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im Finstermann

Freitag, 31. März 2000, Stuttgart

1533: Bei Frau Kiosk, die SZ mit dem DIN-magazin, Old Holborn, Muskote, fisherman's. Schönes Wochenende. Ebenfalls.
1544: Esslinger Straße, 2001, Odyssee im Buchausverkaufsmarkt, wie ALDI, aber ich finde: Eugen Egner, ein kleines HAFFMAN'S, für 6,60.
1600: Brennerstraße, Holztisch, das Sonnenlicht scheint mir in die Zeitung, verschwindet dann wieder.
1630: Siegfried. Fastus.
1631: Über ROMAN, www.gesamtautor.de, pool und loop. Sich zufällig treffen, im Kaffeehaus, sich gegenseitig bereden ... ja.
1720: Eine Kopie eines Romans aus dem Kofferraum: Die Lähmung: Das Land schien in bleierner Zeitlupe zu erstarren.
1730: Katharinenplatz, Ruheraum, lesend. Holprig, leidend, maulend, Elendsmalerei. Unterstreichungen, Fragezeichen, Selbstverbesserungen.
1900: An einem anderen Tisch über: Bleisatz, Hurenkinder, Eierkuchen, Erhabenheit der Buchstaben. Das Saufen der Setzer.
2000: Ein Tisch weiter, einen Skat klopfen. Aber es passiert nichts. Ich bekomme nichts auf die Hand. Ich kann nur mitspielen. Und verliere natürlich.
2330: Wieder zurück. Es regnet.
2350: An einem Tape. Für Bremen. Kassettengefummel.
0210: Halbfertig. Licht aus.
0230: Im Traum gehe ich durch eine klare Feuchtigkeit während sich das Leben immer mehr zur Seite neigt. Zitiert.

the hollow men

Donnerstag, 30. März 2000, Stuttgart

We are the hollow men
We are the stuffed men
Leaning together
Headpiece filled with straw. Alas!
Our dried voices, when
We whisper together
Are quiet and meaningless
As wind in dry grass
Or rat's feet over broken glass
In our dry cellar.

Shape without form, shade without colour,
Paralysed force, gesture without motion.

T. S. Eliot, 1925
gesprochen von Marlon Brando

holiday in the sun, 1977

Mittwoch, 29. März 2000, Stuttgart

Ein neuer Tag und neues Dokument.

Zum Glück fahren sie alle Mitte Oktober hinunter nach Goa, dann schneit es in Manali. Ruhe kehrt wieder ein, und eine weiche Schneedecke überzieht das hochgelegene Tal. Dann, im Winter, so Mr. Dharamchand Thakur, kommen die Russen ins Sunshine Guest House, zünden die offenen Kamine in den geräumigen Zimmern an, trinken starken Tee mit Yakbutter und brummen mehrstimmig traurige Volkslieder.
(p. 127, Erstauflage 1998)

Kracht & Nickel

the hollow men

Dienstag, 28.03.2000, Stuttgart

1920: Und es ist immer noch hell. Wie vor zehnelfzwölf Tagen um 1637. Nur die Temperatur: die stimmt noch nicht.

Nachtrag zu Freitag: Die spanische Stadt Leganes benennt eine Straße nach der australischen Hard-Rock-Gruppe: Calle de AC/DC.
Das Brüderpaar Angus und Malcolm Young sagte: "Wir sind sehr stolz. Wir finden das eine prima Idee."

FOR THOSE ABOUT TO ROCK
WE SALUT YOU
FIRE

1956: Schreibtisch. Der ZeitungsBerg ist angewachsen: 114 cm.
Auf 110 cm lag die SZ, waagerecht.
Ich packte sie, durchblätterte sie und auf Seite 16 plötzlich: stop.
Da ist es ja.
Deswegen ist es ein "vielleicht-Stapel".
Dekorativ stapelt er sich da im Eck.
Wäre er weg, das Eck wäre nackt.
Der RollLadenGurt klemmt auch deswegen.
Ein PapierBabel, das sich deutlich dem AltPapier verweigert:

Gestapelt Gedrucktes, Gedachtes, Geschriebenes, Gesammeltes, Gestapeltes. Schleifen. loop.
114 cm. Und ich messe es wirklich - mit einem gelben Zollstock - aus dem Jahre 1975.
Der Zeitungsberg führt 10:1
Absolut berechtigt.

unten beginnen
nicht oben:
beim Abtragen
der angesammelten
Mediendokumente.
ALTPAPIER.
wegräumen.

