Der
Jakobsweg von Würzburg/Rothenburg über Winnenden
nach Schaffhausen
und Basel und weiter in Richtung Belfort
Teil 1
Von Würzburg nach Tübingen
Von Norden kamen die Pilger über Würzburg, dem fränkisch-schwäbischen Zugang, von Bamberg oder über den Tauberraum bei Rothenburg. Sie folgten entweder der alte "Hohen Straße", die heute wieder nach Speyer führt oder pilgerten zu dem wohl bedeutsamsten Pilgerziel des späten Mittelalters, Einsiedeln in der Schweiz.
Hier wird der nun vollständig markierte Weg vorgestellt, der als Traversale durch Württemberg führt und viele Hinweise auf Jakobspilger, örtlich praktizierten Jakobuskult und viele auf die Pilgerfahrt deutende Flurnamen erhält. Es gehen einige Varianten davon ab, die sicherlich auch von Pilgern begangen wurden, aber aufgrund geografischer Faktoren vermutlich eher gemieden wurden. So war der Weg über die Höhen des Schwarzwalds mühsam und gefährlich. Als Wege boten sich die ehemaligen Römerstraßen an, die noch lange als Wirtschaftswege genutzt wurden. Im Südwesten entstand später die Schweizer Landstraße aus einem dieser Heerwege, heute die B27. Beleg für diese These ist die hohe Anzahl von Hinweisen, wie sie schon oben erwähnt wurden.
Wolfgang Lipp beschreibt in seinem Buch "Auf nach Santiago" sehr detailliert eine Strecke über Urphar, Lauda, Bad Mergenheim, Schwäbisch Hall, Murrhardt nach Winnenden. Außerdem eine parallel laufende Strecke vom Würzburg über Wertheim, Mittenberg, Walldürn, Gundelsheim, Heilbronn, die danach entweder durch den Schwarzwald über Hirsau oder Weil der Stadt Richtung Horb führt. Er stellt vor allem Kulthinweise in den Mittelpunkt seiner Überlegungen.
Der evangelische Pfarrer aus Ulm hat in einer wirklichen Fleißarbeit sämtliche Fakten, die eine Wegbestimmung ermöglichen, schon Anfang der 90er Jahre zusammen getragen.
Hier folgen nun Orte mit Bezug zum Jakobskult auf der Linie Würzburg - Winnenden. Alles und viel mehr finden Sie in meiner Publikation beschrieben. Hier die Liste von Rothenburg nach Rottenburg mit vielen wichtigen Informationen. Mit Ihr lassen sich die Etappen erstellen, da die Entfernungen auch aufgeführt sind. Erst im 2. Teil führe ich die Etappen direkt auf, da ich darüber noch keine Liste erstellt habe
Empfehlenswert sind Wanderkarten des Landesvermessungsamtes in Zusammenarbeit mit dem Schwäbischen Albverein: Blatt 14 und 17, Blatt 27, Blatt 7 und 9.
Würzburg: Auf der linken Mainseite befand sich einst das Schottenkloster St. Jakob. Es wurde 1134 gegründet, 1945 völlig zerstört und ab 1955 als Don Bosco-Kirche neu aufgebaut. Außerdem gab es um 1576 das Juliusspital mit einem Relief über dem Portal, auf dem Jakobspilger abgebildet sind. |

|
|
Ehem. Schottenkloster St. Jakob |
|
 |
Nach Würzburg und Rothenburg ob der Tauber folgt Schrozberg, Langenburg, Schwäbisch Hall, Murrhart, Oppenweiler,
Winnenden, Hanweiler, Steinreinach, Kleinheppach, Endersbach, Stetten, Schurwaldhöhe, St. Bernhardt, Esslingen am Neckar
(ca. 7 Etappen) |
Juliusspital mit einem Relief, rechts zwei Pilger
an den Wanderstöcken erkennbar. |
|
|
|
In der Jakobskirche (1337-1464) von Rothenburg finden wir (links) den bunten Hochaltar bemalt von Friedrich Herlin (1466). Er zeigt in vielen Bildern das so genannte Hühner- oder Galgenwunder.

