Runrig-Neuigkeiten

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Runrig-Konzert am 6. Oktober 2003 in Filderstadt

Wie kriegen die Schotten das nur hin, dass sie 30 Jahre auf der Bühne stehen und man bei jedem Konzert denkt: Diesmal spielen sie aber besser als je zuvor?
Sie haben es mal wieder geschafft, mich restlos zu überzeugen. Nach dem Barden Kürsche als „Vorgruppe“, der eingängige und fetzige, aber doch sehr einfach gestrickte Lieder zur Gitarre bot, trat das Sextett in aller Frische an. Der Veranstaltungsort FilHarmonie in Filderstadt war ungewöhnlich, spielten Runrig in den Vorjahren doch auf der Bühne der Stuttgarter Liederhalle. Auch wenn vielleicht nicht alle Karten verkauft waren, war die FilHarmonie doch brechend voll. Die Halle bot eine große Nähe zur Band und eine gute Verbindung zwischen Konzertraum und „Verpflegungsmeile“.
Schon im Vorfeld hatte Rory MacDonald in einem Interview angekündigt, dass Show und Songs diesmal anders sein werden. Zuviel soll an dieser Stelle auch nicht verraten werden, die Tour geht ja noch durch ein paar Städte. Die Lichteffekte waren „straight forward“, keine übertriebene Strahlerorgie, sondern klare, kräftige Farben, überlegt eingesetzt. So weckte es die entsprechenden Erinnerungen, wenn bei dem Song „Stamping Ground“ exakt die Farben auftauchten, die auch das CD-Cover prägten. Die Lichtshow verwies deutlich auf die Musik. Was Runrig zu sagen hatte, sagten sie in ihren Liedern.
Die Sechs kamen mit kräftigem Rock daher. Man kann nicht gerade sagen, dass Runrig nach 30 Jahren nun etwas leiser geworden wäre. Im Gegenteil. Jetzt geht es offenbar erst richtig los. Mit dem Lied „From the North“ von der neuen Proterra-CD als Aufmacher zogen die Schottenrocker gleich alle Register. Die Band gab Gitarrist Malcolm Jones immer wieder Gelegenheit, mit seinem virtuosen Können loszulegen. Malcolm lies die Finger tanzen und dirigierte auch bei vielen Liedern die Schlusssequenzen mit seiner Gitarre. Hinter ihm aber tauchte Brian Hurren auf, der vor zwei Jahren bei Runrig einstieg, als Tastenmann Peter Wishart für die Scottish National Party in die Politik ging. Mag Brian am Anfang verständlicherweise noch nicht so profiliert mitgespielt haben, so zeigte er jetzt mehrere Seiten seines Könnens, die die Fans zuerst atemlos verharren und dann frenetisch applaudieren lies. Man hat den Eindruck, dass mit Brian der Klang der Hammond-Orgel verstärkt bei Runrig einzieht. Dass der Mann aber eine durchaus hörenswerte Stimme hat, hat alle restlos überzeugt. Sänger Bruce, der mit dem Publikum in befreiender Leichtigkeit förmlich spielte, überlies Brian sogar die letzten Klänge im Konzert.
Dank des Bringers „Siol Goraidh“ aus dem Searchlight-Album konnten wir auch wieder mal die Stimme von Colum MacDonald solo hören. Schlagzeuger Ian Bain trommelte, als ob es auf nichts anderes in der Welt ankäme, und Rory bearbeitete den Bass nach allen Regeln der Kunst. Aber auch die leisen Klänge zwischendurch und manch überraschende Einlage brachten deutlich rüber: Hier spielen Schotten. Bei dieser Musik sind die Sandstrände an der WestCoast und die rauen Glens spürbar nahe.
Zwei Stunden lang gaben die Jungs von Runrig ihr Bestes. Und wie gesagt: Eigentlich waren sie nie zuvor so gut wie diesmal. Und das mit 30 Jahren. Happy Birthday Runrig!



