WappenManfred Ebener: Lexikon Geschichte Baden+Württemberg: Das Mittelalter: Zeittafel und Überblick zur Politischen Geschichte und zur Kulturgeschichte in Deutschland, mit Schwerpunkt Südwestdeutschland
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Zeittafel mit Grund-Daten zur Politischen Geschichte in "Deutschland", bes. Südwestdeutschland, im Mittelalter

Rudolf von HabsburgIn der linken Spalte sind in der Zeittafel einige Grunddaten zur Politischen Geschichte im Mittelalter zusammengestellt: Daten zu Politischen Ereignissen und herrschenden Personen in Deutschland, auch besonders im Raum Südwestdeutschlands, im Kontext weiterer wichtiger Daten zur Europäischen- und Welt- Geschichte.
Die
rechte Spalte enthält einen kurzen Überblick zu einigen Aspekten der Sozial- und Kulturgeschichte im Mittelalter.

[Bild (Marke Österreich, 1978): 700. Jahrestag der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen 1278. Bild: König Ottokar von Böhmen und König Rudolf von Habsburg in der Schlacht von Dürnkrut]


Übersicht über die Zeittafel zum Mittelalter (mit Links):

Vorbemerkungen I: Anfang und Ende der Epoche MA

-  Beginn des Mittelalters - Ende des Altertums
-  
Ende des Mittelalters - Beginn der (Frühen) Neuzeit:
- "Erfindung" des Mittelalters und Bewertungen

Frühes Mittelalter (ca. 450 - 1000/1050 n.Chr,):. Grunddaten;

- Ereignisse/Daten im 5. und 6. Jahrhundert  (450 - 599 n.Chr.)
- Ereignisse im 7. Jahrhundert  (600 - 699 n.Chr.)
-
Ereignisse im 8. Jahrhundert  (700 - 799 n.Chr.)
- Ereignisse im 9. Jahrhundert .(800 - 899 n.Chr.)
- Ereignisse im 10./11. Jahrhundert  (900 - 1050 n.Chr.)

Hochmittelalter (ca. 1000/1050 - 1250 n.Chr.): Grunddate:

- Ereignisse/Daten im 11. Jahrhundert  (1000 - 1099 n.Chr.)

- Ereignisse im 12. und 13. Jahrhundert  (1100 - 1250 n.Chr.)

Spätmittelalter (ca. 1250 - 1500 n.Chr.): Grunddaten:

- Ereignisse im 13. und 14. Jahrhundert  (1250 - 1399 n.Chr.)
-
 Ereignisse/Daten im 15. Jahrhundert  (1300 - 1499 n.Chr.)
 

Übersicht über die anderen Epochen in anderen Artikeln des Lexikons

Überblick zur Sozial- und Kulturgeschichte in Deutschland, bes. Südwestdeutschland, im Mittelalter

Einige Aspekte: Bevölkerungsentwicklung; Sozialgeschichte; Wirtschaft; Religion; Bildung, Schule, Universität; Renaissance und Humanismus; Bildende Kunst; Baukunst; Literatur;  - in Deutschland und besonders in Südwestdeutschland

[Bild (Marke Liechtenstein, 1963): Ritter, Dichter und Minnesänger Hartmann von Aue, + um 1220; Bild aus der Manessischen Liederhandschrift von etwa 1300; Darstellung des Ritters mit Rüstung, Fahne und Schild mit Wappen, Helmzier u.a.]
 

 


Übersicht über die Kurzartikel zur Sozial-,  Wirtschafts - und Kulturgeschichte des Mittelalters(mit Links):

Vorbemerkungen II.  Die Gliederung der Epoche MA

- Binnengliederung des Mittelalters

- Zum Begriff "Deutschland" im Mittelalter
 

Frühes Mittelalter (ca. 450 - 1050 n.Chr.): Sozial-/Kulturgeschichte

- Bevölkerung und Siedlungen / - Gesellschaftsstruktur /
- Bauern und Landwirtschaft / - Wirtschaft und Handel /
- Christianisierung / - Bildung und Schule /
- Baukunst /- Bildende Kunst /
- Prominente aus Südwestdeutschland im Frühen Mittelalter


Hochmittelalter (ca. 1000 - 1250 n.Chr.): Sozial-/ Kulturgeschichte:

- Bevölkerungsexplosion / - Veränderungen der Sozialstruktur /
- Baukunst: Kirchen, Burgen, Pfalzen, Städte /
- Kirche im Hochmittelalter: Päpste, Scholastik, Klöster /
- Bildung und Schulen / - Bildende Kunst / - Dichtung im Hochmittelalter

Spätmittelalter (ca. 1250 - 1500 n.Chr.): Sozial-/Kulturgeschichte

[Herrschaftskrisen / Krise der Bevölkerungsentwicklung / Religiöses Krisenbewußtsein / Prosperierende Städte und Handel / Baukunst im Spätmittelalter / Bildende Kunst / Renaissance - Humanismus: ein neues Verständnis des Menschen und der Welt / Bildung und Schulen, Universitätsgründungen]

Literaturhinweise zum Mittelalter

Vorbemerkungen I: Anfang und Ende der Epoche Mittelalter

Als "Mittelalter" werden meist die 1000 Jahre zwischen 500 n.Chr. und 1500 n.Chr. bezeichnet. Dabei werden die Grenzen der Epoche des Mittelalters, ihr Anfang und Ende, und auch die Binnengliederung der 1000 Jahre, sehr unterschiedlich gesehen.

Beginn des Mittelalters - Ende des Altertums

Wann beginnt das Mittelalter? Klar ist, dass in Westeuropa das Altertum mit dem Ende des west-römischen Weltreichs
endet und mit dem Aufkommen neuer Reiche im Westen, vor allem der Franken beginnt. Die Reiche des Mittelalters entstehen dann als eine Synthese von Antike, Christentum. Germanen und auch Slawen.
 Auch wenn ein Epochenwechsel nicht exakt an einem Datum festgemacht werden kann: verschiedene Daten, die als Epochenwechsel diskutiert werden, liegen um das Jahr 500, mit einer Spanne von bis zu 300 Jahren. Am häufigsten wird dabei das Jahr 476 angenommen:

476: Ende des weströmischen Reiches mit der Eroberung Ravennas, der damaligen Hauptstadt des weströmischen Reiches, und der Absetzung von Romulus Augustulus durch den Germanenführer Odoaker.

Als frühere oder spätere Daten für den Beginn des Mittelalters werden vorgeschlagen (nach religiösen oder politischen Kriterien)::
324: Alleinherrschaft des ersten christlichen Kaisers Konstantin
375: Beginn der Völkerwanderung
395: Reichsteilung in einen oströmischen und einen weströmischen Teil
486: Sieg des Franken Chlodwig über den letzten römischen Statthalter Syagrius
600: Zeit des bedeutenden Papstes Gregor d. Große
633: Beginn der Ausbreitung des Islam und Herrschaft über Arabien, Nordafrika, Mittelmeergebiet
800: Kaiserkrönung Karls des Großen

Ende des Mittelalters - Beginn der (Frühen) Neuzeit:

Wann endet das Mittelalter, und wann beginnt die "Neuere Zeit"? Auch hier lässt sich kaum ein einziges Datum nennen, schon weil das Mittelalter kein monolithisches, undifferenziertes Zeitalter war. Auch aus Gründen der Übersichtlichkeit und wegen der Spezialisierung der historischen Forschungen und Professuren an den Universitäten (Lehrstühle für Mittelalterliche Geschichte!) lässt man das Mittelalter meist um 1500 enden.

Als Daten für das Ende des Mittelalters und für den Beginn einer Neuen Zeit werden angeboten:
1350 ca.: Renaissance in Italien, später auch: Humanismus in Deutschland
1450: Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg
1453: Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen; Ende von Byzanz
1492: Entdeckung Amerikas durch Kolumbus
1517: Beginn der Reformation durch Luthers Thesenanschlag
1789: Einige Historiker, z.B. Ernst Troeltsch, haben vorgeschlagen, Luther und die Reformation und das "Konfessionelle Zeitalter" noch zum Mittelalter zu rechnen. Die Neuzeit begänne danach mit der Französischen Revolution von 1789 oder mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.

"Erfindung" des Mittelalters und Bewertungen

Dabei ist das Mittelalter als Epoche eine polemische "Erfindung" der Humanisten im 16. Jahrhundert, ausformuliert von Christoph Cellerarius aus Halle (+ 1707).  Lange Zeit war diese Epoche vor allem als finsteres Mittelalter gesehen, als Zeit der Unvernunft. Erst bei den Romantikern veränderte sich die Bewertung des Mittelalters. Und im 19. Jahrhundert wurden vor allem die glanzvollen Herrscher des Mittelalters als Schöpfer der Deutschen Nation erinnert.

Dabei ist das Mittelalter sehr viel differenzierter zu sehen.

Nicht vergessen werden sollte, dass das "Mittelalter" ein ganz eurozentrisch, sogar weitgehend auf Deutschland begrenzte Konzeption ist (und z.B. kaum auf die riesigen Chinesischen Reiche anwendbar ist).

Vorbemerkungen II.  Die Gliederung der Epoche Mittelalter   und der Begriff "Deutschland" im Mittelalter

Binnengliederung des Mittelalters:

Für die innere Periodisierung der Zeit des Mittelalters  wurde häufig die Abfolge der königlichen Dynastien verwendet: Das ergab eine Gliederung  nach

- Herrschaft der Merowinger und Franken (Könige und Kaiser von 500 - 919, von Chlodwig, Karl d. Großen bis Ludwig dem Kind)
- Herrschaft der Ottonen (Könige und Kaiser von 919 - 1024, von Heinrich I., Otto d.Gr. u.a., bis Heinrich II.)
- Herrschaft der Salier (Könige und Kaiser von 1024 - 1125, von Konrad II., Heinrich IV,, bis Heinrich V.)
- Herrschaft der Staufer (Könige und Kaiser von 1138 - 1254, von Konrad III, Friedrich I. Barbarossa, Friedrich II., Konrad IV.)
- nach 1250 häufig wechselnde Dynastien: Habsburger, Wittelsbacher, Luxemburger (Könige und Kaiser der Luxemburger von 1308 - 1437, von Heinrich VII, Karl IV. bis Sigismund), dann wieder Habsburger  (von Albrecht II. von Habsburg bis Maximilian I.) u.a.

Heute wird meist die eher schematische und didaktisch griffige Einteilung verwendet in

- Frühmittelalter (ca 500 - 1000/1024/1050 n.Chr., die Entwicklung und Konsolidierung eines neuen Reiches als Synthese von Antike, Christentum, Germanen und Slawen, meist bis zum Ende der Ottonen);

- Hochmittelalter (ca.1000/1024/1050 - 1250, die Zeit bis zum Ende der Staufer, die Hochzeit von Politik und Kultur im Mittelalter: beginnend etwa um 1050 mit dem enormen Bevölkerungswachstum, der Erschließung neuen Siedlungsraums, der Ostsiedlung, dem Aufstieg neuer Schichten wie der Ministerialien, dem Höhenburgenbau, der Entwicklung der ritterlichen Kultur, dem Minnesang, der Entwicklung der Städte, auch die Zeit des Investiturstreits und der Kreuzzüge.);

- Spätmittelalter (ca. 1250 - 1500, die Zeit der fehlenden oder z.T.schwachen Königsherrschaften, Zeit der Krisen und des Neuanfangs).


