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08.02.1931
JAMES DEAN
30.09.1955

Mittwoch, 30.9.98, Stuttgart

0710: Der Wecker.
0759: Conny winkt auf dem Bahnsteig gegenüber, ich sitze und wir geben uns Handzeichen. Sieht natürlich auch superklasse aus, sowas.

0817: Bureaux.
1450: Regen regnet.
1653: Fort, fort.
1730: Kurz beim Sulz. Tek schleicht auch mal wieder rum.
1935: 60,94. Vielen Dank für Ihren Einkauf. Für 8 Dinge.
1942: Sister geht zum Chinesen.
1946: Plötzlich superschlechte Laune. Entschuldigung.
2002: Anruf von Andor. Ich glaube, ich sollte mal wieder nach Paris flitzen.
2015: Kurz an ROMAN, aber alles schlecht. Unkonzentriert. Fehlleistung. Zu dick das Ganze,
zu groß, zu umfangreich. Im Prinzip durchdacht - aber: too much.

2157: Getouched und geflashed.
2239: Schlußpfiff, das war's: Bayern - Manchester 2:2, in letzter Minute, in der Todesgruppe D, ganz komische Tore. Oh Manchester, so much to answer for. SMITHS.

2240: Pro 7: Für ihn ist die Position eher günstig.
2242: Free TV-Premiere bei RTL.
2315: Good night.

Ihm war, als ob der bleiche und liebliche Erzähler dort draußen ihm lächle;
ihm winke; als ob er, die Hand aus der Hüfte lösend, hinausdeute, voranschwebe
ins Verheißungsvoll-Ungeheure. Und, wie so oft, machte er sich auf, ihm zu folgen ...

RUBY TUESDAY

Dienstag, 29.9.98, Stuttgart

0645: Wecker alright.
1651: Raus hier.
1750: Mit Schmidt den ganzen Abend lang. Herrlich, weil witzig und nicht so dof.
2320: U-Bahn. 12 people. Keine Demokraten, eher Langweiler. Und alle haben ein Handy.
2357: Müde, nix zu erzählen, Feierabend, Licht aus, ganz sicher.

Gurken-Safari mit Goethe.
Fieses Essen mit Musil.
Gelage mit Mann. ROMAN.

FRESH FRUIT FOR ROTTING VEGETABLES

Montag, 28.9.98, Stuttgart

1540: Ein Ruck muß durch Deutschland gehen. Ein Ruck kann nicht gehen, ein Ruck muß
reinhauen. Seismografisch ist leider nichts festzustellen. Demokratie ist immer so gut, wie die Leute,
die an ihr mitarbeiten. So war die Lehre in Sozialkunde. Damals.

1915: Mit Thomas und Eberhard über Naumann und Jost Stollmann. Unergiebig. Die Naumann-Idee
ist adaptiert aus Frankreich, Lang heißt der Chief dort (glaube ich) und einen Ansprechpartner über
die Länderhoheit hinaus zu haben ist nicht das dümmste. Allerdings: Blühendes BERLIN und ein
Potsdamer Platz, der sich gewaschen hat. In jeder Ecke subkulturelles TingelTangel. VERORDNET.
Was macht Naumann? Korrigieren? Ein Fürsprecher. Eine Sau? Alfred E. Nauman. MAD.

2103: Wie einsam muß man sein um wieder in Ruhe kombinieren zu können?
Immer diese Störungen. Störungen sind der Begriff des Tages, es ist leider ECHT und WAHR.

2130: U-Bahn. Mit der erstandenen EP >in god we trust< von Dead Kennedys. Surfmusik.

2145: Qualtinger, der Herr Karl, die Herren und Formen: Also, wie sich die sogenannten Liberalen,
oder die  Gelben, oder Umfaller-Partei oder kurz FDP wieder hineingerettetet haben ... wir oder die ...
Westerwelle und der Rückenwind. Superdemokratisch. Bis ins Mark hinein.
Irgendwie Superscheiße. Öffentlichkeitsfuck. Man glaubt kein Wort von niemandem mehr.

2152: Die Wissenden niedergeschlagen, die Schleicher euphorisch.
2153: Qultur-Tip mit Q-Tip vom SWR. Was ist das bitte für ein Plakat? Das ist ja nicht zu glauben.
2201: Daheim. Durch den Busch. Ain't nobody home. Macht auch nix.

Und kreise weiter
unter Lichtzwang
um den Tower. Avec flower.

2320: Licht aus, vielleicht.

L'ETAT ET MOI

Sonntag, 27.9.98, Stuttgart

1235: Hello nasty. Wichtiger Tag heute, irgendwie.
1401: Großer Preis von Luxemburg auf dem Nürburgring.
1409. Blühende Landschaften.
1549: 90:86. Rot verliert.
1619: Das Wahllokal im Kindergarten. Größere Wahlzettel gibt es wahrscheinlich nicht mehr, das
Ding muß ja dreimal gefaltet werden. Und Chance 2000 war gar nicht nominiert.

1807: Brennerstraße. Cantina Toscana. Wahlparty I. Eberhard mit roter Krawatte.
1910: Bismarckstraße. Wahlparty II. Wir sehen demokratisch fern und hören jedes Wort.
1958: SPD: 41,1 CDU 35,1 Bündnis90/Grüne 6,7 FDP 6,2 PDS 5,0
2215: Ulrich Wickert verspricht sich tausendmal.
2319: U-Bahn, menschenleer.
2338: Daheim.
2359: Licht aus.

DIE FEHLER DES KOPISTEN

Samstag, 26.9.98, Stuttgart

1312: Im Büro.
1458: Nudelauflauf à la Romana.
1901: Daheim.
1945: Bremen - Bayern 0:1 Rehhagel wechselt den 4. "nicht europäischen" Ausländer ein, merkt es zunächst nicht, wird aufgeklärt, weiß es dann selber, rauft sich die Haare und wechselt sofort einen wieder aus. Der Deutsche Meister verliert mit einem 2:3 gegen den Lotto-vfl.

2000: Elvis, hoi. ran. Küchenbar. Mit kühlem Weißwein. b/w DIAPOSITIVE / 4c ABZÜGE aus USA. Atlanta. San Francisco, Oakland Bay Bridge, Monterey. Paso Robles. Los Angeles, der salzige MonoLake, CyanHimmel über San Diego und die Portait-Studien über Bodie, die alte Goldgräberstadt, über 2000 m hoch. WILDER WESTEN. Bunte Bastei. Und zurück. WUNDERBAR. Die Quallen-Serie von beiden ist ein Traum, jedes Bild ein Einband oder ein Plattencover.

2101: Erstes BeastyBoys-Gespräch. Mit Bildern aus älteren Tagen. Viele Radsportbilder. Und gute Trikots. Capri-Sonne.

