Manfred
Ebener:
Lexikon
Geschichte Baden+Württemberg:
Das Mittelalter: Zeittafel und
Überblick zur
Politischen Geschichte
und zur Kulturgeschichte
in Deutschland, mit Schwerpunkt Südwestdeutschland|
Zeittafeln mit Grund-Daten
zur Politischen Geschichte in "Deutschland", bes. Südwestdeutschland, im
Mittelalter
[Bild (Marke Polen 2000): 1000. Jahrestag des Treffens zwischen Kaiser Otto III. und Boleslaw Chrobry in Gnesen; Gründung des Erzbistums Gnesen durch Otto III, damit 1000 Jahre katholische Kirche in Polen. Abgebildet ist die Huldigung an Kaiser Otto (rechts im Bild)] |
Überblick zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte in Deutschland,
besonders. Südwestdeutschland, im Mittelalter
[Bild (Marke Liechtenstein, 1963): Ritter, Dichter und Minnesänger Hartmann von Aue, + um 1220; Bild aus der Manessischen Liederhandschrift von etwa 1300; Darstellung des Ritters mit Rüstung, Fahne und Schild mit Wappen, Helmzier u.a.] |
| Übersicht über die Zeittafeln zu Grunddaten der Geschichte des Mittelalters (mit Links): | Übersicht über
die Kurzartikel zur Sozial- und Kulturgeschichte des
Mittelalters (mit Links):
Vorbemerkungen: Gliederung der Epoche Mittelalter |
| ca.500
- 1000 n.Chr.:
Frühes
Mittelalter: Politische Grunddaten;
- Daten zur Geschichte "Deutschlands" und Europas im Frühen MA - Daten zu Südwestdeutschland im Frühen Mittelalter |
500 - 1000 n.Chr.:
Frühes
Mittelalter: Sozial-/Kulturgeschichte
[Bevölkerung und Siedlungen / Gesellschaftsstruktur / Bauern und Landwirtschaft / Wirtschaft und Handel / Christianisierung / Bildung und Schule / Baukunst und Bildende Kunst / Prominente aus SWD im Frühen Mittelalter] |
| ca.
1000 - 1250 n.Chr.: Hochmittelalter:
Grunddaten:
- Daten zur Geschichte "Deutschlands"
und Europas im Hoch-MA |
1000 - 1250 n.Chr:
Hochmittelalter:
Sozial-/Kulturgeschichte [Bevölkerungsexplosion / Veränderungen der Sozialstruktur / Baukunst: Kirchen, Burgen, Pfalzen, Städte / Kirche im Hochmittelalter: Päpste, Scholastik, Klöster / Bildung und Schulen / Bildende Kunst / Dichtung im Hochmittelalter] |
| ca.
1250 - 1500 n.Chr.: Spätmittelalter:
Grunddaten:
- Daten zur Geschichte
"Deutschlands" und Europas im Spät-MA |
1250 - 1500 n.Chr.:
Spätmittelalter:
Sozial-/Kulturgeschichte
[Herrschaftskrisen / Krise der Bevölkerungsentwicklung / Religiöses Krisenbewußtsein / Prosperierende Städte und Handel / Baukunst im Spätmittelalter / Bildende Kunst / Renaissance - Humanismus: ein neues Verständnis des Menschen und der Welt / Bildung und Schulen, Universitätsgründungen] |
| Literaturhinweise zum Mittelalter | Literaturhinweise zum Mittelalter in Südwestdeutschland |
| Vorbemerkungen: Anfang
und Ende der Epoche Mittelalter Als "Mittelalter" werden meist die 1000 Jahre zwischen 500 n.Chr. und 1500 n.Chr. bezeichnet. Dabei werden die Grenzen der Epoche des Mittelalters, ihr Anfang und Ende, und auch die Binnengliederung der 1000 Jahre, sehr unterschiedlich gesehen. Beginn des Mittelalters - Ende des Altertums Als frühere oder spätere Daten für den Beginn des
Mittelalters werden vorgeschlagen (nach religiösen oder politischen Kriterien):: Ende des Mittelalters - Beginn der (Frühen) Neuzeit: Wann endet das Mittelalter, und wann beginnt die "Neuere Zeit"? Auch hier lässt sich kaum ein einziges Datum nennen, schon weil das Mittelalter kein monolithisches, undifferenziertes Zeitalter war. Auch aus Gründen der Übersichtlichkeit und wegen der Spezialisierung der historischen Forschungen und Professuren an den Universitäten (Lehrstühle für Mittelalterliche Geschichte!) lässt man das Mittelalter meist um 1500 enden. Als Daten für das Ende des Mittelalters und
