Karibik - große Antillen mit der Explorer of the Seas

Freitag, 26. März 2004

Bei der Air-France, die mich nach Miami bringt, müssen wohl grössere Säcke Curry kurz vor dem Ablaufdatum stehen, anders läßt es sich nicht erklären, daß sowohl der Snack mit Huhn als auch die Hauptmahlzeit, Ravioli damit gewürzt sind.
Bei aller Liebe zur Crossoverküche, aber das ging voll daneben. Aber die Küche auf der " Explorer of the Seas" sollte dafür reichlich entschädigen, doch davon später mehr.

In Paris erstmal ein absolut chaotisches Boarding, dann noch 1 1/2 Stunden bis zum Start, weil vier Gepäckstücke herrenlos sind und entfernt werden. Aber da wartet man ja nun wirklich gerne, die Piloten holen diese Verspätung auch locker rein.

Ca. 500 Kilometer vor der amerikanischen Küste dann ein traumhafter Ausblick in das Meer, das an dieser Stelle nicht sehr tief ist, man sieht durch das türkisfarbene Wasser bis auf den Grund. Später wird mir dann erklärt, dass das die Saragossa-See war.
In Miami dann 2 Stunden anstehen, erstmal kontrolliert ein Mensch, ob wir die Formulare auch richtig ausgefüllt haben; ich natürlich nicht, weil ich als Aufenthaltsort das Schiff, und nicht das Hotel für eine Nacht angegeben habe. Ich darf aber trotzdem einreisen.
Nebenbei, die Kontrolle mit den Fingerabdrücken und dem Scannen der Augen geht wirklich schnell, ich beobachte das so bei einigen Einreisenden, die aus visumpflichtigen Ländern einreisen.

Ich werde von meiner Reiseagentin Vivien abgeholt, einer Exilkubanerin, die ausgezeichnet deutsch spricht und die mich im mein 50-er Jahre Hotel im Miami-Beach fährt. Nach einem bescheidenen Abendessen ( Tunasandwich und ein Bud) zappe ich mich noch ein bißchen durch das amerikanische Fernsehen und schlafe dann windumtost ein.

 

Samstag, 27. März

Es ist immer noch windig, aber das Wetter bessert sich zusehends. Vivien ist überpünktlich da, weil sie uns die Strapaze des langen Anstehens beim Boarding ersparen will. Wir holen noch zwei andere Damen ab, die eine Woche im Art-Déco Viertel von Miami logiert haben.
Zwei Stunden vor dem offiziellen Boarding-Termin stehen wir in dem neuen Embarquinggebäude und kommen schnell dran.
Von hier sieht man das riesige Schiff nur im Ausschnitt und wir entern erstmal unsere Kabinen.
Einer der angeblich größten Kreuzfahrthäfen ist doch eher enttäuschend, es liegen nur zwei Schiffe hier.

Dann ins "Windjammer", Salat und Hamburger fassen. Das Mittagssschläfchen wird durch den Steward unterbrochen und dann ist auch schon Zeit für die Seenotrettungsübung. Wir müssen uns wie auf dem Kasernenhof in Reihen aufstellen, dürfen aber bequem stehen.
Neben dem Üblichen bekommen wir noch Verhaltensmaßregeln zu hören, daß wir von den Landausflügen den mitgebrachten Alkohol an Bord abzugeben haben ( beim Ausschiffen bekommt man das selbstverständlich wieder ausgehändigt) und weiteres in dieser Güteklasse.
Das Ablegen erfolgt relativ undramatisch, das Schiffshorn bläst, aber es gibt kein Feuerschiff als Begleitung.

Da ich Main-Seating habe, geht es dann erstmal ans Umziehen für das Abendessen. Man hat mich zu den zwei Damen und zwei deutschen Ehepaaren Ende dreißig gesetzt.

Die Karte sieht vielversprechend aus aber ich halte mich vornehm zurück und nehme Spinatsalat und mit Hummer gefüllte Ravioli und zuckerfreien Lime-Pie. Dann noch ein Absacker im Schooner's.

 

Sonntag, 28. März

Irgendwie kommt es mir vor, als ob ich schon ein paar Tage hier wäre, das muß daranliegen, daß ich mich auf Schiffen immer gleich zuhause fühle.
Die geplante Route wäre gewesen: Seetag, Haiti, Jamaica, Cayman Islands, Cozumel. Wegen der gerade besonders kritischen Lage in Haiti ( das Auswärtige Amt warnt seit Februar vor Reisen dorthin) haben wir Nassau / Bahamas angelaufen und so gibt es beim Frühstück einen wunderschönen Ausblick auf "Paradise Island".