2206: Meine Ausführung meiner Flucht nach Italien, der Traum eines Ausfluges. Gerettetet.
0015: Bei Musik und / fahren, fahren, fahre / bilder, bilder, bilder.
0149: Die neue Saint Etienne >good humor<.  Das ist ja wirklich ein Stück vom Zuckerbäcker. Eine CD in Seide, wohlverpackt. Dreitreiliges Grün, im Format.

0156: Große Koalition und die FDP schafft's mal wieder bundesweit. Wahlprozedere.
0255: Don't make any Spirenzchen. In your crazy automobil.

0324: Well alright. Der Unterschied zwischen einer Diktatur und einer Demokratie besteht darin, daß man in einer Demokratie zuerst seine Stimme abgibt before man den Befehlen gehorcht. Das riecht alles nach was Dickem, nach KOALITION und es wird bleiben, wie bisher und nicht weiter. And I don't know what it is. WIRKLICH.

Ich habe einen Fahrschein zu fünfzehn gelöst, sagte er.
Bis zum Retiro.
Hellgrünes Licht flutet durch den Omnibus.
Sie steigen jetzt aus. JETZT.

THE BUTTERFLY COLLECTOR

Freitag, 25.9.98, Stuttgart

1821: Abend mit Goldrand. Wirklich was für ein schöner Herbsttag. Ich bin really deeply impressed.
1849: Gestern habe ich das Tape für Hannover nochmal neu gemacht, weil es mir absolut nicht mehr gefallen hat. Und im Grunde ist das, was ich da gestern gemixed habe wieder nur ein Versuch, d.h., es ist nicht alles drauf was ich haben wollte. Höre ich natürlich erst beim Tape-Control-Durchlauf. Das neue ist besser, tariert, angenehmer in der Abfolge der Songs. Nicht blind, einfach abgemixter.

1914: Sport mit Kai Ebel und Frentzen endet mal wieder im Kiesbett und Schumacher schneidet Grimassen. Wie wird denn das Wetter: Das RTL-Wetterblümchen weht herein, von der Herbststimmung müssen wir leider Abschied nehmen, Schuld daran ist das Atlantik-Tief PAMELA, das uns 40% Regenrisiko beschert. Hockenheimwetter. Wahlwetter: Wir müssen leider Schauer anreuzen, Zweitstimme für die Sonne. Das aktuelle Wetter für das QUALYFING morgen mit MAXI BIEWER.
Unglaublich. Be a MovieStar. Die aktuellen Zahlen Zahlen Zahlen: CDU: 38 SPD: 42 Grüne-Bündnis 90: 6.  Den Wert der FDP habe ich nicht sehen können, weil die
Einblendung am unteren Bildschrimrand natürlich viel zu schnell weg war.

1916: Ich möchte eigentlich nie einen Fernsehauftritt haben wollen weil celebration ... quicken ... performen ... abgetextet egal, Crisis? What crisis? Das ist alles nur noch Profifernsehen.

1931: JAM: "You catch your bus in the 8 o'clock rush and catch your train in the morning rain ..".
Ein geiles Lied. Aber ich glaube, daß das bereits klassisch ist.

1941: Kurz an ROMAN. The good old days. Dublin.
2021: Zwei Schlagzeuger:  Ich möchte nicht GEGEN dich, sondern MIT dir drummen. High-Hat, Base und Bass, Sticks und Cymbals. Ich vermisse meine Musikanten.

2038: Also, ich gehe jetzt mit meinem maritimen Sailor-Shirt und kurzen grauen Freizeithosen und, obendrein, mit Bade-Schluffen, von der dritten Ebene zum Erdgeschoß die Treppen hinunter, weil Schmidt raus will. Das sieht ja eigentlich auch völlig unglaublich aus was ich da trage, denke ich mir beim hochlaufen.

2110: Smoking cicarettes. Das Tape läuft. That's entertainment.

Das Telefon seit Jahren still
kein Mensch mit dem ich reden will
Panzerschrank an der Wand
Kombination unbekannt.

Dazu schrieb Nina immer: Aber das ist falsch, nicht wahr?

BESTARIUM

Donnerstag, 24.9.98, Stuttgart

0645: Aha.
0733: Die Verrückte in der U-Bahn sitzt auf ihrem Koffer und spricht mit sich, also keine Ansprache an die anderen Fahrgäste wie das ja so schön heißt; nein sie schimpft böse auf Europa und das sowieso früher in Preußen alles besser gewesen sei und irgendwie hat sie auch den Tonfall einer verarmten, besser: beraubten Königin, die nun zurückgekehrt ist und leider mit der U--Bahn fahren muß. Also, das kann ich nicht länger aushalten, ich kenne das erstens und zweitens kann ich nicht mal in Ruhe lesen und drittens ist ihr Monolog alles andere als spannend. Und ich habe keinen Walkman dabei. Das wäre jetzt echt die RETTUNG.

0740: Aussteigen, wieder einsteigen, in den hinteren Wagen. Das erträgt ja kein Mensch am frühen Morgen. Das besetzte Haus von Julio Cortázar aus BESTIARIUM. Unglaublich.

0810: Money Makin' Money Makin' Makin Manhattan Super Disco Disco Breakin'.
1233: Grauslige grüne Bandnudeln in Tomaten-Käse-Pampe.
1700: Repro. Heim. U-Bahn. Omnibus von Julio Cortázar aus BESTIARIUM. Unglaublich.

1904: Brief von Andor. Er konnte nur einmal umblättern und nur zwei Einträge von TABU lesen. Es scheint ihm nicht sonderlich zu gefallen, die Buchstaben purzeln durcheinander. HOPPLA. Email finde ich witzig wenn etwas auf dem Server liegt. Sie empfangen 1 von 4 Nachrichten. Spaß. Dirk lädt ein zur Wahlparty am Sonntag, das ist jetzt schon die zweite Einladung zu einer Kohl-Schröder-Fischer-Gysi-Schlingensief-Party. Oder wie man das auch immer nennen soll. Als vor acht Jahren das Einheitsbankett in Berlin veranstaltet wurde, war ich mit Olaf & Co. am Bodensee in Konstanz in einer Kneipe, die sich WUNDERBAR nannte. Das wunderbare an dieser Bar war, daß sie verklappt war, d.h., sobald die Raumteiler entfernt wurden kamen die ersten DJ's angeschlappt und haben alte deutsche Platten aufgelegt, Fehlfarben und so Zeug. Das war auch eine Party, aber eine ganz andere Party, in einem ganz anderen Sinne. Ich werde mich dazu nochmal ausführlicher äußern, weil ich nicht weiß, ob ich mich hier jetzt gerade richtig ausgedrückt habe.

2046: Telefon: Sabine sucht morgen nach den Papieren und meldet sich. She said, she said.