Zum Begriff "Deutschland" im Mittelalter:

Zum Begriff "Deutschen Reich" und "Geschichte in Deutschland" im Mittelalter:

"Deutschland" oder "Deutsche Nation" oder "Deutsches Reich" erscheint als offizielle Bezeichnung im Mittelalter erst im 15. Jahrhundert
Vorher, also fast im ganzen Mittelalter, waren die Namen für die Reiche im Gebiet des späteren Deutschen Reiches ganz andere: Karl der Große verwendet bei seiner Kaiserkrönung 800 n.Chr. als Bezeichnung "Imperium Romanum" (also: "Römisches Reich") um damit sein Selbstverständnis als Erbe des untergegangenen weströmischen Reiches zu kennzeichnen. Bei ihm umfasste das Reichsgebiet auch das spätere Frankreich und Teile Italiens.
Nach der Reichsteilung 843 im Vertrag von Verdun wurde dann der Name "Römisches Reich" für das Ostfrankenreich verwendet, so bei dem Salier Konrad II 1034. In Urkunden Friedrich Barbarossas findet sich dann seit 1157 die Bezeichnung "Sacrum Imperium"; seit 1254 erscheint dann in Königsurkunden die Bezeichnung "Sacrum Imperium Romanum". In deutschen Urkunden erscheint bei Kaiser Karl IV. die deutsche Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich".

Erst nach 1442 (bzw. 1486) kommt der Begriff "Deutsche Nation" in einem Reichsgesetz vor. 1512 heißt es im Kölner Reichsabschied "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" .

Wenn man also im Mittelalter vom "Deutschen Reich" oder "Geschichte in Deutschland" spricht kann es nur bedeuten: Geschichte im Gebiet des späteren Deutschen Reiches.

 

 
Zeittafel mit Daten zur Geschichte im Mittelalter:
- Daten zur Geschichte "Deutschlands",
- einige Daten der Europäischen oder Welt- Geschichte,
- Daten zur Geschichte "Südwestdeutschlands" (kursiv)
Kurzartikel zu einigen Aspekten der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte im Mittelalter in "Deutschland", bes. in Südwestdeutschland
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Frühes Mittelalter (ca. 450 - 1000/1050 n.Chr.): Grunddaten

Ereignisse im 5. und 6. Jahrhundert n.Chr. (ca. 450 - 599)
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450 n.Chr.: Entstehung eines Herzogtums der Alamannen im Südwesten.
[Um 450 entsteht im Südwesten ein Herzogtum der Alemannen. Die Alamannen wanderten im 3. Jahrhundert von der Elbe her ein, sie überwanden 260 den römischen Limes und besiedelten seitdem den ganzen Südwesten.]

476: Ende des Weströmischen Reiches
[Mit der Eroberung Ravennas, der damaligen Hauptstadt des weströmischen Reiches, und der Absetzung von Romulus Augustulus als römischem Kaiser durch den Germanenführer Odoaker endet das weströmische Reich. In Italien entsteht das Ostgotenreich unter der Herrschaft Theoderichs. -
Das nach der Teilung des römischen Gesamtreichs in ein West- und Ostreich 395 n.Chr. gebildete Oströmische Kaiser-Reich mit der Hauptstadt Byzanz/ Konstantinopel besteht fast das ganze Mittelalter als machtvolles Reich bis 1453, der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen.]

486: Sieg des Franken Chlodwig über Syagrius, den letzten römischen Statthalter in Gallien
[In der Folge weitet Chlodwig, der zunächst nur ein Fränkischer Kleinkönig aus der Gegend von Tournai war, das neue Reich vom Zentrum in Nordfrankreich aus in alle Richtungen immer weiter aus.
Chlodwig aus dem Franken- Geschlecht der Merowinger gilt als Begründer des Frankenreiches.]

496: Die Franken (unter dem Merowinger Chlodwig) besiegen bei Tolbiacum (= Zülpich) die Alemannen.
[Mit der Schlacht bei Zülpich war die Vorherrschaft der Franken über die Alemannen besiegelt. Für einige Jahre (bis 536) sicherte der Ostgotenkönig Theoderich dem südlichen Teil Alemanniens (südlich von Asperg und Glems) noch eine relative Unabhängigkeit vom Frankenreich.]

Chlodwig496: "Bekehrung" Chlodwigs zum katholischen Christentum und seine Taufe.
[Nach dem Sieg gegen die Alemannen lässt sich Chlodwig von dem katholischen Bischof Remigius in Reims taufen
. Damit beginnt die enge Verbindung der katholischen Kirche mit dem Frankenreich.]

[Bild (Marke Frankreich, 1996): 1500 Jahre Sieg Chlodwigs über die Alamannen bei Zülpich (496) und Taufe Chlodwigs durch Remigius in Reims (Miniatur aus dem 14. Jhdt. in den Grandes Chroniques de France, Bibliothèque Muicipale Castres)]


511: Tod Chlodwigs.
Das inzwischen umfangreiche Reich wird auf seine 4 Söhne aufgeteilt.

520 (ca.) Erste Klostergründung in Südwestdeutschland bei Säckingen:
[Aus einer Mönchszelle, die Fridolin bei Säckingen angelegt hatte, entwickelte sich mit der Gründung eines Frauenklosters die erste Klostergründung in Südwestdeutschland.

536: Ganz Alemannien wird endgültig Teil des Frankenreichs
[Nach dem Tod des Ostgotenkönigs Theoderich 536 wird ganz Alemannien endgültig Teil des Frankenreichs.
Die alemannischen Herzöge sind den Franken untergeordnet.]


Ereignisse/Daten im 7. Jahrhundert n.Chr. (ca. 600 - 699)
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633: Beginn der Ausbreitung des Islam und der islamischen Reiche im gesamten Mittelmeergebiet
[Nach dem Tod Mohammeds (632) beginnt bald die Herrschaft der Muslime über Arabien, Nordafrika, Spanien, Mittelmeergebiet]

638 stirbt Dagobert I, der letzte bedeutende Merowingerkönig.
[Dagobert hatte noch einmal die verschiedenen Teilreiche, in die das Merowingerreich nach Chlodwigs Tod aufgeteilt war, zusammengeführt.
Von jetzt an übernehmen die "
Hausmeier", königliche Verwalter, die Macht auch unter nominell weiter herrschenden merowingischen Schatten-Königen.]

687: Pippin der Mittlere, Hausmeier, herrscht im Gesamtreich.
[
687 sichert sich der Hausmeier Pippin der Mittlere (aus dem Geschlecht der Karolinger) durch einen Sieg über seinen Rivalen, den Hausmeier eines anderen Teilreiches des Merowingerreiches, die Herrschaft im Gesamtreich.]


Ereignisse/Daten im 8. Jahrhundert n.Chr. (ca. 700 - 814)
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724: Gründung des Klosters Reichenau durch Pirmin.
[Hinter der Klostergründung stand auch das Interesse des fränkischen Hausmeiers Karl Martell, der das Kloster als fränkischen Stützpunkt in Alemannien plante.]


732
: Karl Martell siegt in der Schlacht von Tours und Poitiers gegen die Araber
[Karl Martell, Hausmeier unter den Merowingern, ein Sohn Pippins des Mittleren, der das Frankenreich erheblich ausgedehnt hatte, beendet in der
Schlacht bei Tours und Poitiers die Expansion der Araber in Westeuropa].

746: Bluttag von Cannstatt: Ende des alemannischen Herzogtums.
[Bei einem "Gerichtstag" in Cannstatt, den Karlmann, Sohn Karl Martells, einberufen hatte, werden die Großen der Alemannen getötet.]

751: Pippin der Jüngere wird zum König gewählt.
[Pippin der Jüngere, zuerst nur Hausmeier, wird von den Großen des Reiches auch formell zum König gewählt und auch vom Papst gesalbt. Damit haben die Karolinger die Merowinger abgelöst.]
754 revanchierte sich Pippin beim Papst als Dank für seine Salbung mit der "Pippinischen Schenkung", die zur territorialen Grundlage des Kirchenstaates wurde.


768 - 814: Karl I. (der Große) regiert als König des Frankenreichs  (seit 771, dem Tod seines Bruders Karlmann, als Alleinherrscher; seit 800 auch Kaiser)

Karl der GrosseKarl I. (* 748, oder 742, + 814), ein Sohn Pippins des Jüngeren, ist wohl der bedeutendste Herrscher des Frühen Mittelalters.
Er war ein Reiterkönig, der die meiste Zeit seiner Regierungsjahre unterwegs auf dem Pferd verbrachte: als Anführer in einer der vielen Feldschlachten, oder bei dem Besuch der vielen Königs- und Kaiserpfalzen zur Verwaltung in seinem Reichsgebiet.

[Bild (Briefmarkenblock Kroatien, 2001): Karl der Große - Die Entstehung Europas vor 1200 Jahren. - Abbildung: Bronzenes Reiterstandbild aus dem 9. Jhdt., das Karl d.Großen zeigen soll; Landkarte Europas mit den farbig gekennzeichneten Gebieten die zu seinem Reich gehörten.]

Besonders berühmt und z.T.berüchtigt sind aus seiner Regierungszeit:

Die ungeheure Expansion des Frankenreiches bis nach Südfrankreich, Italien, Nord-Spanien und nach Südosten und Osten:
- 773 - 774: Zug über die Alpen und Eroberung des Langobardenreiches (Norditalien)
- 778: Weitgehend erfolglose Kämpfe in Spanien, außer der Errichtung der Spanischen Mark
- 788: Der letzte Stammesherzog Tassilo von Bayern wird abgesetzt; Eingliederung Bayerns
- 791 - 796: Kämpfe gegen die Awaren im Osten

Die Unterwerfung und Zwangs-Missionierung der Sachsen im Norden
- 772 begannen die unvorstellbar grausamen Feldzüge gegen die Sachsen unter Widukind ("Karl der Sachsenschlächter", das Massaker an den Sachsen in Verden an der Aller)
- 785 läßt sich Widukind taufen; auch danach gehen die Sachsenaufstände weiter

- 787 errichtet Karl das Bistum Bremen zur Mission unter den Sachsen. Er ernennt dazu in Worms den Angelsachsen Willehad zum Bischof von Bremen, der auch bald einen kleinen Dom in Bremen bauen läßt (der natürlich keine Ähnlichkeit mit dem heutigen Bremer Dom hat)

[Bild (Marke BRD, 1987): 1200. Jahrestag der Erhebung Bremens zum Bischofssitz: vor dem Bremer Dom und dem Bremer Wappen  auf der einen Seite Karl der Große, auf der anderen Bischof Willehad (+789)]

- 804: letzter  und "erfolgreicher" Feldzug gegen die Sachsen; danach waren die Sachsen ein Teil des Frankenreiches

Neben den Eroberungs- und Kriegstaten ist Karl für seine Regierung im Innern der Länder berühmt:
- für den Aufbau einer effektiven Reichsverwaltung,
- für Friedens- und Sozialordnungen in den Ländern (z.B. durch den Erlass vieler "Capitularien"),
- für den Bau der Aachener Pfalzkapelle;
- besonders für die karolingische Bildungsreform (s.dazu in der rechten Spalte die "karolingische Renaissance")

Karl d.Gr.800: Kaiserkrönung Karls des Großen
[An Weihnachten 800 wird in Rom Karl von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt: Herrscher des "Römischen Reiches" (später wird daraus: "Heiliges römisches Reich deutscher Nation"). - Welche Motive hinter der Kaiserkrönung standen ist nicht ganz klar. Vermutlich ging die Initiative dazu vom Papst aus, der gegen die Anfeindungen der Römer auch gegen seine Person eine starke Schutzmacht suchte.]

