Manfred Ebener: WappenLexikon Geschichte Baden+Württemberg:
Zeittafel / Überblick: Das 20. Jahrhundert I (1900 - 1945): 1. Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, 2. Weltkrieg
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Zeittafel / Überblick zur Deutschen Geschichte insgesamt:
Das 20. Jahrhundert I (1900 - 1945)
: 

Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Weimarer VerfassungDie linke Spalte enthält einen chronologischen Überblick über die Geschichte des Deutschen Reiches von 1900 - 1945;

die rechte Spalte skizziert die Geschichte der Republik Württemberg als Land der Weimarer Republik und des "Dritten Reichs" von 1900- 1945.

[Bild (Marke BRD, 1969): 50 Jahre Weimarer Verfassung (1919 verabschiedet von der Weimarer Nationalversammlung); 20 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (1949 verabschiedet)]

Übersicht über den Artikel zum 20. Jhdt. in Deutschland
(mit Links zu den Unter- Abschnitten):

I.   1871 - 1918: Vorgeschichte: Kaiserreich und 1.Weltkrieg

II.  1918 - 1933: Revolution und Weimarer Republik:

- 1918/1919: Revolution und Entstehung der Weimarer Republik
- 1919-1923: Krisenjahre der Weimarer Republik
- 1924-1929: Weimars beste Jahre ("Goldene Zwanziger")
- 1929-1933: Aushöhlung und Ende der Weimarer Republik


III. 1933 - 1939: Herrschaft der Nationalsozialisten I im Deutschen Reich

IV. 1939 - 1945: Nationalsozialisten II: 2. Weltkrieg

Geschichte Württembergs 4 (1918 - 1945):

Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Republik Württemberg als Land der Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Die linke Spalte enthält einen chronologischen Überblick über die Geschichte des Deutschen Reiches von 1900 - 1945;

Volksstaat W.die rechte Spalte skizziert die Geschichte Württembergs im Ersten Weltkrieg, als Land der Weimarer Republik und des "Dritten Reichs" von 1914 - 1945

[Bild (Dienstmarke Württemberg, 1919): Marke des Königreichs Württemberg von 1902, mit Aufdruck von 1919: "Volksstaat Württemberg"]

Übersicht über den Artikel zu Württemberg
(mit Links zu den Unter- Abschnitten):

I.  1891 - 1918: Vorgeschichte: Königreich Württemberg und 1. Weltkrieg in Württemberg

II. 1918 - 1933: Württemberg Republik und
Land der Weimarer Republik

- 1918/1919: Revolution und Republik Württemberg
- 1919-1929: Württemberg in der Weimarer Republik
- 1929-1933: Letzte Jahre in der Weimarer Republik


III. 1933 - 1939: Herrschaft der Nationalsozialisten I in Württemberg

IV. 1939 - 1945: Südwestdeutschland im 2. Weltkrieg

I. 1871 - 1918: Vorgeschichte: Kaiserreich / 1.Weltkrieg


Kaiserreich 18711871: Gründung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles, nach dem Sieg Deutschlands im Krieg gegen Frankreich
Kaiser Wilhelm I. (Bismarck Reichskanzler bis 1890)

[Bild (Marke BRD, 1971): 100. Jahrestag der Reichsgründung von 1871; Abbildung: Reichsadler mit großem Brustschild und Kaiserkrone]


1888: Kaiser Wilhelm II. (Kaiser von 1888 - 1918), der eine immer stärker imperialistische Politik macht (verstärkt nach Bismarcks Entlassung 1890 durch den Kaiser)


1914 bis 1918:  Erster Weltkrieg: (s. dazu ausführlicheren Artikel im Lexikon: Erster Weltkrieg)

Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich, Bulgarien u.a. gegen die Entente von Russland, Frankreich, Großbritannien, Italien (seit 1916), USA (seit 1917) u.v.a.; Krieg zu Land, zu Wasser und in der Luft.
(Zunächst schnelle Siege von Deutschland und Österreich-Ungarn, dann die furchtbare Stellungskriege von Verdun usw.; schließlich - vor allem seit dem Kriegseintritt der USA - zunehmende Übermacht der "Westmächte")
Zur Obersten Heeresleitung (OHL) in Deutschland gehörten Kaiser Wilhelm II., Feldmarschall Paul von Hindenburg und Generalquartiermeister Erich Ludendorff.

1917: Spaltung der Sozialdemokratischen Partei in MSPD und USPD

1917: Russische Oktoberrevolution mit dem Sieg der Bolschewisten unter Lenin; UdSSR

1918: Kriegsjahr 1918:

3.3.1918: Friede von Brest-Litowsk, Diktatfriede Deutschlands mit dem durch die Revolution geschwächten Russland, bei dem Russland einen Großteil seiner westlichen Gebiete (Baltikum, Polen, Ukraine) verlor. Illusion des Sieges in Deutschland

8.8.1918: Entscheidender Durchbruch der Alliierten bei Amiens; Rückzug der deutschen Truppen

14.8.1918: Bei einer Konferenz im Hauptquartier in Spa erklärt die deutsche Oberste Heeresleitung die Fortführung des Krieges für aussichtslos (hält diese Einschätzung aber geheim; in der Öffentlichkeit wurde weiter der baldige Sieg propagiert)
[Gründe für die deutsche militärische Niederlage: Überschätzung und Überforderung des deutschen Militärs, Erschöpfung, Überdehnung im Osten, Verlust der Bündnispartner, Kriegseintritt der USA 1917]

28.9.1918: Hindenburg und Ludendorff fordern sofortigen Waffenstillstand

3.10.1918: Prinz Max von Baden wird zum Reichkanzler berufen. Verfassungreform: Der Reichskanzler bedarf der Zustimmung des Reichstags. (Parlamentarische Monarchie)

4.10.1918: Waffenstillstandsangebot der deutschen Regierung an die USA (Wilson). - Wilson stellt viele Bedingungen, u.a. demokratische Bevollmächtigte in Deutschland als Verhandlungspartner.

