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Latein |
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Josef Eberle, alias Sebastian Blau, Verleger Stgt. Zeitung,
Verfasser von lateinischen Gedichten u.a.
einer von Eberle´s Lieblingsdichtern:
A r c h i p o e t a
Dieser lebte im 12. Jahrhundert und wird den sog. Vagantendichtern zugerechnet.
Von ihm sind nur 9 Gedichte und die erste Strophe eines zehnten erhalten oder zuordenbar.
I: Lingua balbus, hebes ingenio
II: Fama tuba dante sonum (Jonasbeichte)
III: Omnia tempus habent
IV: Archicancellarie, vir discrete mentis
V: Nocte quadam sabbati somno iam refectus
VI: En habeo versus te precipiente reversus
VII: Archicancellarie, viris maior ceteris
VIII: Presul urbis Agripine
IX: Salve, mundi domine, Caesar noster, ave!
X: Estuans intrinsecus ira vehementi (Vagantenbeichte)
Sein Mäzen war der Erzkanzler (v. Friedrich Barbarossa) Reinald von Dassel, auch Erzbischof von Köln.

(c) by Reho 2002
Reinald v. Dassel (r) am Rathaus von Köln
Ob es sich bei dem Namen Archipoeta um ein Pseudonym handelt, weiß man nicht.
Möglicherweise legte der Poet auch keinen Wert auf Nachruhm,
wie man diesen Zeilen entnehmen könnte:
II, 17, (Jonas-Gedicht)
Nomen vatis vel personam
manifeste non exponam*
sed quem fuga fecit Ionam
per figuram satis bonam
Ionae nomen ei ponam.
* Den Namen des Dichters ... möchte ich nicht offenkundig machen.
In seinen "Laudes" (Carmina Latina) widmet Eberle diesem Dichter ein Loblied.
Hier einige Auszüge:
AD Archipoetam
Hominum superbiam, decet recordari
cuius vere munus est, mundo dominari
.....
Haec est sors immerita, nostri quoque vatis
Nomen eius latet nos, mecum quem amatis
.....
Tua vox ex tenebris, altae vetustatis
nobis movet pectora, saeclis in mutatis
Josef Eberle
Dies könnte man (hoffentlich) so übersetzen:
An den Archipoeta
An einen stolzen Menschen geziemt es sich zu erinnern,
dessen wahre Bestimmung es ist, auf der Welt zu herrschen ...
.....
Dies ist das unverdiente Schicksal, auch unseres Dichters,
den ihr mit mir liebt: sein Name bleibt uns verborgen ...
.....
Deine Stimme aus der Finsternis des hohen Mittelalters
bewegt unsere Herzen, auch wenn die Zeiten sich ändern ...
Reinhard Horber
Umberto Eco stellt in seinem Roman "Baudolino" die interessante These auf, daß in Wirklichkeit ein gewisser Baudolino aus dem italienischen Alessandria die Verse geschrieben
und sie seinem Freund Archipoeta aus Köln überlassen hätte, dessen Name (Erzdichter) sich aus dem Begriff "Archiepiscopus Coloniensis" (Kölner Erzbischof) ableite.
Es ist auf jeden Fall lohnend, sich auch einmal mit diesem Klassiker des "Mittellatein" zu beschäftigen.
Die Texte findet man leicht im Internet (z.B. Bibliotheca Augustana).
Reinhard Horber