*****
Er wollte nur dann Schallplatten auflegen wenn die Bodyguards anwesend waren. Links und rechts vor ihm bauten sie sich dann auf, in Aspik, zwei Schutzbefohlene: zwei Leibwächter, zwei Löwenfiguren aus Sandstein.
Er hat die Kabulatur, den Kabelwahnsinn des Sets überprüft, die Kabel dann doch neu gesteckt, die Regler waren dann geschoben, der Soundcheck war dann gehört.
Dann ging er in die Knie um sein Set zu schauen - zu checken - (um dann sofort die gestrige Anordung der Scheiben auswendig zu lernen).

Dann blätterte er nochmals im Vinyl, veränderte aber dann doch lieber nichts mehr am Sachverhalt.
Und dann erdrosselte er sich beinahe mit seinem Kopfhörerkabel. Das ärgerte ihn etwas.
Er fluchte ganz leise, schüttelte seinen Kopf wegen seiner Contenance, nahm Platz und setzte sich dann endlich auf den grünen Samthocker.

Dann legte er synchron zwei Schallplatten auf. Er begann dann durch die Regler zu beschleunigen.
So begann es. Der Rest war eine Partie.
Das letzte Paar tanzte einen Fado, einen perfekten.

g-stoned

Montag, 27.03.2000, Stuttgart

1800: Etwas Käse für den Wein. 3 Sorten. 16 Mark langsam. Aha.
1830: Wieder zurück.
1835: Der Käse kommt auf ein Holzbrett.
1845: Petra.
2102: In Halle ist die Leitung besetzt.
2112: Der Tag heute war etwas anstrengend. Ein Montag. I want to shot the hole day down.

how soon is now?

Sonntag, 26.03.2000, Stuttgart

Heute Ruhetag.

I feel safe in New York City

Samstag, 25.03.2000, Stuttgart

1311: Eigentlich wollte ich doch nur das Wort "Schallplattentagebuch" mit einem Hyperlink versehen.
Jetzt habe ich fremde Texte blutrot eingefärbt, im LOOP. Und jetzt komme ich mir plötzlich so wichtig vor.
Eigentlich: Unwichtig wichtig. Oder so etwas. Das hatte ich nicht vor, das wollte ich nicht.

Kacke.

Phosphor-Sven: Falls Du das hier liest und/oder den LOOP gelesen hast - bitte mach's weg. Ich kann das von hier aus nicht.

1531: In the supermarket. Und wieder Musik:

FOXY BROWN
parental advisory
explicit content

LIEBESBRIEF
CD Extra, incl. Video.

30 JAHRE LINDENBERG

1650: Wir schlemmen.
1705: Die FussBallSchlußKonfernenz, zwei-zu-zwei. Obwohl mich das jetzt überhaupt gar nicht interessiert. Ich höre nur die Stimmen: "Tor in Duisburg!!!!" Das höre ich.

1800: Budenzauber. Alles wieder aufräumen.
1919: I can't stand still.
1923: Rock in die Ohren - direkt reinpusten, ffft ffft ffft - so macht das Sinn.

Nachtrag:
InfiNEON: 33-fache Überzeichnung.
Carlo Parola, der Erfinder des Fallrückziehers, ist im Alter von 78 Jahren in Mailand gestorben.