2109: Schmidt liegt auf dem ZEITmagazin. Eine brillante Ausgabe. Haben Sie Angst vor dem
Ruhestand, Frau Kohl?. Was mein Mann tut, ist elementar, was ich tue, ist bestenfalls wichtig.
Sagt Frau Cool. Peter Zadek, 72, ist ein Held der Popkultur. Ich fand das schon so witzig mit Zadek
im Spiegel, als ich im Zug gesessen bin. Zadek und Judy Winter, die ja eigentlich Beate Richard
heißt. Sie hatte ganz lange Beine und ich war völlig vernarrt in sie. Dann wieder komisch: Sibylle
Berg. Mein Wahlprogramm. Dazu sag ich jetzt gar nix mehr.

9 BILDUNTERSCHRIFTEN:

1. Wozu dreißig Programme? Mit drei waren die Menschen glücklicher
2. Die erste Wahl des Tages ist am Morgen das richtige Hemd.
3. So viele Sushi-Variationen können einen leicht überfordern.
4. Die vielen Billigangebote beim Reisebüro verwirren total.
5. So viele Nummern im Kopf - aber wen ruft man an?
6. Schwer zu sagen, welcher Tisch im Café der beste ist.
7. Wer sich nicht entscheiden kann, kauft gleich zwei Paar Turnschuhe.
8. Mehr als hundert Wurstsorten - damit quälen uns die Metzger.
9. Im Supermarkt geht es an der anderen Kasse immer schneller.

2131: Step on - flowered up - stepping stone - Pro>Gen - world in motion - loaded - soon -
the only one I know - she comes in the fall: Der RAVE ON Sampler von 1990.
Der ist ja wirklich schon 8 Jahre alt!

2133: BBoys to the early morn BGirls be rockin on and on BGirls to the break of dawn.
Das ballert schon gewaltig rein.

2144: Die Irrenanstalt am Steinhof. Fällt mir gerade so ein. Ich müßte mal wieder nach Wien.
Obwohl ich ja da schon längst verheiratet oder so wohnen, leben, etceterapipapo könnte.

2332: Nachtfieber am Lagerfeuer mit Kohl's Kindern.

Der Streß von heute
ist wirklich die gute alte Zeit von morgen.
Da hat Rainald Goetz völlig recht.

ICH-MASCHINE

Mittwoch, 23.9.98, Stuttgart

0920: Carpet Crawl von GENESIS. You've got to get in to get out. Im Radio aus dem Nebenzimmer.
1248: Rainer Maria Rilke:
Herbsttag,
wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.
Einfach schön.

1815: Eine nette eMail von Dominik: Guten Tag Herr Nitzsche, wir sind zurück. Glückwunsch zu TABU. HOLE ist sehr wohl zurück und beschert den Ohren eine Scheibe, die sich gewaschen hat. "CELEBRITY SKIN" ist Popmusik. Amerika liebt Ihren Zögling, so wandelbar wie sie nun mal ist.

"You want a part of me
Well. I`m not selling cheap
No. I´m not selling cheap."

1817: Andreas mailed danke für die Weiterleitung seiner www-Adresse. Ehrensache. Deswegen ist man ja vernetzt. Sonst würde das natürlich überhaupt keinen Sinn machen.

1911: Am TABU, aktualisieren, neu verlinken und den ganzen Web-Kram. Am Entwurf über ROMAN, superkomplex, schwierig. Muß man ALLE Romane gelesen haben um sich ein abschließendes BILD darüber machen zu können? Einmal ganz davon abgesehen, daß das ja überhaupt nicht möglich ist. Dann ist aber jeder schriftliche Ansatz darüber UNVOLLKOMMEN, angreifbar. Lebensangelegenheiten. The day I tried to live. Ich weiß gerade auch nicht weiter. Man macht es sich manchmal selber kompliziert. Seliger Beruf, wo man sich tagelang um ein einziges Wort mühen kann.

1929: Weil ich gerade bei, in, neben, über, bla, ROMAN bin: Ein lustiges Spiel:

Das Proust ABC:
Anfall oder Antrieb
Bierhoff oder Bartleby
Chance 2000 oder Curser
Dead Kennedys oder Dylan Thomas
Euro oder Egal
Faserland oder Ferien für immer
Goetz oder Goethe
Hinze oder Handke
Internet oder Interview
Jäger oder Jägermeister
Kohl oder Kafka
Lust oder Laune
Max oder Moritz
Nolte oder Nachtigal
Oral oder Onanie
Polizei oder Pulp
Qual oder Qualität
Realität oder Roman
Schröder oder Schlingensief
Tischfußball oder Tischmanieren
U-Bahn oder U-Comix
Viagra oder Vagina
Westerwelle oder Waterloo
X-mal oder X-Ray-Spex
Yps oder Yes
Zeilen oder Zweifel

1953: Naja, das rettet einen auch nicht, macht aber ab und an echt Laune.
1955: Raus. Beine vertreten. Frischluft.
2100: Wieder zurück. Vor dem Computer. Das Weltfenster. Naja
2104: Beastie Boys oder Blumfeld. Fick oder Fuck. Moral oder Mix. Gut oder Geil. Hopp oder Top.
2108: Dich interessiert doch nicht was Du erlebst sondern nur was Du davon erzählen kannst.
2120: Für heute reichts mir. Fernsehen zappen, vielleicht.
2131: Die Leitung ist besetzt. Bitte wiederholen Sie den Vorgang später. Alptraum. FTP-Connection failed.
2224: Das Netz ist total blockiert, die Welt sucht vermutlich Clinton und das Pokalspiel zwischen Schalke und Dortmund geht mit Heribert Faßbender in die Verlängerung. Es gibt kein golden goal.

2257: Noch zwei Minuten. Die können für Dortmund lange und für Schalke zu kurz sein.
2301: Aus. Salou. Revierpokal hat eigene Gesetze.

Und ausgelöscht / waren / ihm im Innern die Wünsche. /
Jegliche Bewegung / untersagte er sich streng /
sein Inneres schrumpfte / ein und verschwand, wie ein /
leeres Blatt entging er allem / außer der Beschreibung.

DATASMOG

Dienstag, 22.9.98, Stuttgart

0759: Die schicke Hippe mit dem hübschen schwarzen Rock mir gegenüber. Was macht sie? Sie überfliegt die Tagespresse.
0830: Crazy day, ein völlig verrückter Tag. Wirbeln, wirbeln. Wie ein Taifun.
1230: Essen? What kind of food? Möhrensuppe mit Huhn. Ist gut für die blinden Augen.
1705: Overnight. Für Ausfuhr in die Schweiz benötige ich Proformarechnungen. Also gut. 3fach.
1950: Digital overflow und das Office im solid Back-Bereich. Es muß floaten. Es wird gefeteatured.
2010: Spiele. Eigentlich ganz nett. Wir spielen Telefon.
2330: Jochen chauffiert mich in seinem schwarzen Dreier-BMW. Das muß er eigentlich nicht, aber er macht es trotzdem. Ich will zuerst nicht, weil es mir peinlich ist und dann sage ich OK, weil es mir plötzlich nicht mehr peinlich ist. Und dann kommt dieser Moment der Synthese: Er will noch etwas Auto fahren. Also: road belongs to us. Am Ende der Weinsteige: Haben sie Alkohol getrunken? Nöö. Dann fahren sie bitte weiter. Natürlich. Fear & loathing in Las Vegas. Absolut lässig.