Heiligblutaltar v. Riemenschneider(1501-1505)
|
Abseits vom Weg: In
Oberwittighausen steht die Sigismundkapelle,
ein unregelmäßiges Oktogon (um 1150 gab es die ersten Baumaßnahmen). Ursprünglich war sie vermutlich Pfarr- und Taufkirche für die ganze Umgebung. Danach wurde sie ein sehr beliebter Wallfahrtsort. Im Jahre 1354 wurden ein Teil der Gebeine des hl. Sigismunds durch Kaiser Karl IV. von Burgund in den Prager St. Veitsdom übertragen. Vermutlich führte der Weg über Wittighausen, sodaß es zur Namensänderung in Sigismundkapelle kam.
| |
An dem romanischen Portals finden wir die Abbildung eines Pilgers.
Außerdem gibt es in Lauda eine Jakobskirche (erster Bau war um 1300)
sowie in Niederstetten, Hohebach und Nagelsberg bei Künzelsau. |
|
Im Nordosten der Kapelle sprudelte einst eine Quelle, die heute noch für eine feuchte Stelle im Innenraum sorgt und, wie die Kirchenführerin erzählt, esoterische Spurensucherinnen, die auf der Platte stehen, zu ekstatischen Ausbrüchen treibt. Zitat: "Ich spürs, ich spürs..."
Immer noch gibt es die Gemarkung "Pilgerspfad" und die Neubaugebiete Pilgerspfad I, II und III. |

Ein See lädt zum Baden ein. |

Michaelskirche in Schwäbisch Hall, auf deren Treppe immer
ein Sommertheater stattfindet. |

Es sind insgesamt sehr schöne Wege, die auch mit dem Fahrrad befahren werden können, die über Schwäbisch Hall, Murrhardt nach Oppenweiler und Winnenden führen |
Eine Tafel in der Michaelskirche: "Das Leben ist eine Pilgerfahrt".
In Schwäbisch Hall stand einst eine Jakobskirche auf dem Platz, wo sich heute das Rathaus befindet.
Eine Pilgerherberge gab es einst in der Gelbinger Gasse (links). Es steht inzwischen leer und riecht nach "Döner". |
 |
|

Romanischer Anbau an der Murrhardter Kirche. Dort nehmen die Kirchengemeinden Pilger auf. |
. |
|
Die im spätgotischen Stil errichtete evangelische Jakobskirche in Oppenweiler entstand zwischen 1460 und 1511. In ihr finden wir Grabdenkmäler
der Herren von Sturmfeder, die einst mit dem Markgrafen von
Baden ins Land gekommen waren. In den Wappen erkennt man
die so genannten Sturmfedern oder Fußangeln, ein Marterwerkzeug,
mit dem der Feind herangezogen und entsprechend malträtiert
wurde.
Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1465. Er wird der Ulmer
Schule zugeschrieben und zeigt mit geöffneten Flügeln in der Mitte
rechts eine Jakobusdarstellung.
Bemerkenswert ist auch links die
Darstellung des Christophorus. Er soll, so der Glaube, nach dem
Betrachten den ganzen Tag über vor dem »Jähtod«, einem plötzlichen
Tod, schützen.
Die Abbildung links findet sich auf der Predella unten.
Auch die evang. Gemeinde von Oppenweiler nimmt "richtige" Pilger auf. |

Eine schöne Brücke in Unterweissach im Tal |
Außerdem existiert ein Jakobsweg von Murrhardt über Sulzbach a. d. M. nach Oppenweiler, von dem mir ein Seminarteilnehmer berichtet hat, der aber in Vergessenheit geraten ist .
Den Schlüssel zur Schlosskirche in Winnenden erhalten Sie an der Pforte des Psychiatrischen Landeskrankenhauses daneben.
|