Oktober 2003: 30 Jahre Schottenrock mit „Runrig“

Zum Geburtstag gab es eine kleine Sensation: Mit ihrem neuen Album „Proterra“ gelang der schottischen Rockband „Runrig“ auf Anhieb der Sprung in die TopTen der deutschen Albumcharts. Noch nie zuvor war eine Runrig-Scheibe unter den ersten zehn Plätzen im Lande zu finden. Aber pünktlich zu ihrem 30jährigem Jubiläum stellten die Schotten unter Beweis, dass sie in der Topliga mitspielen. Bei ihrem Konzert in der Filharmonie Filderstadt wurde die Band, die mittlerweile in Europa ein Begriff ist, von ihren Fans umjubelt.
Eines sucht man bei Runrig-Konzerten umsonst: Teenies. Die Schotten ziehen eher die über 20jährigen in ihren Bann. Auch im Schwabenalter kann man sich vor der Runrigbühne noch jung fühlen. „Sie trösten so gut mit ihrer Musik“, beschreibt eine Konzertbesucherin die Wirkung des Schottenrocks. Aber auch die sechs Jungs auf der Bühne sind - mit Ausnahme des Keyboarders Brian Hurren, der erst vor zwei Jahren zur Band stieß - ja nicht mehr die jüngsten. Seit 30 Jahren tourt Runrig nun schon durch die Lande. Die beiden Brüder Calum und Rory MacDonald, aus deren Feder die meisten Songs kommen, waren von Anfang an dabei. Fünf Jahre später gesellte sich der Ausnahmegitarrist Malcolm Jones dazu und vor 23 Jahren der Schlagzeuger Ian Baine. Als vor einigen Jahren der Sänger Donnie Munro die Band verließ, stand alles auf der Kippe. Die verbliebenen Bandmitglieder mussten bis nach Kanada fahren, um einen neuen Sänger, der zur Band passte, zu finden. In dem mehrfachen ausgezeichneten Liedermacher Bruce Guthro fanden die Schotten einen Artverwandten. Ganz ohne Bezug zur schottischen Kultur war der Kanadier tatsächlich nicht, denn seine Vorfahren waren aus Schottland ausgewandert und noch seine Großmutter sprach Gälisch, die Muttersprache einiger Bandmitglieder. Nach fünf Jahren singt Bruce Guthro nun auch die gälischen Lieder, die fester Bestandteil in Runrigs Repertoire sind, sicher mit.
Trotz aller Veränderungen haben die Schottenrocker heute ihr festes Publikum in Großbritannien, Dänemark und Deutschland. Sie haben damit ihre eigene gälische Kultur über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Dass diese Sprache einen schweren Stand hat in Zeiten, die sich immer schneller verändern, davon singt Runrig in vielen Liedern. Sie sind zu Botschaftern des Gälischen geworden, und es ist ihr Verdienst, wenn selbst ihre deutschen Fans die gälischen Refrains mitsingen. Ein kleiner Gälischkurs wie jüngst beim Konzert in Filderstadt überrascht deshalb die Freunde der Band nicht mehr. Aber noch etwas anderes hat der Band zu ihrem heutigen Bekanntheitsgrad verholfen: ihre Botschaft. Runrig singt vom alltäglichen Leben in Schottland, von dem, was Menschen bedroht und von der Hoffnung, dass es einen „Healer in your heart“ gibt, einen Heiler der Herzen. Kaum bekannt ist, dass die MacDonald-Brüder in ihren Liedern gerade auch ihre christliche Hoffnung für die Welt zu Wort kommen lassen. „Ich fühle, wie eine Heilung durch das Land geht, ein Kreuz für das Volk“, heißt es in einem der Lieder. Die Worte, in denen die Schotten ihren Glauben ausdrücken, sind frei von jeder Phrasendrescherei, unverbraucht, immer verbunden mit der schottischen Landschaft und Geschichte. So verwundert es nicht, dass die Texte Runrigs durchaus eine politische Dimension haben. Zwei der Bandmitglieder, der Sänger Donnie Munro und der Tastenmann Peter Wishart, haben die Band verlassen, um in die schottische Politik zu gehen. Das Lied „Maymorning“, das 1999 veröffentlicht wurde, beschreibt das Aufbrechen des schottischen Nationalbewusstseins, nachdem das schottische Parlament in Edinburgh nach etlichen Jahrhunderten wieder eröffnet wurde.
Auch nach 30 Jahren ist die musikalische Kreativität der Schotten nicht am Ende. „Proterra“ ist inzwischen der 19. Silberling von Runrig. Bei ihren Konzerten merkt man, dass die Band sich nicht in Trends verliert, sondern immer wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Mit spärlichen, aber eindrücklichen Lichteffekten verweisen sie die Konzertbesucher ganz auf ihre Musik. Und die passt in alle Lebenslagen. Mal leise wie bei dem Liebeslied „All the miles“ und mal laut wie bei dem Reißer „From the North“. Die Schotten können’s halt. Alles Gute zum Geburtstag!



September 2003: Proterra in den TopTen!

Das hat es noch nie gegeben! Runrig ist mit seinem neuen Album "Proterra" in den deutschen Album-Charts Ende August unter die Top10 gekommen! Mit Platz 10 erkletterte die neue Runrig-Scheibe noch nie gekannte Höhen.
Was mich persönlich bewegt: Ist diese CD eine Scheibe der Hoffnung oder der Trauer? Dass Gälisch trotz aller Bemühungen langsam auf dem Rückzug ist (AN TOLL DUBH, FAILEAS AIR AN AIRIGH) und viele junge Leute in den entlegenen Gebieten Schottlands ihr Heil eher in den zentraleren Gegenden Schottlands suchen (THE OLD BOYS, EMPTY GLENS), lässt sich nicht von der Hand weisen.
Runrig singt davon, dass wir Menschen Hilfe brauchen, dass es aber auch Hoffnung gibt (THERE'S A NEED). Der Titelsong PROTERRA erzählt, dass da jemand kommt, um für uns zu kämpfen, und ruft die Erde auf, diese Hand zu ergreifen, sich nochmal ins Zeug zu legen und mit aller Kraft zum rettenden Ufer zu rudern. Und die CD klingt aus mit einem Instrumentalsong, der für mich sagt, dass auch aus der Asche Engel auferstehen können (ANGELS FROM THE ASHES). Es gibt immer Hoffnung, auch für so eine geschundene Welt wie die unsere. Danke, Runrig, für diese Scheibe!

Wenn jemand von Euch eine Idee hat, was der Song FROM THE NORTH sagen will, freue ich ich über eine Mail!

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