkorie", die ein Ende der Abendmahldifferenzen bringen sollte: Darin schließen sich die Oberdeutschen beim Abendmahl der lutherischen Sicht an.

[Bild (Marke BRD, 2001): 450. Todestag von Martin Bucer, Reformator; Portrait Bucers (nach einem Kupferstich von R. Boyin, 16. Jhdt.) und wichtige Stationen von Bucers Leben: * Schlettstadt; 1518 Heidelberger Disputation; 1530 Confessio Tetrapolitana; 1536 Confessio Wirtembergica; + Cambridge]
[Vergrößerung des Bildes durch Anklicken]

1531: Reformation in Esslingen
1532: Reformation in Heilbronn.

1520 kommt das Land Wirtemberg bis 1534 unter habsburgische / österreichische Herrschaft.
Kaiser Karl V. übergibt das Land seinem jüngeren Bruder Ferdinand, den er auf dem Reichstag von Augsburg 1530 auch förmlich mit dem Herzogtum Wirtemberg belehnt.

In der Zeit der österreichischen Herrschaft wurde die landständische Vertretung gestärkt (z.B. durch Bildung von Landschaftsausschüssen für die Finanverwaltung).
Die wirtembergische Ehrbarkeit stand ganz auf Seiten Österreichs.

Die Reformation hat in den Jahren der österreichischen Herrschaft in Wirtemberg keine Chance. Alle
reformatorischen Impulse in Wirtemberg (z.B. evangelische Predigt durch einzelne Prädikanten, oder der Besuch von evangelischen Gottesdiensten in den schon früh reformatorisch gewordenen Reichsstädtten durch die Bevölkerung) werden auch gewaltsam verhindert und unterdrückt.



Die Reformation in den Freien Reichsstädten in Südwestdeutschland war schon früh eingeführt worden: so in Schwäbisch Hall seit 1522 durch Johannes Brenz, in Reutlingen durch Matthäus Alber seit 1523, in Ulm.seit 1530 u.a. durch Martin Bucer und Ambrosius Blarer, in Esslingen spätestens seit 1531, in Heilbronn spätestens seit 1532.

Zwei Merkmale sind den meisten reichsstädtischen Reformationen gemeinsam: 
Einmal wird die Reformation nicht von oben verordnet sondern durchaus demokratisch "gewählt": Zunächst gab zwar  jeweils ein evangelischer Prediger (Prädikant) den Anstoß zu einem neuen Verständnis und Praxis des Evangeliums, es folgte dann aber auch eine demokratische Abstimmung der Bevölkerung: 1531 findet z.B. in Esslingen eine Abstimmung statt bei der von 1076 Stimmberechtigten nur 30 gegen die neue Lehre stimmen; oder in Reutlingen 1523 setzt sich der Bürgermeister für die Reformation ein, 1524 leisten der Rat und die Bürgerschaft auf dem Marktplatz einen Eid, bei der reformatorischen Lehre bleiben zu wollen. Man kann hier mit Recht von einer "Volksreformation" sprechen.

Ein zweites Merkmal: In vielen Städten spielte nicht nur Luthers Reformation eine Rolle, sondern auch das Verständnis Huldreych Zwinglis und seiner Reformation in der Stadt Zürich. Vor allem von Blarer und Bucer wurden auch Zwinglische Positionen vertreten, deren bekanntester Unterschied zu Luther im Verständnis des Abendmahls liegt.

1534: Sieg Ulrichs mit Hilfe Philipps von Hessen in der 
      Schlacht bei Lauffen über die Österreicher
1534: Im Vertrag von Kaaden erhält Ulrich auch förmlich 
         sein Herzogtum zurück, allerdings als 
        "Österreichisches Afterlehen"

1534 - 1550: Herzog Ulrichs 2. Regierungszeit in 
                   Wirtemberg
 

1534: Einführung der Reformation in Wirtemberg

1534: Herzog Ulrich führt in Wirtemberg die Reformation ein. Als Anfangsdatum wird meist die erste evangelische Predigt an der Stuttgarter Stiftskirche am 16. Mai 1534 gefeiert. 
1534Daran erinnert auch eine Gedenktafel an der Stuttgarter Stiftskirche die hier wiedergegeben ist. Text: "Am 16. Mai 1534 wurde in der Stuttgarter Stiftskirche die erste evangelische Predigt gehalten. Damit begann die Reformation im Herzogtum Württemberg..."