Für immer
und Dich.

disarm

Freitag, 24.03.2000, Stuttgart

1540: Brennerstraße, im Kaffeehaus. Mit der SZ und dem dicken Magazin.
1550: Neben mir streitet ein Liebespaar.
1700: Petra und Mama.
1800: Über Kryptographie. Das interessiert aber niemand.
1830: Entre-deux-mers, GREFFIER, Château Valentin, CADILLAC, Corbières, CHARCOT.
2000: Christine und Martin. Ein 40ster Geburtstag.
2100: Nur weißer Phosphor leuchtet. Gibt es aber auch in den Farben: Rot, Violett, Schwarz. Sind aber nur Modifikationen.
2200: Cantina Toscana. Ein 62ster Geburtstag.
2320: Zum Abschied sagt jemand: "Ich hatte ein Maladie"
2345: Im Briefkasten: Eine Postkarte und: siamese dream, Auteurs, G-stoned und standup comic.
0100: When the postcard and the music is over turn out the light.

Ein gelber Bleistift.
Ein schwarzer Füllfederhalter.
Ein blauer Filzstift.

Donnerstag, 23.03.2000, Stuttgart

0700: Der Magen hat sich über Nacht geweitet, er ist größer geworden, hat sich nicht zurückgezogen.
Nach solchen TafelOrgien habe ich morgens immer einen Hunger; es ist nicht zu fassen. Wie ausgebrannt.

0820: Büro. Alltag. Telefon. Telefax. Netz.
1714: Bis morgen.

1745: Bei meinem Buchhändler Julius bekomme ich mein Exemplar "Der gelbe Bleistift". Das Buch sieht sehr schön aus, richtig im Format und: unter 200 Seiten. Auch die Rückseite ist ungewöhnlich. Während ich Christian Kracht bezahle baut ein kleiner schmaler dunkler Drummer völlig entspannt seine Schießbude auf. Sonor. Teuerste Bleche. Er trägt eine dicke fette Sonnenbrille und er hat überhaupt gar keinen Gesichtsausdruck. Er scheint allem entrückt zu sein.
"Das ist der Schlagzeuger vom Duke-Ellington-Orchestra."
"Aha."
Sieht man sowieso.
Sofort.

Korrektur:
Der Schlagzeuger der Violent femmes heißt: Guy Hoffman. Komischerweise spielt er wie Victor De Lorenzo: stehend und mit diesen Spezialbesen.
Irrtum - bedingt durch die Entfernung von Auge - Bühne.

1815: Brennerstraße, bei Gil, den gelben Bleistift beginnend ... dann U-Bahn. In Baku. Kakanien.
1945: Noch schnell ein SixPack besorgen und Stiff upper lip. Jetzt also doch. Für DM 29,99. Wechselstrom.
2001: So sieht das heute also etwas absichtlich aus: underclass, R'n'R und der Begriff: Feierabend. An einem Donnerstag.

Auf's Sofa, in die schwarzen Polster, die Zigarette wippt in den lips etwas mit, im 4/4 Takt, dann reiche ich mir mein kühles Bier-pack dazu. Die Füsse liegen assi-schräg auf dem Tisch. Vorher das oberste Regal der Bücher neu sortiert. Dann Pause im Kopf. Dann im Sofa. Also jetzt.
Heißt das jetzt: "Fiese Oberlippe" oder "die Ohren steifhalten" - oder etwa beides zugleich?
Stiff upper lip.
I feel safe in New York City. Der 5te.
Can't stand still. Der 6te
Damned. Der 9te
Das sind die besten Songs.
Und die live, genau so, in dieser Folge im Madison Square Garden ...
Und dann: thunderstruck. Das habe ich dann heute auch noch bei amazon bestellt.
Und morgen kommt auch die angekündigte CD-Lieferung ins Haus.
Auteurs, siamese dreams, woody allen, momus.
shopping macht frei.

2352: Bei SortierAufräumArbeiten fand ich Eduard Mörike:
III. Zwei Liebchen.
(aus: "Schiffer und Nixen-Märchen" 1828-37)
Reclam 7661

Ein Schifflein auf der Donau schwamm,
Drin saßen Braut und Bräutigam,
                        Er hüben und sie drüben.

Frühlings Erwachen.

0011: SchreibtischLicht aus.
0015: LeseLampe an.