für den Beginn einer Neuen Zeit werden angeboten: "Erfindung" des Mittelalters und Bewertungen Dabei ist das Mittelalter als Epoche eine polemische "Erfindung" der Humanisten im 16. Jahrhundert, ausformuliert von Christoph Cellerarius aus Halle (+ 1707). Lange Zeit war diese Epoche vor allem als finsteres Mittelalter gesehen, als Zeit der Unvernunft. Erst bei den Romantikern veränderte sich die Bewertung des Mittelalters. Und im 19. Jahrhundert wurden vor allem die glanzvollen Herrscher des Mittelalters als Schöpfer der Deutschen Nation erinnert. Dabei ist das Mittelalter sehr viel differenzierter zu sehen. Nicht vergessen werden sollte, dass das "Mittelalter" ein ganz eurozentrisch, sogar weitgehend auf Deutschland begrenzte Konzeption ist (und z.B. kaum auf die riesigen Chinesischen Reiche anwendbar ist). |
Vorbemerkungen: Die Gliederung der
Epoche Mittelalter Binnengliederung des Mittelalters: Für die innere Periodisierung der Zeit des Mittelalters wurde häufig die Abfolge der königlichen Dynastien verwendet: Das ergab eine Gliederung nach - Herrschaft der Merowinger und Franken
(Könige und Kaiser von 500 - 919, von Chlodwig, Karl d. Großen bis Ludwig dem
Kind) Heute wird meist die eher schematische und didaktisch griffige Einteilung verwendet in - Frühmittelalter (ca 500 - 1000 n.Chr.,
die Entwicklung und Konsolidierung eines neuen Reiches als Synthese von Antike,
Christentum, Germanen und Slawen); Zum Begriff "Deutschen Reich"
und "Geschichte in Deutschland" im
Mittelalter: Erst nach 1442 (bzw. 1486) kommt der Begriff "Deutsche Nation" in einem Reichsgesetz vor. 1512 heißt es im Kölner Reichsabschied "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" . Wenn man also im Mittelalter vom "Deutschen Reich" oder "Geschichte in Deutschland" spricht kann es nur bedeuten: Geschichte im Gebiet des späteren Deutschen Reiches. Aufbau der folgenden Zeittafel: In der linken Spalte sind einige Grunddaten zur Politischen Geschichte im Mittelalter zusammengestellt, die rechte Spalte enthält einen Überblick zur Sozial- und Kulturgeschichte im Mittelalter. |
Zeittafel mit Daten zur Politischen Geschichte im Mittelalter in "Deutschland", mit Schwerpunkt Südwestdeutschland Grunddaten, Politische Ereignisse und herrschende Personen im Raum Südwestdeutschlands [im Kontext weiterer wichtiger Daten zur Deutschen und Europäischen Geschichte] |
Überblick zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte im Mittelalter in "Deutschland", bes. in Südwestdeutschland Bevölkerungsentwicklung; Sozialgeschichte; Wirtschaft; Religion; Bildung, Schule, Universität; Renaissance und Humanismus; Bildende Kunst; Baukunst; Literatur; - in Deutschland und besonders in Südwestdeutschland |
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ca.500 - 1000 n.Chr.: Frühes Mittelalter: Politische Grunddaten
450: Um 450 entsteht im Südwesten ein Herzogtum der Alemannen. (Die Alamannen wandern im 3. Jahrhundert von der Elbe her ein, sie überwinden 260 den römischen Limes und besiedeln seitdem den ganzen Südwesten.) 496: Die Franken
(unter dem Merowinger Chlodwig) besiegen bei
Tolbiacum
Mit der Schlacht bei Zülpich war die Vorherrschaft der Franken über die Alemannen besiegelt. Für einige Jahre sicherte der Westgotenkönig Theoderich dem südlichen Teil Alemanniens (südlich von Asperg und Glems) noch eine Unabhängigkeit vom Frankenreich.