[Bild (eigenes Foto): Gedenktafel an der Stuttgarter Stiftskirche von 1984 an den 16. Mai 1534]

1534: Als Reformatoren wirken im Herzogtum der Lutheraner Eberhard Schnepf und der Zwinglianer Ambrosius Blarer

1536: Eine Kleine Kirchenordnung wird erlassen. Die Klöster werden säkularisiert.

1536: Zur Ausbildung von geistlichen und weltlichen Beamten wird 1536 das Tübinger Stift gegründet. 

Wirtemberg entwickelt sich zum lutherischen Hauptland in Süddeutschland. - 

1546: Teilnahme Wirtembergs am Schmalkaldischen Krieg
.
1548 - 1552: Interim: Erzwungene Rekatholisierung auch in Wirtemberg (Rückkehr der geflohenen Mönche in die früheren Klöster, Wiedereinführung katholischer Messfeiern und Gottesdienste)

1534 siegt Ulrich in der Schlacht bei Lauffen über die schwachen Truppen der Österreicher. Damit erobert Ulrich, unterstützt von den Truppen des Protestanten Landgraf Philipp von Hessen, Wirtemberg zurück. 

In seiner zweiten Regierungszeit (von 1534 - 1550)
organisiert Herzog Ulrich die Zentralverwaltung des Landes.
Zur militärischen Sicherung lässt er bald Hohenasperg, Hohenneuffen, Hohen- Tübingen u.a. zu mächtigen Festungen ausbauen. 

Wie schon mit Landgraf Philipp von Hessen geplant beginnt Ulrich gleich 1534 mit der Enführung der Reformation im Herzogtum Wirtemberg
Als Anfangsdatum wird dafür meist die erste evangelische Predigt des lutherischen Predigers Konrad Ötinger in der Stuttgarter Stiftskirche am 16. Mai 1534 genannt. (Darauf beziehen sich auch die Jubiläumsfeiern "475 Jahre Reformation in Württemberg" die 2009 von der evangelischen Landeskirche begangen werden.) 
Diese Predigt am 16. Mai 1534 machte übrigens gleich eines der schwierigen Probleme bei der Einführung der Reformation in Wirtemberg deutlich: Wird sie sich an der Lehre Luthers orientieren, oder an der Reformation nach Zwingli, wie sie in Zürich und vielen Schweizer und Oberdeutschen Orten praktiziert wurde? Der Prediger vom Mai 1534 war sich da seiner Sache ganz sicher: In seiner Predigt führte er scharfe Angriffe auf die "Oberdeutschen" (wie sie z.B. in Esslingen zu finden wären): sie seien genauso gefährlich wie die "Papisten".
Herzog Ulrich wollte beiden Richtungen gerecht werden und er hoffte auf einen Ausgleich beider Richtungen. Dazu ließ er die Pfarrer des Herzogtums von 2 Theologen befragen, ob sie evangelisch predigen und arbeiten wollten und könnten (und viele der bisher katholischen Priester blieben bei diesen Befragungen ihrem Glauben treu und mussten gehen): die Gemeinden nördlich der Stuttgarter Weinsteige wurden von dem lutherisch orientierten Theologen Eberhard Schnepf examiniert, die Gemeinden südlich der Weinsteige von dem an Zwingli orientierten Ambrosius Blarer. Aber zu einem Ausgleich zwischen den beiden Richtungen kam es kaum (trotz vieler Vermittlungsversuche etwa von Martin Bucer). Von den Oberdeutschen wurde lediglich die Form des fast liturgielosen Predigtgottesdienstes für die württembergische Kirche übernommen, - ansonsten setzte sich immer mehr die streng lutherische Richtung durch; Blarer wurde 1538 von seinen Aufgaben entbunden.

Die Reformation in Wirtemberg wird - auch das im Sinne Luthers - als "Fürstenreformation" von oben durchgeführt, es ist zumindest im Anfang kaum eine "Volksreformation". Die Landstände etwa wurden nicht beteiligt.

Die weitere Durchführung der Reformation war auch eine gewaltige Verwaltungsarbeit: 1536 wird eine kleine Kirchenordnung erlassen, die Säkularisierung der Klöster, der Aufbau von Schulen, die Verwaltung und Neuverwendung des Kirchenguts werden geregelt.
Zur Gewinnung, Ausbildung und Formierung von Mitarbeitern für Kirche und staatliche Verwaltung beginnt Ulrich 1536 mit der Gründung des Tübinger Stifts.