26.10.1918: Entlassung Ludendorffs; Nachfolger wird General Groener

11.11.1918: Unterzeichnung des Waffenstillstands im Wald von Compiègne mit starken Verlusten für Deutschland. (Für Deutschland
wurde der Waffenstillstand von Matthias Erzberger unterzeichnet.)

28.6.1919: Unterzeichnung des Versailler "Friedensvertrags" durch die deutsche Reichsregierung.

I. 1891 -1918: Vorgeschichte: Königreich Württemberg / 1. Weltkrieg


(Zur Geschichte des Königreichs Württemberg im 19. Jahrhundert s.d. Artikel über das "Königreich Württemberg")

1891: König Wilhelm II. von Württemberg (regiert 1891 - 1918)

Wilhelm II.Der volkstümliche König Wilhelm II. befördert in der Zeit seiner Regierung die Reformgesetzgebung in verschiedenen Bereichen, die Wirtschaft, die Wohlfahrt der Arbeiter, Schulen und Wissenschaften, Kultur und Kunst. 

[Bild oben (Marke Württemberg 1916): 25 Jahre Regentschaft Wilhelm II.; Portrait König Wilhelm II. von Württemberg]

Ministerpräsident im Königreich Württemberg war von 1906 - 1918 Karl Hugo von Weizsäcker.


1914 bis 1918: Erster Weltkrieg und /in Württemberg:

Die deutschen Kriegserklärungen an Russland und Frankreich im August 1914, mit denen für Deutschland der Krieg begann, wurden im Königreich Württemberg ähnlich euphorisch und fanatisch begrüßt und gerechtfertigt wie überall in Deutschland:
König Wilhelm II. von Württemberg erließ einen Aufruf an sein Volk in dem er den Krieg als notwendig und begründet darstellte und zum Kriegseinsatz aufrief.
Auch die Kirchen riefen zum Krieg auf. Dazu der Text einer Kanzelabkündigung, der am 2. August 1914 von der Kanzel der evangelischen Stadtkirche in Wildbad gelesen wurde (Zitat aus dem von Ehmer u.a. herausgegebenen Buch "Gott und Welt in Württemberg", Calwer Verlag, 2000, S. 165f.) "Wir haben guten Grund, getrost zu sein. Wir haben Grund, denn wir sind im Recht. Wahfhaftig, wir haben diesen Krieg nicht heraufbeschworen in Leichtsinn oder Übermut. Der Feind ist's, der mit frevelhaftem Beginnen den Brand entzündet hat,,, Wir sind im Recht. Darum ist Gott mit uns."

Soldaten aus Württemberg kämpften - und starben - in den 4 Kriegsjahren an fast allen Kriegskampfstätten.
EhrenmalAuf den Gefallenendenkmälern, die in fast jedem größeren und auch kleineren Ort in Württemberg zur Erinnerung an die Toten des 1. Weltkriegs errichtet wurden, sind die meisten Schlachtorte verzeichnet. Z.B. auf dem Ehrenmal auf dem Arsenalplatz in Ludwigsburg, wo der 128 Offiziere und 4160 Mannschaften einer Einheit gedacht wird, die im Krieg gestorben sind. Als Orte und Landschaften sind dort angegeben Orte in Belgien (Ypern, Langemark), Frankreich (Somme, Flandern, Reims), Russland, Serbien, Italien (Piave).

[Bild (Foto Ebener): Ehrenmal für die Toten des 1. Weltkriegs auf dem Arsenalplatz in Ludwigsburg, Ausschnitt, mit den Ländern und Orten von 128 Offizieren und 4160 Mannschaften einer Einheit.]

Im  Ersten Weltkrieg von 1914 - 1918 erleiden die Württemberger innerhalb des deutschen Heeres die relativ höchsten Verluste: etwa 85.000 Kriegstote und 200.000 Verwundete.

Die "Heimatfront":

Die Folgen des Krieges, der eben kein "Blitzkrieg" wurde, wurden auch im Königreich Württemberg bald spürbar. Das unendliche Leid das die Bevölkerung im Heimatland durch die Nachrichten von den in den Schützengräben gequälten Soldaten erlebte, durch die Nachrichten von den verwundeten und gefallenen Soldaten, veränderte die anfängliche Euphorie beim Auszug in den Krieg sehr bald. Neben dem Leid durch die verlorenen Partner und Väter und Ernährer gab es handfeste wirtschaftliche Probleme: Es fehlten bald auch die Mitarbeiter in der Landwirtschaft zur Erzeugung von genügend Nahrungsmittel, was auch (neben der Blockade des Auslands) zu den katastrophalen Hungersnöten etwa im "Steckrübenwinter" 1916 führte. Dazu kam die gesamte Wirtschaft in Schwierigkeiten, die nicht auf eine Kriegswirtschaft vorbereitet war. Es fehlte Kaufkraft für den einheimischen Markt, es fehlten Exportmöglichkeiten in die ausländischen Märkte, und bald fehlten auch die nötigen Mitarbeiter in den Firmen (wenn nicht Frauen die Rollen der Männer übernahmen). Nur ein Wirtschaftsbereich stellte eine Ausnahme dar: Die Produzenten für Rüstungs- und andere kriegswichtige Güter. Deren Geschäfte gingen glänzend, auch die dort beschäftigten Arbeiter verdienten gut. Entsprechend wurden sie als Kriegsgewinnler verachtet.

Die 4 Jahre Krieg hatten die Bevölkerung kriegsmüde, zermürbt und hoffnungslos gemacht. Auch darum gab es kaum Widerstand gegen die Revolution mit dem Ende der Monarchie, gegen die Arbeiter- und Soldatenräte und gegen den Volksstaat Württemberg.