520: Gründung eines
Frauenklosters in Säckingen; erste
724: Gründung
des Klosters
Reichenau durch Pirmin
(hinter der Klostergründung stand das Interesse des Franken Karl Martell,
der das Kloster als fränkischen Stützpunkt in Alemannien plante)
839: Bodman
am Bodensee Kaiserpfalz 917: Burkhart I. wird von den Adligen in Schwaben zum Herzog gewählt, auch weil sie sich von den ostfränkischen Königen nicht genügend vor den Überfällen der Ungarn geschützt sahen. Burkhard I. wird erster Herzog von Schwaben (917 - 926). 919 unterwirft er sich dem neu gewählten Sachsenkönig Heinrich I. und erhält dann auch von ihm die königliche Legitimation.
[Karte III-2(Schwaben): Karte des Herzogtums Schwaben von 917 - 1268] [Vergrößerung der Karte durch Anklicken] 955: Hadwig Herzogin von Schwaben (955 - 994) |
500 - 1000 n.Chr.: Frühes Mittelalter: Sozial-/Kulturgeschichte Bevölkerung und
Siedlungen im Frühen MA: Gesellschaftsstruktur:
Zur Situation der
Bauern
und der Landwirtschaft: In der Landwirtschaft
wurde vermutlich ab 800 die Dreifelderwirtschaft eingeführt, der Räderpflug
mit Pflugschar ersetzte den Hakenpflug; vereinzelt wurden auch schon die
Wassermühlen verwendet.
Wirtschaft und Handel:
Geldwirtschaft spielt erst seit der Karolingerzeit eine größere Rolle. Zwar gab es schon zur Zeit der Merowinger Goldmünzen die vor allem die Reichen für den Fernhandel mit Luxusgütern verwendeten; aber für den Kauf der alltäglichen Güter waren sie nicht geeignet. Wichtig für die weitere Verbreitung des Geldes war die karolingische Münzreform mit der Einführung der Silberwährung (Denare).
Christianisierung der Alamannen:
[Bild (Marke BRD, 2008): Klosterinsel Reichenau; Details von Buchmalereien und Wandmalereien der Reichenau] 730 (ca) Kloster Mosbach
gegründet
724: Gründung des Klosters Reichenau durch Pirmin (hinter der Klostergründung stand das Interesse des Franken Karl Martell, der das Kloster als fränkischen Stützpunkt in Alemannien plante) 764: Benediktinerkloster
Ellwangen
gegründet
800 ca: Einführung der Benediktinischen
Klosterregel als verbindlich für alle Klöster unter Karl d. Gr. Bildung und Schule - Im Frühen Mittelalter herrschte zunächst die germanische Wissenskultur der Mündlichkeit. Schriftlichkeit im Bereich der Verwaltung und des Rechts und auch der Kirche entwickelte sich erst langsam über einzelne Erben der römischen Aristokratie die im Dienst der Franken standen. - Eine breitere auch schriftliche Bildung entwickelte sich dann über die Klosterschulen vor allem für die Mönche und Geistlichen. Dabei standen die lateinische Sprache und Kultur und die kirchlichen Texte im Mittelpunkt. - Bei Karl d. Gr. spielt der Aufbau einer Hofschule eine wichtige Rolle. Auch gibt es bei ihm die Empfehlung, dass im ganzen Reich Schulen nicht nur für Weltgeistliche und Mönche zugänglich sein sollten. Sehr viel Wirkungen hatte diese Empfehlung aber wohl kaum. Baukunst und Bildende Kunst im Frühen MA: Bei den Bauten stammen viele der romanischen Kirchen- und Klosterbauten aus der Zeit des Frühen Mittelalters, so z.B. - der Aachener Dom (s. in der linken Spalte bei Karl d. Gr.)
