QE 2 Dezember 1998

Vorrede:

Ich habe dieses Schiff 1982 auf der USA/Kanada -Tour mit Dieter und Michael in Quebec zum ersten Mal gesehen. Dazu muß noch angemerkt werden, daß kurz davor ein Buch des Herrn Buchheim (der Boot-Autor) über dieses Schiff erschienen war ;
"Der Luxusliner", das wir uns damals in der Bibliothek aus der Hand gerissen hatten...In diesem Buch kamen dann so bemerkenswerte Dinge vor wie die Erwähnung der 8 Leichenkühlkammern bei der Weltreise.

Also, das Schiff lag in Quebec, was wir nicht wußten. Was wir aber dort mitbekamen, war, daß dies die erste Fahrt nach dem Falklandkrieg war, denn das Schiff war als Truppentransporter umgebaut worden, damit Maggie ihre Soldaten auf die Falklands runterschicken konnte.
Also, das Schiff lag in Quebec im Hafen, die Population Quebecs war auf das Doppelte angeschwollen, was die örtlichen Ordnungshüter dazu veranlaßte, ordentlich Knöllchen zu verteilen.

Wir wollten Fotos von dem Schiff, es war ein toller Anblick, als sie ihre Außenbeleuchtung angeworfen hatte. Wir haben dann den Michael draußen mit der Kamera hingestellt und sind im Mietauto so lange im Kreis herumgefahren, bis er die Fotos im Kasten hatte, und dann durfte er wieder einsteigen. Die Fotos sind dann auch richtig gut geworden.

Am nächsten Morgen sind wir wieder zum Schiff gegangen und haben zugeguckt, wie die Passagiere von Bord kamen. Sie kamen auf Krücken, an Gehgestellen, in Rollstühlen....

Wir guckten uns an und fragten uns: "Reichen die 8 Kühlkammern?"

Das zur Vorgeschichte dieser Faszination.
Dahinzu kamen meine Kreuzfahrterfahrungen, die toll waren, aber immer irgendwo das Bild der QE 2 im Hafen von Quebec...
Dann dieses Supersonderangebot im Internet, und dann war dieses Schiff reif zum Entern.

Dann habe ich nochmal das Buchheim-Buch gelesen, es in der Mitte der Lektüre weggelegt, weil er dieses Schiff nur niedergemacht hat (schrulliger Dampfer , Kapitänsdarsteller etc.) und ich mir diese Reise nicht im Vorab vermiesen lassen wollte.

Samstag, 5.12. 1998

Anflug auf die Insel- es ist sonnig, im Gegensatz zu Deutschland, wo man auf dem Stuttgarter Flughafen alle Schneeräum- und Enteisungsgeräte im Einsatz besichtigen konnte. Der Transfer nach Southampton findet früher als die angekündigten 13.30 statt, nämlich dann, als der Bus voll ist. Die Fahrt dauert 1 1/2 Stunden, die Spannung steigt, als wir dann endlich durch Southampton fahren und ich bin so gespannt, wie das Schiff aussieht, nachdem ich es von Quebec so gigantisch in Erinnerung hatte.