Stiff_upper_lip.jpg (23258 Byte)

Das große Fressen

Mittwoch, 22.03.2000, Stuttgart

0700: Der Wecker. Der Vitaminsaft neben dem Bett.
0715: In der Linie 2.
0718: Vorbei an der Russischen Kirche und: dickes, fettes Sonnenlicht ...
0731: Bei Frau Kiosk.
0751: Wieder anwesend, im Tagwerk ...
1216: Nachtrag: Der Typ, der im Büro über uns wohnt, der Typ, der immer 2 gelbe Säcke mit Beck's Dosen vor die Tür stellt, der Typ, der mir fast jeden Morgen mit zurückgekämmten, schwarzen, fettigen Haaren entgegeneilt, der Typ also: der war gestern auch da. Wir begrüßten uns respektvoll mit einem Nicken (nachdem das Konzert der Violent femmes beendet war).

1715: U-Bahn.
1800: Wieder unter die Dusche, umziehen und an meinem letzten gebügeltem Hemd fehlt der oberste Knopf.
1901: Wieder U-Bahn.
1922: Marienplatz.
1930: Römerstraße 8, Alimentari Loretta.
1945: Prosecco.
2010: Weißwein.
2115: Rotwein.
2240: Grappa.
2332: Degerloch Albplatz.
2341: Wieder U-Bahn.
2355: Wieder zurück.
0023: Licht aus.

Blister in the sun

Dienstag, 21.03.2000, Stuttgart

Die Sonne schein, der Frühling ist da.

1700: Auf Wiedersehen.
1715: Kurz beim Optiker, die Brille in Ordnung bringen lassen.
1733: S-Bahn. Wieder Walkman, wieder KinderHandys ...
1805: Dusche, Rasur, Umziehen.
1936: Wieder S-Bahn.
1942: Am Flughafen. Auch wieder Handys. Diesmal tragen die Besitzer Anzüge von ...
1950: The eagle has landed: BA 924 ist gelandet.
2004: Hi. Hi. Ich winke mit den Karten.
2010: Im Taxi, downtown.
2016: Tokio hat eigentlich kein Zentrum, sagt Petra.
2028: Schwabstraße, die Tasche zu zweit nach oben wuchten, Dusche, umziehen, fertig.
2130: Die Vorgruppe hat schon fertig gespielt, es ist voll, hier im LKA.

Und dann:
BRIAN RITCHIE: kurze Haare, rote Brille, rote Plastikperlenkette um den Hals.
Victor De Lorenzo: Immer noch stehend hinter den Drums.
Gorden Gano: Immer noch die gleiche Stimme.
Wie 1984, damals, im Maxim. Nur grösser jetzt, natürlich.

Und dann:
Mitsingen aus voller Kehle:
LET ME GO ON - LIKE A BLISTER IN THE SUN
...
GONE DADDY GONE, LOVE IS GONE away
...
good feelings
...
0000: Zurück in die Schwabstraße.
0040: Unter die Dusche. Die Bierdusche wegduschen. Aber nur ganz kurz, nicht zu lange. Nicht den Geruch wegduschen.
0058: Wir biegen uns noch kurz in die Polster.
0213: Licht aus.
0214: LET IT ROCK !!!

the blind leading the naked

Montag, 20.03.2000, Stuttgart

0645: Der Wecker. Aha. Los geht's.
0732: U-Bahn. Müde.
0753: Hallo Frau Kiosk.
0817: Im Büro. Morgen.
0821: Zwei mails, die mir den Tag erträglich machen.
1241: Infusion beim "Würstelstand". Naja, Imbiss-Bude, egal.
1502: Wieso wird denn der loop nicht repariert? Oder soll das jetzt ein Mahnmal werden? Verstehe ich jetzt auch nicht.
1716: Ciao, bis morgen. Rumms. Die Tür ist zu.
1800: Geisstraße, ich will die Konzert-Karten für morgen abholen:
- Da liegt uns aber gar keine Bestellung vor.
- ???
- Haben Sie angerufen?
- Ja, zweimal, am Donnerstag und am Freitag. Ich könne die Karten heute ...
- Moment bitte ...
- Haben Sie hier angerufen?
- Wo sonst? Ja, natürlich. Zweimal.
- Moment bitte.