Prominente aus Südwestdeutschland im Frühen MA: 809 - 849: Walahafried Strabo, Theologe und Dichter, seit 838 Abt des Klosters Reichenau (bekannt geworden ist sein Gedicht Hortulus, ein Lehrgedicht über die Heilkräuter seines Klostergartens)
[Bild (Marke BRD, 1994): Sankt Wolfgang, mit Kirchenmodell] 949 - 995: Heiliger Gebhard, Bischof von Konstanz (*,+ Konstanz)
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ca. 1000 - 1250 n.Chr.: Hochmittelalter: Politische Grunddaten
Daten zu Südwestdeutschland im Hochmittelalter (1000-1250): 11. Jahrhundert (1000 - 1099): 1015 - 1030: Ernst II., Herzog von Schwaben 1061: Berthold I., Graf im Breisgau, erhält den Titel "Markgraf von Verona" 1079: Friedrich I. von Hohenstaufen (Stammvater der Staufer) von Kaiser Heinrich IV. zum Herzog von Schwaben ernannt (Regierungszeit: 1079 - 1105) 1092: Konrad von Wirtemberg erstmals urkundlich genannt (erste Erwähnung des Hauses Wirtemberg) 1098: Herzog Berthold II. verzichtet auf das Herzogtum Schwaben zugunsten der Staufer, behält aber den Herzogtitel 12. Jahrhundert (1100 - 1199): 1120:
Freiburg
gegründet von den Zähringern
13. Jahrhundert (1200 - 1268):
1215
- 1250: Kaiser Friedrich II. 1250 - 1254: König
Konrad
IV. letzter Staufer-König;
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1000 - 1250 n.Chr: Hochmittelalter: Sozial-/Kulturgeschichte Bevölkerungsexplosion im Hochmittelalter Das Hochmittelalter ist bestimmt vom mittelalterlichen Wärmeoptimum (s. dazu den Artikel über Klima und Geschichte). Seit dem 11. Jahrhundert verändert sich das Klima; eine Folge davon war die Entwicklung einer florierenden Landwirtschaft und ein fast explosives Bevölkerungswachstum. Zur Ernährung der Bevölkerung war die Erschließung neuer landwirtschaftlich nutzbarer Flächen und die Errichtung neuer Siedlungen nötig. So werden jetzt im Südwesten auch die Höhen des Schwarzwaldes gerodet und besiedelt, wie auch die Höhen der Keuperberge.
Der große Bevölkerungsdruck im
Hochmittelalter hatte noch weitere Folgen:
Veränderungen in der Sozialstruktur - Für die neuen Siedlungen wurden z.T. Bauern angeworben denen für ihre Rodungsarbeit Privilegien zugesagt wurden. So entstand in manchen Siedlungen eine Gruppe freier Bauern mit eigenen kleinen Landbesitz. - Im Hochmittelalter entwickeln sie die Ministerialen zu einer immer bedeutender werdenden Gruppe. Es sind Dienstmannen, die vom Adel als Gutsverwalter, Burgverwalter, Reiterkrieger u.ä. angestellt werden. Oft handelt es sich um ehemals unfreie Bauern die zum Ministerialen aufsteigen konnten. Die Stellung der Ministerialen wurde im Reich immer mächtiger, im Laufe der Zeit bilden sie sogar den Niederen Adel oder verschmelzen (etwa durch Heiraten) mit dem Alten Adel. Manche Ministerialen konnten bald auch eigene Burgen bauen. - Mit der Entwicklung der Städte, die im Hoch- und Spätmittelalter einen Höhepunkt hat, entsteht als neuer "Stand" der Stadt- Bürger. Auch wenn die Sozialstruktur innerhalb der Städte sehr differenziert betrachtet werden muss: der Bürger ist für Deutschland eine neue soziale Gruppe, sei er ein Ackerbürger, oder ein Fernhandels-Kaufmann, oder ein Handwerker, oder ein Händler. - Eine wichtige Entwicklung ist das Rittertum: Entstanden aus adligen Reiterkriegern, und aus Ministerialien die im Auftrag zu Pferd in den Kampf zogen, verstärkt durch die Kreuzzüge, verstanden sich die Ritter als eigene Gruppe mit eigenen Initiationsriten (Schwertleite, Ritterschlag), eigenen Verhaltensweisen (Ritterlichkeit auch gegenüber den Frauen) und eigener Kultur (Minnesang, Ritterromane). Baukunst im Hochmittelalter: Kirchen, Burgen, Pfalzen, Städte
[Bild (Marke BRD, 1961): 900 Jahre Weihe des Kaiserdoms zu Speyer (1061); Bild des Kaiserdoms]
Die steinernen Burgen werden im Deutschen
Reich erst im Hochmittelalter gebaut. Vorher gab es als Verteidigungsanlagen
(z.B. gegen die Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert) oder Fluchtburgen nur
aufgeschüttete Ringwälle oder hölzerne Befestigungen. Zuerst wurden Grenzburgen
errichtet, z.B. an der Elbe (wie in Tangermünde). Dann wurden Königsburgen
gebaut, meist als Höhenburgen: Wohnburgen, Burgen zur Verteidigung, dann Burgen
als Symbole der Herrschaft. Bald bauten auch die Territorialherren ihre Burgen,
dann die Adligen, schließlich auch mächtige Ministeriale. In der Stauferzeit
wurden die Burgen meist mit den mächtigen Buckelquadern erricht.