Leider kann man es nach doch nicht so eindrucksvoll sehen, weil es vom unschönen Abfertigungsgebäude verdeckt wird.Man wird geboarded, bzw. embarqued, Kreditkartennumer wird abgefragt, damit am letzten Tag die Abrechnung schneller und umkomplizierter funktioniert.Dann darf man im Abfertigungsgebäude Platz nehmen, bekommt Gratislabberkaffee und Schnittchen gegen stolze 5 Dollar. Man hat genügend Zeit, sich die Mitreisenden zu begucken, überwiegend Engländer, die nicht gerade sehr vornehm gekleidet sind, was mich beruhigt, des Weiteren hört man hessische und japanische Laute.Der Empfangsraum ist nicht wie das Schiff geliftet worden, die 70-er Jahre lassen grüßen. Dann beginnt die Boarding- Prozedur, Embarquing genannt und die ca. eine Stunde dauert.Das Entern des Schiffes verläuft etwas unspektakulär, weil wir nicht über eine große schräge Gangway laufen, sondern über eine überdachte Gangway wie ein Finger am Flughafen.Der Bordfotograf steht da, wie befürchtet, man kann ihm nicht entrinnenBegrüßt werden wir von einem Uniformierten und eine Harfenspielerin, die entfernt an Camilla erinnert, aber das pferdemäßige fehlt etwas .Dann geht die Sucherei nach der Kabine los. Ich habe die Kabine 2110 auf Deck 2. Die ist ca. 12 Quadratmeter groß und man kann gut darin leben. Es wird erstmal ausgepackt und dann wühle ich mich durch die Infos, die in der Kabine liegen und stelle mit Entsetzen fest, daß um 16.30 die Seenotrettungsübung stattfindet. Das finde ich sinnig, weil sich noch kein Mensch außer den Wiederholungstätern auf dem Dampfer auskennt, und alle chaotisch herumrennen.Auch das Personal blickt es noch nicht so ganz. Immerhin ist auf den Westen aufgedruckt, an welcher Musterstation man sich einfinden soll. Ich finde meine dann auch beim dritten Anlauf, dann wird auf englisch, deutsch und japanisch erklärt, welches Tröten des Schiffshorns wichtig ist.Danach geht wieder das Gerenne in die Kabinen los ( erste Orientierung: die Treppe runter, und da wo das Bild von Themseliesel und ihrem Gatten in ihren Jugendjahren in Essig und Öl herumhängt ,scharf nach links abbiegen). Weste in Schrank verstauen und Fensterplätzchen für das Ablegen suchen. Eine Blaskapelle spielt irgendwas runter, dann verkrümeln sich die Jungs, noch bevor QE 2 das Pier verlassen hat.Man merkt kaum einen Unterschied zum Liegen, nur ein leichtes Vibrieren des Schiffes.Zufällig bin ich neben der Library gelandet, wo ich mir gleich zwei APA- Guides über Spanien und Portugal ausleihe. Die Bücher muß ich wegen der großen Nachfrage innerhalb von 24 Stunden zurückbringen. Ich stelle gleich mal klar, daß ich Kollegin bin (Kommentar: "Oh how nice") und die Bücher noch vorher zurückbringen werde. Öffnungszeiten der größten Schiffsbibliothek der Welt mit 8.000 Bänden: 9-13.00, 15.-18 .00 und 21.30 -23.00.Dienstkleidung der Kolleginnen: weißer Rock, weiße Bluse, oder türkisfarbene Bluse. Dann beginnt der Irrweg durch das Schiff, ich brauche eine Cola. Ich finde das Leitsystem verbesserungsfähig.Ich sitze im "Golden Lions Club", recht gemütlich, dunkel wie es sein soll und die Klimaanlage ist nicht nur auf kalt , sondern auf saukalt gestellt. Da kommt Cola mit Eiswürfeln genau richtig, vor allem wenn man ein paar Nächte nicht richtig geschlafen hat und sowieso schon friert.Wir fahren mittlerweile seit einer Stunde, die Lichter der Küste verschwinden, kurz danach tauchen die Lichter der Isle of Wight auf.Das Durchschnittsalter dürfte so bei 50 liegen ( was sich am Tag später bei der Einführung auch bestätigt), etliche in meinem Alter, auch Jüngere und Kinder. Die Jüngeren sind auch schon gut dabei, die Ales zu vernichten.Beim Umziehen wird das TV-Programm durchgecheckt, es gibt wie im Flieger eine aktuelle Karte mit dem Kurs und der Geschwindigkeit. Das Schiff sieht auf der Karte wie eine Büroklammer aus.Meine Mitreisenden im Late Sitting am Rauchertisch sind nett, ein älteres Ehepaar aus Bayern, ein Single in den 30-ern aus Essen und eine schwäbische Landpomeranze namens Renate aus Plüderhausen.Da ich enormen Kohldampf habe, esse ich alle 4 Gänge: Cesar's Salad, Knoblauchsuppe, Steak und Cheese-Platter.
Ich mache mich nach dem Essen vom Acker, weil ich todmüde bin.

Sonntag, 6.12.1998

Breakfast im Mauretania, schon wieder geht die Hektik los, weil um 10.00 eine Einführung auf deutsch stattfindet. Das ist ganz sinnig, weil ein par grundsätzliche Dinge auch zur Orientierung auf dem Schiff erklärt werden.