II. 1918 - 1933: Revolution 1918 im Deutschen Reich + Weimarer Republik


1918/1919: Revolution und Entstehung der Weimarer Republik
                
Matrosenrevolution 191828.10.1918: Beginn der Gehorsamsverweigerung bei der deutschen Flotte in Wilhelmshaven (zunächst Weigerung zu einem Himmelfahrtskommando auszulaufen, dann Weigerung den Krieg fortzusetzen)               

[Bild (Marke DDR, 1967): 50 Jahre revolutionäre Matrosenbewegung in Wilhelmshaven; Max Reichpietsch vor dem Großlinienschiff "Friedrich der Grosse"]

4.11.1918: Ausweitung und Sieg der Meuterei bei der Flotte in Kiel, danach: Ausweitung der Revolution auch auf das ganze Land.
Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten in ganz Deutschland

8.11.1918: Sturz der Wittelsbacher in München und Ausrufung des "Freistaats Bayern"

9.11.1918: Die revolutionäre Bewegung erreicht Berlin
                ("Novemberrevolution"):

- Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhelms II. (der danach ins Exil nach Holland geht) (Formell dankt dann der Kaiser am 28.11.1918 ab.)
- Max von Baden überträgt die Regierungsgeschäfte an den      Führer der stärksten Partei, an den Mehrheits-Sozialdemokraten Friedrich Ebert (MSPD)
-  Philipp Scheidemann (MSPD) ruft vom Berliner Reichstag aus die Republik aus
-  Karl Liebknecht ruft kurz darauf in Berlin die "sozialistische
Republik" aus.

Ebert10.11.1918: Bildung der Regierung der Volksbeauftragten aus je 3 Mitgliedern der MSPD (u.a. F.Ebert) und der USPD.

Friedrich Ebert, der 1919 auch zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt wurde, war der wohl wichtigste Politiker bei der Bewältigung eines geordneten Übergangs zur Weimarer Republik und bei der Gestaltung der ersten Jahre der Republik.

[Bild (Marke BRD, 1971, mit einer BRM des Deutschen Reichs von 1928): 100. Geburtstag von Friedrich Ebert, SPD, Reichspräsident der Weimarer Republik von 1919 - 1925; Aufdruck "Dem Deutschen Volke"]

12.11.1918: In einem "Aufruf des Rats der Volksbeauftragten an das Deutsche Volk" werden erste durchaus revolutionäre Gesetze verkündet, z.B. die Garantie der Freien Meinungsäußerung, die Einführung des Achtstundentags und das gleiche aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen.

Frauenwahlrecht 1919Das Frauenwahlrecht stand schon lange im Parteiprogramm der SPD. Durch den "Aufruf" vom 12.11. wurde es Gesetz das zum ersten Mal 1919 bei der Wahl zur Nationalversammlung praktiziert wurde. (1919 wurden bereits 37 Frauen in die Nationalversammlung gewählt, u.a. Marie Juchacz (MSPD), Marie-Elisabeth Lüders (DDP), und Helene Weber (Zentrum).)

[Bild (BRM-Block BRD, 1969): 50 Jahre Frauenwahlrecht; Portraits von Marie Juchacz, Marie-Elisabeth Lüders und Helene Weber]

20.12.1918: Ein Reichsrätekongress in Berlin lehnt das Rätesystem ab und beschließt die Wahl zur Nationalversammlung am 19.Januar 1919.

1919:
5./11.1.1919: Unruhen und Straßenkämpfe in Berlin (Spartakusaufstand)

Liebknecht+R.Luxemburg15.1.1919: Ermordung der KPD-Politiker Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch Freikorpsoffiziere in Berlin.

[Bild (Marke DDR, 1968): 50. Jahrestag der Novemberrevolution; Kopfbilder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburg, Zeitungskopf der DDR-Zeitung "Neues Deutschland" mit Inschrift "Ihr Vermächtnis wurde uns Wegweiser"]

19.1.1919: Wahl der Verfassungsgebenden Nationalversammlung
6.2.1919: Zusammentreten der Nationalversammlung in Weimar
11.2.1919: Wahl Friedrich Eberts zum (vorläufigen) Reichspräsidenten
13.2.1919: Bildung der Regierung der Weimarer Koalition (MSPD, DDP, Zentrum) mit Scheidemann als Regierungschef


31.7.
1919: Die Weimarer Reichsverfassung wird durch die Nationalversammlung verabschiedet (am 11.8. durch Reichspräsident Ebert unterzeichnet).
[s.d. Exkurs zur Weimarer Verfassung in der rechten Spalte]

II. 1918 - 1933: Württemberg Republik und Land der Weimarer Republik


1918/1919: Revolution und Entstehung der Republik Württemberg
 
Mit dem Zusammenbruch an der Kriegsfront im Jahr 1918 bilden sich auch in Württemberg für kurze Zeit Arbeiter- und Soldatenräte. Gemeinsam mit den Bürgerlichen und Mehrheitssozialisten propagieren sie einen Volksstaat Württemberg; nur wenige Radikale fordern eine Räterepublik

9.11.1918: In Stuttgart wird der Volksstaat und die Republik Württemberg ausgerufen
Wilhelm II. König von Württemberg wird zum Thronverzicht gezwungen. Er verläßt am 9.11. Stuttgart und zieht nach Bebenhausen. Von dort aus teilt er am 30.11. den endgültigen Verzicht auf den Thron mit. -
Das war das Ende der Monarchie auch in Württemberg.

Wilhelm Blos, Sozialdemokrat, leitet ab 10.11.1918 die provisorische Regierung Württembergs.

31.3.1919: Generalstreik in Württemberg

26.4.1919: Eine neue Verfassung für den Volksstaat Württemberg wird im Ludwigsburger Schloss verabschiedet. (Am 100sten Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung von 1819!)

Die Republik Württemberg ist ein Land der neu entstehenden föderativen Weimarer Republik.