[Bilder (Foto Ebener): Burg Lichtenberg bei Oberstenfeld, am Rand der Weinberge des Bottwartals] Weitere Großbauten des Hochmittelalters sind die Pfalzen, Kaiserpfalzen und Königspfalzen. Sie werden benötigt als Aufenthaltsorte für die reisenden Herrscher und ihren Hofstaat, die ja keine feste Residenz hatten. In den Pfalzen wurden auch die Hoftage abgehalten. Besonders großartige ist etwa die Kaiserpfalz in Gelnhausen, die Friedrich Barbarossa bauen ließ, und Kaiserpfalz in Wimpfen. Im Hochmittelalter muss das Land eine einzige große Baustelle gewesen sein und die Bauleute hatten wohl einen krisenfesten Beruf. Man schätzt dass für den Bau einer einzigen Burg etwa 5 - 10 Jahre Bauzeit nötig waren, bei 80 - 100 Baumeistern und Bauarbeitern. Bei mehreren Tausend Burgen im Südwesten ergibt das eine Menge Baustellen. Und zur gleichen Zeit wurden auch Pfalzen gebaut, dazu noch die großen Kirchen, und neue große Klosteranlagen. Und dann entstanden in dieser Zeit auch die meisten Städte, in denen auch immer mehr Häuser aus Stein gebaut wurden, und Markthallen und Rathäuser und Stadtmauern. [Zur Entstehung der Städte und dem Städteboom im Hochmittelalter s. den Artikel "Stadtgeschichte" im Lexikon] Kirche im Hochmittelalter: Päpste, Scholastik, Klöster Päpste Im Hochmittelalter wurden von der katholischen Kirche viele der Dogmen verkündet und durchgesetzt die auch heute noch Gültigkeit haben. Vor allem wurde die absolute Herrschaft des Papstes verkündet und durchgesetzt, z.T. auch über Könige und Kaiser. Der "Investiturstreit" ab 1075 ist dafür das bekannteste Beispiel.
Der brutale Kampf gegen die "Häretiker" (z.B.
die Albigenser in Südfrankreich oder die Waldenser in Italien) sollte die
Reinheit der Kirche sichern; ebenso die Einführung der Inquisition, die
Papst Gregor IX. 1232 dem Dominikanerorden übertrug. Und auch die von den
Päpsten angeregten Kreuzzüge richteten sich nicht nur gegen die Moslems,
sondern gelegentlich auch gegen deutsche Bauern, z.B. beim Kampf gegen die Stedinger Bauern 1234. [Bild (Marke BRD, 1980): Portrait von Albertus Magnus , Dominikaner, Kirchenlehrer; 1193 in Lauingen /bayerisch Schwaben geboren, gestorben 1280] Klöster 1049: Kloster Hirsau
(1049 erneuert; unter Abt Wilhelm, seit 1069, wird Hirsau zum cluniazensischen
Reformkloster. Hirsau und die mit ihm verbundenen Reformklöster stehen
im Investiturstreit eindeutig auf Seiten des Papstes gegen den Kaiser)
Eine neue Ordensbewegung erfasste im 13. Jahrhundert auch Südwestdeutschland: die sogenannten Bettelorden. Es sind vor allem die Franziskaner, die sich auf Franz von Assisi zurückführen (1181/82 - 1226 in Italien); die Dominikaner (genannt nach Dominikus Guzman, der 1170 - 1221 in Spanien gelebt hat), die Augustiner-Eremiten und die Karmeliter. (Weitere Klostergründungen und die Gründung der neuen Mönchsorden s. im Artikel Klöster in Südwestdeutschland) Bildung und Schulen im Hochmittelalter Auch im Hochmittelalter war die
literarische Bildung meist auf den kirchlichen Bereich, auf die Mönche und
Geistlichen beschränkt. In den Klosterschulen (z.B. im Kloster
Reichenau) und später an den Domschulen konnte man Lesen und
Schreiben lernen (allerdings nur in Latein und mit biblischen Texten).
