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Geschichtsverein Murrhardt |
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Ortsverband Murrhardt des Historischen Vereins
für Württembergisch Franken e.V. |
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700 Jahre Siegelsberg
Die Ortschaft Siegelsberg
feierte im Jahr 1990 ihr 700jähriges Jubiläum.
Anläßlich dieser Feier wurde der nachstehende kleine Streifzug durch die
Siegelsberger Geschichte verfaßt:
Die Anfänge von Siegelsberg bis zur Ersterwähnung im Jahr 1300
Das erste Ereignis, von dem das
Siegelsberger Gebiet unmittelbar betroffen war, fällt in die Römerzeit. Als die
römische Grenze vom Neckar aus weiter nach Osten vorverlegt wurde, mussten die
Römer eine neue Grenzbefestigung errichten. Dieser damals erbaute Limes
verläuft genau durch das heutige Siegelsberg: Von Steinberg kommend durch den
hinteren Ortsteil von Siegelsberg an der Einmündung der Büchelstraße in die
Seebachstraße entlang, dann östlich an der Mönchshaldestraße vorbei weiter zum
Linderst. Während am Riesberg ein Kastell errichtet wurde, in dessen
Nachbarschaft eine kleine Zivilsiedlung (das spätere Murrhardt) entstand, war
Siegelsberg jedoch damals noch nicht besiedelt. Nur zwei Römerwachtürme haben
auf Siegelsberger Markung ihre Spuren hinterlassen. Die Grundmauern des
Wachturms an der heutigen Karnsberger Straße wurden von Dr. Rolf Schweizer
rekonstruiert, der andere Turm stand am heutigen Ortsende von Siegelsberg, wo
der Hirschreuteweg in den Wald führt. Die Grenze des Römischen Reiches verlief
aber nur knapp 100 Jahre durch Siegelsberg. Die Römer mussten das Gebiet nach
längeren Auseinandersetzungen den vorrückenden Alemannen überlassen. Einer Sage
nach soll der Limessturm der Alemannen gerade in Siegelsberg stattgefunden
haben: Mit einem dort angeblich errungenen wichtigen Sieg der Alemannen gegen
die Römer wurde jedenfalls in früheren Zeiten der Ortsnamen
"Siegelsberg" erklärt.
Heutige Namensforscher sehen als
Ursprung des Ortsnamens jedoch den Rufnamen Sigila oder Sigili an. Diese Person
war wohl der Anführer der Sippe, die sich als erste in Siegelsberg ansiedelte
und wurde dadurch zum Namensgeber des Ortes. Wann sich diese ersten Menschen im
heutigen Siegelsberg niedergelassen haben, ist nicht bekannt. Es dürfte aber
sicher schon einige Jahrhunderte vor 1300 gewesen sein. Siegelsberg zählt damit
zu den älteren Murrhardter Teilorten. Das diesjährige Jubiläum richtet sich
also nicht nach der Erstbesiedlung, sondern nach der ersten urkundlichen
Erwähnung des Ortes. Und die fand im Jahre 1300 statt. In der uns überlieferten
Urkunde spielt Siegelsberg aber nur eine Nebenrolle: Wir verdanken diese
Urkunde einem Streit zwischen dem Vogt und dem Kloster, nach heutigen
Verhältnissen einem Streit zwischen Staat und Kirche. Der weltliche Herrscher
Graf Albrecht von Löwenstein bezog damals bereits Einkünfte aus einem Hof in
Siegelsberg. Um einen Streit mit dem geistlichen Herrscher, dem Abt Heinrich
des Klosters Murrhardt beizulegen, lies Albrecht diese Einkünfte (es handelte
sich damals um 2 Pfund Heller) auf das Kloster Murrhardt übertragen. Dies wurde
in einer Urkunde festgehalten. Und dieser Urkunde verdanken wir die
schriftliche Nachricht über Siegelsberg.
Text der Urkunde von 1300, in
der Siegelsberg erstmals erwähnt wird
(aus dem Lateinischen übersetzt von
Dr. Gerhard Fritz)
Heinrich, von Gottes Gnaden Abt von Murrhardt, Benediktiner Ordens, Würzburger Diözese, und der Konvent verkünden auf einmütigen Beschluß des Kapitels, daß sie ihrem Herrn und Vogt, dem Grafen Albrecht von Löwenstein, auf dessen Bitten hin und allein um Gottes Willen alle Anfechtungen gegen ihr Kloster, habe er sie gegen Eigenleute oder sonstige Untertanen in Worten oder in Werken getan, vergeben und verzeihen, und zwar unter der Bedingung, daß der Graf zum Ausgleich für die Anfechtungen und zu seinem Seelenheil ihnen jährlich von dem Hof in Siegelsberg Einkünfte von 2 Pfund Heller fromm und freiwillig übertrage.