Dann habe ich einen Erkundungs- und Fototermin mit dem Schiff.

Es ist sonnig, auf dem Sundeck betätigen sich die Briten sportlich und spielen Golf und ein anderes seltsames Spiel mit Stöcken und Scheiben.Ich sitze im "Pelzmantel" und Hut auf dem Sundeck, schreibe 5 Postkarten bis die Pfoten ganz kalt sind und schlürfe 2 Eimerchen Bouillon in mich rein. Als es mir dann endgültig zu kühl wird, laufe ich weiter und stelle fest, daß die ganz Harten im T-Shirt herumsitzen ( es sind 10 Grad plus Fahrtwind bei 28 Knoten).Mittagessen im Lions ( Buffetrestaurant), dann Mittagsschlaf.Um 16.00 begebe ich mich dahin, wo verheißungsvolle Kaffeegedecke stehen ( Queen's Room, mit einer güldenen Lisbeth an der Wand)Ich setze mich neben einen pennenden Engländer, dem öfter der Kopf nach hinten absackt, weil sonst kein Platz mehr frei ist und der sich auch nicht wehren kann, nehme Kaffee, (Stilbruch !) Gurkensandwich und Erdbeertörtchen.Der Engländer wird wach und entpuppt sich als Schotte, aber hallo! Wir klären die europäische Lage und das Rätsel der englischen Kinder, die in Schulzeiten überall auf der Welt zu sehen sind, ist auch geklärt: die Eltern nehmen sie einfach von der Schule, wenn es einen günstigen Trip gibt.Ein anderer (schielender) Schotte läuft im gleichnamigen rotkarierten Röckchen durch die Gegend und entpuppt sich später als Deutscher, der kein Wort Englisch kann.

Das Publikum auf dem Schiff ist schon recht bunt zusammengewürfelt: 1000 Engländer, 270 Deutsche, 60 Japaner und weitere Nationalitäten. Die Engländer machen das Ganze bunt, vor allem die Älteren. Da sitzen die Ommas in den selbstgestrickten Pullöverchen und verfertigen weitere Pullöverchen. Es wird auch gekreuzworträtselt ; was es allerdings nicht gibt , ist Bingo. Das ist Cunard wohl zu prollig.

Lustig sind auch die Zusammenrottungen der Briten, wenn sie ihre Mittagsschläfchen abhalten. Füße hoch auf die Tische oder die Sessel und dann wird geratzt, was das Zeug hält. Ein uralter Opa läuft am Gehgestell durch das Schiff, an den Füßen die nagelneuen Reebooks.Leider ist die schrullige Alte nicht an Bord, die mit ihren Plüschbären reist und mit denen im Schiffsrestaurant sitzt und für die Bären auch die entsprechenden Menüs ordert.

Da heute und morgen Aufrüschen ( formal dress) angesagt ist, beschließe ich zum Schiffscoiffeur zu gehen, der auch nicht viel teurer als der Friseur in Stuttgart ist. Der englische Friseur legt mir ein schickes Frisürchen im Sechziger-Jahre Stil hin, mit Außenwelle und schrägem Scheitel- schick!Meine Vermutung, daß heute der Käpt'n als Nikolaus verkleidet kommt, wird bitter enttäuscht.Aber dafür gibt es heute Hummer, was mich tröstet. Dann habe ich auch meine Mitreisende Regina wieder gefunden ( oder sie mich), seit dem Bus hatten wir uns nicht mehr gesehen.

Montag, 7. 12. 1998

Ich wache auf und mache wie üblich den Fernseher an. Es läuft die Szene, wie die "Titanic" absäuft und die Leute anfangen, von Bord zu springen. Das finde ich absolut klasse, so etwas bringen nur die Engländer fertig!Morgens ein "breathtaking view" in Lissabon- wir liegen direkt unter einer nachgemachten Golden-Gate Brücke ( auch von dem gleichen Konsortium gebaut), die genau wie das Original von Nebel teilweise verhüllt ist. Noch vor dem Frühstück renne ich mit der Kamera raus und die Fotos sind sogar gut geworden!