Fortgeschrittene konnten dann dort (oder in der Artistenfakultät der
Universitäten) die "7 freien Künste" lernen, deren Beherrschung
später Voraussetzung für ein Studium an einer Universität war: Das "Trivium"
der Grammatik, Rhetorik und Dialektik und das "Quadrivium" von Aarithmethik,
Geometrie, Astronomie, Musik. Und auch der Adel und die Ritter hatten in der Regel keinerlei
literarische Bildung - und sie wollten sie auch nicht. Das
Erziehungsprogramm der Ritter umfasste Reiten, Kämpfen, ritterliches
Verhalten u.ä.; Lesen und Schreiben galt als pfäffiges Tun, das unter ihrer
Würde war. Mit dem Aufkommen der Städte im
Hochmittelalter gab es neue Schulen für die Bürger der Städte. Vor
allem der Handel der Kaufleute, die zunehmende Geldwirtschaft und die
Selbstverwaltung der Städte wurden Grundqualifikationen für alle Bürger
benötigt. Darum gründeten viele Städte eigene Schulen, die allerdings auch
meist noch als "Lateinschulen" firmierten.
[Bild (Marke BRD, 1996): Buchmalerei aus dem Perikopenbuch Kaiser Heinrich II., entstanden um 1010 auf der Reichenau in der Reichenauer Malschule; Bild: Anbetung der Könige] 1190: Miniaturen der Schocken-
Bibel in Konstanz gemalt
[Zur Malerei und Plastik im Hochmittelalter s. den Artikel im Lexikon Kunstgeschichte 1: Von der Steinzeit bis zum Mittelalter] Dichtung im Hochmittelalter
Hartmann von Aue, einer der großen Epiker der Stauferzeit (neben Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg). - * um 1165 in Au im Breisgau (oder in Obernau bei Rottenburg), + um 1220. - Von Hartmann von Aue stammt u.a. "Erec" (das erste mittelhochdeutsche Epos um König Artus) und "Der arme Heinrich". [Bild (Marke Liechtenstein, 1963): Minnesänger Hartmann von Aue, aus der Manessischen Liederhandschrift] |
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ca. 1250 - 1500 n.Chr.: Spätmittelalter: Politische Grunddaten
Daten zu Südwestdeutschland im Hochmittelalter (1250-1500): 13. Jahrhundert, 2. Hälfte (1250 - 1299): 1265 - 1325: Eberhard
I. (der Erlauchte) Graf von Wirtemberg
14. Jahrhundert (1300 - 1399): 1321: Unter Graf Eberhard
I. Verlegung der Grablege Wirtembergs von Beutelsbach nach Stuttgart;
Stuttgart
Hauptstadt Wirtembergs 1353 - 1390: Ruprecht
I. Kurfürst der Pfalz [Bild (Marke BRD, 1986):
600 Jahre Universität Heidelberg; Gebäude der "Alten Universität"
von 1712] 15. Jahrhundert (1400 - 1499): 1409 - 1793: Grafschaft
Mömpelgard
zu Wirtemberg
1427: Jüngerer Schwäbischer Städtebund 1442: Nürtinger Vertrag, Teilung Wirtembergs 1457: Erster wirtembergischer
Landtag
in Leonberg; Bedeutung der Landstände
1475 - 1515: Christoph
I. Markgraf von Baden
1482: Münsinger
Vertrag zur Wiedervereinigung Wirtembergs
1493: Beginn der Bauernaufstände
des Bundschuh am Oberrhein
1498: Nach der Absetzung
des kranken Herzogs Eberhard II. durch die Landstände Regentschaft
der Landstände; Einsetzung des noch unmündigen Herzogs
Ulrich
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1250 - 1500 n.Chr.: Spätmittelalter: Sozial-/Kulturgeschichte Das Spätmittelalter ist eine sehr widersprüchlich schillernde Epoche, die unterschiedlich wahrgenommen wird: einerseits als Zeit der großartigen Kunstwerke in der gotischen Kunst und Baukunst; dann als Zeit der prosperierenden Städte und des Handels; manchmal auch als "moderne" Zeit, in der schon die Weichen für die Neuzeit gestellt werden. (darum rechnen manche Historiker die Zeit von 1250 bis 1500 schon zur Frühen Neuzeit). Meist wird das Spätmittelalter
aber vor allem als Krisenzeit gesehen, als eine Zeit besonders dramatischer
Krisen in vielen Bereichen:
Krisen gab es im Spätmittelalter
als Herrschaftskrisen: Da ist einmal die Krise des Reichs nach 1254,
im "Interregnum", wo es nach dem Ende der Staufer keine starke Königsmacht
mehr gab. Diese Krise nützten die Territorialherren um ihr Gebiet
und ihre Macht zu vergrößern. Auch Wirtemberg profitierte von
dieser Krise.