Da Sonntag ist, hat nur die Hälfte der Geschäfte auf, die dann natürlich von kaufwütigen Amerikanern überbevölkert sind.
Ich schaue mal rein, finde die Preise aber heftig und wandere etwas im kolonialen Teil herum. In einer englisch-kolonialen Kirche schaue ich kurz in einen Gottesdienst rein und mache ein Bild von einem karibischen Kreuzgang mit Pausbackengel.


Im "Hard-Rock- Café" trinke ich amerikanischen Labberkaffee und schreibe die erbetenen Postkarten. Nach dem üblichen Salat rauf aufs Deck und die karibische Sonne genießen...
Ich lese nochmal das Buch von David Foster Wallace" Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich", in dem er eine 7NC ( Seven Nights Caribbean) vor ein paar Jahren beschreibt. Sehr witzig und auch böse, Zitat:" Ich habe erwachsene US-Bürger gehört, erfolgreiche Geschäftsleute, die am Info-Counter wissen wollten, ob man beim Schnorcheln nass wird, ob das Tontaubenschießen im Freien stattfindet, ob die Crew ebenfalls an Bord schläft oder um welche Uhrzeit das Mitternachtsbuffet eröffnet wird."
Also bin ich selber schuld, daß ich hier draufgegangen bin, da ich das Buch ja schon mal gelesen hatte...
Im Gegensatz zu seinem Trip auf der "Zenith" ist hier aber ein sehr viel jüngeres Publikum, viele Eltern mit Kindern von 3 Monaten bis Teenies, was teilweise dann doch sehr krawallmäßig ausartet.

Das Schiff ist technisch auf den neuesten Stand ( technische Daten des Schiffs: in Finnland im Jahr 2000 gebaut, 128.000 BRT, 68 Meter hoch und 315 Meter lang und fährt unter Nassau-Flagge) - via TV kann man mit der Fernbedienung Touren buchen, und muss sich nicht am Counter anstellen, auch der Weckdienst geht per Knöpfchendrücken am Telefon und funktioniert.
Auf dem Schiffskanal preist eine aufdringliche Person namens Sandra, der Port & Shopping Guide, gerade eine sensationelle Strandtasche an, die sich je nach Sonneneinstrahlung farblich verändert. Es wird auch immer irgendetwas angepriesen, was es für lau gibt,das muß der Ausgleich für die ansonsten gepfefferten Preise sein.
Und über allem steht das schöne Motto:" Pamper yourself- you deserve it !" Pampern heisst in diesem Fall, daß man die verdienten Dollars im Spa & Beauty lassen soll.

Heute abend ist Käptn's Empfang, auch auf US-Schiffen gibt es die nette Sitte, daß man hier erstmal einen Sekt bekommt.( Hier kostet sogar die Cola extra !!!)
Alles versammelt sich in der glitzernden Ladenpassage, Klamotten, die sonst eher beim Wiener Opernball üblich wären ( weißes Kleid mit Perlen bestickt, von einem hochnäsigen amerikanischen Teenie getragen) bis hin zur sehr legeren Auffassung von formal, nämlich oben Jackett und Schlips, unten Bermudas und Schlappen. Den Schottenrock fand ich auch nett.


Auf einer Brücke künden dann zwei Trompeter das Ereignis an, der Käptn, der von weitem aussieht wie Guido Westerwelle und ein vierzigjähriger drahtiger Norweger ist, hält eine kurze Ansprache und stellt dann sein Führungsteam vor. Dieses besteht aus jungen Europäern und einem Jamaicaner, der Chefkoch sieht auch so aus und ist Italiener.

Danach gehen wir noch in eine Show - das Motto ist "History". Es geht flott von den Ägyptern zu den Griechen, dann noch ein bisschen Rokoko und dann gibt es eine fetzige James-Bond-Einlage. Ah ja. Mehr fällt mir dazu auch nicht ein.

Montag, 29. März

Heute ist Seetag und ich ergattere mir einen Platz an dem kinderfreien Pool. Aber recht schnell wird es mir zu heiss und ich gehe das Schiff erkunden. Deck 11 ist das Pooldeck, Deck 12 das Sportsdeck, hier wird gegolft, Baseball gespielt und die Kletterwand unter dem Schornstein wird geentert.
Um 12 macht der Käptn seine Ansage, in knapp 3 Stunden werden wir Kuba aus einer Distanz von ein paar Seemeilen sehen.
Ich erwarte eigentlich, daß die Amis in Massen an der Portside Reling hängen, um eines der letzten richtig anständigen Reiche des Bösen zu begucken, aber nix da.

Mittags vergewaltigt die Reggae-Kapelle 50-er Jahre Heuler, ein Grund, neben der Mittagssonne, sich in die Kabine zu verkrümeln.