Dann der Landausflug mit Tramfahrt. Zuerst müssen wir Denkmäler aus der glorreichen Zeit der Portugiesen gucken und frieren uns den Hintern ab. Wir erfahren, daß dies die erste Frostnacht in Lissabon seit ca. 50 Jahren war. Dann endlich die Tramfahrt. An einer Kathedrale steigen wir ein. Vorher gibt es noch einen spannenden Toilettengang in einer Anlage bei einem Cafe. Wir sind ja gutwillig und wollen bezahlen, bloß nicht gerade in Escudos. Das gibt Verwirrung, bis frau uns die Schlüssel aushändigt, vergeht einige Zeit, und dann muß man noch herausfinden, welche Schlüssel zu welcher Kabine passen. Es gibt eine extra schöne Strecke, die nur für die Touristen gefahren wird (Linie 28), damit man alle Feinheiten rauf und runter mitbekommt.Die Straßenbahn ist alt, so aus den 20-ern mit Plüschsitzen, Troddeln und alten Lampen. Es wird Port gereicht, aber auf den verzichte ich, weil ich Fotos machen möchte, und bei den plötzlichen Bremsmanövern muß man standfest bleiben. Lustig wird es, wenn Autos im Weg stehen, dann steigen die Passagiere aus und helfen dem Tramfahrer dabei, das Auto auf die Seite zu heben. Bei uns steht ein Polizeiauto im Weg, Millimeterarbeit für den Fahrer .Zum Schluß sehen wir noch eine weihnachtlich geschmückte Tram mit als Nikolaus verkleidetem Fahrer- Verbesserungsvorschlag für die Stuttgarter- Straßenbahn-AG ! Dann Mittagessen wieder im Lions mit Buffet, Chicken-Drumsticks mit Salat und gebackener Kartoffel.Four o' clock tea, diesmal mit Scones. Das Auslaufen betrachte ich vom Salon aus, weil es mir zu kalt ist, außerdem ist es dunkel. Gigantisch, wie der Dampfer sich so ganz langsam unter der Brücke dreht.Ein Mitreisender, der draußen stand, berichtet, daß das Schiff mit dem Schornstein nur knapp unter der Brücke durchgekommen ist.Dann steht auf ein mal einer dieser Gentleman Hosts ( das sind die Herren, die Cunard den alleinreisenden Damen zum Betanzen zur Verfügung stellt) neben Regina und mir. Ich habe eine technische Frage, und mein Schiffsenglisch ist nicht so ganz doll, aber der Gentleman Host ist Holländer, heißt Reinhard und kann deutsch. Er ist aus der Reisebranche , Ende 50 und wurde von Cunard gebeten, auf diese Fahrt mitzugehen.
Er erzählt interessante Dinge über den Job, z.B. daß die Herren für den Trip auch etwas bezahlen müssen und Tanzpflicht bis 23.30 haben. Reinhard guckt ein bißchen unglücklich und ist froh, daß er das Angebot von Cunard für die Weltreise ausgeschlagen hat. Cunard hat noch ganz andere Benimmregeln für die Herren: wenn eine Dame am Tisch eine rauchen möchte, erheben sich die Herren formvollendet und geben der Dame Feuer. Mir ist das entschieden zu affig, aber ich habe keine Chance das zu verhindern, außer, nicht mehr zu rauchen...Als Reinhard mich zum Tanzen auffordert, teile ich ihm fröhlich mit, daß ich nicht tanzen kann. Er darauf in entwaffnender Ehrlichkeit:" Ich auch nicht." Also legen wir Freistilringen hin. Er ist uns auch während der ganzen Reise treu, weil man bei Regina und mir so viel zu lachen hat.
Männer: Regina und ich begucken die Fotowand mit den wichtigen Offizieren und stellen fest, daß uns da keiner bis auf einen umhaut, das wäre ein Verbesserungsvorschlag für Cunard!
Dann wird noch diskutiert, ob man sich mit dem Käpt'n ablichten lassen soll, man kann sich nämlich auch drücken. Aber das machen wir nicht, stellen uns brav in die Reihe, werden von so einer Art Oberhofdame vorgestellt ("May I introduce you Mrs.Unnel") und sagen brav "Good Evening Sir!" und dürfen nach dieser Anstrengung Champagner schlürfen.