[Bild (BRM BRD 2000): 1200 Jahre Kaiserkrönung Karls d.Gr.; Kaiserbüste und Grundriß der Aachener Pfalzkapelle /des Aachener Doms]

Es gab nun 2 Kaiser im ehemaligen Römischen Reich: einen in Konstantinopel und einen im Westen.
812 erkennt der byzantinische Kaiser Michael I. Karls westliches Kaisertum an.

814: Tod Karls des Großen in Aachen.


Ereignisse/Daten im 9. Jahrhundert n.Chr. (ca. 814 - 899)
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814: Nach dem Tod Karls des Großen wird sein Sohn Ludwig "der Fromme", ein Sohn Karls und seiner alemannischen/schwäbischen Frau Hildegard, Nachfolger Karls auf dem Königsthron.
[Bald nach der Herrschaftsübernahme Ludwigs beginnen heftige Kämpfe der Söhne Ludwigs des Frommen gegeneinander und gegen ihren Vater um die künftige Aufteilung des Reiches.]

839: Bodman am Bodensee ist als eine der Kaiserpfalzen nachgewiesen

Vertrag von Verdun843: Vertrag von Verdun: Reichsteilung
[Aufteilung des Reiches Karls des Großen
(und seines Sohnes Ludwig des Frommen, der 840 starb) unter ihre Nachkommen: Aufteilung in ein Westfrankenreich (Karl II. der Kahle), Mittelreich (Kaiser Lothar I.) und Ostfrankenreich (dem späteren Deutschen Reich, für Ludwig den Deutschen).
Mit dieser Aufteilung im Vertrag von Verdun, dem noch manche Korrekturverträge folgten, war auch die Aufteilung des gesamten "Römischen Reiches" in später "Frankreich" und "Deutsches Reich" genannte Teilreiche besiegelt.]

[Bild (Marke Frankreich, 1993): 843 Traite de Verdun, Vertrag von Verdun; Siegel von Karl II, dem Kahlen, dem Herrscher des Westfrankenreichs]

866: Esslingen erhält ein Marktprivileg (eine Vorstufe für eine spätere Stadtgründung)
 


Daten im 10. und 11. Jahrhundert n.Chr. (900 - 1024)
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911: Ludwig das Kind stirbt, der letzte karolingische König von Ostfranken (regierte von 900 - 911).

917: Burkhart I. wird erster Herzog von Schwaben.
[
Burkhard I. wird von den Adligen in Schwaben zum ersten Herzog von Schwaben im neu entstehenden Herzogtum Schwaben gewählt. Ein Grund für die Wahl eines Herzogs von Schwaben war, dass die Adligen in Schwaben sich von den ostfränkischen Königen nicht genügend vor den Überfällen der Ungarn geschützt sahen.  - Burkhard I. war gewählter Herzog von Schwaben von 917 - 926. 919 unterwirft er sich dem neu gewählten Sachsenkönig Heinrich I. und erhält dann auch von ihm die königliche Legitimation.]

Herzogtum Schwaben917 - 1268: Zeit des Herzogtums Schwaben,
einem neuen
Herzogtum in Südwestdeutschland, mit Elsass, Schweiz, Vorarlberg und Bayerisch Schwaben. (s. auch die Karte und den extra Artikel zum Herzogtum Schwaben)

[Karte III-2(Schwaben): Karte des Herzogtums Schwaben von 917 - 1268] [Vergrößerung der Karte durch Anklicken]

919: Heinrich I., Sachse, wird zum römischen König gewählt
[gewählt von den Fürsten der Franken und Sachsen, regiert von 919 - 936. - Mit Heinrich I.
beginnt die Dynastie der Sachsen/ Ottonen.

919 - 1024: Zeit der Sächsischen Könige und Kaiser im Reich

Otto d.Gr.936 - 973: Otto I., "der Große": König und römisch-deutscher Kaiser (gekrönt 962)

[Bild (Marke BRD, 2002): Kaiser Otto der Große, 912 - 973

[Otto I. stützt seine Herrschaft stark auf die Kirche, auch um von den weltlichen Fürsten unabhängiger zu sein. Dazu setzt er Bischöfe und Klosteräbte  seines Vertrauens ein, die er mit viel Gütern und Macht ausstattet (daher auch die späteren Fürstbischöfe und Fürstäbte)].

951: Otto zieht nach Italien und wird auch König von Italien, das damit (wieder) Teil des Reiches wird (allerdings ohne Süditalien, das von Byzanz beansprucht wird).

Schlacht auf dem Lechfeld955: Schlacht auf dem Lechfeld
[Otto I. schlägt mit Hilfe der Soldaten aus allen Herzögtümern die eingefallenen Ungarnvölker in der Schlacht bei Augsburg auf dem Lechfeld. Damit endet die Bedrohung durch die Ungarn. - Zur gleichen Zeit endet auch die Bedrohung des Reiches durch die Wikinger/ Nordmänner/ Normannen.]

[Bild (Marke BRD, 1955): 1000 Jahre Schlacht auf dem Lechfeld, 955+ 1000 Jahre Stadt Augsburg; Bild: Reichsapfel mit Wappen Augsburgs (Schwert und Pinienzapfen), beschossen von Pfeilen; stilisierter Flusslauf]

955: Hadwig, Herzogin von Schwaben, lebt auf dem Hohentwiel (955 - 994)

962: Kaiserkrönung Ottos I. in Rom

973 - 983: Otto II.

983 - 1002: Otto III.

Otto III.1000: Gründung des Erzbistums Gnesen durch Otto III.

[Bild (Marke Polen 2000): 1000. Jahrestag des Treffens zwischen Kaiser Otto III. und Boleslaw Chrobry in Gnesen; Gründung des Erzbistums Gnesen durch Otto III, damit 1000 Jahre katholische Kirche in Polen. Abgebildet ist die Huldigung an Kaiser Otto (rechts im Bild)]

1002 - 1024: Heinrich II. ,  genannt "der Heilige" , letzter der sächsischen Kaiser

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Frühes Mittelalter (ca. 450 - 1050 n.Chr.): Sozialgeschichte

Bevölkerung und Siedlungen im Frühen MA: 

Um 500 n.Chr. lebten im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg etwa 60.000 Menschen (nach Schätzungen von Boelcke). Sie wohnten meist in Siedlungen in den fruchtbarsten Gebieten des Landes, z.B. im Land um den Neckar. Viele Gebiete in Südwestdeutschland, vor allem die Waldgebiete des Schwarzwaldes und der Keuperberge, waren noch nicht besiedelt. Sie wurden erst seit dem 9. Jhdt. allmählich erschlossen.

[Die Siedlungen der frühen Alamannen sind bis heute an den Endungen der Siedlungsnamen zu erkennen: besonders Orte mit der Endung ...ingen weisen auf die frühen Alamannen (z.B. Schwieberdingen: zur Sippe eines Suidbert gehörend); ähnlich alt sind Siedlungen mit den Endungen ...heim und ...weil.]


Gesellschaftsstruktur: 

Nach dem Ende des Alamannischen Herzogtums im Jahr 746 wurde in Alemannien das fränkische System der Grafschaftsverfassung eingeführt, bei dem der Graf Beauftragter des Königs war. Er erhielt auch ein mit dem Amt verliehenes Gut (beneficium, feudum) zum Lehen und hatte dafür auch dem König Kriegsdienst zu Pferd (Ritter!) zu leisten.


Zur Situation der Bauern und der Landwirtschaft:

In den Dörfern wurden viele Rechte von einem besonders großen Herrenhof (Fronhof, Salhof) wahrgenommen, die wohl von dem früheren Sippenhaupt abgeleitet wurden. Die Gemeindegenossen hatten dem Dorfherrn Frondienste zu leisten (Villikationssystem). Die Bauern sind mehrheitlich im Stand der Halbfreiheit.

In der Landwirtschaft wurde vermutlich ab 800 die Dreifelderwirtschaft eingeführt, der Räderpflug mit Pflugschar ersetzte den Hakenpflug; vereinzelt wurden auch schon die Wassermühlen verwendet.
Angebaut wurde vor allem Dinkel und Weizen; Viehzucht spielte eine geringe Rolle.


Wirtschaft und Handel:

Um 750 wird die Einrichtung von Märkten in größerem Umfang erkennbar. Es wird also nicht nur für den Eigenbedarf produziert, sondern auch für den Tausch auf dem Markt. Vorherrschend ist die Naturalwirtschaft.
866 erhält Esslingen ein Marktprivileg.

Geldwirtschaft spielt erst seit der Karolingerzeit eine größere Rolle. Zwar gab es schon zur Zeit der Merowinger Goldmünzen die vor allem die Reichen für den Fernhandel mit Luxusgütern verwendeten; aber für den Kauf der alltäglichen Güter waren sie nicht geeignet. Wichtig für die weitere Verbreitung des Geldes war die karolingische Münzreform mit der Einführung der Silberwährung (Denare). 


Christianisierung der Alamannen:

500: Allmähliche Christianisierung der Alemannen
522 ca. Gründung eines Frauenklosters in Säckingen; erste 
      Klostergründung in Südwestdeutschland
560: (evtl) gemeinsame Annahme des Christentums auf einer 
       alamannischen Stammesversammlung
596: Gründung des Bistums Konstanz
600: Bau der ersten Kirchen in Alemannien

Reichenau724 Kloster Reichenau von Pirmin gegründet

[Bild (Marke BRD, 2008): Klosterinsel Reichenau; Details von Buchmalereien und Wandmalereien der Reichenau]

730 (ca) Kloster Mosbach gegründet
735 (ca.) Kloster Tauberbischofsheim gegründet
740 Kloster Schuttern (bei Friesenheim/Rheinebene) gegründet
740 (ca.) Kloster Gengenbach gegründet

764: Benediktinerkloster Ellwangen gegründet
       [Weitere frühe Klostergründungen: s. im Artikel Klöster]

800 ca: Einführung der Benediktinischen Klosterregel als verbindlich für alle Klöster unter Karl d. Gr.


Baukunst  im Frühen MA:

Bei den Bauten stammen viele der romanischen Kirchen- und Klosterbauten aus der Zeit des Frühen Mittelalters, so z.B.

- der Aachener Dom (s. in der linken Spalte bei Karl d. Gr.)

Lorsch- die Torhalle des Klosters Lorsch

[Bild (Marke Berlin, 1966): Karolingische Torhalle des Klosters Lorsch/ Hessen, Rest des 764 gegründeten Benediktinerklosters Lorsch]

In Südwestdeutschland:

- die Kirche St. Remigius in Kentheim bei Calw (die wohl im 9. Jahrhundert gebaut wurde)

- der Vorläuferbau der heutigen ev. Stadtkirche St.Dionysius in Esslingen, der vermutlich schon im 8. Jahrhundert entstand.