Ein Siegelsberger als Bauernkriegsführer
Einer der ersten Siegelsberger, der uns namentlich begegnet, war zu seiner Zeit eine überregionale Persönlichkeit: Es handelt sich dabei um den Bauern und Gastwirt Conrad (Conz) Bart, der ursprünglich in Oberrot ansässig gewesen war, bereits damals wegen Gewalttätigkeiten aktenkundig wurde (Er wurde 1498 wegen einer Körperverletzung in Schwäbisch Hall inhaftiert) und später wohl nach Siegelsberg übergesiedelt ist. Gastwirte wie Conz Bart waren damals oft die führenden Köpfe am Ort und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Conz Bart zu Beginn der Bauernunruhen schnell zu einem der regionalen Wort- und Bauernführer aufstieg und im Jahr 1525 diverse Aktionen der aufständischen Bauern in Fichtenberg und Oberrot leitete. Die spätere Niederlage der Bauern schien Conz Bart persönlich dagegen nicht geschadet zu haben, schließlich wird er rund 20 Jahre später als einer der reichsten Murrhardter Einwohner genannt.
Von alten Siegelsberger Gebäuden
Das alte Siegelsberg erstreckte sich lediglich auf die Häuser an der heutigen Seebachstraße von der Einmündung der Mönchshaldenstraße bis zur Einmündung der Büchelstraße: Noch die erste detaillierte Karte von 1831 zeigt deutlich, wie sich dort mehrere große Hofanlagen aneinanderreihen. Wer den heutigen Ort durchquert, wird entdecken, daß sich glücklicherweise einige der alten zweigeschossigen Bauten erhalten haben und gerade diese Gebäude haben heute den entscheidenden Anteil am schönen Gesamtbild dieser Ortschaft. An mehreren Gebäuden haben sich alte Jahreszahlen erhalten, die früheste Zahl nennt am Gebäude Seebachstraße 40 das Jahr 1581, auch andere Gebäude sind noch ins 16. Jahrhundert zu datieren.
Die Siegelsberger Sägmühle
1687 gewann Siegelsberg einen neuen Wirtschaftsfaktor: Zwei Siegelsberger beschlossen angesichts der nahen Wälder, eine Sägmühle zu bauen. Der Standort der Sägmühle war damals noch ein gutes Stück außerhalb der Ortschaft am Seebach. Zum Betrieb der Mühle legten sie einen eigenen Stausee an, dessen 300 Meter langer Zufluß vom Siegelsbach abgezweigt wurde. Der Transport des Holzes geschah ebenfalls auf heute ungewöhnliche Weise: Es wurde auf dem Siegelsbach geflösst. 1883 kaufte der aus dem Schwarzwald stammende Müller und Mühlenbauer Jakob Friedrich Nußkern die Siegelsberger Sägmühle. Im Jahr 1888 brannte die gesamte Sägmühle nieder, wurde aber wieder aufgebaut. Bis 1952 wurde die Sägmühle ausschließlich mit Wasserkraft betrieben, dann eine zeitlang durch eine Turbine und schließlich mit elektrischem Strom. In dieser Zeit wurde auch der nun nicht mehr benötigte Stausee aufgefüllt. Im Jahr 1981 stellte das Sägewerk Nußkern seine Arbeit endgültig ein.
Salzsuche in Siegelsberg
Man kann es sich heute gar nicht
mehr so richtig vorstellen: In früheren Jahrhunderten wurde im Murrhardter Raum
immer wieder nach Salz gegraben. Auch das Gewann "Schwarze Lache",
ca. 1 km nordnordöstlich von Siegelsberg war ein Gebiet dieser Unternehmungen.
Schon 1727 wollte man dort einen bis zu 20 m langen Stollen anlegen, an dessen
Ende ein Schacht gegraben werden sollte, mit dem angestauten Bach wollte man
ein Wasserrad mit 2,3 m Durchmesser antreiben.
Die gewonnene Salzsole sollte in
Bleirohren zu einem Siedehaus geleitet werden, das ungefähr in der heutigen
Ortsmitte gestanden hätte. Acht Jahre später wurde in der "Schwarzen
Lache" tatsächlich ein 35 m tiefer Salzstollen gegraben, die Arbeiten
brachten jedoch wenig Erfolg und wurden bald darauf eingestellt. Wie sich
Siegelsberg wohl entwickelt hätte, wenn damals wirklich Salz gefunden worden
wäre?