2352: In the air tonight.
0005: Schmidt nimmt Kontakt auf. First contact.
0041: Heather Nova. Es fließt alles in den großen Fluß.

Kosten und Datenmüll.
Ohne Zeit und Immer besetzt.
Und Internet und trotzdem alles falsch.
Ohne richtige Richtung dreht sich die Erde immer falsch.

THE BLIND LEADING THE NAKED

Montag, 21.9.98, Stuttgart

0645: Der Wecker summt. Die Katze schreit nach kitekat. Es ist herrlich.
0732: In der Straßenbahn sitzt wirklich JEDER auf seinem STAMMPLATZ.
0810: Hi Mac, wieder da? Ja.
1235: Schreckliche Tortellini in verdünnter heller Ketschupsoße.
1644: Ich kaufe beim Bäcker noch ein belegtes Brötchen, bezahle und bekomme den selben Betrag wieder zurück. MAGIC.

1710: Bei OPTIK AKTUELL, herrlicher Name, zum Brillennasenbügel richten, weil der ja gestern so völlig dummdoof abgekracht ist. Und dann wollte ich auch endlich einmal wieder eine Ersatzbrille haben. Dann wurde alles hochproblematisch: Die Brille mußte natürlich in die Werkstatt und wenn ich sie gleich abgeben würde könnte sie bis 18:30 fertig sein. Darauf ich: Geht nicht, ohne Brille kann ich keine Brille aussuchen. Jetzt ist dieser Laden natürlich ein BRILLENSUPERMARKT und, naja, so eine gute halbe Stunde wird's wohl gedauert haben, bis das neue Nasenfahrrad endlich gefunden war. Die blutjunge Bedienung war auch heilfroh mich los zu sein. Brille ab in die Werkstatt. Und ich: reicht
denn das auch noch? Jaja, bestimmt. Nächste Abteilung: Augen vermessen, die immer wiederkehrende Frage nach Kontaktlinsen und ich HÖRE nur. Ich SEHE ohne Brille WIRKLICH gar NICHTS. Ich tappe umher, trete fast auf einen kleinen Hund aber da er sich bewegt, passiert nichts. Bruchfestes Glas bitte, einfach entspiegelt auf KK. Das ergibt dann knappe 400,. Und all das besprechen und rechnen wir durch, während ich VÖLLIG BLIND vor ihr sitze und sie wirklich nur schemenhaft erkenne. Auf einen halben Meter Abstand. Wie ein Maulwurf in der großen Stadt, der etwas zu besorgen hat.

1833: Die reparierte Brille ist nicht da. Ich stehe blind vor der Kasse. Moment bitte.
1840: Die Brille kommt mit Rohrpost. Gerichtet. Ambulant behandelt. Da ich eine Brille gekauft habe, kostet die Reparatur NICHTS.

1850: Falsche S-Bahn. Nordbahnhof.
1912: Nochmals im Büro.
2130: Daheim. Post. Email. Mettwurstbrot und Beck's. Kuhnacht draußen.
2136: Keine Musik heute. Ich bin echt dafür jetzt zu müde und zu faul.
2205: Auf dem Bett, mit ZEIT, SPIEGEL und Hamburger Abendblatt.

Nichts mehr bedeutet was,
da kann ein jeder mitreden ...
Es dröhnt, aber es hat nichts zu bedeuten.

LOVING YOU SUNDAY MORNING

Sonntag, 20.9.98, Stuttgart

0910: Wenn ich mir vorstelle, da liegen Horst und seine Gabi am Sonntagmorgen im Bett und dann steht der Horst auf und legt diese superschlechte Musik von den Scorpions auf seinen tollen technics-Plattenspieler und kommt dann - hübschgeil - zurück in sein warmgepenntes Nest und dann lächelt ihn die Gabi so glückvoll an  ... oh Gott.

0915: Das ist eindeutig zu früh für Sonntag. Nochmals umdrehen, das geht ja die ganze Woche nicht.
Also, wenn schon Sonntagsmusik und SUNDAY darin vorkommen muß, dann doch lieber:

EASY von Faith no more
oder SUNDAY MORNING von Velvet Underground
oder für die ganz Harten:
SUNDAY, BLOODY SUNDAY von den unsäglich gewordenen U2

0955: Jetzt stehe ich wie der Horst auf und schiebe die KRUDER & DORFMEISTER rein.
Und zurück in die Kiste. Alone. Like a Rolling Stone. And the CIA. And the FBI. And Sharon Stone.

1215: Langes Frühstück bei Muttern. Reiseerzählungen. Tirol must be nice.
1320: Petra setzt die Baseball-Mütze auf geht fotographieren.
1410: Mein alter Herr holt seine Briefe ab. Kurz angebunden. Ist wohl irgendwie in Eile.
1500: Raus, Spaziergang, Beine vertreten im Wald, Brotzeit bei Kiki im Waldheim. Gemütlich.
1755: War River Phoenix wirklich der JAMES DEAN der 90er bzw. 80er? Oder sollte er es werden und ist es doch nicht geworden? Stand by me ein wirklich netter amerikanischer Film.

1945: Maxim Biller im ZEITmagazin. Ich kann das nicht mehr lesen und denke, daß muß ich auch nicht mehr lesen. Oder Sbylle Berg und ihr SEX II. Matthias Altenburg belauscht im Frankfurter Bahnhofsviertel das wahre Leben. Das geht ja, das ist LESBAR. Aber das andere? Warum soll das das neue - literarische - Deutschland sein? Christian Kracht hätte ich da gerne. Oder Rainald Goetz. Es ist schwer, ein Magazin zu einer guten Beilage zu einer Zeitung zu machen. JETZT von der Süddeutschen kann ich vergessen, es gefällt mir nicht, das Magazin hingegen ist BLENDEND im Sinne von hervorragend. Beim ZEITmagazin weiß ich immer nicht so recht. Es will so hypermodern sein mit seinen gelungenen Covers aber inhaltlich komme ich da nicht klar. Da ich Abo habe, komme ich natürlich nicht da herum, aber es ist so bzw. kommt mir so vor. Auch die Struktur der ZEIT und dieser Roger de Weck. Ich finde, so kann man keine Zeitung machen, so Controller-mäßig.