820: Sankt Galler Klosterplan entsteht im Kloster Reichenau. (Der Klosterplan ist die einzige bekannte große architektonische Zeichnung in Mitteleuropa zwischen dem Ende des römischen Reiches um 500 und dem 13. Jahrhundert)


Bildende Kunst im Frühen Mittelalter

An der Schwelle zum Hochmittelalter entwickelte sich vor allem die Buchmalerei und die Freskomalerei.

Eine der bedeutendsten Malschulen der Ottonischen Malerei (um 1000 n.Chr.) war die Reichenauer Schule in den Klöstern der Insel Reichenau im Bodensee. Hier entstanden Fresko-Malereien in den Kirchen, wie sie z.B. in der Kirche St. Georg in Oberzell auf der Reichenau noch vollständig erhalten sind. (Auch in vielen anderen Kirchen in Süddeutschland sind Fresken wiederentdeckt worden, die allerdings nie so wertvoll und umfangreich wie die Reichenauer Bildwände sind.)

ReichenauNeben der "Kunst am Bau", der Fresko-Malerei in den Kirchen, wurde in den Skriptorien der Reichenauer Klöster die Buchmalerei gepflegt, meist für Illustrationen zu biblischen Texten. Die Malweise ist sehr von der byzantinischen Malerei geprägt; die Figuren stehen meist raumlos vor Goldgrund; naturalistische Landschaften und Perspektive spielen keine Rolle. - Eines der bedeutendsten Werke der Reichenauer Buchmalerei ist das Perikopenbuch Heinrichs II., das um 1007 auf der Reichenau entstanden ist. Es ist mit 10 Zierseiten, 184 Textinitialien und 28 ganzseitigen Bildern ausgestattet.

[Bild (Marke BRD, 1996): Buchmalerei aus dem Perikopenbuch Kaiser Heinrich II., entstanden um 1010 auf der Reichenau in der  Reichenauer Malschule; Bild: Anbetung der Könige]
 


Bildung und Schule

- Im Frühen Mittelalter herrschte zunächst die germanische Wissenskultur der Mündlichkeit. Schriftlichkeit im Bereich der Verwaltung und des Rechts und auch der Kirche entwickelte sich erst langsam über einzelne Erben der römischen Aristokratie die im Dienst der Franken standen.

- Eine breitere auch schriftliche Bildung entwickelte sich dann über die Klosterschulen vor allem für die Mönche und Geistlichen. Dabei standen die lateinische Sprache und Kultur und die kirchlichen Texte im Mittelpunkt.

- Einen großen Aufschwung brachte die "Bildungsreform" Karls des Großen (gelegentlich auch als "Karolingische Renaissance" bezeichnet). Karl der Große, der wohl sehr gut die Lateinische Sprache verstehen und sprechen konnte, der aber selbst bis zu seinem Lebensende kaum lesen und schreiben konnte, hatte ein großes Interesse an der Förderung von Wissen und Bildung vor allem der Geistlichen und der Mönche, aber auch der Laien. Er gründete eine "Hofakademie", zu der er bedeutende Gelehrte versammelte (dazu gehörten z.B. der Angelsachse Alkuin und der Franke Einhard); er baute eine "Hofschule" als Eliteschule auf; und er ließ eine umfangreiche "Hofbibliothek" in Aachen sammeln. Vor allem verordnete Karl den Kloster- und Domschulen die Vermittlung von korrektem und umfangreichem Wissen in geistlichen und weltlichen Fragen. Als Voraussetzung dafür ließ er eine einheitliche Schrift festlegen, an die sich alle Mönche beim Schreiben und Abschreiben von Texten halten sollten und die auch von allen gelesen werden konnte. Die Buchstaben dieser Schriftform werden bis heute "karolingische Minuskeln" genannt; sie bilden bis zur Gegenwart die Grundlage der modernen Druckschrift.
Die Karolingische Bildungsreform hatte große Bedeutung vor allem für die Klosterschulen, auch wenn nach 814 viele Impulse versandeten. Und Manches wurde auch nie Realität: So gibt es (vermutlich) von Kaiser Karl die Empfehlung, dass im ganzen Reich neue Schulen für alle eingerichtet werden sollen und dass die Klosterschulen nicht nur für Weltgeistliche und Mönche zugänglich sein sollten. Sehr viel Wirkungen hatte diese Empfehlung aber wohl kaum.


Prominente aus Südwestdeutschland im Frühen MA:

809 - 849: Walahafried Strabo, Theologe und Dichter, seit 838 Abt des Klosters Reichenau (bekannt geworden ist sein Gedicht Hortulus, ein Lehrgedicht über die Heilkräuter seines Klostergartens)

Wolfgang924 - 994: Heiliger Wolfgang, Bischof  von Regensburg, der besonders am Wolfgangsee in Österreich verehrt wird, ist in Pfullingen bei Reutlingen geboren

[Bild (Marke BRD, 1994): Sankt Wolfgang, mit Kirchenmodell]

949 - 995: Heiliger Gebhard, Bischof von Konstanz (*,+ Konstanz)
 

Hermann von Reichenau (auch Hermann Contractus, Hermann der Lahme genannt), Universalgelehrter: Naturwissenschaftler, Astronom, Schriftsteller, Historiker, Musiker. - * 18.7.1013 in Altshausen (vermutlich), + 24.9.1054 auf der Reichenau.

Hermann, der als Sohn eines Grafen von Altshausen geboren wurde, war von Geburt an gelähmt und auch sprachbehindert. Diese Einschränkungen hinderten ihn nicht daran ein unglaublich produktiver Universalgelehrter im Mittelalter zu werden. Er ist auch ein gutes Beispiel für die Leistungen der Klosterschulen im Mittelalter, ihre gründliche Ausbildung, auch ihre Weite und Offenheit.

Hermann wurde mit 7 Jahren von seinen Eltern in die Klosterschule des Klosters Reichenau gebracht. Er blieb dann sein ganzes Leben auf der Reichenau: als Schüler, später als Mönch, dann als Lehrer und Gelehrter.

Als Gelehrter verfasste Hermann Schriften zur Mathematik, zur Astronomie und zur Zeitrechnung. Er erfand eine Säulchen-Sonnenuhr, eine tragbare Uhr, auf der sogar die jahreszeitlichen Schwankungen der Sonnenhöhe berücksichtigt werden können. Um die kirchlichen Feiertage genauer berechnen zu können machte er umfangreiche Vermessungen des Fixsternhimmels. Er konstruierte dafür ein Astrolabium (ein Sternen-Vermessungs-Gerät). Die genaue Beobachtung der Natur war ihm wichtiger als alle Bücherweisheit, auch die der Bibel.

Hermann war auch ein Dichter und Schriftsteller. Seine umfangreiche Lyrik hatte meist Heiligenlegenden zum Thema. Einiges davon hat Hermann selbst vertont, und er entwickelte dafür eine eigene Notenschrift.
Als Historiker schrieb Hermann eine Weltchronik von den Anfängen des Christentums bis zum Jahr 1054. Auch hier war ihm eine möglichst genaue Datierung besonders wichtig.

Die Weltchronik wurde von Berthold von Reichenau, einem Schüler Hermanns, fortgesetzt. Von Berthold stammt auch eine Vita (Lebensbeschreibung) Hermanns.

 

 

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Hochmittelalter (ca. 1000 - 1250 n.Chr.): Grunddaten

Ereignisse/Daten im 11. Jahrhundert n.Chr. (1000 - 1099)
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1002 - 1024: Herrschaft Heinrich II. , "der Heilige"  (letzter der sächsischen Kaiser)

1015 - 1030: Ernst II., Herzog von Schwaben

1024 - 1125: Herrschaftszeit der Salier als Könige + Kaiser

1024 - 1039: Konrad II., erster König der fränkischen Salier (Kaiserkrönung 1027)

Dom in Speyer1030: Konrad II. läßt den Dom zu Speyer bauen, auch als Grablege für die salischen Kaiser. Der Dom in Speyer gilt als großartigster Bau des 11. Jahrhunderts in Deutschland.

[Bild (Marke BRD, 1961): 900 Jahre Weihe des Kaiserdoms zu Speyer (1061); Bild des Kaiserdoms]

1039 - 1056: Heinrich III. (Kaiserkrönung 1046)
 

1054: Kirchen- Schisma zwischen West- und Ostkirche
[Schisma, Trennung, zwischen der weströmischen (lateinischen, katholischen) und der oströmischen (byzantinischen, griech.-orthodoxen) Kirche]

1056 - 1106: Heinrich IV. (regiert selbständig seit 1065)

1061: Berthold I., Graf im Breisgau, erhält den Titel "Markgraf von Verona"

1075 - 1250: "Investiturstreit"
[Kampf zwischen Kaiser und Papst um die Einsetzung der Bischöfe, beginnend mit dem Streit zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ]

1077: Heinrich IV. Gang nach Canossa (zur Aufhebung des Banns durch den Papst)

1079: Friedrich I. von Hohenstaufen (Stammvater der Staufer) von Kaiser Heinrich IV. zum Herzog von Schwaben ernannt (Regierungszeit: 1079 - 1105)

1092: Erste Erwähnung des Hauses Wirtemberg.
[Konrad von Wirtemberg erstmals urkundlich genannt]

1095: Kreuzzugsaufruf durch den Papst
[Papst Urban II. ruft beim Konzil von Clermont 1095 zum Kreuzzug auf]

1096 - 1270: Kreuzzüge zur Gewinnung des "Heiligen Landes" von den Muslimen (s. extra Artikel Kreuzzüge);

1096 - 1099: 1. Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems und der Gründung einiger Kreuzfahrerstaaten

1098: Herzog Berthold II. verzichtet auf das Herzogtum Schwaben zugunsten der Staufer, behält aber den Herzogtitel


Ereignisse im 12. und 13. Jahrhundert n.Chr. (1100 - 1250)
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1106 - 1125: Heinrich V.
[Der Salier Heinrich V. regiert seit dem erzwungenen Thronverzicht seines Vaters Heinrich IV.]

1120: Stadt Freiburg (im Breisgau) von den Zähringern gegründet

1122: Wormser Konkordat zwischen Papst und Kaiser (Vergleich im Investiturstreit)

1125 - 1137: König Lother III.

1138 - 1254: Zeit der Staufer als Könige und Kaiser

1138: Konrad III., Staufer, zum König gewählt (König von 1138 - 1152)
[Einzelheiten zu der komplizierten Königswahl s. den Artikel zu Konrad III.]

