- wie alles begann -

Ich könnte sagen, bei mir begann alles wie bei Adam und Eva mit einem Apfel, weil mein erster "richtiger" Computer ein Apple II war, aber das wäre nicht ganz korrekt. Genau genommen begann alles damit, daß ich eines Tages im Oktober 1978 durch die Stuttgarter Schulstraße schlenderte und im Schaufenster eines neu eröffneten Zeitschriftenladens, den es heute nicht mehr gibt, ein Sonderheft mit dem Namen "Hobby Computer", "Grundlagen für Anfänger, heiße Themen für den Profi" liegen sah, das ich sofort käuflich erwarb.

Dabei handelte es sich wirklich um eine umfassende Darstellung mit Themen wie:
"Einstieg in die Maschinensprache", "Systeme für den Schaltungstechniker", "KIM-1, mehr als nur ein Spielzeug", "Einführung in das Programmieren mit Basic", "TRS 80, ein professioneller Hobbycomputer", "PET, der Wunderknabe", "der S-100-Bus" und "Prinzip von Floppy-Disk-Speichern".
Zugegeben, zuerst verstand ich immer nur "Bahnhof", aber je öfter ich in dem Heft blätterte, um so klarer wurde mir die Sache und ich wußte, daß die Zeit des Radiobastelns und die Beschäftigung mit Gatterschaltungen vorbei war, jetzt war ein Computer angesagt. Das Programmieren in Basic lernte ich in den Grundzügen bereits mit dieser Broschüre, sozusagen "auf dem Trockenen". Ich fand das ganze furchtbar spannend und aufregend.

Ein wenig hatte ich allerdings schon etwas früher mit einem Computer geliebäugelt.
Auf der Autobahn von München nach Stuttgart hörte ich einen Radio-Bericht von der Hannover Messe (Cebit gab es noch nicht), wo der sensationelle Alleskönner mit dem Namen "PET" von der Fa. Commodore vorgestellt worden war. Es wurde behauptet, dieser könne auch Schach spielen.
Nach langem Suchen fand ich tatsächlich die vermutlich einzige Firma in Stuttgart, die zu dieser Zeit einen richtigen Personal - Computer verkaufte. Es handelte sich um den genannten PET, der ziemlich verloren in einem Saal mit lauter mechanischen Schreibmaschinen und Buchungsautomaten stand. Leider kannte das Personal sich mit dem PET nicht aus, aber immerhin konnte ich einen fotokopierten Prospekt ergattern. Enttäuscht war ich darüber, daß der Händler kein einziges Programm für diesen PET hatte (er meinte, man könne das ja alles selbst programmieren) und insbesondere kein Schach-Computerprogramm. Unter diesen Umständen wollte ich dann doch nicht die geforderten DM 2950.- in dieses Gerät investieren.

Im Oktober 1978 kaufte ich mir auch die Erstausgabe (Sept./Okt. 78) der ersten Deutschen Computerzeitschrift namens "Chip". Vorher war man auf amerikanische Zeitschriften angewiesen oder auf einzelne Artikel in Elektronik-Heften.
In dieser Chip erschien im Sept. 1979 ein Bericht über den Apple II mit einer geradezu sensationellen Farbgrafik (280 x 192 Bildpunkte bei 6 ! Farben) und weiteren Vorteilen (s. Rubrik Apple II). Diesen Computer mußte ich haben, obwohl ich mir noch nicht so ganz sicher war, ob ich ihn auch sinnvoll betreiben könnte. Mir schwebte u.a. eine Aktienverwaltung vor, da eine Berechnung meines Depots mit dem Taschenrechner so zeitraubend war, daß ich mich meistens mit überschlägigen Berechnungen zufrieden geben mußte. Das wäre doch was, dachte ich mir, wenn man auf Knopfdruck den Wert des gesamten Depots mit allen Gewinnen und Verlusten unter Berücksichtigung von Dividenden und Bezugsrechten, An- und Verkaufsgebühren und Depotkosten feststellen könnte.
Es dauerte aber noch geraume Zeit (Nov. 1980), bis ich stolzer Besitzer eines Apple II mit 16 KB RAM zum ebenfalls stolzen Preis von DM 2700.- (ohne Diskettenlaufwerk) war. Man konnte diesen damals nur im Versandhandel und mit langen Lieferfristen erwerben. Alle Handbücher waren in Englisch; von der erforderlichen Sprachauffrischung profitiere ich heute noch.

Immerhin wurden auch einige Computerprogramme (hauptsächlich Spiele) auf Musikkassetten mitgeliefert. Die Aktienverwaltung erledigte ich später zunächst mit der neu erfundenen und weltweit ersten Tabellenkalkulation namens Visicalc und danach mit einem selbst geschriebenen Basicprogramm.
Reinhard Horber