2004: Sollte das nicht ein Schallplattentagebuch sein? Oder - ist das nicht trotzdem? Ich bin angemailed (wie das Wort aussieht!) worden, mit ganz einfachen Worten: Wie meinstndas? Ich habe natürlich zurückgefunkt und das Prinzip erklärt: also oben headline, fast immer ein Song
oder eine Platte oder eine Band, dann der Tag mit Tageszeiten und ganz unten wird dann per Hyperlink auf die vergangenen Tage der aktuellen Woche verwiesen, wobei ALT immer ein Tag zurück und NEU immer auf den INDEX, also auf die aktuelle Seite springt. Die arabischen Ziffern 1-7 führen auf das Archiv der vergangenen Wochen und ob ihm das jetzt zur Navigation helfen würde? Habe ich so ungefähr geschrieben und dann abgefeuert. Und kam mir natürlich ein wenig blöd vor und dachte: Habe ich das zu kompliziert hier angelegt?

2016: LUSCIOUS JACKSON: daughters of chaos.

2034: Wann kommt endlich die Weltregierung damit mit der Großerforschung des Weltraums richtig begonnen werden kann? Die NASA kann das doch gar nicht mehr finanzieren.

2100: Gibt es manchmal etwas schöneres als eine heiße Badewanne? Being boild. Schmelzen.
2207: Jetzt ist der Nasenbügel meiner Brille doch abgebrochen. Das kann doch gar nicht wahr sein.
Heather Nova singt Sugar und ich werde noch kurz die Parteigeneralsekretäre Hinze und Müntefering ansehen bei Böhme im Turm.
HalbBlind. Jetzt gleich.

IF YOU SHOULD GO SKATING ON THE THIN ICE OF HOT LIFE
DON'T BE SURPRISED WHEN A CRACK IN THE ICE
APPEARS UNDER YOUR FEET

Samstag, 19.9.98, Stuttgart

1220: Heute ist aber definitiv Pressetag. Zweimal die ZEIT, das Hamburger Abendblatt von letztem Samstag (!). Und den Papierkrieg hier auf dem Schreibtisch weiterführen. Eine Zettelwirtschaft sondersgleichen. Alles steht IMMER auf EINEM separaten Zettel.

1536: Schnell in den SUPERMARKT zum Einkaufen. Getränke und Abendessen.
1612: Sortieren, abheften, wegwerfen.
1800: Die sackblöde ran-Sendung mit Dumm-Wontora. Aber die senden leider die besten Bilder.

2015: Das Rolling Stones Konzert in Bremen. DM 240, gespart. Obwohl das vor meinem kleinen Schukartonfernseher natürlich kein Vergleich ist. Aber, ich kann es mir vorstellen. Halbwegs.

2315: Feierabend.

LED ZEPPELIN

Freitag, 18.9.98, Stuttgart

0815: Just the same.
1235: Döner Kebap mit Coca Cola für 3 Mark fünfzig. WOW.
1515: Nett verbummelter Nachmittag mit Ditmar.
1745: Die Fußballhefte von Haggis. 40 Kilogramm. So fühlt es sich an. Zum mitnehmen.
1839: 10000. Ein neues Würfelspiel.
2047: Gespräch über frischen Matjes und eine Grünkohlfahrt. Mit Bollerwagen.
2250: Daheim. Mit mir in Klausur. Alles muß anders werden und ich muß wieder Lust haben.
2300: eMail abrufen. Sie empfangen 6 Nachrichten. Na also, es geht doch, man muß ja nur wollen.

2308: Diese Notiz liegt nun schon zweidrei Tage hier und sie ist richtig gut:
Im Internet herrscht Goldgräberstimmung. Aber auch zu deren Zeit sind weniger jene reich geworden, die sich auf die mühsame Suche nach dem edlen Metall begaben, als jene, die Hacken und Schaufeln verkauften.

2323: Das Leben ist ein Traum, man muß nur richtig liegen.
2338: Die Katze liegt auf meinem Koffer, die männliche Handtasche, und grinst völlig unverschämt.
2340: Ein Bett ist ein Bett, ist ein Bett, ist ein Bett ...
2351: And that goes in there and that goes in there.  And then it`s over. PULP.
2355: Watch me burn. Oder so.
2357: Es reicht absolut.
0000: It's gonna be a life of heart attacks. Das stimmt auch irgendwie.

LIKE A ROLLING STONE

Donnerstag, 17.9.98, Stuttgart

0749: Menschen sehen morgens manchmal so merkwürdig aus. In der Straßenbahn.
0759: Phaser auf Töten.
0810: Ein Kind zu haben ist ein Traum.
1039: Was soll das alles hier? Wieso, weshalb, warum? Demokratie mitmachen und nicht demonstrieren. Chance 2000 und der ganze SUPERFUCK.

1151: Schutzpolster und Schaumeinlagen.
1235: Burger King. Junk food. Make my day.
1645: Ab dafür.
1712: The past keeps knock-knock-knocking on my door. And I don't want to hear it anymore.
1815: Mit meinem alten Herrn unterwegs. Das Negative überwiegt, aber vielleicht kommt das einem auch nur so vor.
2108: Diskussion über eine mögliche Weltregierung, die ja unbedingt sein muß um den Weltraum zu erobern. NASASPOCK. BORG. Von eMail-Unfähigkeit und überhaupt die ganze RechnerPROBLEMATIK, da hört natürlich keiner zu.

0023: Zu Hause. Wirklich Feierabend. Love is blind.

DON'T LOOK BACK IN ANGER

Mittwoch, 16.9.98, Stuttgart

1917: Mit Andor, besonderer Abend, Versuch über Philosophie, der Kriminalroman und natürlich
Erziehungsideale und wieder beim Wort ROMAN, diesmal anders, überlegter. ROMAN, die lang
angelegte Lebensangelegenheit. Die lesbare Beschreibung des Scheiterns. THOMAS BERNHARD.

2155: Frauenromane. Schelmenromane. Thomas, Andor, ich und die Detektive.
2205: The night Chicago died.
0005: Feierabend.

FASERLAND REAL

Dienstag, 15.9.98, unterwegs

0635: München. Umsteigen. Süddeutsche Zeitung.
0715: Kaffee im BordTreff und da kommen ja morgens wirklich die unglaublichsten Menschen hereinspaziert. Wirklich, wie Christian Kracht es in FASERLAND beschrieben hat. Ich sitze da bestimmt eine Stunde und rauche mindestens 10 Zigaretten, weil der Typ im Abteil neben mir immer so superkrank gehüstelt hat. Gott bin ich froh, wenn dieses Zug-Drama abgeschlossen ist.

0745: Süddeutsche Zeitung. Bayern wählt immer eisenhart. Netter Text von Alexander Gorkow:
1. Bayern ist keine Demokratie, sondern jetzt endgültig wieder eine Monarchie.
2. Den König stellt die CSU.
3. Das Volk und seine Fernsehleute dienen dem König.
4. Zu den Dienern gehören tragischerweise auch die Opposition, welche sich in eine Horde Hofnarren aufzuteilen gezwungen ist, um dem König zur Erheiterung und Profilierung nützlich zu sein."

Wenn man bedenkt, was die SZ vor Jahren noch für ein Käseblatt war ...