Dienstag, 30. März

Wir sind in Jamaica und ich mache eine kurze Tour " Best of Ocho Rios". Einen der Rios bekommen wir in einem wunderschönen tropischen Park als Wasserfall zu sehen. Dann natürlich das obligatorische Shopping-Center mit einem kleinen Museum der Reggae-Musik.


Die Führung ist bis auf die Schilderung der Pflanzen in dem Park absolut uninformativ- man erfährt nichts über Land und Leute. Die Führerin ist eher bestrebt, die jamaikanischen Lebensprinzipien à la " no problem" zu vermitteln.

Nach dem Lunch geht es ab an den Strand, der ist trotz der Nähe zum Hafen sehr schön und auch das Wasser ist supersauber und ich stürze mich begeistert hinein.
Abends ist das Essen karibisch: Seafood Salad, Jerk Chicken und flambierte Rumbananen.

 

Mittwoch, 31. März

Heute Cayman Island - da mir niemand Schwarzgeld mitgegeben hat, kann ich unbeschwert eine Besichtigungstour machen.
Hier müssen wir das einzige Mal tendern, wiel der Hafen zu klein ist und hier liegen mindestens 7 Kreuzer vor Anker.


Der Unterschied zu allen anderen karibischen Inseln, auch der kleinen Antillen, ist kraß.Die Cayman Islands gehörten mit Jamaica zu England, Jamaica wurde unabhängig, aber die CI zogen es vor, als englische Kronkolonie beim Mutterland zu bleiben. Die Einwohner hatten vor ein paar hundert Jahren mal ein Mitglied des Königshauses aus einem sinkenden Schiff aus dem Wasser gezogen und bekamen dafür für immer und ewig Steuerfreiheit zugesichert.
Hier stehen nur geschmackvolle Häuser, Hotels und jede Menge Condos ( amerikanischer Ausdruck für Wohnungen, der Friedhof heißt hier Unterground-Condo). Aber es ist teuer hier, selbst der Queen waren die Hotels zu teuer, so daß sie es beim zweiten Besuch in ihrer Kolonie vorzog, auf ihrer Jacht zu nächtigen.
Hier wird erstmal gewürzmäßig zugeschlagen, Rum-Cake und Gewürze für das Jerk Chicken.
Vorher waren wir aber noch auf einer Turtle-Farm, wo Meeresschildkröten gezüchtet werden - es gibt sie in allen Größenordnungen zu besichtigen.


Die Shops sind auch einen Tick edler, aber überall gibt es T-Shirts. Jeder Amerikaner muss von jeder Insel ein T-Shirt erwerben. Das ist ganz praktisch, so weiß man immer, wo man am Vortag gewesen ist, weil am nächsten Tag dann immer die entsprechenden Shirts eingeweiht werden.


Donnerstag, 1. April

Cozumel sieht von Deck 12 genau so aus wie fast alle anderen karibischen Inseln - man sieht fast nur Bäume, nicht höher als 12 Meter und kaum Häuser dazwischen.
Die Tour hier führt zu Maya-Ruinen und zum Strand.


Der Weg dahin führt durch Elendsviertel. Außer Tourismus ist hier auch wirtschaftlich nicht viel los. Viele VW-Käfer sieht man hier- wir sind in Mexiko!
Hier wird " The Mother of all Chilies" erworben.
Abend im Schooner's läuft der Pianist aus Dublin, der seine Gäste mit Handschlag begrüßt, zur Höchstform auf und bringt den Saal zum Kochen. Eine Amerikanerin, die jeden Abend eine recht exibistionistischen Tanzstil pflegt, läuft auch zur Topform auf und lüpft ihr Kleidchen bis zum Slip. Die Reaktionen reichen von offenkundiger Begeisterung bis zur Indigniertheit. Der Mann neben uns wird dadurch so angeregt, daß er seiner Begleitung mal kurz ins Oberteil greift - die Menschheit ist eben ein großer Zoo.


Freitag, 2. April

Seetag, Zeit für abschließende Betrachtungen zum Schiff.