Pause. Das kann doch alles gar nicht sein. Hektisches Gefummel in der Holzbox, dann irgendwann der rettende PIEPS aus dem Computer.
Und dann werden zwei Streifenkarten ausgedruckt, brutal totgestempelt und mir vor die Nase gelegt. (Bittesehr. Da haben Sie Ihre Karten)

- So, bitte schön, 80 Mark 60 bitte. (gestresst, aber freundlich)
- Danke. Wiedersehen.

Saftladen.

1830: Über den Markplatz, durch den Schlosshof, dann in die U-Bahn. Handyalarm und Walkmangewitter.
1902: Wieder zurück, der Simon Singh "Geheime Botschaften" ist da. Und die Santana-CD kam heute mittag auch richtig an, als Geschenk, mit (geheimer) Botschaft. OK.

1920: Nochmal kurz in den Supermarkt.
2018: Am Schreibtisch, lesend. Schmidt, eingerollt hinter mir, ruhig brummend. Ganz ruhig. Jetzt nur keine falsche Bewegung. Sonst krallt's.

Frühlings Erwachen

Sonntag, 19.03.2000, Stuttgart

Aufgewacht.
Eine Schale Milchkaffee.
Wieder zurück.
Hi.
Wieder Backgammon gespielt. Mit Sonnenbrille. Mit Violent femmes.
Die schönsten Züge spiegelten sich im warmen Sonnenlicht.
17 zu 12, verloren, zuviele 6er-Päsche

Wieso ist denn der loop schon wieder platt? Das Dokument enthält keine Daten.
Dann muß ich um die Ecke kommunizieren:

kika, falls Du hier mitliest: wie war der Freitag im Kino? Hast Du allen eins mit dem Regenschrim übergezogen?

2144: Dann: Licht aus. Turn out the lights.

via Aurelia

Samstag, 18.03.2000, Stuttgart

1226: Ausgeschlafen, endlich einmal wieder: ausschlafen und ein deaktivierter Wecker.
1301: Frühstück.
1423: Lost in the supermarket. Im Angebot: Oster-Artikel.
1512: Mailand - San Remo. Der 296 km Frühjahrsklassiker. Im Ersten, mit Herbert Watterott, Jürgen Emig und natürlich Rudi Altig.
1633: Zabel sagt: Gute Mannschaftsleistung. Innerlich singt er. 3 x in 4 Jahren. Frühlingsfahrt, am Meer vorbei.
1650: Fussballschlusskonferenz.
1938: Aus Ulmer Spatzen werden Moorhühner, sagt der Sportreporter. Das 1:9 war in dieser Höhe schon verdient. Sagt ein Spieler.
2000: Schreibtisch, Chemical brothers.
2212: Backgammon.
2340: Doch noch kurz eine Weinprobe in der alten Weinsteige.
0015: Schwarze Johannisbeere, im Abgang trocken und säuerlich.
0016: Aha.

Das Vertrauen in die Kommunikation im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung läßt sich nicht mehr personalisieren,
also auch nicht mehr in sozialen Status umsetzen; es ist nur noch Systemvertrauen.
Niklas Luhmann

no title II

Freitag, 17.03.2000, Stuttgart

Sprachverdreher
Wort-Witzler
Posse-Poeten
Akzent-Akrobaten
Silben-Speier
Dope-Dichter
Rhythmus-Rabauken
Flow-Flößer
Beat-Berechner
Satz-Setzer
Textverdichter
Alleswisser und
Sätze-Sprecher

Sprachräume
Schulhöfe
Suppenküchen

(Ronald Galenza)

no title I

Donnerstag, 16.03.2000, Stuttgart

Die Dicke

Mittwoch, 15.03.2000, Stuttgart

Im Jahre 1975 hatten wir eine KinderAufpasserFrau, die auch sauber gemacht hat. Aber sie war keine Putzfrau, sondern: eine dicke Italienerin. Frau de Fanti kochte für uns nach der Schule Pasta und war nie ohne ihren Hund. Pierro gehörte zur Gattung der Rehpinscher. Ein wirklich merkwürdiges Tier: durchfallfarbenes Fell, wie eine kackbraune Ratte immer zitternde dünne knöchrige behaarte Stelzen. Er knurrte und kläffte immer lauter als er eigentlich war und eigentlicher zwickte er meinen Vater einmal Abends in das Bein und noch eigentlicher haben wir uns dann irgendwann von beiden getrennt.