Nach dem Essen spielen die Mindbenders (Beatband aus den Sechzigern, nur Experten wie mir und Engländern bekannt) in der Great Lounge auf. In der ersten Reihe beim Publikum liegt das Durchschnittsalter bei 70 und es wird heftig mitgewippt.Dann müssen wir noch zur Dixieband, von der Regina schwärmt. Als wir dort einlaufen, kommt eine Riesenwelle und Regina landet auf dem Schoß eines britischen Gentleman, der sehr amused ist. Zudem fliegt auch noch sein Ginglas in die Gegend.
Der restliche Abend verläuft dann ohne weitere Zwischenfälle.

Dienstag, 8. 12. 1998

Heute haben wir in Vigo angelegt, es ist Feiertag, die Geschäfte sind demzufolge zu, wir laufen trotzdem durch, trinken "Uno cortado per favor" und gehen wieder auf das Schiff. Es ist wegen des Feiertags jede Menge los, QE 2 hat zum ersten Mal seit 10 Jahren hier angelegt und halb Galizien ist auf den Beinen.
Afternoon tea mit einem alten englischen Ehepaar, die sich die Reise zum 50. Hochzeitstag gegönnt haben. Wegen der Zeitverschiebung ( wieder MEZ) ist es heute abend noch hell und ich stehe draußen, als das Ablegen angesagt ist. Halb Galizien steht am Pier, das Ablegen kündigt sich durch das Anrücken der Schlepper an, vorne steht ein schmucker britischer Officer neben der stramm wehenden Flagge und beaufsichtigt das Ganze. Der eigentliche Akt wird durch das Abspielen irgendwelcher Märsche angekündigt, daß QE 2 sich anfängt zu bewegen, sieht man nur , wenn man auf einen Fixpunkt am Pier sieht, die Galizier winken und wir haben beinahe Tränen in den Augen...
Und dann bläst das Horn dreimal, ich finde es ergreifend, die Erfahrenen meinen, es hätte schon mal mehr Power gehabt, aber ich finde es schön.
Heute abend spielen die Mindbenders um 23.30 im Queen's Room auf, da ist Abtanzen angesagt. Tanzen bei Seegang ist toll, wenn man den Fuß auf den Boden stellen will und kein Boden da ist, aber ganz langsam wieder entgegenkommt. Die Engländer sind auch gut dabei. Der Sänger meint, daß sie nur 11/2-Minuten Nummern wegen der Herzinfarktgefährdeten spielen, und das Hospital mit den ganzen Joggern voll belegt sei.
Heute abend schaukelt das Schiff endlich mal., zum Einschlafen derart perfekt, daß ich nur 3 Seiten lese. Das Schiff knarzt auch ganz leise- es ist ein beruhigendes Geräusch.

Mittwoch, 9.12. 1998

Heute ist Santiago de Compostela angesagt, von mir "Kompostjakob" genannt.Wir fahren ca. 1 Stunde durch eine sehr grüne Landschaft , das Grüne kommt vom Regen, den wir dann auch ausgiebig genießen dürfen. Unser Führer heißt Francisco und so einen guten Führer habe ich selten erlebt. Ich habe richtig gut aufgepaßt und könnte Vorträge über diese Kathedrale halten. Das muß ich jetzt auch teilweise tun, weil man den folgenden Gag sonst nicht versteht.
Diese Kathedrale war seit dem 11. Jahrhundert Endpunkt des Jakobsweges und bevor man 42 Klöster u.a. für die Unterbringung der Pilger baute, war diese Kathedrale auch Küche, und Hospital mit der entsprechenden Geruchsentwicklung. Also hat man sich was einfallen lassen: Vor dem Altar, an der Kreuzung von Längsschiff und Seitenschiff hängt ein Flaschenzug. Dort befestigt man an hohen Feiertagen, wenn hoher Besuch kommt oder wenn Cunard zahlt ein Weihrauchfaß, das dann angezündet wird ( nicht das Faß , sondern der Weihrauch darin) und dann in Bewegung gebracht wird. Und dieses Spektakel wird heute veranstaltet, Cunard zahlt wie gesagt, und die Kirche hatte ja schon immer einen großen Magen ( wie mein Vater sagt). Das Ganze wird durch eine kurze liturgische Handlung eingeleitet, dann hängen 8 Rotbekuttete buchstäblich in den Seilen und bringen das Faß in Schwung. Erst schwingt es ganz langsam und dann immer schneller. Der Organist gibt auch noch Gas und dann schwengelt der Kessel beinahe an die für eine romanische Kirche recht hohe Decke. Die Ängstlichen verlassen ihre Seitenplätze am Seitenschiffgang.
Ich stehe natürlich in der Mitte und mache Fotos, die nichts werden, bis auf eins.
Dann wird es wieder ernst und wir werden weitergeführt. Dann rotten sich lauter Weißbekuttete zusammen und beginnt die Totenmesse für den Vater des Erzbischofs.
Ein Lästermaul meint, daß es vielleicht auch für den Sohn des Erzbischofs sein könnte.
Dann essen wir noch im ehemaligen Hospital zu Mittag.
Bis wir wieder auf dem Schiff sind, ist dort die tea-time schon in vollem Gange.Dann beginnt wieder die Hektik mit dem besten Aussichtsplatz für das Ablegen.
Heute mit Dudelsackmusik. Die Schlepper ziehen uns ziemlich lange- an der Bucht raus und dann noch an einer langen Felsbank vorbei, das dauert ca. eine Dreiviertelstunde.