Krise der Bevölkerungsentwicklung: Besonders dramatisch ist
im Spätmittelalter die Krise der Bevölkerungsentwicklung
und
die Krise der Landwirtschaft: Während zur Zeit des Hochmittelalters
die Bevölkerung enorm zunahm beginnt etwa seit 1300 ein starker Bevölkerungsrückgang.
Gründe dafür waren einmal viele Mißernten und Hungersnöte
seit Anfang des 14. Jahrhunderts (die wohl auch mit einer Klimaänderung
in Richtung auf die "kleine Eiszeit" zusammenhingen), und dann vor allem
die schrecklichen Pestepedemien seit 1348, durch die etwa ein Viertel
der Bevölkerung starben.
Religiöses Krisenbewußtsein: Das Krisenbewußtsein
der Bevölkerung zeigt sich vor allem im religiösen Bereich:
Andrerseits wächst die Kritik an der katholischen Kirche, vor allem an deren Verweltlichung und an der Spaltung im großen Abendländischen Schisma: Seit es 1378 zwei konkurrierende Päpste gibt geht die Spaltung der Anhänger und Gegner der verschiedenen Päpste durch die Mönchsorden und die Kleriker und die Parochien mitten hindurch und verunsichert die Gläubigen. Schließlich ist das Spätmittelalter eine Zeit der Krise der persönlichen Heilsgewißheit, eine Epoche der Angst: Angst vor den Strafen Gottes, vor neuer Pest, die Angst vor den Höllenqualen und die Bemühungen die eigene Seele zu retten (durch Ablass, Wallfahrten, durch Selbstkasteiung wie in den Geißlerzüge, durch die Verfolgung von "Sündenböcken" wie Juden oder Hexen). Prosperierende Städte und Handel: Ein anderes Gesicht des Spätmittelalters
zeigt sich in den Städten auch in Südwestdeutschland:
Dass die Macht der Städte nicht unbegrenzt wachsen konnte wurde im Dauerstreit mit den Territorialherren deutlich: In der Schlacht bei Döffingen (1388) werden die Städte des schwäbischen Städtebundes von Graf Eberhard II. (dem Greiner) von Wirtemberg geschlagen. Zum Handel: 1356 wurde von Städten in Nord- und Westdeutschland die berühmte Städtehanse gegründet. Von den Städten im Südwestdeutschland gehörte keine zur Hanse. Aber der Zusammenschluss in der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft (gegründet 1380, bestehend bis 1530) zeigt etwas vom florierenden Handel und vom Reichtum der Städte.auch in Südwestdeutschland. Baukunst im Spätmittelalter: Das Spätmittelalter
ist die Zeit der großen gotischen Kirchenbauten.
Auch in Südwestdeutschland
waren viele Städte über Jahrhunderte eine große Kirchenbaustelle.
Wichtige Baumeister (soweit
sie namentlich bekannt sind) waren dabei
Bildende Kunst im Spätmittelalter: In der Bildenden Kunst war die Zeit des Spätmittelalters eine Hoch-Zeit gotischer Malerei und Plastik auch in Südwestdeutschland. (Sie ist auf einer extra Seite zur Kunstgeschichte im Lexikon etwas ausführlicher dargestellt).