1012: Wieder zu Hause. TABU aktualisieren und ich merke, daß ich meine ganzen Verknüpfungen und Hyperlinks völlig überarbeiten muß und das ich überhaupt nicht mehr in meinem Speichersystem auswendig drin bin. Wie neu lernen. Schallplatten. Auch das noch.

1320: In das Sofa biegen, ein wenig dösen. Ragas and Sagas.
1740: Im Internet auf der Suche nach dem Wort ROMAN. Feierliche Auslese, muß aber ersthaft überarbeitet werden.

1815: Einkauf. Dreizehn bitte neun, dreizehn bitte neun. Und warum stehen wieder ein paar Superschlaue mit einem Riesenberg sinnlosem Einkauf an der Schellkasse?

1912: Sabine angerufen wegen dem Roman. Wenn sie ihre Papiere noch findet ruft sie mich zurück.
2104: Telefonat mit Andor. Wir sehen uns morgen.
2106: Black cat on/at my sofa. Schmidt hat den "Du-mußt-kraulen-Blick. Widerspruch zwecklos.
2125: Die Kälte hier ist von Grund auf kalt und auch der so oft unbemerkt geschlichene Übergang der Jahreszeiten ist perdu, futsch. Was ist ein Herbst ohne Sonne denn für ein merkwürdiges kalendarisch benanntes Ding? Wie Wespe oder Häckel im TV. Die Erklärung der Erklärung.
Ist die CHANCE 2000 jetzt endlich in Frankfurt notiert?

2136: Neuen Tonabnehmer oder gleich einen moderneren Schallplattenspieler? Einen mit Pitch etc.

2139: Novelle / Erzählung / Roman = Single / LP / CD ? Entwicklungstechnisch betrachtet. Geht das so mathetaktisch überhaupt? Ich hänge eigentlich nur am Begriff ROMAN gerade fest und das geht auch in Richtung CD, weil alles jetzt so langsam TECHNOCDROMAN wird.
Eine LP wird eine CD und eine Erzählung mutiert plustrig munter zum Roman. Und 45er und Novellen - gibt's kaum noch und wenn, dann in Maxi-Form.

2159: Vor dem Schallplattenschrank. Ein bunter Rücken. Covers zum Ausklappen. Das harte Schwanzposter von Dead Kennedys. Sackalt. Aber erhalten als wäre es fast neu. Rainbow on stage, die Schweinerocker. MaxiSingles von Smiths. Englische MiniNovellen.

2311: Abflug in die Küche oder ins Bett.

PEER GYNT SUITEN

Montag, 14.9.98, unterwegs

1312: Koffer und Rucksack gepackt. Noch einmal ein superschöner Tag.
1505: Helles braun, ockerfarben, gelbe Streifen mit grün.
1940: Pontedera. Bahnhof.
2007: Ein Schaffner, der aussieht wie der junge Schauspieler Fernandel.
2038: Florenz. Regen. Fensterplatz. Egal.
2145: Mystery train. Nichts funktioniert hier. Es ist zum wahnsinnig werden!
2238: Bologna. Dann weiter durch die dunkle Nacht.
0005: Kacken im Zug, sorry, aber für diesen Vorgang gibt es wirklich kein anderes Vokabular. Grauenvoll.
An der Türe klopft es und von unten zieht es. Dazu das eisenharte Dreckspapier.

0025: Verona. An Schlaf ist nicht zu denken.
0125: Neben mir liegt ein Typ, der aussieht wie Pepone, schnarchend wie ein Wildschwein und Stinkesocken an den Füßen.
0210: Den Gang auf und ab. Irgendwann hat das hier ein Ende.

80:80

Sonntag, 13.9.98, Montecatini

1407: Monza. Formel 1. Italienische Terrasse. Schumacher. Ferraristi. Klingt wie Batman.

PARADISE

Samstag, 12.9.98, Montecatini

1207: Nur RUHE. Lektüre. Im Garten eindösen und sich nur von einer niedergegangenen Birne erschrecken lassen.

BLOWING IN THE WIND

Freitag, 11.9.98, Montecatini

1017: Wach, geweckt.
1045: Italienische Bank, alles oberlässig und ein Kassierer, den die Welt noch nicht gesehen hat.
1105: Markt. Gefülltes Wildschwein. IRRE.
1205: Holzfäller. Bastelarbeiten im Garten. Toscana-Therapie.
1706: Am Küchentisch und DENKEN, daß das alles so unglaublich prima ist. Dieses unglaubliche ALLES beim ersten Mal. Den Kopf voll mit Eindrücken. Die Farben hier: braun, grün, gelb. Hell übergehend in dunkel und umgekehrt.

1710: Schwarze Katze.
1713: Tastatur und Bleistift: Zwei grundverschiedene Dinge.
2320: Es ist immer die Frage, wie man sich aufführt, in der Ferne.

HERR ROSSI SUCHT DAS GLÜCK

Donnerstag, 10.9.98, Montecatini

1015: Wach, von Tieren geweckt.
1059: Herr Rossi sucht das Glück.
1130: Draußen, FASERLAND. Lektüre. Blätterwald.
1540: Fattoria Sorbaiano.
1715: Bei Mario auf der Bar-Terrasse und Blick auf den kleinen katholischen Marktplatz. Orginal, wie im Bilderbuch.
Es wundert überhaupt nicht, daß es so hervorragende italienische Komödien gibt.

1834: Eierbecher als Aschenbecher.
2012: Supergemütliches, längeres Abendessen.
0035: Chicago zocken. Bis zum Abwinken.

VACANZE A VOLTERA

Mittwoch, 9.9.98, unterwegs.

0555: Weg von hier ist nicht schwer.
0740: Grenzübertritt. Keiner fragt nach Papieren. Deutschland ist auf einmal nicht mehr da.
0800: Zürich. Limatkai. Lezigrund. Gruezi.
1520: Montecatini.
1620: Küchengespräche. Das Prozedere.
1638: Also, eine Aussicht, die jetzt unbeschreiblich ist: klar, alles flirrt, die süße warme Luft.
Akazien. Zypressen. Olivenhaine. Kräuter. Und ein 300 Jahre altes Herrenhaus. IRRE.

1951: Italia-Bar bei Mario. Das hiesige Bier heißt "Wührer" und ich hatte versehentlich "Führer" gelesen.
2030: Dickes Essen in Saline. Vecchio Mulino.
2340: Feuerwerk. Natürlich nur für uns.
0150: Mit Ursel am Tisch auf der Terrasse im Garten, quatschen, erzählen und und und.
0350: Allein in meinem Zimmer in diesem alten Haus. Alle Fenster geöffnet, Nachtwind und die Unterhaltung der Tiere von draußen.

URBAN HYMNS

Dienstag, 8.9.98, Stuttgart

0915: Der ganze  ComputerWahnsinn: bitmaps, tifs, gifs, eps. Formate und Formen. eMail und TechnoTechnic. Der MetaBaron. Auflösung in pixel. Krank, pervers, aber wichtig.