1140: Konrad III. von Staufen siegt gegen die Welfen bei Weinsberg (Sage von den Weibern von Weinsberg, Weibertreu)

1142 - 1180: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen

1147 ff: Friedrich Barbarossa Herzog von Schwaben

Barbarossa1152 - 1190: Friedrich I. "Barbarossa" König und, seit 1155, Kaiser

[Bild (Marke BRD, 1977): Stauffer-Ausstellung 1977 in Stuttgart; Barbarossakopf, Reliquar aus Cappenberg, 1165]


Stichworte des ausführlicheren Artikels zu  Friedrich I. "Barbarossa":
- Aufstieg Friedrichs bis zur Kaiserkrönung (1138 - 1155)
- Barbarossa und die Welfen: Befriedung (1156ff) und Prozess gegen Heinrich den Löwen und seine Ausweisung (1179ff)
- Streit mit den Päpsten und Kampf mit den Städten Italiens (1153-1177)
- Friedensschlüsse und Kompromisse mit Päpsten und Städten (1177ff)

1155 ff: Burgengründungen der Staufer; Schwaben wird burgenreichstes Land

Michaelskirche Hall1160 - 1250: Staufische Stadtgründungen und Stadterhebungen (Gmünd 1160; Ulm 1164;  Hall 1176 oder 1204; Esslingen 1212)

[Bild (Marke BRD, 2006): 850 Jahre Weihe der Michaelskirche Schwäbisch Hall; Bild der spätgotischen Michaelskirche mit dem romanischen Kirchturm über der großen Freitreppe, Häuser der Altstadt von Schwäbisch Hall]

1169: Heinrich VI. König in Deutschland (unter dem Kaiser Friedrich Barbarossa)

Gelnhausen 11801190: Tod Friedrich Barbarossas auf dem 3. Kreuzzug

1191: Heinrich VI. als Nachfolger Barbarossas Kaiser (1191 - 1197)

[Bild (Marke BRD, 1980): 800 Jahre Reichstag von Gelnhausen, 1180; Abbildung: Friedrich Barbarossa zwischen seinen Söhnen König Heinrich VI. und Friedrich Herzog von Schwaben; Buchmalerei aus der Welfenchronik, um 1180]
 

1198: Nach dem Tod Heinrichs VI.: Doppelwahl in Deutschland: Wahl des Staufers Philipp von Schwaben und des Welfen Otto IV. (Sohn Heinrichs des Löwen) zum König
 


1209: Otto IV. wird nach der Ermordung Philipps von Schwaben zum Kaiser gekrönt

1218: Aussterben der Zähringer; Nachfolger: Markgrafen von Baden


1225: Heidelberg wird kurpfälzische Residenz (bis 1720)

Friedrich II.Friedrich II. (König 1212 - 1236/1250; Kaiser 1220 - 1250)

[Bild (Marke BRD, 1994): 800. Geburtstag von Kaiser Friedrich II.; Portrait Kaiser Friedrichs mit einem Falken; Miniatur aus der Manfred- Ausgabe des Falkenbuches aus dem 13. Jhdt. (Vatikanische Bibliothek)]

Stichworte des ausführlicheren Artikels zu
Friedrich II.:
-1212: Friedrich II. wird zum Gegenkönig in Deutschland gewählt
- 1212 - 1220: Erste Jahre Friedrichs in Deutschland und Kaiserkrönung (danach setzt Friedrich seinen Sohn Heinrich (als Heinrich VII) zum deutschen König ein)
- 1221ff: Gewinnung der Herrschaft Friedrichs über Süditalien
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1226: Goldene Bulle von Rimini: Friedrich II. bevollmächtigt den Deutschen Orden zur Eroberung und Missionierung Preußens
- 1228f: Kreuzzug und Krönung zum König von Jerusalem
Castel del Monte- 1230ff: Ausbau der sizilianischen Monarchie und Gesetzgebung (Konstitutionen von Melfi 1231ff)
- 1235f: 2. Deutschlandaufenthalt Friedrichs II. - Mainzer Landfrieden (1235) - Revolte und Absetzung des Sohnes Heinrich (VII.) als deutscher König

- 1237-1250: Kampf mit den Päpsten und den italienischen Städten
- 1250: Tod Friedrichs

[Bild (Foto Ebener): Castel del Monte in Apulien, erbaut von Kaiser Friedrich II

1236: Konrad IV. deutscher König (regiert von 1236 - 1254)
[Konrad, ein Sohn Kaiser Friedrichs II., war von seinem Vater als Nachfolger von Heinrich (VII) zum König in Deutschland eingesetzt worden.]

Schlacht bei Liegnitz1241: Schlacht bei Liegnitz: Niederlage durch die Mongolen
 
 
[Bild (Marke BRD, 1991): 750. Jahrestag der Schlacht bei Liegnitz: Aufeinandertreffen des deutsch-polnischen und des mongolischen Heeres, nach einer Miniatur aus dem Schlackenwerther Codex, um 1350]

[Die Mongolen zogen mit einem gewaltigen Heer durch Osteuropa nach Deutschland. 1241 kam es zur Schlacht bei Liegnitz, bei der ein deutsch-polnisches Ritterheer (unter Herzog Heinrich II. von Niederschlesien) gegen die Mongolen kämpften - und vernichtend geschlagen wurden. Dennoch zogen die Mongolen nicht, wie befürchtet, weiter nach Deutschland, sondern zogen sich nach Ungarn zurück, vermutlich weil ihr Khan, der Führer der Mongolen, gestorben war.]

1246: Graf Ulrich von Wirtemberg wird zum Führer der Staufergegner in Schwaben.
[Bei der Auseinandersetzung des Gegenkönigs Heinrich Raspe mit dem Stauferkönig Konrad IV.  wechselt Graf Ulrich I. von Wirtemberg (1241 - 1265) die Fronten und unterstützt mit seinen Truppen in der Schlacht bei Frankfurt die Staufergegner.]

1268: Der Staufer Konradin wird in Neapel hingerichtet.
[Mit dem Tod des letzten Herzogs von Schwaben endet auch das
Herzogtum Schwaben]


 

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Hochmittelalter (ca. 1000 - 1250 n.Chr.): Kulturgeschichte

Bevölkerungsexplosion im Hochmittelalter

Das Hochmittelalter ist bestimmt vom mittelalterlichen Wärmeoptimum (s. dazu den Artikel über Klima und Geschichte). Seit dem 11. Jahrhundert verändert sich das Klima; eine Folge davon war die Entwicklung einer florierenden Landwirtschaft und ein fast explosives Bevölkerungswachstum. Zur Ernährung der Bevölkerung war die Erschließung neuer landwirtschaftlich nutzbarer Flächen und die Errichtung neuer Siedlungen nötig. So werden jetzt im Südwesten auch die Höhen des Schwarzwaldes gerodet und besiedelt, wie auch die Höhen der Keuperberge.

Der große Bevölkerungsdruck im Hochmittelalter hatte noch weitere Folgen:
- Die große Zahl der Menschen, die nicht alle auskömmlich als Bauern auf dem Land leben konnten, begünstigte die Entstehung der Städte im Hochmittelalter: In einer Stadt konnten größere Menschengruppen auf engem Raum zusammenleben.
- Eine andere Möglichkeit zur Lösung der Übervölkerung war die Auswanderung in weniger bewohnte Gebiete. Die "Deutsche Ostsiedlung" in Gebiete jenseits der Elbe und später jenseits der Oder begann - nach einem brutalen Missionierungs- und Eroberungsfeldzug gegen die Slawen - schon im 12. Jahrhundert als erwünschte Besiedelung menschenarmer Gebiete.


Veränderungen in der Sozialstruktur

Neben den bisherigen 3 Ständen (den unfreien Bauern, den Geistlichen und dem Adel) entstehen neue soziale Gruppen:

- Für die neuen Siedlungen wurden z.T. Bauern angeworben denen für ihre Rodungsarbeit Privilegien zugesagt wurden. So entstand in manchen Siedlungen eine Gruppe freier Bauern mit eigenen kleinen Landbesitz.

- Im Hochmittelalter entwickeln sie die Ministerialen zu einer immer bedeutender werdenden Gruppe. Es sind Dienstmannen, die vom Adel als Gutsverwalter, Burgverwalter, Reiterkrieger u.ä. angestellt werden. Oft handelt es sich um ehemals unfreie Bauern die zum Ministerialen aufsteigen konnten. Die Stellung der Ministerialen wurde im Reich immer mächtiger, im Laufe der Zeit bilden sie sogar den Niederen Adel oder verschmelzen (etwa durch Heiraten) mit dem Alten Adel. Manche Ministerialen konnten bald auch eigene Burgen bauen.

- Mit der Entwicklung der Städte, die im Hoch- und Spätmittelalter einen Höhepunkt hat, entsteht als neuer "Stand" der Stadt- Bürger. Auch wenn die Sozialstruktur innerhalb der Städte sehr differenziert betrachtet werden muss: der Bürger ist für Deutschland eine neue soziale Gruppe, sei er ein Ackerbürger, oder ein Fernhandels-Kaufmann, oder ein Handwerker, oder ein Händler.

- Eine wichtige Entwicklung ist das Rittertum: Entstanden aus adligen Reiterkriegern, und aus Ministerialien die im Auftrag zu Pferd in den Kampf zogen, verstärkt durch die Kreuzzüge, verstanden sich die Ritter als eigene Gruppe mit eigenen Initiationsriten (Schwertleite, Ritterschlag), eigenen Verhaltensweisen (Ritterlichkeit auch gegenüber den Frauen) und eigener Kultur (Minnesang, Ritterromane).


Baukunst im Hochmittelalter: Kirchen, Burgen, Pfalzen, Städte

Dom in SpeyerDas Hochmittelalter ist die Hoch-Zeit des romanischen Kirchenbaus in Deutschland.

1030 läßt Konrad II. den Dom zu Speyer bauen, auch als Grablege für die salischen Kaiser. Der Dom in Speyer gilt als großartigster Bau des 11. Jahrhunderts in Deutschland.

[Bild (Marke BRD, 1961): 900 Jahre Weihe des Kaiserdoms zu Speyer (1061); Bild des Kaiserdoms]

Die steinernen Burgen werden im Deutschen Reich erst im Hochmittelalter gebaut. Vorher gab es als Verteidigungsanlagen (z.B. gegen die Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert) oder Fluchtburgen nur aufgeschüttete Ringwälle oder hölzerne Befestigungen. Zuerst wurden Grenzburgen errichtet, z.B. an der Elbe (wie in Tangermünde). Dann wurden Königsburgen gebaut, meist als Höhenburgen: Wohnburgen, Burgen zur Verteidigung, dann Burgen als Symbole der Herrschaft. Bald bauten auch die Territorialherren ihre Burgen, dann die Adligen, schließlich auch mächtige Ministeriale. In der Stauferzeit wurden die Burgen meist mit den mächtigen Buckelquadern erricht.
In ganz Deutschland gab es vermutlich 15000 - 2000 Burgen.
Südwestdeutschland gilt als burgenreichstes Gebiet in Deutschland.

Lichtenberg, BurgeingangBurg Lichtenberg (bei Oberstenfeld im Bottwartal ist eine typische Burg der Stauferzeit, erbaut im 13. Jahrhundert (mit Ergänzungen im 15. Jahrhundert). Die Burg ist die vielleicht besterhaltene Burg aus der Stauferzeit in Württemberg.

[Bilder (Foto Ebener): Burg Lichtenberg bei Oberstenfeld, am Rand der Weinberge des Bottwartals]

Weitere Großbauten des Hochmittelalters sind die Pfalzen, Kaiserpfalzen und Königspfalzen. Sie werden benötigt als Aufenthaltsorte für die reisenden Herrscher und ihren Hofstaat, die ja keine feste Residenz hatten. In den Pfalzen wurden auch die Hoftage abgehalten. Besonders großartige ist etwa die Kaiserpfalz in Gelnhausen, die Friedrich Barbarossa bauen ließ, und Kaiserpfalz in Wimpfen.