Momus

Konzert und Suite

Dienstag, 14.03.2000, Stuttgart

0812: i n   f r o n t    o f   t h e   m a c h i n e.
1800: Mail nach Tokio (sic!)
1815: Der Overnight-Kurier.
1912: Wieder zurück.
1955: TV und zu Abend gegessen.
2000: Tagesschau geschaut.
2040: Mit Sergei Rachmaninov eine Schallplatte aufgelegt. Es windet böig, Regen klatscht gegen das Fenster.
Sollte gemütlich sein, ist es aber nicht.

2110: Mit Ditmar telefoniert.
2128: Jetzt eher bedrückend als entspannend; aber das ist Rachmaninov ja nicht. Eher kräftig. Etwas traurig. Dann seh ich das Bild von Putin wieder, aus der Tagesschau, er: betend: wie ein Zar.

2130: Dvorak. Beruhigende czech suite, eine fiesblaue CD von Erato, collection bonsai, für 5 Mark irgendwas bei irgendeinem SuperProMediaMarkt.
2138: Ich denke: ich muß einen Brief schreiben. Und da ich denke, daß ich muß: wird das nichts, mit dem Brief. Es wäre dann ein MussBrief der sich auch genau so lesen würde. Bastelbrief. Das ist Unfug. Wie lautet die Definition für einen Brief? Niedergeschriebene KopfNotizen?

I don't know
if it's tomorrow
or yesterday
day far away.

Text an/für loop.

0052: Licht aus.
 
 

Rama-Margarine

Montag, 13.03.2000, Stuttgart

0830: Mails abrufen, Kathrin, Petra aus Tokio, 4 Werbemails, 2 Textverteiler ...
1230: Es ist warm, die Sonne scheint, nebenan ist ein kleiner Park ... und während ich dort auf einer Holzbank sitze und meine Semmel mit einer Fanta herunterwürge fährt ein kleines Mädchen (?), ein kleiner Junge (?) mit seinem Dreirad mit Höllenspeed vor mir rauf und runter, das ganze kleine Parkstück: rauf und wieder herunter. Dazu macht er (sie) - nein, ich glaube, daß es ein Junge ist - mit dem Mund laute Motorgeräusche:
oooooooaaaaaaaaaammmmmbrrrrrroooooooooaaaaaaaaammmmmm, so irgendwie. Ich beneide ihn dafür.

1809: Wieder zurück, kurz in den Supermarkt. Schweppes Orginal Bitter Orange: das hatte ich auch schon lange nicht mehr.
2008: Ein Salzbad in der Wanne, ich schwebe praktisch im Wasser.
2100: Kurz einen Blick in einen weiteren der Edgar-Wallace-Filme.
2154: Aktualisierung. Das ist ja eigentlich auch ein ziemlich beknacktes Wort.
2157: Ich werde noch ein bißchen Loop lesen, offline. Rauchend ...
2344: Licht aus.

whip smart

Sonntag, 12.03.2000, Stuttgart

Ruhetag, mit Sonne.
Abends Tatort am Viktualienmarkt, dann Christiansen: Fusion, Globalisierung. Angst.
War die ihre beste Sendung bis jetzt (die ich von ihr gesehen habe).

2353: Licht aus.

www.gesamtautor.de

Samstag, 11.03.2000, Stuttgart

Eigentlich mag ich Iris Radisch gerne, seit damals, als ich sie in der Zeit gefunden habe.
Iris Radisch hat etwas élevenhaftes an sich, sie ist sozusagen: mit Tau überzogen. Undine kommt.
Und ich sah sie einmal in der Television, im Fernseher, 3sat war das und sie wurde interviewt von Gert Scobel.
Und jetzt, wenn mir diese Gedanken kommen und ich sie hier via Tastatur auf den Bildschrim übertrage dann denke ich,
daß Iris Radisch immer ein ganz schlaues Mädchen gewesen ist. Mit Ponyfrisur.
So wissend. So irgendwie Internat und dann über Internet schreiben wollend.
Irony is over, bye bye.