Die neue Verfassung Württembergs wird Ende 1919 an Bestimmungen der neuen Weimarer Verfassung angepasst
(z.B. werden die seit 1871 noch bestehenden Württembergischen Sonderrechte / Reservatrechte auf eine eigene Militärverwaltung, eigene Posthoheit, eigene Eisenbahnverwaltung abgeschafft:
seitdem hat sich Württemberg verabschiedet von einem eigenen württembergisches Militär, von einer eigenen Eisenbahn, von einer eigenen Postverwaltung, von eigenen Briefmarken.

TübingenPhilatelistisch lässt sich dieser Abschied durch einige "Abschiedsausgaben" dokumentieren, die 1920 als letzte Briefmarken der ehemaligen Württembergischen Post erschienen.

[Bild (Volksstaat Württemberg, 1920): Eine der 4 "Abschiedsausgaben" zum Abschied von der königlich- württembergischen Post: Blick auf Tübingen, mit dem Tübinger Schloss und der Stiftskirche]

Bei den ersten Wahlen für den Volksstaat Württemberg werden das Zentrum, die liberalen Demokraten (DDP), die Deutsch-Nationalen (DNVP) und die Sozialdemokraten die stärksten Parteien.

Clara ZetkinAuch in Württemberg gilt seit 1919 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Von 1919 an ist Clara Zetkin als eine der wenigen Abgeordneten der KPD Mitglied im neuen Landtag von Württemberg..

[Bild (Marke DDR, 1955): Führer der deutschen Arbeiterbewegung: Clara Zetkin; Portrait Clara Zetkins]

[Fortsetzung unten: Württemberg 1919 - 1929]

1919 - 1923: Krisenjahre der Weimarer Republik

13.-17.3.1920: Rechtsradikaler Kapp - Lüttwitz- Putsch (Flucht der Reichsregierung nach Dresden und Stuttgart)

Erzberger26.8.1921: Ermordung des Zentrum-Politikers Matthias Erzberger durch rechte Freikorps

[Bild (Marke BRD, 1975): 100. Geburtstag von Matthias Erzberger, Zentrums-Politiker der Weimarer Republik; Portrait Erzbergers]

16.4.1922: Vertrag von Rapallo: Deutsch-sowjetischer Vertrag von Deutschland unter Reichsaußenminister Walter Rathenau ausgehandelt: Gegenseitiger Verzicht auf Ersatz der Kriegskosten, Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

24.6.1922: Ermordung von Walther Rathenau (Reichsaußenminister, DDP) durch Mitglieder der rechtsextremen und antisemitischen "Organisation Consul".

11.1.1923: Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen aus Protest gegen die ausbleibenden Reparationsleistungen Deutschlands (bis 1925)

8.11.1923: Hitler-Putsch in München, mit dem Hitler und die Nationalsozialisten erstmals Deutschland beherrschen wollten. - Der Putsch scheiterte, Hitler kam für einige Monate ins Gefängnis nach Landsberg wo ein Teil seines Werkes "Mein Kampf" entstand.

Inflation1922/1923: Inflation in Deutschland (Gründe für die Hyperinflation: völlige Verschuldung durch den Weltkrieg; Reparationskosten; Wirtschaftliche Lähmung des besetzten Ruhrgebietes; langsame wirtschaftliche Erholung; zu langsame Wirkung von Erzbergers radikaler Finanzreform)
15.11.1923: Währungssanierung durch Hjalmar Schacht u.a. beendet die Inflation. Einführung der Rentenmark/ Reichsmark.

[Bild (Marke Deutsches Reich, 1923): Briefmarke der Inflationszeit: Zahl "200 Mark", mit Überdruck "2 Millionen"]


1924 - 1929: Die relativ stabilsten und besten Jahre der Weimarer Republik; die "Goldenen Zwanziger Jahre"

1.1.1924 (ca.): Gustav Stresemann (DVP) wird Reichsaußenminister in einer Regierung unter dem Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum). -

Stresemann[Gustav Stresemann ist der bestimmende deutsche Politiker der Jahre 1924 - 1929, vor allem in Fragen der Außenpolitik und bei der Lösung der Reparationsfragen. Er hat große Verdienste um die Wiederaufnahme Deutschlands unter die westlichen Großmächte. Der Friedensnobelpreis, den er 1926 zusammen mit dem französischen Außenminister Briand erhielt, würdigte vor allem seine Verdienste um die Verständigung mit Frankreich. - Stresemann, der 1923 für kurze Zeit selbst Reichskanzler war, war Außenminister in 7 verschiedenen Regierungen von 1924 - 1929.]

[Bild (Marke BRD, 1975): Im Block "Deutsche Friedensnobelpreisträger": Gustav Stresemann, 1878 - 1929, Reichsaußenminister der Weimarer Republik, Friedensnobelpreis 1926]

1.9.1924: "Dawes-Plan" zur Neuordnung der Reparationen tritt in Kraft

5. - 16. 10.1925: Konferenz von Locarno (Deutschland und Frankreich und Belgien verpflichten sich die im Vertrag von Versailles festgehaltenen Westgrenzen und die entmilitarisierte Rheinlandzone zu respektieren)

1925: Nach dem Tod von Friedrich Ebert wird Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt

1926: Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund

1927: Einführung der Arbeitslosenversicherung und Gesetz über Arbeitsvermittlung, vor allem durch Heinrich Brauns (Reichsarbeitsminister, Zentrumspartei) unter dem Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum).
[Arbeitslosenversicherung war nur ein Element beim umfangreichen Ausbau des Weimarer Sozialstaates. Dazu gehörten u.a. Gesetze zur weitgehenden Gleichberechtigung der Frauen seit 1918, das Betriebsrätegesetz von 1920, das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 mit seinen Regelungen zur Jugendpflege und Jugendfürsorge, das Gesetz für Schwerbeschädigte von 1923, die Fürsorgegesetze von 1924]

1929: Vorbereitung des Young-Plans zur Beendigung der Reparationszahlungen
3.10.1929: Tod von Außenminister Stresemann