Im Hochmittelalter muss das Land eine einzige große Baustelle gewesen sein und die Bauleute hatten wohl einen krisenfesten Beruf. Man schätzt dass für den Bau einer einzigen Burg etwa 5 - 10 Jahre Bauzeit nötig waren, bei 80 - 100 Baumeistern und Bauarbeitern. Bei mehreren Tausend Burgen im Südwesten ergibt das eine Menge Baustellen. Und zur gleichen Zeit wurden auch Pfalzen gebaut, dazu noch die großen Kirchen, und neue große Klosteranlagen. Und dann entstanden in dieser Zeit auch die meisten Städte, in denen auch immer mehr Häuser aus Stein gebaut wurden, und Markthallen und Rathäuser und Stadtmauern.

[Zur Entstehung der Städte und dem Städteboom im Hochmittelalter s. den Artikel "Stadtgeschichte" im Lexikon]


Kirche im Hochmittelalter: Päpste, Scholastik, Klöster

Päpste

Im Hochmittelalter wurden von der katholischen Kirche viele der Dogmen verkündet und durchgesetzt die auch heute noch Gültigkeit haben. Vor allem wurde die absolute Herrschaft des Papstes verkündet und durchgesetzt, z.T. auch über Könige und Kaiser. Der "Investiturstreit" ab 1075 ist dafür das bekannteste Beispiel.

Der brutale Kampf gegen die "Häretiker" (z.B. die Albigenser in Südfrankreich oder die Waldenser in Italien) sollte die Reinheit der Kirche sichern; ebenso die Einführung der Inquisition, die Papst Gregor IX. 1232 dem Dominikanerorden übertrug. Und auch die von den Päpsten angeregten Kreuzzüge richteten sich nicht nur gegen die Moslems, sondern gelegentlich auch gegen deutsche Bauern, z.B. beim Kampf gegen die Stedinger Bauern 1234.

Theologie: Scholastik

Albertus MagnusIn der Theologie entwickelte sich ein großartiges System der Verbindung von Glaube und Vernunft in der "Scholastik". Angeregt auch durch die über die Araber vermittelten Schriften des Aristoteles schufen bedeutende Theologen wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin eine "Summa Theologia".

[Bild (Marke BRD, 1980): Portrait von Albertus Magnus , Dominikaner, Kirchenlehrer; 1193 in Lauingen /bayerisch Schwaben geboren, gestorben 1280]

Klöster

1049: Kloster Hirsau (1049 erneuert; unter Abt Wilhelm, seit 1069, wird Hirsau zum cluniazensischen Reformkloster. Hirsau und die mit ihm verbundenen Reformklöster stehen im Investiturstreit eindeutig auf Seiten des Papstes gegen den Kaiser)

Maulbronn1101: Kloster Lorch als Hauskloster der Staufer gegründet
1126: Erstes Prämonstratenserkloster in Rot an der Rot gegr.
1134: Zisterzienserkloster Salem gegründet
1147: Zisterzienserkloster Maulbronn gegründet
1185: Kloster Bebenhausen gegründet

[Bild (Marke BRD, 1998): Maulbronn Weltkulturerbe der UNESCO; Kloster und Klosteranlage von Maulbronn]

Eine neue Ordensbewegung erfasste im 13. Jahrhundert auch Südwestdeutschland: die sogenannten Bettelorden

Es sind vor allem die Franziskaner, die sich auf Franz von Assisi zurückführen (1181/82 - 1226 in Italien); die Dominikaner (genannt nach Dominikus Guzman, der 1170 - 1221 in Spanien gelebt hat), die Augustiner-Eremiten und die Karmeliter.

(Weitere Klostergründungen und die Gründung der neuen Mönchsorden s. im Artikel Klöster in Südwestdeutschland)


Bildung und Schulen im Hochmittelalter

Auch im Hochmittelalter war die literarische Bildung meist auf den kirchlichen Bereich, auf die Mönche und Geistlichen beschränkt. In den Klosterschulen (z.B. im Kloster Reichenau) und später an den Domschulen konnte man Lesen und Schreiben lernen (allerdings nur in Latein und mit biblischen Texten). Fortgeschrittene konnten dann dort (oder in der Artistenfakultät der Universitäten) die "7 freien Künste" lernen, deren Beherrschung später Voraussetzung für ein Studium an einer Universität war: Das "Trivium" der Grammatik, Rhetorik und Dialektik und das "Quadrivium" von Arithmethik, Geometrie, Astronomie, Musik.
Diese Bildung erhielt nur ein ganz kleiner Teil der Gesellschaft, nämlich nur einige der Geistlichen, die in eine der Klosterschulen u.ä. gingen. Die etwa 90 % der Bevölkerung, die in der Landwirtschaft arbeiteten, also die unfreien und auch die freien Bauern, hatten keinen Anteil daran.

Und auch der Adel und die Ritter hatten in der Regel keinerlei literarische Bildung - und sie wollten sie auch nicht. Das Erziehungsprogramm der Ritter umfasste Reiten, Kämpfen, ritterliches Verhalten u.ä.; Lesen und Schreiben galt als pfäffiges Tun, das unter ihrer Würde war.
[So kommt es, dass auch viele Könige des Mittelalters nicht lesen und schreiben konnten (z.B. Friedrich Barbarossa) und zum Verständnis und zur Formulierung von Gesetzen, Verwaltungserlassen, Korrespondenz mit Päpsten und anderen Personen ganz auf ihre Kanzler, Berater u.a. angewiesen waren (die meist eine kirchliche Karriere absolviert hatten).]

Mit dem Aufkommen der Städte im Hochmittelalter gab es neue Schulen für die Bürger der Städte. Vor allem der Handel der Kaufleute, die zunehmende Geldwirtschaft und die Selbstverwaltung der Städte wurden Grundqualifikationen für alle Bürger benötigt. Darum gründeten viele Städte eigene Schulen, die allerdings auch meist noch als "Lateinschulen" firmierten.
[Später wurden auch in den Städten "Deutsche Schulen" eingerichtet.]


Bildende Kunst

Reichenau1000: Hochblüte der Reichenauer Malschule

[Bild (Marke BRD, 1996): Buchmalerei aus dem Perikopenbuch Kaiser Heinrich II., entstanden um 1010 auf der Reichenau in der  Reichenauer Malschule; Bild: Anbetung der Könige]

1190: Miniaturen der Schocken- Bibel in Konstanz gemalt
1190: Welfenchronik in Weingarten entstanden

[Zur Malerei und Plastik im Hochmittelalter s. den Artikel im Lexikon Kunstgeschichte 1: Von der Steinzeit bis zum Mittelalter]


Dichtung im Hochmittelalter

Hartmann1165 ff: Minnesänger (Heinrich von Rugge, * Blaubeuren;
    Burkhart von Hohenfels, * Hohenfels am Bodensee;
    Meinloh von Sevelingen, * Söflingen bei Ulm

Hartmann von Aue, einer der  großen Epiker der Stauferzeit (neben Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg). - * um 1165 in Au im Breisgau (oder in Obernau bei Rottenburg), + um 1220. - Von Hartmann von Aue stammt u.a. "Erec" (das erste mittelhochdeutsche Epos um König Artus) und "Der arme Heinrich". 

[Bild (Marke Liechtenstein, 1963): Minnesänger Hartmann von Aue, aus der Manessischen Liederhandschrift]

   
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Spätmittelalter (ca. 1250 - 1500 n.Chr.): Polit. Grunddaten

Ereignisse/Daten im 13. und 14. Jahrhundert n.Chr. (1250 - 1399)
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1254 - 1273: Interregnum, Zeit ohne anerkannte Könige in Deutschland; Stärkung der Territorialfürsten

Rudolf von Habsburg1273 - 1291: Rudolf von Habsburg wird zum Deutschen König gewählt, der 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld bei Dürnkrut seinen Gegenspieler König Ottokar von Böhmen besiegt.

[Bild (Marke Österreich, 1978): 700. Jahrestag der Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen 1278. Bild: König Ottokar von Böhmen und Rudolf von Habsburg in der Schlacht bei Dürnkrut]

Nach Rudolf von Habsburg erfolgen öfter umstrittene Doppelwahlen von Königen aus den Geschlechtern der Habsburger, Wittelsbacher,Luxemburger u.a.

1265 - 1325: Eberhard I. (der Erlauchte) Graf von Wirtemberg. - Kämpfe auch der Wirtemberger mit König Rudolf von Habsburg

1291: Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft


1321: Unter Graf Eberhard I. Verlegung der Grablege Wirtembergs von Beutelsbach nach Stuttgart; Stuttgart Hauptstadt Wirtembergs

1336: Graf Ulrich III. von Wirtemberg (reg. 1325 - 1344) erhält Markgröningen mit der Reichssturmfahne

1337 - 1453: "Hundertjähriger Krieg" zwischen England und Frankreich

1342: Kauf von Stadt und Burg Tübingen durch Wirtemberg von den Pfalzgrafen von Tübingen

1344 - 1392: Eberhard II. (der Greiner) Graf von Wirtemberg

Karl IV.1346 - 1378: Karl IV. (Luxemburger) regiert als König (seit 1355 auch Kaiser) des Deutschen Reiches. Er gilt als der bedeutendste deutsche König und Kaiser des Spätmittelalters.

[Bild (Marke Böhmen+Mähren, 1943): Portrait von Kaiser Karl IV., König seit 1346, und Kaiser von 1355 - 1378]

Karl IV. baut Prag und Nürnberg als prachtvolle Residenzstädte aus. Von 1373 - 1378 war Tangermünde seine brandenburgische Nebenresidenz.

1348 - 1353: Erste Pestepidemie (Beulenpest) in Europa; durch die Pestwellen starben etwa 30 % der Bevölkerung 

1348: Beginn der Ermordung und Vertreibung vieler Juden auf der Suche nach Schuldigen an der Pestepidemie

1350 (ca.): Beginn des  Renaissance- Humanismus in Italien (Petrarca)

1353 - 1390: Ruprecht I. Kurfürst der Pfalz

Goldene Bulle1356: Goldene Bulle: Unter Karl IV. wird 1356 die Goldene Bulle genannte Gesetzessammlung erlassen, eine Art Reichsgesetz, in der u.a. die bisher ungeregelte Königswahl durch die 7 Kurfürsten geregelt wird

[Bild (Marke BRD, 2006): 650 Jahre Goldene Bulle von 1356: Bild: Goldsiegel König Karls IV. an der Goldenen Bulle, lateinische Inschrift: "Carolus Quartus... Romanorum Imperator..et Boemiae Rex"]

Hanse1356: Gründung der Hanse, genauer: der Städtehanse beim Lübecker Hansetreffen

[Bild (Marke BRD, 2006): 650 Jahre Städtehanse (gerechnet nach der Lübecker Hansetreffen von 1356, das oft als Gründungsdatum der Städtehanse betrachtet wird); Abbildung: Hansekogge (um 1380); Handschrift von ca. 1400 mit der Darstellung einer Schiffsbeladung]

1364 - 1431: Markgraf Bernhard II. von Baden

1368: Freiburg im Breisgau kommt zu Vorderösterreich

1376: Älterer Schwäbischer Städtebund (bis 1389)
[Der unter Führung Ulms gegründete Bund der Reichsstädte sollte die Unabhängigkeit der Städte sichern.]