1548 muss allerdings mit dem Augsburger Interim die Reformation wieder z.T. rückgängig gemacht werden

1550 - 1568: Herzog Christoph regiert in Wirtemberg
          Zweite Reformation; Johannes Brenz

1550, nach dem Tod Herzog Ulrichs, wird Ulrichs Sohn Herzog von Wirtemberg.Herzog Christoph gilt als der umsichtige Landesvater, der große Gestalter des württembergischen Landes und der evangelischen Landeskirche (zusammen mit Johannes Brenz).

1552: Erlass einer neuen Landesordnung für die Verwaltung des Landes
 
1555: Augsburger Religionsfriede (Freigabe der Lutherischen Konfessionen; "cuius regio eius religio")

1559:  Erlass der "Große Kirchenordnung" im Herzogtum Wirtemberg zur Regelung des kirchlichen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens im Herzogtum

Als erster Landesvater des reformierten Wirtemberg gilt dann Ulrichs Sohn, der als Herzog Christoph von 1550 bis 1568 regiert. Ihm gelang es erst einmal die Katholisierung des Landes in der Zeit des Interims zu beenden.

Herzog ChristophHerzog Christoph hat, in enger Zusammenarbeit mit dem Reformator Johannes Brenz, die evangelische Kirche konsolidiert, die Große Kirchenordnung eingeführt (1559), Volksschulen errichten lassen und v.a.m. Wirtemberg wird zu einem Kernland der lutherischen Reformation.

Bild (Foto des Denkmals auf dem Stuttgarter Schlossplatz): Herzog Christoph von Wirtemberg, dargestellt in modischer Kleidung des 16. Jhdt..]

1568 - 1593: Ludwig Herzog von Wirtemberg

1577: Konkordienformel der Lutheraner (J. Andreä)

1593 - 1608: Friedrich I. Herzog von Wirtemberg

1599: Wirtemberg wird wieder Reichslehen

1599: Gründung von Freudenstadt

Um die Jahrhundertwende runden die Herzöge von Württemberg ihr Gebiet ab: 
Unter Herzog Friedrich I. kommen Besigheim, Mundelsheim, Liebenzell und Altensteig von Baden zu Württemberg. 1599 gründet Friedrich I. Freudenstadt, das er zur neuen Residenz machen wollte.
Hofbaumeister Heinrich Schickardt, Renaissance- Baumeister, hinterläßt viele Spuren: vom Eingangstor zum Tübinger Schloss bis zur Stadtplanung von Freudenstadt.
17. Jhdt.: Jahrhundert der Kriege; Orthodoxie
(siehe auch Zeittafel: 17. Jahrhundert)

1608 - 1628: Johann Friedrich Herzog von Wirtemberg

Kepler
 
 
 
 
 

[Bild (Marke DDR, 1971): 400. Geburtstag J. Keplers; Portrait des Astronomen Johannes Kepler]
 
 
1618-1648: Dreißigjähriger Krieg
1622: Sieg der Kaiserlichen bei Wimpfen
1628 - 1674: Herzog Eberhard III. von Wirtemberg
    (vormundschaftlich bis 1633)
1634: Schlacht bei Nördlingen; vernichtende Niederlage
         Wirtembergs; völlige Verwüstung des Landes
1634 - 1638: Herzog Eberhard III. vertrieben
1634 - 1635: Pestepidemie auch in Wirtemberg
Westfäl. Frieden1648: Westfälischer Friede von Münster und Osnabrück: Wirtemberg in den alten Grenzen wiederhergestellt

[Bild (Marke BRD, 1998): 350 Jahre Westfälischer Friede; Tafel mit Verhandlungspartnern in Münster und Osnabrück]
 
1688 - 1697: Pfälzischer Erbfolgekrieg
1689: große Verwüstungen (Hirsau)

1693 - 1733: Eberhard Ludwig Herzog Wirtembergs

1699: Ansiedlung von Waldensern in Wirtemberg

17. Jhdt.: Jahrhundert der Kriege; Orthodoxie
(siehe auch Zeittafel: 17. Jahrhundert)

In der lutherischen Kirche Wirtembergs herrscht die Orthodoxie, die die Kirche festigt - und auch zur Erstarrung führen kann. 
Ein Beispiel: Johannes Kepler, der große Astronom, ist auch ein Opfer der beginnenden Orthodoxie und der Konfessionsprobleme. Nach dem Studium am Tübinger Stift weigert er sich, die lutherische Konkordienformel (die ihm zu eng war) zu unterschreiben. Damit ist entschieden, dass er in Tübingen bzw. Wirtemberg keine Professur erhalten kann. Später wird er noch exkommuniziert - und auch eine Petition bei seinem Tübinger theologischen Lehrer Matthias Hafenreffer ändert nichts mehr daran. Kepler bewegt sich dann zeitlebens zwischen Graz (wo ihn die Katholiken vertreiben), Prag, Linz, Ulm und Regensburg (wo er 1630 stirbt).