Last but not least: Die mittleren Jahre der Weimarer Republik waren eine beispiellose kulturelle Blütezeit auf beinahe allen Gebieten die hier nur kurz genannt werden können:
- die Entwicklung und Breitenwirkung der Massenmedien, besonders von Zeitungen, Rundfunk und Film (z.B. "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich);
- in der bildenden Kunst die "klassische Moderne": Malerei und Skulpturen des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit (z.B. Max Beckmann und Otto Dix);
- in der Architektur die Entwicklung des Neuen Bauens wie es vom Bauhaus praktiziert wurde;
- in der Literatur und im Theater Werke eines neuen sozialkritischen Realismus (z.B. Döblins "Berlin Alexanderplatz", oder Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick"); - und daneben satirische Literatur und humorvolle "Gebrauchslyrik" (z.B. von Tucholsky);
- in der Musik neusachliche "Gebrauchsmusik" (z.B. zu Brecht/Weills "Dreigroschenoper"), Jazz, und populäre Schlager (z.B. die Lieder der Comedian Harmonists)

1919 - 1929: Württemberg in der Weimarer Republik

In der Republik Württemberg gab es in den Anfangsjahren nach der Gründung der Weimarer Republik keine so dramatischen Krisen mit gewalttätigen Putschversuchen und politischen Morden wie in Berlin oder Bayern oder Hamburg. (Daher floh auch die Reichsregierung während des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920 aus Berlin in das ruhigere Stuttgart.)

Parteien, Regierungen, Präsidenten:

Von 1919 bis 1933 regieren meist Koalitionen aus Zentrum und konservativen Parteien, öfter von den Sozialdemokraten tolerierte Minderheitsregierungen:

1919 - 1924 bildet Staatspräsident Johannes Hieber (DDP) eine bürgerliche Regierung; 

1924 ist Wilhelm Bazille (Deutschnationaler) Präsident.
 

Eugen Bolz1928 - 1933 wird Eugen Bolz vom Zentrum (der schon seit 1919 Minister gewesen war) Staatspräsident. 1930 holt er Reinhold Maier von der DDP als Wirtschaftsminister in die Regierung.

[Bild (Marke BRD, 2006): Portrait des Zentrums-Politikers und Württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz, 1881 - 1945]

Die Sozialdemokraten sind seit 1919 meist in der Opposition, obwohl sie zeitweise stärkste Partei sind; nur ab 1920 beteiligen sie sich für kurze Zeit an der Regierung: Wilhelm Keil tritt als Minister für Ernährung, Arbeit und Wirtschaft ins Kabinett ein. -

Kurt SchumacherAb 1924 ist Kurt Schumacher Oppositionsführer der SPD im Landtag Württembergs.

 

[Bild (Marke BRD, 1972): 20. Todestag K. Schumachers; Portrait von Kurt Schumacher].

Wichtige Themen dieser Jahre sind Wirtschaftsfragen: die Wiedereingliederung der aus dem verlorenen Krieg heimkehrenden Soldaten, der Wiederaufbau nach dem verlorenen Krieg; die Bewältigung der Folgen des Versailler Vertrags (die für Württemberg nicht ganz so schlimm wie für Baden waren), die Inflation 1923, die Weltwirtschaftskrise ab 1929.

1923: Höhepunkt der Auswanderung aus Württemberg (1923:12.700 Auswanderer)

1923 - 1938: Neckarkanalisation von Mannheim bis Heilbronn
1924: Gründung der 1. deutschen Bausparkasse, der GdF Wüstenrot, in Wüstenrot
1924: Gründung des Süddeutschen Rundfunks (SDR) in Stuttgart

1926: Fusion von Daimler und Benz zur Daimler-Benz-AG in Stuttgart

1931: Porsche-AG in Stuttgart gegründet

Einige Bildungs-und kulturpolitische Daten:

1920: Einführung der 8-jährigen Schulpflicht in Württemberg durch das Schulgesetz von 1920 (realisiert erst ab 1928)

1924: Kirchengesetz: Trennung von Kirche und Staat (z.T.)
Kulturpolitisch erfolgt in diesem Jahrzehnt die Trennung von Kirche und Staat (damit auch definitive Ende der geistlichen Schulaufsicht und eine selbständige Landeskirchenverfassung) mit dem Kirchengesetz von 1924. 

Einige kulturelle Ereignisse in den "Goldenen Zwanziger Jahren" in Württemberg:

In der bildenden Kunst wirken A. Hoelzel, O. Schlemmer und W. Baumeister in Stuttgart u.a.;

in der Architektur  ist der Bau der Weißenhof- Siedlung in Stuttgart 1926/ 1927 mit den neuen Wohnhäusern von Le Corbusier, Scharoun, Taut u.a. ein fast revolutionäres Ereignis gegenüber der bisher dominierenden konservativen Stuttgarter Architektenschule (Bonatz, Schmitthenner);

Weissenhof-Siedlung

[Bild (Bildpostkarte bei der Südposta 1987): Werkbundsiedlung Weißenhof in Stuttgart, erbaut 1926/1927]

in der Literatur sind E. Jünger und H. Hesse zu nennen; in der Pädagogik die reformpädagogischen Projekte der Waldorfschulen und der Landerziehungsheime wie in Salem. -

1929 - 1933: Aushöhlung der Weimarer Republik bis zu Hitlers Berufung zum Reichskanzler

25.10. 1929: Beginn der Weltwirtschaftskrise mit Kursstürzen an der New Yorker Börse

27.3.1930: Zerbrechen der letzten Großen Koalition.
Von nun an regieren (trotz wiederholten Auflösungen des Reichstags und Neuwahlen) keine parlamentarisch legitimierten Regierungen mehr sondern vom Reichspräsidenten Hindenburg berufenen Präsidialkabinette. Sie regieren meist mit Notverordnungen.

Hindenburg1930ff: Reichspräsident Hindenburg wird immer mehr zur dominierenden Gestalt der deutschen Politik.