1245: Zugfahrkarte: Pontedera-Casciana > Firenze S. M. Novella > via Bologna C. le*Verona P. N. * Brenner/Brennero * Kufstein * KUF * M*UL***** > Stuttgart. Wagen 261, Sitzplatz 85, 1 Fenster.

1719: Raus hier.
1802: Schuhe kaufen. Es ist echt unglaublich, wieviele Schuhe es in einem einzigen Geschäft gibt. Lloyd und Timberland passen aber irgendwie immer. Trotzdem, ich nerve immer jede Schuhverkäuferin. Nicht böse sondern unentschlossen. Und immer bringt sie weitere Tret-Exemplare, bis ich fast nicht mehr weiter weiß. Wieso sind bequeme Schuhe immer so merkwürdig teuer?

1859: Im Cantina. Abendessen. Siegfried kühn und gewohnt lässig am Tresen. Weswegen er sich gar nicht mehr meldet? Ob da ein Problem ist? Nein, nein, er ist hier zum Fixieren, zum Aufnehmen. Alles wird sich bessern. Er hat jetzt auch einen Rechner. Und fummelt rum mit Corel Draw.

1950: Computer-Gespräch. Netzwelt. Jungs, ihr driftet weg, wie Surfer in Kalifornien, die Welle nennt ihr Wave und alles muß floaten, ihr seid wie Elektronen mit zuviel Spin und kreist unter Lichtzwang um den tower. Netzverwirrungen der jungen Zöglinge.

2100: Koffer packen. Das ist auch immer so eine Sache. Ist auch wirklich alles drin? Oder: braucht man all das EINGEPACKTE wirklich? Bei einer Reise, sagt man, solle man sich reduzieren. Aber wie kann man sich im Anspruch verringern ohne seine Lieblingsbücher?

2304: It's no time to cracking up my friend.
2333: Licht aus. Für 4 1/2 Stunden.

THE LAST DAYS OF DISCO

Montag, 7.9.98, Stuttgart

0759: Laugenbrötchen und Spiegel gekauft. Die Leute rennen blind aneinander vorbei.
0805: Anonym in der U-Bahn. Artikel über das Studio 54.
0815: Work.
0835: Emails checken.
1025: Tag in Watte.
1649: Und der Regen der regnet jeglichen Tag und nie werden die Füße trocken.
1902: Hans-Hubert Vogts hat das Handtuch geworfen. Helmut Kohl wird nach dem 27. September dann doch endlich Bundestrainer.

2007: Zu Hause.
2059: Hölderlin im Niemandsland. Am Brennerpaß gibt es jetzt eine EINSIEDLERBIBLIOTHEK. In 2100 Metern Höhe. An Brennerbahnhof, Gleis 6, liegt der Schlüssel reserviert.  (Bis Oktober geöffnet).

THESE BOOTS ARE MADE FOR WALKING

Sonntag, 6.9.98, Stuttgart

1600: Weindorf. Schörlchen. Schuhbesichtigung. Man glaubt gar nicht wie viele verschiedene Schuhe es auf der Welt geben muß. Und alle laufen an einem vorbei.

1720: In der alten Straßenbahn.
1725: Hauptbahnhof. Berliner Zeitung und Darmstädter Echo.
1738: S-Bahn nach Esslingen.
2002: Neckarauen. Freizeit.

I don't like mondays. I want to shot the hole day down.

LIVE THROUGH THIS

Samstag, 5.9.98, Stuttgart

0906: Werner hat sich für 1600 angekündigt. Es geht da wohl um ein Plakat.

1007: Frühstücken, Kaffee. Dann das Tagwerk: AUFRÄUMEN. EINKAUFEN. KEHRWOCHE.
Widerlich.

1015: HOLE, Live through this, fast ganz laut. GUT. Obwohl ich glaube, daß sich Courtney Love und Co. doch manchmal etwas streng nach L7 anhören, aber das kann ja eigentlich auch gar nicht anders sein, da das beides ja PunkFrauenBands sind. Gibt es HOLE eigentlich noch? Oder ist der ganze Grungekrempel jetzt richtig aus?

1314: Beim Einkaufen stoße ich immer wieder auf zwei Dinge, die sich immer wiederholen. Die Schlange an der Kasse an der ich mich angestellt habe ist IMMER die langsamste und der Kunde vor mir hat irgendetwas Bizarres aus irgendeinem Kühlregal gezogen. Selbstverständlich ohne Preis. Und dann folgt immer das gleiche Prozedere: 17 bitte 12, dann klingelt das Telefon, leider die falsche
Abteilung. Dann nochmal und dann endlich grünes Licht: der probiotische Fertigteig für Klöße kostet 3 Mark irgendwas. Das war gestern so und heute schon wieder. Es ist nicht zu fassen. Unten bei mir im Hof steht so ein dunkelgrüner Sprinter. Das ist ja eigentlich langweilig aber: auf der Anhängerkupplung ist ein brauner Pferdekopf aus Plastik aufgesteckt. Sowas sieht man auch nicht alle Tage.

1532: sexy-mini-super-flower-pop-op-cola. Alles ist in AFRI-COLA. Das klingt wie ein ABBA-Song.
1619: QuarkXPress. Wörter. Typographie. Bastelarbeiten am Bildschirm.
1937: Plakat fertig. Schallplattenabend. Oder besser: Alles RAUSGERÄUMTE wieder reinräumen. Oder noch mehr aus dem Regal ziehen. Vielleicht auch alles gleich neu sortieren?

2154: Vorhin kurz das Erste angedreht. Der Neuaufbau Deutschlands auf dem Rasen von Malta ging aber ordentlich in die Hosen. An Herrn Vogts liegt das nicht alleine, es ist ALLES so starr und so reglementiert, daß es eigentlich kaum auzuhalten ist und dann faselt Vogts ständig von seinem AUFTRAG vom DFB und eigentlich merkt er gar nicht, wie lächerlich das alles ist, was er da zu Waldemar Hartmann sagt,der ihn natürlich auch sportblöd gefragt hat: Berti Vogts,  werden die Deutschen in der Türkei untergehen? Fussball ist eigentlich langweilig geworden, besonders nach der WM in Frankreich. Und der DFB- Pressemann Niersbach ist ja wirklich ein Fussball-Hinze.

2258: Raus an die Luft. Jacke an, kurz eine Runde um die Häuser. Sie können den Computer jetzt auschalten.

0004: In den Medien bleibt Courtney Love, was man immer in ihr hat sehen wollen Heroinwrack oder Machtmensch, Rabenmutter oder Groupie, die neue Nancy Sprungen oder Yoko Ono der 90er.