1618 beginnt der 30-jährige Krieg. Das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg ist 30 Jahre lang ausgeplündertes Durchzugsland. 1622 siegen die Katholischen und Kaiserlichen unter Tilly bei Wimpfen. Nachdem Gustav Adolf von Schweden 1630 auf der Seite der Protestanten in den Krieg eingreift, siegen die protestantischen Länder. Aber kurz nach Gustav Adolfs Tod (1632) werden die Protestanten in der Schlacht von Nördlingen (1634) vernichtend geschlagen. Wirtemberg wird von kaiserlichen Kommissaren regiert.Im Westfälischen Frieden von 1648 wird Wirtemberg in seiner früheren Größe wiederhergestellt. Verantwortlich dafür sind die Schweden und auch das diplomatische Geschick des Conrad Varnbühler, der später Hemmingen dafür erhält.
 
 
 

Bald folgen die nächsten Kriege: Ludwig XIV., der in Frankreich seit 1661 regiert, überzieht im Pfälzischen Erbfolgekrieg Süddeutschland mit schlimmen Zerstörungen. Das Heidelberger Schloss, Speyer, Worms, das Kloster Hirsau werden 1689 zerstört. Schließlich werden die Franzosen vor allem durch ein Heer unter Markgraf Ludwig von Baden-Baden zum Halten gebracht. Der Friede von Rijswijk (1697), mit dem der Pfälzische Erbfolgekrieg endet, steht für einige Länder am Beginn einer längeren Friedenszeit in Südwestdeutschland.

(Nicht allerdings kam eine Friedenszeit für die Markgrafschaft von Baden, auf derem Boden bald ein besonders grausamer neuer Krieg ausgetragen wurde: Der Spanische Erbfolgekrieg Anfang des 18. Jhdts.)

18. Jhdt.: Absolutismus; Barock; Pietismus
(siehe auch Zeittafel: 18. Jahrhundert)
 
1701 - 1714: Spanischer Erbfolgekrieg, in dem Frankreich unter Ludwig XIV. für Frankreich die Spanische Thronfolge durchsetzen wollte auch gegen die Proteste der Habsburger, der Engländer und einiger Mächte des Deutschen Reiches

1713: Im Friedensschluss von Rastatt (und Baden im Aargau) endet der Spanische Erbfolgekrieg mit einer weitgehenden Niederlage Frankreichs gegenüber der Koaltion einiger Mächte des Reiches (zu der auch die Markgrafschaft Baden gehörte) und Englands

1704: Herzog Eberhard Ludwig gründet Ludwigsburg:
         Beginn des Schlossbaus und der Stadt Ludwigsburg
1718: Ludwigsburg erhält Stadtrechte
1724 - 1733: Ludwigsburg wird Residenz Wirtembergs
 
 

Bengel[Bild (Marke BRD, 1987): Portrait Johann Albrecht Bengel, Theologe des Pietismus, 1687 - 1752]
 
 
 

1733 - 1737: Karl Alexander Herzog von Wirtemberg
         Konflikt mit den Landständen; Süß-Oppenheimer
 
 

1737 - 1793: Karl Eugen Herzog von Wirtemberg
          1746: Karl Eugen mündig
1763 - 1767: Karl Eugen läßt Schloss Solitude erbauen
1765 - 1775: Karl Eugen verlegt die Residenz von Stuttgart
          nach Ludwigsburg
1770: Erbvergleich Karl Eugens mit der Landschaft;
          Schuldbekenntnis Karl Eugens
1770 - 1794: Karlsschule gegründet, zunächst auf der
          Solitude, dann in Stuttgart (Hochschule seit 1781)
 
1789: Französische Revolution

1793 - 1795: Ludwig Eugen Herzog von Wirtemberg
1793 - 1803: Beteiligung Wirtembergs an den 
         Koalitionskriegen gegen Frankreich
1793: Besetzung Mömpelgards durch Frankreich