[Bild (Marke Deutsches Reich, 1930): Portrait von Reichspräsident Hindenburg; Aufdruck "30.Juni 1930", dem Termin des Abzugs der alliierten Besatzung aus dem letzten Teil des Rheinland]

30.3.1930: Heinrich Brüning (Zentrum) wird von Hindenburg zum Reichskanzler berufen.
14.9.1930: Neuwahlen zum Reichstag bringen den Nationalsozialisten erstmals größere Gewinne

10.4.1932: Hindenburg, 84 Jahre alt, wird im 2. Wahlgang erneut zum Reichspräsidenten gewählt. (Der Gegenkandidat Adolf Hitler hatte - noch - keine Chance.)
1.6.1932: Franz von Papen von Hindenburg zum Reichskanzler berufen
31.7.1932: Reichstagswahlen: NSDAP wird stärkste Partei
6.11.1932: Reichstagswahlen bringen leichte Verluste für die Nationalsozialisten
17.11.1932: General von Schleicher bildet das nächste Präsidialkabinett

30.1.1933: Adolf Hitler wird von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.
23.3.1933: Ermächtigungsgesetz. Ende der Weimarer Republik

1929 - 1933: Die letzten Jahre der Weimarer Republik in Württemberg

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 verändert die wirtschaftliche Situation und die Arbeitssituation auch in Württemberg, allerdings nicht ganz so katastrophal wie in anderen Ländern: 1932 sind in Württemberg 133.000 Personen, das sind 4,3 % der Erwerbstätigen, arbeitslos gemeldet (der Prozentsatz der Arbeitslosen im Deutschen Reich ist doppelt so groß, er liegt bei 8,6 %).

Zum Kirchenpräsidenten der evangelischen Kirche in Württemberg wird 1929 Theophil Wurm gewählt, der 1933 die Amtsbezeichnung Landesbischof annimmt. (Theophil Wurm amtiert bis 1953)

Bischof der Katholiken in Württemberg ist seit 1926 Johann Baptist Sproll. Er amtiert bis 1949 (wobei er allerdings von den Nationalsozialisten aus Württemberg ausgewiesen wurde und von Augsburg aus die Diözese leitete).

1932, bei den Wahlen zum Württemberger Landtag, in der Zeit der Weltwirtschaftskrise mit der großen Zahl der Arbeitslosen, erhalten die Nationalsozialisten 29 % der Stimmen und werden stärkste Partei.
So stellen sie bereits 1932 mit Christian Mergenthaler (NSDAP) den Landtagspräsidenten.

Da eine neue Regierung nicht gebildet werden kann, bleibt das Kabinett Bolz als geschäftsführende Regierung im Amt. Sie regiert am Parlament vorbei mit Notverordnungen.

Literatur zur Weimarer Republik:

- Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19.
  Verlag C.H.Beck (Beck Wissen) München, 2009
- Wolfram Pyta: Die Weimarer Republik.
  Leske-Verlag Opladen, 2004
- Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik. (Oldenbourg,
  Grundriss der Geschichte, Bd. 16), Oldenbourg-Verlag
  München, 7. Aufl. 2009
 
III. 1933 - 1939: Herrschaft der Nationalsozialisten im Deutschen Reich I

Hitler1933:

30.1.1933: Adolf Hitler wird von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.

[Bild (Marke Deutsches Reich, Generalgouvernement, 1942): Adolf Hitler, Portrait auf einer Marke fürs "Generalgouvernement" Polen,  das Hitler nach Beginn des Krieges gegen Polen 1939 aus weiten Teilen Polens als Besetzungsgebiet gebildet hatte.]

28.2.1933: Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat
("Reichstagsbrandverordnung")

5.3.1933: Reichstagswahlen mit knapper Mehrheit für Hitlers Regierungskoalition (NSDAP, DNVP u.a.)

23.3.1933: Ermächtigungsgesetz ("Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich") wird im Reichstag gegen die Stimmen der SPD-Abgeordneten unbegrenzt verabschiedet; damit wurde die gesamte Staatsgewalt der NS-Regierung übergeben die damit ihre totalitäre Diktatur errichten konnte.

31.3.1933: Vorläufiges Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich (Zweites Gesetz am 7.4.1933)

1.4.1933: Boykott jüdischer Geschäfte, von der NSDAP organisiert

7.4.1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

22.6.1933: Verbot der SPD; Selbstauflösung der anderen Parteien (außer der NSDAP)

20.7.1933: Reichskonkordat mit der Katholischen Kirche

14.10.1933: Deutschland verläßt den Völkerbund
     
1934:

2.8.1934: Tod des Reichspräsidenten von Hindenburg. Darauf übernimmt Hitler auch das Amt des Reichspräsidenten; er nennt sich jetzt "Führer und Reichskanzler Adolf Hitler"

1935:

13.1.1935: "Die Saar kehrt heim": Große Mehrheit bei der Volksabstimmung im Saarland für die Wiedervereinigung mit dem Reich

15.9.1935: "Nürnberger Gesetze" (Ende der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden; Verbot "rassischer Mischehen"; Ausschluss der Juden)

1938:

4.2.1938: Entlassung der Oberbefehlshaber der Wehrmacht; Hitler übernimmt auch den Oberbefehl über die Wehrmacht

12.3.1938: Einmarsch deutscher Truppen in Österreich ("Anschluss Österreichs")

29.9.1938: "Münchner Konferenz" beschließt "um den Erhalt des Friedens willen" die Überlassung der Sudetendeutschen Gebiete an das Reich (angeblich Hitlers letzte territoriale Forderung)

9.11.1938: Reichspogromnacht ("Reichskristallnacht") mit Niederbrennung der jüdischen Synagogen in Deutschland

1939:

16.3.1939: Errichtung des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren

23.8.1939: Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt mit geheimem Zusatzprotokoll über die Einflussgebiete in Osteuropa

1.9.1939: Deutscher Angriff auf Polen; Beginn des Krieges

III. 1933 - 1939: Herrschaft der Nationalsozialisten in Württemberg I


1933: Legale "Machtergreifung" der Nationalsozialisten:

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler Reichskanzler.
Am 28. Februar wird die "Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat" erlassen, nach der das Reich auch in den Ländern regieren konnte.
Am 5. März sind Reichstagswahlen, bei denen die Nationalsozialisten in Württemberg 41,9 % der Stimmen erhalten.