1378 - 1417: Abendländisches Schisma der katholischen Kirche
[Seit 1378 gibt es zwei konkurrierende Päpste, einen in Rom und einen in Avignon / Frankreich. (Das Schisma wurde erst auf dem Konstanzer Konzil 1414ff beendet.)
]

1380: Gründung der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft

Uni Heidelberg1386: Gründung der Universität Heidelberg

[Bild (Marke BRD, 1986): 600 Jahre Universität Heidelberg; Gebäude der "Alten Universität" von 1712]

1388: Graf Eberhard II. siegt bei Döffingen über die Reichsstädte
[Das bedeutet auch das Aus für den Schwäbischen Städtebund]

1395: Eberhard III. (1392 - 1417) besiegt in Heimsheim den Schleglerbund der Ritter
 


 Ereignisse/Daten im 15. Jahrhundert n.Chr. (1400 - 1499)
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1409: Grafschaft Mömpelgard kommt zu Wirtemberg (1409 - 1793)

1410: Schlacht bei Tannenberg in Preußen: Niederlage des Deutschen Ordens

1410 - 1437: Sigismund von Luxemburg, Sohn von Kaiser Karl IV, wird römisch-deutscher König (und seit 1433 auch zum Kaiser gekrönt).

1414 - 1418: Konstanzer Konzil, einberufen mit Unterstützung von König Sigismund, beendet das Schisma der katholischen Kirche und wehrt brutal die religiöse Herausforderung durch die Hussiten ab (Verbrennung von J.Hus) [s.d. extra Artikel zum Konstanzer Konzil]

1415: Übertragung der Mark Brandenburg an Friedrich VI. von Hohenzollern, damals Burggraf von Nürnberg, durch König Sigismund.
[Seitdem regieren die Hohenzollern ununterbrochen in Brandenburg, Preußen und später als Kaiser des Deutschen Reiches bis 1918.
]

1419 - 1436: Hussitenkriege in Böhmen nach der Ermordung des Theologen J.Hus

1419 - 1482: Mechthild von der Pfalz (* Heidelberg, + Urach)

1427: Jüngerer Schwäbischer Städtebund

1431 - 1439: Konzil von Basel

1440 - 1493: Friedrich III. (Habsburger) deutscher König (seit 1452 auch Kaiser) [Spitzname: "des Deutschen Reiches Erzschlafmütze"]

1442: Nürtinger Vertrag, Teilung Wirtembergs

Gutenberg1450: Gutenberg erfindet den Buchdruck mit beweglichen Lettern, eine Revolution für die massenweise Verbreitung von Informationen aller Art mit Flugblättern, Büchern, u.a.

[Bild (Marke BRD, 1954): 500 Jahre Drucklegung der 42zeiligen Bibel durch Johannes Gensfleisch alias Gutenberg, Lebensdaten: um 1400 - 1468. - Abbildung eines Druckers im 15. Jhdt. an der Gutenberg-Handpresse]

1453: Eroberung Konstantinopels, bisher Hauptstadt des oströmischen Reiches, durch die Osmanen; Ende des Oströmischen Kaiserreiches

1457 - 1496: Eberhard V., im Bart, Graf von Wirtemberg-Urach (seit 1495 Herzog)

1457: Erster Wirtembergischer Landtag in Leonberg; Bedeutung der Landstände

1457: Gründung der Universität Freiburg

1467 - 1477: Herzog Karl der Kühne von Burgund schafft ein Groß-Burgundisches Reich (von Burgund im Süden bis zur Nordsee, einschließlich Lothringen und den Niederlanden). Die angestrebte Königskrone erreichte er allerdings nicht, auch weil er mehrere Schlachten verlor. Belagerung von Neuss

1476 z.B. mißlang Karl dem Kühnen die Einnahme der Stadt Neuss am Rhein, die er zur Vergrößerung seines Gebietes besetzen wollte: Gegen die Belagerung von Neuss durch die Truppen Karls des Kühnen organisierte Kaiser Friedrich III. einen Reichskrieg zum Entsatz von Neuss, nach dem Karl der Kühne die Belagerung aufgeben musste. [Bei den Reichstruppen vor Neuss war auch ein Kontingent von Wirtembergern dabei, die Graf Eberhard V. (der im Bart) abgeordnet hatte.]

[Bild (Marke BRD, 1975): 500-Jahrfeier der abgewehrten Belagerung der Stadt Neuß 1474/75 durch Herzog Karl den Kühnen von Burgund]

1475 - 1515: Christoph I. Markgraf von Baden

1476: Niklaushausener Wallfahrten,
[sozial - revolutionäre Predigten des "Pfeifers von Niklashausen" mit großem Zulauf der verarmten und unterdrückten Bauern u.a., einem Vorläufer des Bauernkrieges]


1477: Gründung der Universität Tübingen durch Eberhard im Bart

1482: Münsinger Vertrag zur Wiedervereinigung Wirtembergs

1484: Päpstliche Hexenbulle durch Papst Innozenz VIII: bringt Verschärfung der Hexenverfolgungen
1487: Veröffentlichung des "Hexenhammers" durch zwei mit der Inquisition beauftragte Dominikanermönche

1487 - 1534:
Schwäbischer Bund


Amerika1492: Entdeckung Amerikas durch Kolumbus
 

 

[Bild (Marke Österreich, 1992): 500 Jahre Entdeckung Amerikas durch Kolumbus; Landkarte des 16. Jahrhunderts mit Nord- und Südamerika]

1493: Beginn der Bauernaufstände des Bundschuh am Oberrhein

Maximilian I.1493 - 1519: Maximilian I. (Habsburger, Sohn Friedrichs III.) deutscher König (seit 1508 auch Kaiser).

[Maximilian wird verheiratet mit Maria von Burgund, einer Tochter Karls des Kühnen, des Herzogs von Burgund. Dadurch kam das Burgunderreich, das inzwischen ein großes Reich geworden war an die Habsburger: Durch die Heiratspolitik begann so die Expansion des Habsburgerreiches zum Weltreich, zu dem später auch Spanien und die Kolonien in Übersee gehörten, ein Reich "in dem die Sonne nicht unterging".]

[Bild (Gedenkumschlag der Post, 2009): 550. Geburtstag Kaiser Maximilians I.: Gemälde Albrecht Dürers "Der letzte Ritter, Habsburger Wappen und Stationen aus dem Leben Maximilians I.]

Wormser Reichstag1495: Wormser Reichstag, einberufen von Maximilian I.: Reichsreform, Verkündigung eines ewigen Reichslandfriedens, Reichskammergericht, allgemeine Vermögenssteuer; Bildung der 6 (später 10) Reichskreise als Verwaltungseinheiten; Erhebung Wirtembergs zum Herzogtum

[Bild (Marke BRD, 1995): 500. Jahrestag der Einberufung des Wormser Reichstags. -; Bild: Tagungsstätte "Zur Münze" in Worms; Handschrift des Wormser Reichsgrundgesetzes; Abbildung von König Friedrich III. (irrtümlich, es müßte Maximilian I. als Einberufer des Reichstags sein)]

1498: Nach der Absetzung des kranken Herzogs Eberhard II. durch die Landstände Regentschaft der Landstände; Einsetzung des noch unmündigen Herzogs Ulrich

1498: Erste Landesordnung in Wirtemberg; Juden werden aus Wirtembg ausgeschlossen

1499: Schwabenkrieg; Ausscheiden der Schweiz aus dem Reich

1500: "Ende des Mittelalters" (zur Periodisierung s. oben die Vorbemerkungen zum Ende des Mittelalters)

.
Spätmittelalter (ca. 1250 - 1500 n.Chr.): Kulturgeschichte

Das Spätmittelalter ist eine sehr widersprüchlich schillernde Epoche, die unterschiedlich wahrgenommen wird: einerseits als Zeit der großartigen Kunstwerke in der gotischen Kunst und Baukunst; dann als Zeit der prosperierenden Städte und des Handels;  manchmal auch als "moderne" Zeit, in der schon die Weichen für die Neuzeit gestellt werden. (darum rechnen manche Historiker die Zeit von 1250 bis 1500 schon zur Frühen Neuzeit).

Meist wird das Spätmittelalter aber vor allem als Krisenzeit gesehen, als eine Zeit besonders dramatischer Krisen in vielen Bereichen:
als Zeit von Herrschaftskrisen, Bevölkerungskrisen und
religiösen Krisen.


Herrschaftskrisen:

Krisen gab es im Spätmittelalter als Herrschaftskrisen: Da ist einmal die Krise des Reichs nach 1254, im "Interregnum", wo es nach dem Ende der Staufer keine starke Königsmacht mehr gab. Diese Krise nützten die Territorialherren um ihr Gebiet und ihre Macht zu vergrößern. Auch Wirtemberg profitierte von dieser Krise.
Später erreichte die Krise die kleineren Herrschaften z.B. in Südwestdeutschland, wo manche kleinere Herrschaften (die keine Erben hatten, oder die völlig überschuldet waren, oder die zu schwach waren um die Untertanen zu schützen) von den größeren aufgekauft oder übernommen wurden: So kamen Städte wie Markgröningen an Wirtemberg (1336), ebenso kamen Tübingen (1342) und die großen Gebiete der Pfalzgrafen von Tübingen an Wirtemberg; die Grafschaft Hohenberg kam an Habsburg /Vorderösterreich, Freiburg ging (1368) ebenfalls an Habsburg.


Krise der Bevölkerungsentwicklung:

Besonders dramatisch ist im Spätmittelalter die Krise der Bevölkerungsentwicklung und die Krise der Landwirtschaft: Während zur Zeit des Hochmittelalters die Bevölkerung enorm zunahm beginnt etwa seit 1300 ein starker Bevölkerungsrückgang. Gründe dafür waren einmal viele Mißernten und Hungersnöte seit Anfang des 14. Jahrhunderts (die wohl auch mit einer Klimaänderung in Richtung auf die "kleine Eiszeit" zusammenhingen), und dann vor allem die schrecklichen Pestepedemien seit 1348, durch die etwa ein Viertel der Bevölkerung starben. 
Im Bereich der Landwirtschaft ist damit verbunden eine große Krise der Getreideproduktion u.a., eine Agrardepression mit der Verelendung der Bauern. 
Das Spätmittelalter ist - bedingt durch den Bevölkerungsrückgang und die Landwirtschaftskrise, die Zeit der Wüstungen, d.h. der völligen Aufgabe von Siedlungen die nicht mehr ertragreich bewirtschaftet werden konnten (Man rechnet mit der Aufgabe von etwa 25 % der damals bestehenden Siedlungen. Ein Beispiel ist etwa die Siedlung Vöhingen bei Schwieberdingen, die im 14. Jahrhundert verschwand.)


Religiöses Krisenbewußtsein:

Das Krisenbewußtsein der Bevölkerung zeigt sich vor allem im religiösen Bereich:
Einerseits entwickelt sich im Spätmittelalter eine besonders verinnerlichte mystischen Frömmigkeit wie sie sich etwa in dem Andachtsbild der Christus-Johannes-Gruppe zeigt und wie sie von dem Mystiker Heinrich Seuse (1295 - 1366) vertreten wird. 

Andrerseits wächst die Kritik an der katholischen Kirche, vor allem an deren Verweltlichung und an der Spaltung im großen Abendländischen Schisma: Seit es 1378 zwei konkurrierende Päpste gibt geht die Spaltung der Anhänger und Gegner der verschiedenen Päpste durch die Mönchsorden und die Kleriker und die Parochien mitten hindurch und verunsichert die Gläubigen.