Der unterirdische Gang und eine Mineralwasserquelle
Zu den ungewöhnlichsten
Geschichten, die über Siegelsberg erzählt werden können, zählt bis in die
Gegenwart die vom unterirdischen Gang. Viele Einwohner wissen von Erdsenkungen,
plötzlichen Erdlöchern und Holzbohlengängen zu berichten, die sich in
Siegelsberg und im Gebiet zwischen Siegelsberg, Steinmäuerle und Murrhardt
befinden sollen. In früherer Zeit war sogar von einer Sage die Rede, laut der
die goldene Schätze des Murrhardter Klosters in einem unterirdischen Gang
versteckt gewesen waren. Nachweisen läßt sich lediglich, das der schon oben
erwähnte Sägmüller Nußkern im Jahr 1889 bei der Sägmühle einen Brunnenschacht
aushob und dabei in der Erde eine mit Wasser gefüllte und mit Holzbohlen
verkleidete Kammer vorfand. Ein damaliger Zeitungsbericht beschreibt den Gang
als 2,5 bis 3 Meter unter der Erdoberfläche liegend, 1,9 Meter hoch und 0,75
Meter breit. Auch in späteren Jahren wurden rund um das Sägewerk immer wieder
gut erhaltene Überreste eines Holzbohlenganges gefunden, dessen Funktion heute
immer noch ungeklärt ist.
Ob es sich bei diesem Gang um die
Reste der Vorarbeiten zur Soleleitung von der "Schwarzen Lache" zum
geplanten Siedehaus handelt?
Eine andere mögliche Erklärung
dafür könnte ein möglicher alter Mineralwasserbrunnen sein, denn das Wasser in
der von Nußkern gefundenen Holzbohlenkammer konnte aufgrund seines hohen
Mineralgehalts als Mineralwasser verwendet werden. Nußkern begann daraufhin
auch tatsächlich, das Wasser bis nach Stuttgart als Mineralwasser zu verkaufen,
was sich auf längere Zeit jedoch als unrentabel erwies.
Siegelsberg in der Oberamtsbeschreibung von 1871
Die Beschreibung des Oberamts
Backnang aus dem Jahr 1871 schreibt zu Siegelsberg folgendes:
“Siegelsberg, hat 1/2 Stunde nordöstlich
vom Mutterort eine stille, wohlgeschützte Lage in dem tief eingeschnittenen
Siegelsbachtal. Am nördlichen Ende des ziemlich ansehnlichen, in die Länge
gebauten Weilers lief der römische Granzwall vorüber. Hier sollen der Sage nach
die Alemannen den Grenzwall durchbrochen haben.“
Daten zur Siegelsberger Geschichte
um 155 Der obergermanische Limes verläuft quer durch das heutige Siegelsberg
um 260 Die Alamannen überrennen den Limes: Einer Sage nach bei Siegelsberg
1300 Erste urkundliche Erwähnung als "Sigelberc"
1525 Der zeitweise in
Siegelsberg wohnhafte Gastwirt Conz Bart tritt im Bauernkrieg als lokaler
Bauernkriegsführer auf
1567 Urkundliche Erwähnung als "Siegelsperg"
1581 Erste erhaltene Jahreszahl am Gebäude Seebachstraße 40
1687 Bau der Siegelsberger Sägmühle
1727 Im Gewann "Schwarze Lache" wird erstmals ein Salzstollen geplant
1735 Im Gewann "Schwarze Lache" wird vergeblich ein 35m tiefer Salzstollen gegraben
1800 Siegelsberg hat 140 Einwohner
1838 Siegelsberg hat 126 Einwohner
1842 Im Wald bei Siegelsberg
wird nach Steinkohle gegraben, stattdessen aber Vitriolschiefer und
Schwefelkies
gefunden
1871 Siegelsberg hat 103 Einwohner
1888 Die Siegelsberger Sägmühle brennt nieder, wird aber wieder aufgebaut
1889 In der Nähe der Sägmühle
werden die Reste eines unterirdischen Holzbohlenganges entdeckt, dessen
Funktion bis
heute nicht geklärt werden konnte
1925 Siegelsberg hat 154
Einwohner. 34 Schüler aus Siegelsberg und Karnsberg besuchen die
Siegelsberger Schule bei Hauptlehrer
Eisele
1926 Anschluss an die elektrische Stromversorgung
1940 Auflösung der Siegelsberger Schule
1945 Am 18. April sterben in
Siegelsberg beim Einmarsch amerikanischer Truppen 3 Menschen im
Granatenfeuer
1954 Bau der Wasserleitung
ab 1960 Bau der "Siedlung" in Siegelsberg
1972 Einführung der heutigen Straßennamen
1981 Stillegung des Sägewerks Nußkern
1982 1. Platz im Kreiswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"
1995 Das Amt des Teilortsanwalts von Siegelsberg wird nicht mehr besetzt
2000 Siegelsberg hat 452 Einwohner
Texte: Andreas Kozlik
Weitere Informationen über die
Siegelsberger Geschichte befinden sich in einem von Siegelsberger Bürgern
verfaßten Band, der über die Stadtverwaltung Murrhardt oder den Buchhandel
bezogen werden kann:
700 Jahre Siegelsberg ; Festschrift. -
Horb am Neckar : Geiger, 2001. - 84 S. - (Schriftenreihe der Stadt Murrhardt ;
3). - ISBN 3-89570-752-X
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erstellt von:
Andreas Kozlik, Backnang
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