1795 - 1797: Friedrich Eugen Herzog von Wirtemberg
1796: Linksrheinische Besitzungen Wirtembergs an 
         Frankreich

1797 -1815: Friedrich II. Herzog von Wirtemberg 
         (1802 Kurfürst; 1806 König)

Die absolutistischen Fürsten im Südwesten beginnen seit der Jahrhundertwende neue Schlösser zu bauen. Vorbild ist dabei Versailles. Abgesetzt von den engen (und zum Teil zerstörten) Residenzen baut man neue Residenzen in weiträumigen Ebenen. Von Baden-Baden zieht man in das neue Schloss nach Rastatt, von Heidelberg nach Mannheim, von Durlach nach Karlsruhe.

1693 - 1733 regiert in Wirtemberg Herzog Eberhard Ludwig. Er baut ab 1704 Schloss (und Stadt) Ludwigsburg, damit eines der größten Barockschlösser Deutschlands, und wählt Ludwigsburg statt Stuttgart zur Residenz. Barockes Bauen und barocke Prachtentfaltung gibt es sonst in Altwürttemberg nicht: Der barocke Kirchbau entfaltet sich vor allem in den Gebieten außerhalb Wirtembergs, besonders in Oberschwaben. Im evangelischen Wirtemberg herrscht derweil - neben dem Hofstaat in "Lumpenburg" und Stuttgart - der etwas strengere Pietismus. (J.A. Bengel ist ein bedeutender Theologe dieser Zeit.)

1733 - 1737 regiert Herzog Karl Alexander. Seinen großen Geldbedarf sollte vor allem sein "Finanzminister" Süß-Oppenheimer befriedigen. Noch am Tag, als Karl Alexander stirbt, wird Süß-Oppenheimer verhaftet und später in einem dubiosen Prozess zu grausamem Tod verurteilt.

1737 - 1793 regiert Herzog Karl Eugen in Wirtemberg (zunächst noch unmündig, ab 1744 mündig). Er ist katholisch, erzogen am Hofe Friedrichs II. in Potsdam. Bis etwa 1770 ist er ein überwiegend tyrannischer absolutistischer Herrscher (Opponenten werden ins Gefängnis verbracht, wie J.J. Moser auf den Hohentwiel und Schubart auf den Hohenasperg). Er ist auch ein großer Bauherr (Schloß Solitude, Neues Schloss in Stuttgart, Schloss Hohenheim).  Nach 1770, vermutlich auch unter dem Einfluss der Franziska von Hohenheim, ist Karl Eugen auch ein fürsorglicher Landesvater. Eines seiner Lieblingsprojekte ist die Gründung der Hohen Karlsschule zur Bildung von militärischem u.a. Nachwuchs. Friedrich Schiller ist einer ihrer prominentesten Schüler. Schiller hat unter dem Herzog gelitten, und der Kampf gegen die absolutistischen Herrscher spielt in vielen Werken Schillers eine große Rolle. Von Schiller stammt aber auch ein Wort nach dem Begräbnis von Herzog Karl Eugen:  "Ein großer Mann, auch noch im Irrtum groß."

Nach Karl Eugen regieren jeweils nur 2 Jahre Herzog Ludwig Eugen und Herzog Friedrich Eugen. In dieser Zeit werden die ersten Folgen der Französichen Revolution in Wirtemberg spürbar: 1793 annektiert Frankreich die linksrheinischen Gebiete Wirtembergs, vor allem Mömpelgard
Die stärksten territorialen Veränderungen folgen dann durch Napoleon unter Herzog Friedrich II., der 1806 König von Württemberg wird. 

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Übersicht
Geschichte Württembergs 1: Grafschaft Wirtemberg (1092 - 1495)
Geschichte Württembergs 2: Herzogtum Wirtemberg (1495 - 1805)
Geschichte Württembergs 3: Königreich Württemberg (1806 - 1918)
Geschichte Württembergs 4: Republik Württemberg (1918 - 1945)
Baden + Württemberg von 1945 bis zum Südweststaat 1952
Baden - Württemberg von 1952 - 2002

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© Manfred Ebener / E-Mail- Kontakt: m.ebener@z.zgs.de / Lexikon Geschichte Baden-Württ.: Württemberg  2: Herzogtum W. / letzte Änderung: 4.4.2016

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