Schließlich ist das Spätmittelalter eine Zeit der Krise der persönlichen Heilsgewißheit, eine Epoche der Angst: Angst vor den Strafen Gottes, vor neuer Pest, die Angst vor den Höllenqualen und die Bemühungen die eigene Seele zu retten (durch Ablass, Wallfahrten, durch Selbstkasteiung wie in den Geißlerzüge, durch die Verfolgung von "Sündenböcken" wie Juden oder Hexen).


Prosperierende Städte und Handel:

Ein anderes Gesicht des Spätmittelalters zeigt sich in den Städten auch in Südwestdeutschland:
Viele Städte werden auch im 13. und 14. Jahrhundert neu gegründet (s. dazu die Seite über die Städte und Stadtgeschichte im Lexikon). Der innere Ausbau der Städte erfolgt vor allem im Spätmittelalter. Das Handwerk blüht auf. Und der florierende Handel trägt zum Reichtum der Städte bei.

Dass die Macht der Städte nicht unbegrenzt wachsen konnte wurde im Dauerstreit mit den Territorialherren deutlich: In der Schlacht bei Döffingen (1388) werden die Städte des schwäbischen Städtebundes von Graf Eberhard II. (dem Greiner) von Wirtemberg geschlagen.

Zum Handel: 1356 wurde von Städten in Nord- und Westdeutschland die berühmte Städtehanse gegründet. Von den Städten im Südwestdeutschland gehörte keine zur Hanse. Aber der Zusammenschluss in der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft (gegründet 1380, bestehend bis 1530) zeigt etwas vom florierenden Handel und vom Reichtum der Städte.auch in Südwestdeutschland.


Baukunst im Spätmittelalter:

Das Spätmittelalter ist die Zeit der großen gotischen Kirchenbauten. Auch in Südwestdeutschland waren viele Städte über Jahrhunderte eine große Kirchenbaustelle. 
Einige große Kirchenbauten aus dieser Zeit:
- Freiburger Münster (erbaut von etwa 1200 bis 1536),
- Heiligkreuzmünster in Schwäbisch Gmünd (erbaut ab 1310),
- Frauenkirche in Esslingen (gebaut als gotische Hallenkirche ab 1321)
- Ulmer Münster (erbaut ab 1377, wobei der Turm erst im 19. Jhdt. gebaut wurde)
- Michaelskirche in Schwäbisch Hall (als gotische Hallenkirche ab 1427 gebaut)

Wichtige Baumeister (soweit sie namentlich bekannt sind) waren dabei 
Heinrich Parler (er hat 1351 den Hallenchor des Kreuzmünsters in Schwäbisch Gmünd geschaffen, die erste gotische Hallenkirche Süddeutschlands),
Peter Parler (1330 - 1399; er wurde 1356 von Kaiser Karl IV. zum Dombaumeister am Veitsdom nach Prag berufen)
Ulrich von Ensingen (1359 - 1419, Baumeister am Ulmer Münster, in Esslingen und in Strassburg)
Peter von Koblenz (1440 - 1510, der Baumeister von Graf Eberhard im Bart, der nicht nur die Amanduskirche in Urach um-gebaut hat sondern auch manche kleineren Dorfkirchen im Uracher Teil-Reich Wirtembergs, z.B. die Georgskirche in Schwieberdingen)


Bildende Kunst im Spätmittelalter:

In der Bildenden Kunst war die Zeit des Spätmittelalters eine Hoch-Zeit gotischer Malerei und Plastik auch in Südwestdeutschland. (Sie ist auf einer extra Seite zur Kunstgeschichte im Lexikon etwas ausführlicher dargestellt).

MeinlohSie beginnt mit den Buchmalereien der Liederhandschriften und den Glasmalereien und Skulpturen der Frühgotik.

[Bild (Marke Berlin, 1970): Buchmalere iaus der Weingarter Liederhandschrift von 1310: Minnesänger Meinloh von Sevelingen.]

Zur Zeit der Hochgotik (ab 1350) dominieren dann die großen Tafelbilder von Stefan Lochner, Konrad Witz, Lukas Moser und Hans Multscher.

In der Zeit der Spätgotik (ab 1450) war dann die Reichsstadt Ulm wichtigstes Zentrum spätgotischer Kunst. Zur "Ulmer Schule" werden Gregor und Michael Erhart gerechnet, Bartholomäus Zeitblom, Jörg Syrlin d.Ä.., Adolf Daucher, Martin Schaffner u.a. Nicht vergessen darf der in Horb geborene Veit Stoß der seine Hauptwerke in Krakau und Nürnberg schuf.


Renaissance- Humanismus: ein neues Verständnis des Menschen und der Welt
[s. auch extra Artikel im Lexikon: Humanismus und Renaissance - eine geistige Revolution im Spätmittelalter]

PetrarcaMeist lässt man die geistige Bewegung der Renaissance (= Wiedergeburt oder Wiederentdeckung der römischen und griechischen Antike) und des Humanismus (= Bildung des Menschen zu einem erfüllten Leben im Diesseits, begeisterte Erforschung und Entdeckung der Welt) im 14. Jahrhundert mit Petrarca in Italien beginnen.

[Bild (Marke Italien, 2004): 700. Geburtstag Francesco Petrarcas (1304 - 1374); Portrait Petrarcas in zeitgenössischer Tracht]

In Italien sind die Folgen der Renaissance für die bildende Kunst besonders bekannt geworden. Fast alle großen Maler des 14. und 15. Jahrhunderts in Italien sind der Renaissance zuzurechnen. Als Kunstrichtung hat die Renaissance demgegenüber im Deutschland des 15. Jahrhunderts gegenüber der Gotik noch keine Rolle gespielt.

Anders der (später so genannte) Humanismus als neues, an der Antike geschultes Bildungskonzept des menschlichen individuellen Lebens und der Welt: Der Humanismus breitete sich bald auch in Deutschland, auch in Südwestdeutschland aus. Gelegentlich wurde diese Bewegung in Nordeuropa auch von den Kaisern befördert: Kaiser Karl IV. kam durch einen längeren Aufenthalt Petrarcas um 1370 am Hof in Prag mit humanistischen Gedanken in Berührung, und Kaiser Maximilian I. war um 1490 ein besonderer Förderer des Humanismus.

Wichtige Humanisten in Südwestdeutschland im 15. Jahrhundert waren
- Johannes Agricola (+ 1485 in Heidelberg)
Celtis- Konrad Celtis, der Dichter und "Erzhumanist" (+ 1508)
- Niklas Wyle, Ratsschreiber (+ 1478 in Stuttgart)
- Heinrich Steinhöwel, Arzt (+ 1483 in Ulm)
- Gabriel Biel (+ 1484 in Tübingen)

Mehr im 16. Jahrhundert wirkten dann
- Johannes Reuchlin (+ 1522)
- Erasmus von Rotterdam (einige Jahre in Freiburg) (+ 1536 in Basel)

Eine Verbindung von Humanismus und lutherischer Reformationstheologie praktizierten
- Philipp Melanchthon (+ 1522)
- Martin Bucer aus Schlettstadt (+ 1551)


Bildung und Schulen im Spätmittelalter, Universitätsgründungen:

Auch im Spätmittelalter gab es, wie im Hochmittelalter, eine große Zahl von Schulen für die Bildung der Mönche und Priester, aber auch der Kaufleute, der Händler und der Handwerker: Klosterschulen, Domschulen, vor allem immer mehr städtische Schulen und auch "Deutsche Schulen". Schätzungen für das Gebiet des späteren Deutschen Reiches gehen davon aus dass am Ende des Spätmittelalters etwa 5 - 10 % der Bevölkerung lesen konnte (die Zahl derer die nicht nur lesen, sondern auch lateinisch oder deutsch schreiben konnte war wohl sehr viel kleiner).
Überraschend ist dass die Anzahl der literarisch gebildeten Frauen vermutlich fast so gross war wie die der Männer. Einschneidende Veränderungen ergaben sich dabei erst durch die Gründung der Universitäten: Bei den Universitäten waren von vornherein nur Männer zugelassen.

Universitäten wurden in Deutschland erst viel später gegründet als etwa in Italien und in Paris.

Nachdem in Prag 1348 die erste Universität im Deutschen Reich gegründet war gab es in den Ländern Südwestdeutschlands gleich 3 Universitäsgründungen (durch die auch der Humanismus Eingang in Südwestdeutschland fand):

1386: Universität Heidelberg wird als Universität für die Kurpfalz gegründet (Kurfürst Ruprecht I.)

Uni Tüb.1457: Universität Freiburg wird als Universität für Vorderösterreich gegründet (Herzog Albrecht VI. von Österreich und seine Frau Mechthild von der Pfalz)

1477: Universität Tübingen wird gegründet damals noch im Teil-Reich Wirtemberg-Urach (Graf Eberhard V., Eberhard im Bart, angeregt durch seine Mutter Mechthild von der Pfalz)

[Bild (Marke BRD, 1977): Gründung der Universität Tübingen 1477; Großes Siegel der Universität, mit Wappen]

Folgezeit: Epoche der Frühen Neuzeit/ Neuzeit  (ab 1500 n.Chr.)

 

Übersicht über die anderen Epochen in anderen Artikeln des Lexikons (mit Links):

Daten zur Urgeschichte, Vor- und Frühgeschichte
-
Urgeschichte der Erde: s. extra Tabelle zur Erdgeschichte

- Vor- und Frühgeschichte (ca. 500000 - 800 v.Chr.) (Steinzeit etc.)

Geschichtsdaten zum Altertum (800 v. Chr. bis 500 n.Chr.):
- Jahrhunderte von 800 v.Chr -  0 (Eisenzeit; Kelten)
- Jahrhunderte von 0 - 500 n.Chr. (Römer, Alamannen)

Geschichtsdaten zum Mittelalter (500 n.Chr. - 1500 n.Chr.)

Geschichtsdaten zur Frühen Neuzeit (1500 - 1789 n.Chr.):
- 16.Jhdt. (1500 - 1599 n.Chr.)
- 17.Jhdt. (1600 - 1699 n.Chr.)
- 18.Jhdt. (1700 - 1789 n.Chr.)

Geschichtsdaten Neuere Geschichte (1789 - ca.2000):
- 19.Jhdt. (1789 - 1899 n.Chr.)
- 20.Jhdt. (1900 - 1999 n.Chr.)

Literaturhinweise

Literaturhinweise zum gesamten Mittelalter von 500 - 1500:

Peter Hilsch: Das Mittelalter - die Epoche.
UTB basics.
UVK Verlagsgesellschaft Konstanz, 2006

Johannes Fried: Das Mittelalter. Kultur und Geschichte.
Beck- Verlag 2008

Wilfried Hartmann (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung
Band 1: Frühes und hohes Mittelalter 750 - 1250. Reclam-Verlag 1995
 

Literaturhinweise zum Mittelalter in Südwestdeutschland:

Karl Weller/Arnold Weller: Württembergische Geschichte im südwestdeutschen Raum. Theiss-Verlag, 10. Auflage 1989

Willi A. Boelcke: Handbuch Baden-Württemberg. Politik, Wirtschaft, Kultur von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Kohlhammer-Verlag 1982

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© Manfred Ebener / E-Mail- Kontakt: m.ebener@z.zgs.de  / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Zeittafel Mittelalter / letzte Änderung: 10.11.2014

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