Wenn QE 2 dann langsam in Fahrt kommt, hat sie ca. 7 Knoten, Maximum Speed waren 28,3 Knoten.
Im Restaurant ist heute internationaler Abend, mit Beflaggung und Wunderkerzen.
Abends dann wieder das übliche Programm, Treff mit Regina im Queen's Room, Reinhard beim Arbeiten zugucken.
Es wird betanzt, was das Zeug hält. Die Herren ( einer im Schottenröckchen) schwirren herum und zerren ihre Opfer von den Sesseln, auch wenn die manchmal gar nicht wollen. Ich finde das zum Schreien komisch.Exkurs: Essen an Bord.

Jeder, der mich kennt, würde sich wundern, wenn nicht das Essen seine Erwähnung finden würde, also bitte schön:

Fangen wir beim Frühstück an:
es gibt Gesundes wie Cereals, Kompott und frische Früchte. Pancakes, die üblichen gerührten, gespiegelten und pochierten Eier und dann das volle Frühstücksrepertoire der Briten , wobei hier noch Stockfisch in Milch pochiert der Vollständigkeit halber erwähnt sein soll.
Apart, wie das gekochte Ei serviert wird: in einem zusammengefalteten kleinen Tortendeckchen, das sieht zwar allerliebst aus, aber das Ei läßt sich so nur mühsam essen.
Egal, ob man das Essen im Buffetrestaurant einnimmt oder im Mauretania, das Rührei schmeckt in beiden Fällen bescheiden und der Toast ist immer kalt und hart.
Einmal muß ich ja dann auch Corned Beef Hash probieren, das aussieht wie schon mal gegessen, aber gar nicht so schlecht schmeckt.

Mittagessen:
wird von mir meistens im Lido eingenommen, weil's am schnellsten geht und man sich mit Salaten vollstopfen kann, ich habe nämlich keine Lust, mich vom Dampfer die Gangway runterzurollen. Einen Mittag gehe ich mit Regina ins Mauretania, die tapfer "Fish 'n Chips" bestellt- ich darf gerne probieren, und finde es ohne die Essigsoße nicht authentisch (hier wird vornehmerweise eine grüne Remoulade gereicht).
Four o' clock tea:

Da muß man schon wegen des Schauspiels hin: Die Pseudo-Camilla harft und Punkt 4.00 p.m. schwärmt die Kellnerbrigade aus, erst wird nach den Getränkewünschen gefragt und dann kommen erst die Sandwiches mit Tuna, Salmon, Egg und Cucumber belegt und dann die leckeren Törtchen. Die Kellner sind immer ganz enttäuscht, wenn ich nur ein Stück nehme, der häufigste Satz auf diesem Dampfer von mir ist wohl " Danke nein." Ich vermute, daß die Jungs Streß kriegen, wenn sie nicht alle ihre Schnittchen und Teilchen unter das Schiffsvolk gebracht haben.