Mopsdenkmal, im Hintergrund die Schlosskirche
In Winnenden lassen topographische und historische Traditionen
den Schluss zu, dass es hier bereits seit dem 14. Jahrhundert
Einrichtungen zur Pilgerversorgung gab. |
 |
In der Schlosskirche St. Jakobus zu Winnenden steht einer der schönsten dem
heiligen Jakobus geweihten Altäre, ein eindrucks-volles Zeugnis
gotischer Kunst in höchster Blüte, »in dessen Figuren und Reliefs in einem für uns unvorstellbaren
Maß dem spät-mittelalterlichen Menschen« die Jakobswunder
Wirklichkeit geworden sind. |
Auf den vier Reliefs der Altarflügel sind Szenen aus der Legende
des Heiligen und seiner Pilger dargestellt: die Predigt des Jakobus
und die Verbrennung der Bücher des Zauberers Hermogenes, die
Enthauptung des Heiligen und die Verschiffung des Leichnams
nach Spanien, die deutschen Pilger in der Herberge des betrügerischen Wirts und ihre Abreise
sowie das Galgen- und das
Hühnerwunder. |
 |
Der markierte Weg geht ab Endersbach über Plochingen oder Esslingen in 2 Varianten weiter.

In Esslingen finden wir in der Dionyskirche Jakobsmuscheln im Altarraum, die das Familienwappen der Fabrikantenfamilie Merkel darstellen. Außen an der gotischen Frauenkirche findet wir eine Kopie des Hl. Jakobus und am Portal das sog. Welten- Gericht, wo den Gläubigen drastisch aufgezeigt wird, was passiert, wenn sie den Weg des Glaubens (oder der Kirche) verlassen. Sie werden von einem grauseligen Tier verschlungen. Das ist ein Motiv, dass bis Santiago immer wieder zu finden ist. |

|
|
|
 |
Variante ab Endersbach über Plochingen, Wernau, an der Bodelshofener Jakobskirche vorbei (dort zweigt der Göppinger Gesundheitspfad in unseren Weg ein), nach Frickenhausen und weiter nach Neckartailfingen |
|

 |
Auf beiden Varianten finden wir neuere Jakobsbrunnen.
Aus Esslingen oder Plochingen kommend geht es über Einsiedel nach Bebenhausen, von dort über Waldhausen und die Wanne zum Mittelpunkt von Baden-Württemberg und über den Frondsberg in die Altstadt zur Jakobuskirche.
|
Stationen des Jakobwegs:
Esslingen, Berkheim, Denkendorf, Lindenhöfe, Hardt, Neckartailfingen, Schlaitdorf, Altenriet, Dörnach, Pliezhausen, Rübgarten, Einsiedel, Bebenhausen, Tübingen,
Länge: 49 km, (2 Etappen)
Zeit: 15 Stunden
Informationen: Verkehrsverein Tübingen, Telefon (0 70 71) 9 13 60
Jugendherberge |
|
|
 |
Ein schiefer Kirchturm in Neckartailfingen und das Bebenhäuser Schloss (rechts) |
|



|

Die Tübinger Jakobskirche
Der im 12. Jahrhundert errichtete romanische Bau erfuhr zwischen
1500 und 1520 eine gotische Erweiterung, insbesondere im Chorbereich. Deutlich ist am Kirchenschiff noch das aufgehende
Mauerwerk des alten romanischen Baus zu erkennen. An der
Außenfassade sind verschiedene Reliefs angebracht, darunter die
Abbildung eines Hühnchens. Eine Anspielung auf das Hühnerwunder?
Im Innern findet man über dem Taufbecken ein romanisches
Steinrelief, das einen Pilger mit Stab abbildet, zudem einen
Schlussstein mit einer reliefartigen Abbildung des Jakobus.
Tübingen war im Mittelalter eine Pilgerstation. Die Jakobsbruderschaft,
die Reisen organisierte und die Pilger vor Ort betreute,
wird noch im 15. Jahrhundert genannt.
An meinem Geburtshaus in der Burgsteige (unten) führt der Jakobsweg ebenso vorbei. |

Mit viel Phantasie lässt sich hier ein Hühnchen erkennen. Aber nur bei starkem Lichteinfall von der Seite (morgens?) kann man es sehen. |

Unser Weg führt uns weiter über den wunderschönen Schlossberg, am Bismarckturm vorbei, zur Wurmlinger Kapelle, hinunter nach Wurmlingen und anschließend nach Rottenburg. |
Die Fortsetzung des Weges nach Rottenburg am Neckar und Hechingen längs der Schweizer Landstraße
weiter nach Rottweil, Villingen und weiter finden Sie hier!
|