Liebe Frau Radisch,
natürlich ist "einsam sein" scheiße und die Türme sind in Wahrheit Reihenhäuser bzw. Mietwohnungen.
"Dichter zuerst, Journalisten, Redakteure, Kritiker, Dramaturgen, Lektoren zuletzt, der Rest bleibt draußen."
Aber war das nicht immer so? Diese nur so gebogene LiteraturTreppe ... Abhängigkeiten?
Schreiben Sie mit. Im pool. Das "gemachte" Netz ist nur so gut wie die Teilnehmer. Das ist so und das könnte auch verstanden werden.

Radio: Sabine Töpperwien, Schlusskonferenz und ich vermisse: Günther Koch und sein: "Babbel, Babbel, Babbel !"

Gespräch über die Monotonisierung der Welt.
Über Mosambique
Über "Aussortieren was falsch ist"
Über "Das Unbehagen an der Freiheit"

Schreibtisch.

Well I was out on a drag, on a bit of a trip,
looking for thrills to get me some kicks,
and I warn you ladies, I shoot from the hip,
I was born with a stiff a stiff upper lip!

musik dazu

Freitag, 10.03.2000, Stuttgart

Nein, ich nehme heute Urlaub.
Ich komme zu nichts mehr, für mich.

Die Geschichte der Konzept-Kassette:
Songs to write "und dann" (then)
dann die Kopfhörer,
volume control 6
loudness
bass +2
treble +4
balance: center
Ich bin zu leise.
City baby attacked by rats
Und dann: Schreibtisch.

2001: U-Bahn, mit Petra.
2022: Brennerstraße. Papa, Familienabend.
2100: Katharinenstrasse. Schach.
0100: Wieder zurück.

Jesus Christ Pose

Sammelaktion

Donnerstag, 09.03.2000, Stuttgart

Die Spender der Kohl'schen Sammelaktion:

Artur Brauner: 50.000 Mark
Erhard Bödecker: 21.000 Mark
Prof. Ernst Cramer: 100.000 Mark
Michael Düren: 10.000 Mark
Felicitas Egerland: 10.000 Mark
Hans Wolfgang Fein: 20.000 Mark
Uschi Glas: 10.000 Mark
Dr. Helmut Guthardt: 200.000 Mark
Dieter-Thomas Heck: 10.000 Mark
Michael Holm: 5000 Mark
Karl-Heinz Jureit: 10.000 Mark
Erich Kellerhals: 100.000 Mark
Helga Kellerhals: 100.000 Mark
Dieter F. Kindermann: 50.000 Mark
Dr. Leo Kirch: 1.000.000 Mark
Volker Klaucke: 50.000 Mark
Hannelore und Helmut Kohl: 700.000 Mark
Jürgen Lang: 10.000 Mark
Prof. Dr. Hans Joachim Langmann: 200.000 Mark
Heiner Lauterbach: 10.000 Mark
Helmut Maucher: 500.000 Mark
Hans Müller: 100.000 Mark
Dr. Jens Odewald: 325.000 Mark
Dr. Jutta Odewald: 325.000 Mark
Knut Reim: 10.000 Mark
Willi Schalk: 300.000 Mark
Karl Scheufele: 500.000 Mark
Lydia und Franz Josef Schmitt: 25.000 Mark
Erich Schumann: 800.000 Mark
George Lord Weidenfeld: 30.000 Mark
Alfred Wetzel: 10.000 Mark
Michael Wirtz: 250.000 Mark