Zum Publikum: wie bei knapp 3.500 Passagiern nicht anders zu erwarten, ist alles vertreten. 40 Nationalitäten sollen es sein, aber man bemerkt das kaum, weil die Amerikaner nun doch überwiegen. Von den Gesundheitsbewußten über die lässigen amerikanischen Teenies, die genau wie ihre Alten den Eindruck vermitteln, als ob die Welt ihnen gehört, bis hin zu den Fettleibigen. Da sind diverse Formen zu bestaunen; toll finde ich das Selbstbewußtsein der einen Frau, die ihre ca. 200 Kilo in weiße Klamotten zwängt, darunter ist ein Mini-Tanga zu sehen - ich wußte gar nicht, daß es das auch im XXXL-Format gibt.
Das Durchschnittsalter mag so bei Ende Dreißig liegen, das liegt auch an den vielen Familien mit Kindern; an unseren Nebentischen im Restaurant sind jeweils drei Kinder.
Das Essen, Pflichtteil jeder Berichterstattung ist ausgezeichnet. Lammkoteletts, innen noch rosa, wie es sein soll, Risotto mit Jakobsmuscheln, Pasta mit interessanten Saucen und super Desserts. So gut habe ich noch auf keiner Kreuzfahrt gegessen, es ist noch einen Tick pfiffiger als auf der QE 2.
Drei Rezepte vom Schiff findet man
hier.
Ab und zu, das Unterhaltungsbedürfnis der Amis muß befriedigt werden, müssen die Kellner Mätzchen machen, wie z.B. mit auf dem Kopf balacierten Torten, die mit brennenden Kerzen versehen sind, durch die Speisesäale laufen. Das Publikum dankt es mit frenetischem Beifall.
Abends scheppert es regelmäßig, ein unbeholfener Kollege auf Deck 3, den alle Kellner kennen, schrottet immer irgendetwas. Alle Kollegen hängen dann begeistert über der Reling (die Restaurants befinden sich in einer nach oben offenen Galerie in den Decks 3-5 ) und stellen Betrachtungen darüber an, wie lange der Kollege noch an Bord bleiben darf.

Auch eine Bücherei gibt es, sie hat dank des Sicherheitssystems 24 Stunden offen; sogar auf Deutsch ist Einiges da, wie z.B. ein Lafer- und ein Biolek-Kochbuch. Ich frage mich ernsthaft, wie hier Bestandsaufbau betrieben wird...
Irgendein sendungsbewußter Fundamentalbaptist hat in alle Bücher Broschüren seiner Kirche reingelegt, nach der Lektüre weiß man nach einer Minute, ob man in den Himmel kommt. Man muß sich nur dessen bewußt sein, daß man ein Sünder ist, an Jesus als Sohn Gottes glauben und seine Sünden bereuen.

Wenn wir schon bei den Putzigkeiten sind, dann dürfen auch die Verhaltensmaßregeln nicht fehlen.
Bei Drogenkonsum, Trunkenheit, Beschimpfen des Personals oder anderer Passagiere tritt ein Dreistufenplan in Kraft:
1. freundliche Ermahnung, das zu lassen
2. Einschaltung des Sicherheitspersonals
3. Verweisung vom Schiff ( freundlicherweise erst am nächsten Hafen)

Was ich auch zum Brüllen fand, war der Hinweis auf der Speisekarte, daß Eiswasser nur auf Nachfrage serviert wird, angeblich, um die natürlichen Ressourcen zu schonen. Wie war das nochmal mit den Amerikanern und dem Kyoto-Protokoll? Es gab es dann aber doch welches ohne Nachfrage...

Ich fand manches erstmal widersprüchlich, nämlich den überall propagierten Service, der dann so doch nicht immer stattfand.
Als ich am Erwachsenenpool darum bat, die allgegenwärtige Musik etwas leiser zu stellen, blaffte mich die Poolbeauftragte an, daß dies nicht ihr Job sei- keinerlei Hinweis, wo ich das denn reklamieren könnte.
Als ich einen der immer lautstark herumschwirrenden Kellner bat, mir einen Kaffee zu bringen, war das auch nicht möglich. Logo, kostete ja auch nichts - Gratisgetränke darf sich der Passagier selber holen.
Fazit: War nett, ich mußte diese Erfahrung ja mal machen, aber einmal ist ok, muß man nicht ein zweites Mal machen.

 

Samstag, 3. April

Ich stehe früh auf, weil ich noch eine Tour in die Everglades machen möchte, mit meiner Abflugzeit 16: 30 geht das locker.
Die Tour ist klasse, bis auf den Punkt, daß der Guide im Showteil ausgerechnet mich für das Alligator-Wrestling ausguckt.
Ich kneife mit dem Hinweis, daß ich nicht wüßte, wie gut der 2 1/2 Meter lange Alligator gefrühstückt hat.


Dafür erwerbe ich "Alligator Cajun Style" in der Dose. Comes good with some rice.
Auch am Flughafen hat man mich auf dem Kieker- mein Koffer wird durchsucht, weil das Zufallsprinzip im Computer das so sagt.
Ich befinde mich in guter Gesellschaft - Felipe von Spanien passiert das kurze Zeit später auch.

Witzig ist meine Sitznachbarin im Flieger, eine Ungarin, die auf einem Explorer-Schiff ( nicht auf meinem) für ein halbes Jahr als Assistant-Waitress gearbeitet hat. Der Verdienst sei nicht schlecht, verglichen mit dem ungarischen Durchschnittseinkommen, aber, so ihr Resumée: nie wieder Schiff, nie wieder Amerikaner. Die seien so empfindlich. Wieder was gelernt.


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