0035: Sehr langes Telefonat mit Ralf in Hannover. Gute Kontake zünden auch noch nach 12 Jahren. Was, ich kenn CRACKER nicht? Nein, keine neuen Drogenkekse, sondern der beste BLUES aus den Südstaaten. Ich bestelle ein Duplikat und sage ihm, daß ich ihm einen Best of meinen letzten Einkäufen zukommen lassen werde. Und das Tolle daran  ist, daß das dann nach vierfünf Tagen auch in den Briefkästen ist. Aber TonBandCassetten werden ja kaum noch genutzt, A-DAT, miniDisk und und und. TonBandCassetten haben noch so etwas technisch unfertiges. Nie ist ein Tape wirklich fertig, nie perfekt abgemischt oder ausgesteuert. Man denkt so, fertig und dann ist es eigentlich erst der Entwurf einer TonBandCassette. Manchmal läßt man es dabei bewenden, vielleicht legt man noch ein zweites Tape ein und macht einfach weiter. Nick Hornby hat über so etwas ein Buch geschrieben. HIFI, also highfidelity, heißt es, glaube ich.

0116: Royal Sound Stereo ist das von der TELDEC <Telefunken-Decca> Schallplatten-Gesellschaft neuentwickelte STEREO-System. Das Musikerlebnis wird in voller Klangreinheit und Dynamik bis zur letzten Tonrille erhalten: Beim Fortissimo gibt es kein Klirren mehr, auch die feinsten Klangpartien kommen ohne Störgeräusch. Royal Sound Stereo das ist wahrhaft königlicher Klang! Das steht auf der Rückseite auf der HERB ALPERT'S TIJUANA BRASS. London Records. Und dieses wirklich unglaubliche Cover: Froschgrüner schwerer Samtvorhang, davor sitzt ein echtes Modelmädel aus den 60ern, kuckt blöderotischversonnen in die Kamera und der aufgetragene Rasierschaum machen sie dann halbnackt, so halbsahnig. Whipped Cream & Other DELIGHTS.

0130: Bei der TonBandCassette. Weil der Haifisch, der hat Zähne  ... variospeed. godhead. beastie boys. blur. bolero on the moon rocks. pulp.

0240: miss wirld. jethro bodean. Prefab Sprout. Jesus & MaryChain. Kiss Off. Nachtfieber am Lagerfeuer. TURNTABLEROCKER. tag am meer. ICH ICH ICH. METALLICA. TonBandKassette meldet Fülle. Verpacken und ab nach Hannover. COVER. Wenn das Licht stimmt.

0300: 1 Jahr plus X = 2000. Schon bald. Und die EXPO in Hannover ist jetzt irgendwie total blank. Wenn APO mit EXPO EPO eruiert bzw. es dann auch nimmt und dann fataliert bzw. traumatisiert? Mit einer Weltausstellung verbinde ich den Blick auf geballte TechnoTechnik. Und auch exorbitante Fragen. Was will Schlingensief eigentlich im Herzen oder wo auch immer wirklich? Schangse 2000 und bring dich selber um die Ecke. Was soll das? Dummkopf.

0343: Alles erledigt. Licht aus. Träumen. Wien. A KesselGulasch. Käsekrainer. Naschmarkt. Seidel Bier in der Goldenen Glocke im 4. Bezirk und Fritz Knottek und natürlich der Zentralfriedhof.

RAISING HELL

Freitag, 4.9.98, Stuttgart

0905: Zu spät im Büro. Das wird irgendwie kein guter Tag. Glaube ich.
1145: Verwirrter Vormittag.
1500: Mehrkwürdiger Nachmittag.
1645: Post aus München von Nina. Superkomisch das Ganze und ich werde vermutlich nicht bzw. ganz sicher antworten. Allerdings steht da am Ende ganz deutlich: take care and thanks for your support. Ich hasse solche Briefe.

1804: Indexerstellung auf FrontPage. Wie soll dieses DING hier überhaupt heißen und was soll es denn darstellen? Mir schwebt ein SCHALLPLATTENTAGEBUCH vor. Aber das kann ja eigentlich nicht alles sein. Also TABU. Oder wie?

1808: Was soll das eigentlich hier werden?
1840: Online-Anmeldung. Schallplattentagebuch. SCHALLTABU. Achtung, die Registrierung kann bis zu einer Stunde dauern. Also gut, dann warten wir mal, mein Rechner und ich.

1847: Raising hell ist glaube ich die dritte Platte von RUN DMC gewesen, schweinealt, zwölf Jahre oder so, vorne grünrot, hinten blauorange und eigentlich habe ich sie damals wegen diesem hervorragenden SPEX-Artikel gekauft.

1848: Wo ist das SPEX-Heft?
1849: Wow, ich bin ordentlicher als ich dachte. Lothar Gorris war das. Damals konnte man SPEX-Hefte noch lesen. Das geht ja heute eigentlich überhaupt nicht mehr. Obwohl ich jetzt denke, daß es vielleicht doch nur vier, fünf gute Ausgaben gab. Das Johnny-Rotten-Heft mit dem Artikel von Johnny Carson zum Beispiel, dann das Heft mit dem unlesbaren AMERIKA von Dietrich Dietrichsen und natürlich die BLUMFELD-Ausgabe von Sebastian Zabel. Vor zig Jahren hatten die auch noch ein ganz anderes Format, irgendwie besser und eine ganz andere Aufmachung. Und eigentlich kenne ich heutzutage kein wirklich gutes Musik-Heft. Def, street. addidas-sneaker. Goldketten und viel zu große Ringe. Cool. Zitat: Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, daß ich beim Autofahren Debbie Harry höre.

1905: Sabine angerufen und feststellen müßen, daß sie heute leider keine Zeit hat.
1926: Es geht los. Jetzt gleich.

1940: Unglaublich. Hat alles funktioniert. Auch ohne Hotline. Das ist das wunderbarste was es gibt: Wenn Technik wirklich funktioniert, Programme und FTP und und und. Und es wirklich dann auch so aussieht wie man es gemacht hat.

2015: Batman. Es gibt soviel zu tun und wir haben so wenig Zeit. Grease. John Travolta. Zappen soll gut für die Augen sein. Superschlechtes Programm und dennoch: dranbleiben. Why?

2306: Scharping und Schäuble. Ihre Wahl. Unglaublich. Der Scharping sieht echt komisch aus.
2331: Verona's Welt. Noch unglaublicher.

2339: Wie soll das hier weitergehen? Der Anfang ist zwar gemacht, also es ändert sich nur der TEXT,
das Gerüst steht ja, als Musterseite. Jeden Tag. Auch Sonntag. Oder wie? Für wen?

things get hectic quick
from the satellite dish to your joy stick.

DREIGROSCHENOPER

Donnerstag, 3.9.98, Stuttgart

0815: Bei der Arbeit.
2313: Extrem fertig auf dem Sofa und wild im Zeitmagazin herumgeblättert. Jaja, der Bernd Pfarr.
2317: Warum hat Lotte Lenja eigentlich eine so wunderschöne Stimme?
2350: Wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen ja doch keiner zu.