[Bild (Marke Berlin, 1970): Buchmalere iaus der Weingarter Liederhandschrift von 1310: Minnesänger Meinloh von Sevelingen.] Zur Zeit der Hochgotik (ab 1350) dominieren dann die großen Tafelbilder von Stefan Lochner, Konrad Witz, Lukas Moser und Hans Multscher. In der Zeit der Spätgotik (ab 1450) war dann die Reichsstadt Ulm wichtigstes Zentrum spätgotischer Kunst. Zur "Ulmer Schule" werden Gregor und Michael Erhart gerechnet, Bartholomäus Zeitblom, Jörg Syrlin d.Ä.., Adolf Daucher, Martin Schaffner u.a. Nicht vergessen darf der in Horb geborene Veit Stoß der seine Hauptwerke in Krakau und Nürnberg schuf. Renaissance- Humanismus: ein neues Verständnis
des Menschen und der Welt
Anders der (später so genannte) Humanismus als neues, an der Antike geschultes Bildungskonzept des menschlichen individuellen Lebens und der Welt: Der Humanismus breitete sich bald auch in Deutschland, auch in Südwestdeutschland aus. Gelegentlich wurde diese Bewegung in Nordeuropa auch von den Kaisern befördert: Kaiser Karl IV. kam durch einen längeren Aufenthalt Petrarcas um 1370 am Hof in Prag mit humanistischen Gedanken in Berührung, und Kaiser Maximilian I. war um 1490 ein besonderer Förderer des Humanismus.
Wichtige Humanisten in Südwestdeutschland im
15. Jahrhundert waren Mehr im
16. Jahrhundert wirkten dann Bildung und Schulen im Spätmittelalter, Universitätsgründungen: Auch im Spätmittelalter gab es, wie im
Hochmittelalter, eine große Zahl von Schulen für die Bildung der Mönche
und Priester, aber auch der Kaufleute, der Händler und der Handwerker:
Klosterschulen, Domschulen, vor allem immer mehr städtische Schulen und auch
"Deutsche Schulen". Schätzungen für das Gebiet des späteren Deutschen Reiches
gehen davon aus dass am Ende des Spätmittelalters etwa 5 - 10 % der Bevölkerung
lesen konnte (die Zahl derer die nicht nur lesen, sondern auch lateinisch oder
deutsch schreiben konnte war wohl sehr viel kleiner). Universitäten wurden in Deutschland erst viel später gegründet als etwa in Italien und in Paris. Nachdem in Prag 1348 die erste Universität im Deutschen Reich gegründet war gab es in den Ländern Südwestdeutschlands gleich 3 Universitäsgründungen (durch die auch der Humanismus Eingang in Südwestdeutschland fand): 1386: Universität Heidelberg wird als Universität für die Kurpfalz gegründet (Kurfürst Ruprecht I.)
1477: Universität Tübingen wird gegründet damals noch im Teil-Reich Wirtemberg-Urach (Graf Eberhard V., Eberhard im Bart, angeregt durch seine Mutter Mechthild von der Pfalz) [Bild (Marke BRD, 1977): Gründung der Universität Tübingen 1477; Großes Siegel der Universität, mit Wappen] |
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Literaturhinweise
zum gesamten Mittelalter von 500 - 1500:
Peter
Hilsch: Das Mittelalter - die Epoche. Johannes Fried: Das Mittelalter. Kultur und Geschichte. Wilfried Hartmann
(Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung |
.Literaturhinweise
zum Mittelalter in Südwestdeutschland: Karl Weller/Arnold Weller: Württembergische Geschichte im südwestdeutschen Raum. Theiss-Verlag, 10. Auflage 1989 Willi A. Boelcke: Handbuch Baden-Württemberg. Politik, Wirtschaft, Kultur von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Kohlhammer-Verlag 1982 |
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| Übersicht über die anderen Epochen in anderen Artikeln des Lexikons (mit Links): |
Übersicht
über die anderen Epochen in anderen Artikeln des Lexikons (mit Links):
Daten zur
Urgeschichte, Vor- und Frühgeschichte:
Geschichtsdaten
zum Altertum (800 v. Chr. bis 500 n.Chr.): Geschichtsdaten zum Mittelalter (500 n.Chr. - 1500 n.Chr.) Geschichtsdaten
zur Frühen Neuzeit (1500 - 1789 n.Chr.): Geschichtsdaten
Neuere Geschichte (1789 -
ca.2000): |
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