Dinner:

Der erste Blick auf die Weinkarte offenbart 250-Dollar-Weinchen. Wir ordern den Haus- bzw. Schiffswein, einen Chardonnay, und werden fortan vom Sommelier, der mit einer Amtskette wie ein schwäbischer Oberbürgermeister bei gewichtigen Amtshandlungen herumläuft, so gut wie es geht, ignoriert.
Da am vorletzten Abend die Speisekarten in netter Form aufbereitet an die Passagiere verteilt werden, kriege ich noch gut zusammen, was ich gegessen habe.

5.12. Cesar's Salad, Knoblauchsuppe ( ich habe an diesem Abend nur noch ein Date mit meinem Bett), Steak, Cheese-Platter.
6.12. Bouillon und Hummer, Cheese- Platter
7.12 Tagessalat und Lammrücken, Cheese- Platter
8.12. Geflügelleber-Parfait und Pasta mit grünem Spargel und geräucherter Ente und keine Cheese-Platter
9.12. Salat und Boeuf Stroganoff und, richtig, Cheese-Platter
10.12. Seezunge und keine Cheese-Platter, sondern After-Eight- Parfait

Am vorletzten Abend gibt es das Gala-Buffet, mit dem die Menschen, die das Late-Sitting hatten, nur einen Fototermin haben- mehr geht nun wirklich nicht rein.

Donnerstag, 10.12.1998

Heute landen wir in Brest, das einzige Anlegemanöver, das wir sehen könnten, weil es ab 10.00 stattfindet.
Die See ist etwas aufgewühlt, man sieht Wellen und kleine Schaumkronen, von mir geschätzte Windstärke 5-6.
Anlegen, oder wie ich immer sage, Schiffchen Einparken, ist Millimeterarbeit und die Jungs

können das. Sogar der Käpt'n ist heute beim Arbeiten auf der Brücke zu sehen.
Ich beschließe, mir den Luxus zu leisten, in Brest NICHT von Bord zu gehen- es ist grau und windig und außerdem ist Brest die häßlichste Stadt, die ich je gesehen habe, und das schon zweimal.
Um halb fünf gehe ich mal die Gangway runter, betrachte mir die französischen Leckereien an den Büdchen und finde 150 FF für ein kleines Eimerchen Gänseleberpastete zu teuer und marschiere wieder an Bord.
Heute ist der letzte Abend und es gibt endlich mal etwas sportlicheren Seegang.
Der Gang von der Bar ins Restaurant gestaltet sich etwas wackelig. Im Restaurant geht das dann weiter und der Käpt'n macht eine Durchsage, daß man die Gegenstände in der Kabine sichern soll. Sehr witzig, wenn wir Essen wollen.
Aber das erledigen die Stewards, mein Tisch in der Kabine sieht nachher sehr schön aufgeräumt aus. Ein Experte meint, daß die Wellen wohl bis ganz hoch an die Bugspitze klatschen, bzw. daß das Schiff vorne ganz eintaucht.
Es wackelt deswegen, weil wir in den Ärmelkanal einfahren, leider dauert das nur 15 Minuten, mir gefällt das. Wenn das länger gegangen wäre, wäre ich aber wahrscheinlich eingeschlafen, weil ich müde werde, wenn das ganz lange Wellen sind.
Irgendwann kommt ein Scheppern aus der Küche und dann klirrt es und dann ist es vorbei.
Wieder das übliche Abendprogramm und wir sind ganz wehmütig.

Freitag, 11.12.1998

Man merkt, daß Cunard uns vom Schiff weghaben will- heute nachmittag um 15.00 kommen die nächsten Gäste für einen 4 -tägigen Törn im Meer ohne Anlegen. Dann geht es auf die Weihnachtsfahrt und danach auf die Weltreise....
Nicht für uns, wir werden disembarqued und nach Heathrow verfrachtet.
Es war eine absolute Traumreise, ich habe u.a. schon lange nicht mehr so gelacht.
Es war die beeindruckenste Seereise ,die ich gemacht habe, was am Schiff lag-wann fährt man schon auf einer Fast-Legende...Und ich war nicht zum letzten Mal auf diesem Schiff, das weiß ich sicher.


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