Am 8. März verfügt die Reichsregierung die Einsetzung des SA- Gruppenführers Dietrich von Jagow als Polizeikommissar für Württemberg.

Am 10./11. März werden viele Kommunisten, darunter auch Abgeordnete, festgenommen und ins KZ Heuberg am Kalten Markt "in Schutzhaft" gebracht.


Am 15. März wird vom Württemberger Landtag, der 1932 gewählt worden war, auf Hitlers Wunsch der Gauleiter Wilhelm Murr (1888 - 1945) als Staatspräsident gewählt: Gewählt von den Nazionalsozialisten, den Deutschnationalen und dem Bauern- und Weingärtnerverband; die SPD stimmte dagegen, Zentrum und DDP übten Enthaltung.

Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März und das Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 31. März beseitigt praktisch die autonomen Länder. Bald wird der Landtag aufgelöst, Wilhelm Murr wird nun Reichsstatthalter.

Die Parteien (außer der NSDAP) werden verboten oder lösen sich selbst auf. Auch die Presse wird verboten oder gleichgeschaltet, ebenso der Rundfunk; die Jugendverbände werden aufgelöst.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde von den meisten Menschen auch in Württemberg begrüßt als völkische Erneuerung, als Rettung vor dem Bolschewismus, als Ende des Versailler Schmachfriedens, als Beendigung der Massenarbeitslosigkeit, als Überwindung der ungeliebten und zuletzt gelähmten Weimarer Demokratie.

Viele Wissenschaftler, Juden, Sozialdemokraten emigrierten (s. bei Juden und bei Auswanderung). Offenen Widerstand gab es kaum in den ersten Jahren.

KZ-Karte1933 wurden im Gebiet von Württemberg und Baden bereits die ersten Konzentrationslager errichtet.
(s.Karte der Konzentrationslager)

Später wurden an vielen Orten kleinere Außenlager des KZ Natzweiler im Elsaß errichtet (z.B. in Vaihingen/Enz, Stuttgart; - s. die Ortsangaben auf der Karte.). Hier musste meist unter erbärmlichsten Bedingungen für die Rüstungsproduktion gearbeitet werden. Daneben wurden, vor allem seit Kriegsbeginn, immer mehr Zwangsarbeiter in der Industrie, in der Landwirtschaft und in den karitativen und diakonischen Einrichtungen eingesetzt.

[Bild: Ehemalige Konzentrationslager, vor allem Außenlager des KZ Natzweiler im Elsaß, in Baden und Württemberg zwischen 1933 und 1945]

1933ff: Einige prominente Parteigenossen und Verantwortungsträger im "3. Reich" aus dem Südwesten:
Rudolf Höss; Konstantin Neurath; Albert Speer; Fritz Todt; Hans Frank

1934: Katholische und Evangelische Kirche in Württemberg:
         Kirchenkampf

Reichspogromnacht1938: Niederbrennung der Synagogen; Judenpogrome

[Bild (Marke BRD, 1988): 50. Jahrestag der "Reichskristallnacht"; Brennende Synagoge am 9.11.1938 in Baden-Baden; Davidsstern; "Das Geheimnis der Erlösung heisst Erinnerung."]

  Literatur zum Nationalsozialismus in Württemberg:

Otto Borst (Hg.): Das Dritte Reich in Baden und Württemberg. Theiss-Verlag Stuttgart, 1988

IV. 1939 - 1945: Nationalsozialisten II:  2. Weltkrieg

1939 - 1945: Zweiter Weltkrieg: kurze Übersicht (s auch den etwas ausführlicheren Artikel im Lexikon zum Zweiter Weltkrieg)

1.9.1939: Beginn des Krieges durch den deutschen Überfall auf Polen
3.9.1939: Kriegserklärung der Westmächte an Deutschland
Okt.1939: Erlass Hitlers über die Tötung "unheilbar Kranker"
Okt.1939: Beginn der "Rücksiedelung" der Baltendeutschen

1940/41 :"Blitzkriege", Überfall auf Belgien, Niederlande, Frankreich; Besetzung Dänemarks und Norwegens
22.6.1940: Vertrag von Compiègne: Teilung Frankreichs in ein besetztes und ein unbesetztes Gebiet (Vichy-Frankreich)

1940/41: "Luftschlacht um England" (nach 1941 wegen Unterlegenheit von den Deutschen aufgegeben)
1940 - 1943: U-Boot-Krieg (zunächst für Deutschland sehr "erfolgreich")

1940: Beginn der Ermordung der Juden u.a. Zivilisten in den eroberten Gebieten im Osten durch deutsche "Einsatzgruppen"

6.5.1941: Erlass über die "Behandlung feindlicher Landeseinwohner" +
13.5.1941: "Kommissarbefehl" des OKW zur Ermordung plitischer Kommissare der Roten Armee
22.6.1941:  Kriegserklärung Deutschlands an die Sowjetunion
("Unternehmen Barbarossa") 
31.7.1941: Beauftragun des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich mit der "Endlösung der Judenfrage"

11.12.1941: Kriegserklärung Deutschlands an die USA: Vielfrontenkrieg, Weltkrieg

20.1.1942: Wannseekonferenz über die "Endlösung der Judenfrage"
3.11.1942: Britische Truppen zwingen das Deutsche Afrika-Corps (unter Rommel) bei El Alamain zum endgültigen Rückzug
19.11.1942: Beginn der sowjetischen Offensive zur Einschließung Stalingrads

3.2.1943: Letzte Kämpfe und Kapitulation bei Stalingrad; 
Wende des Krieges an der Ostfront
19.4.1943: Aufstand im Warschauer Ghetto
3.9.1943:  Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten


6.6.1944: Landung der Alliierten in der Normandie / Frankreich; Wende an der Westfront
20.7.1944:
(mißlungenes) Attentat Stauffenbergs auf Hitler
25.9.1944: Einberufung des "Volkssturms" (alle Waffenfähigen Männer von 16 - 60 Jahren)

1944f: Bombardierung deutscher Städte durch Flugzeuge der Alliierten
1944f: Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa
16.12.1944: Beginn der letzten deutschen - erfolglosen - Offensive an der Westfront (Ardennenoffensive)

12.1.1945: Beginn der Sowjetischen Großoffensive im Osten;
Ostpreußen, Pommern usw. werden besetzt.
Flucht der Deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen u.v.a., z.T. über Eis und Meer (Untergang der "Gustloff" mit Tausenden von Flüchtlingen)

27.1.1945: Befreiung der Überlebenden der KZ in Auschwitz u.a.
13./14.2.1945: Luftangriffe der Alliierten auf Dresden
7.3.1945:  Bei der Eroberung des Westens durch die Alliierten errichten die Amerikaner einen Brückenkopf bei Remagen;
Zusammenbruch der deutschen Westfront

16.4.1945: Beginn der sowjetischen Großoffensive von Oder und Neisse aus zur Eroberung Ostdeutschlands und Berlins
30.4.1945: Selbstmord Hitlers in Berlin
2.5.1945: Kapitulation Berlins
8.5.1945: Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht: Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in Reims und in Berlin- Karlshorst vom deutschen OKW (Keitel u.a.).  

Kriegsende für Deutschland.

[Bild (Markenblock BRD, 1995): 50. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs 1945; Markenmotive: Zerstörung von Städten und Dörfern; Vertreibung und Verlust der Heimat]
 

14.8.1945: Kapitulation Japans, Kriegsende in Ostasien (nach den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hieroshima und Nagasaki)

IV. 1939 - 1945: Südwestdeutschland im 2. Weltkriegs


1939 - 1945: 2. Weltkrieg und Südwestdeutschland:

1939ff: Berühmte und berüchtigte deutsche Generäle aus 
Südwestdeutschland:
RommelWalter von Reichenau, Generalfeldmarschall (Ostfront)
Erwin Rommel,
Generalfeldmarschall
(Afrika, Westfront)

[Bild (Marke Marshall Islands, 1992): 50. Jahrestag der Schlacht von El Alamain, 1942; Rommel und der  britische General Montgomery]

1939: Beginn der "Euthanasie", Ermordung Behinderter in
Grafeneck bei Münsingen
1940: Beginn der Deportation der Juden aus Württemberg vor allem nach Riga, von Baden nach Gurs u.a.

1939ff: Erst in späteren Jahren des "Dritten Reiches" gab es stärkeren Widerstand gegen Hitler und den Nationalsozialismus. Einige Frauen und Männer des Widerstandes kamen aus Württemberg:

ElserGeorg Elser, Sophie Scholl und Hans Scholl, Berthold und Claus von Stauffenberg. Auch Eugen Bolz ist dazu zu zählen, Fritz Elsaß, Eugen Gerstenmaier, Hans Speidel.
1943: Hinrichtung der Geschwister Scholl u.a. Widerstandkämpfer in München


[Bild (Marke BRD, 2003): 100. Geburtstag des Widerstandskämpfers Georg Elser; Portrait G. Elsers, der am 8.11.1939 ein Attentat auf Hitler versuchte:  "Ich hab den Krieg verhindern wollen".)


1944: Seit Juli 1944 werden viele Städte auch in Baden und Württemberg von den Alliierten bombardiert. Besonders schwer getroffen und zu mehr als 50 % zerstört  werden Stuttgart (mehrere Angriffe seit Juli 1944), Freiburg (Angriff am 27.November 1944), Heilbronn (4.Dezember 1944), Ulm (17.Dezember 1944), Pforzheim (Februar 1945). Bei den Angriffen starben Zehntausende der Zivilbevölkerung; ihre Wohnung verloren Hunderttausende.

1944 - 1945: Vichy-Regierung Frankreichs mit Pétain im Exil in 
Sigmaringen (Hohenzollern)

1945 Kriegsende: Im März 1945 marschieren die Alliierten auch in Baden und Württemberg ein. Die Franzosen kommen über den Kraichgau und den Schwarzwald, die Amerikaner über Franken. Deutschen Widerstand gab es fast nur noch an Jagst und Enz - und in einigen Orten wie z.B. in Brettheim in Hohenlohe..

Kriegsende 1945Einen Überblick über die Lage Anfang 1945 mit den Daten der Einnahme oder Übergabe der Städte in Südwestdeutschland gibt Karte VIII-1.

[Karte VIII-1 zum Kriegsende 1945 in Baden und Württemberg: Vergrößerung durch Anklicken]
 

Opfer des Krieges in Südwestdeutschland:
Im 2. Weltkrieg sterben in/aus Baden, Württemberg und Hohenzollern etwa 315.000 Menschen (das sind 5,7 % der Bevölkerung von 1939), darunter fast 40.000 Zivilpersonen durch den Luftkrieg u.a.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8.5.1945 beginnt auch in Südwestdeutschland die Zeit der amerikanischen und französischen Besatzung. (s. dazu Baden + Württemberg von 1945 bis zum Südweststaat 1952)

Literatur zur gesamten Epoche 1918 - 1945:

Heinz Hürten (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung Band 9: Weimarer Republik und Drittes Reich 1918 - 1945.
Reclams Universalbibliothek, Verlag Philipp Reclam, Stuttgart, 1995

 
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Geschichte Württembergs 4: Republik Württemberg (1918 - 1945)
Baden + Württemberg von 1945 bis zum Südweststaat 1952
Baden - Württemberg von 1952 - 2002

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© Manfred Ebener / m.ebener@z.zgs.de / Lexikon Geschichte Baden-Württemberg: Zeittafel Deutsches Reich 1918 - 1945/ letzte Änderung: 6.6.2017

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