dpa?, 1433, spiegel.de

1725: Die U-Bahn fährt davon, ohne mich, ich beginne zu laufen. Zufällig treffe ich meinen alten Schulfreund Andor Trierenberg wieder, natürlich müssen wir uns in Bad-Cannstatt treffen, natürlich spielt heute Galatasaray gegen Borussia und natürlich müssen wir uns das ansehen, im Fernsehen, in einem dieser speziellen hölzernen Lokale, Feierabendlokale, wo Leute mit Mecki-Frisur und Schnupftabak hereinkommen, einen Furz lassen, etwas kleinlaut in ihren Bart rülpsen und sich dann ganz widerlich "ein Weizen" bestellen. Egal. Wir kennen das ja schon. Wir positionieren uns, bestellen Weißbier vom Faß und sehen uns die Aufstellung an. Dann sehen wir uns lange an. 0:1, sagt Andor. Nein, spreche ich, 1:0. Dann sehen wir uns das Spiel an und beobachten natürlich auch die Zuschauer dieses Spieles im TV.
Nach diesen 90 Minuten steht es natürlich 0:0, wir bezahlen, schütteln uns die Hande und gehen unsere Wege.
Es gibt wirklich wenig Menschen, mit denen man in Ruhe ein Fussballspiel ansehen kann.

2030: Schwabstrasse, in einer von diesen neuen S-Bahnen und dieses FunktionsDesign, was ich jetzt überhaupt gar nicht verstehe.
2050: Vorbei an der unglaublich betonierten Kirche, in der Bismarckstrasse. Wenn jemand Geburtstag hat sagt er: ich werde ein Jahr älter.
2110: Hätte er gesagt, daß er heute Geburtstag hat, hätte ich ihm VIOLENT FEMMES geschenkt; die 2. und die dritte. Das sind die Besten.
2302: Violent femmes, GBH, aus der GehirnKruschtelKiste. Elvis ist auch da. aeres-Besprechung, auf dem Balkon, kurzärmelig.
0212: Wieder zurück.

Kehraus

Mittwoch, 08.03.2000, Stuttgart

Aua. Der Kopf tut weh.
Nach dem Aschermittwoch
ziehen wir das Büßerhemd aus
und ziehen den Kampfanzug wieder an.
(mit süddeutschem Akzent).
Sagte Stoiber in Passau.
Standing ovations,
15 Minuten.
- - - - - - - - - - - - -
Ziemlich geplättet.
Nur Stress und Frust und Ärger,
nichts funktioniert, aber auch nichts.
Es ist zum ... kotzen, ja.

no title

Dienstag, 07.03.2000, Stuttgart

Fasching, jaja. Das Übliche. Humba Humba Täterä. Spät. Breit.

what a difference a day makes ...
... 24 little hours ...

Montag, 06.03.2000, Stuttgart

Jaja, das kommt davon, schnell mittags etwas Schallplattentagebuch auf den Server spielen wollen, nur so, daß es halbwegs wieder aktuell ist und dann natürlich promt vergessen, daß durch "strg c" natürlich die Tagesangabe NICHT automatisch abgeändert wird ...

0820: Im Tages-Salat I
0910: Mail an Astrid, wie das jetzt heute ist, mit meinen letzten Sachen in der Rotenwaldstrasse.
0925: Ja, komm vorbei, bin gegen 2000 in der Wohnung.
1310: "Aktualisierung"
1320: Tages-Salat II
1500: Immer noch.
1800: Immer noch.
1900: Immer noch.
1930: Buchhandlung: Schneidermeister Wutz, Jean Paul, ein dünnes Reclam-Heftchen.
1938: Buslinie 44, Richtung Westbahnhof.
2000: Rotenwaldstrasse.
2005: Eine Tasse Tee.
2008: Der leichte, unverbindliche Wortwechsel bei einer Tasse Tee.
2030: Mail Dich - wegen Kino. Ja. Ciao. Und es klingt alles: nach all der Nähe: so furchtbar distanziert. Das schmerzt: Nicht das Abgetrennt-sein.

2031: Tapp-tapp, die Treppen herunter, ein letztes Mal, ein Blick zurück, dann durchs Treppenhaus, die Straße überqueren, der Bus, die Faschingsprinzen in der letzten Reihe, dann S-Bahn-Station, zugig, veratzt und ungemütlich; einfahrende S-Bahnen klingen wie heranrauschende Achterbahnen, aus dem Schwarz des Tunnels, auch widerlich.

2119: Wieder zurück, Abendspaziergang, alleine, Selbstgespräch, Dinge, die ich denke, leise zu sich in der Dunkelheit sagen. Warum auch nicht. Nach der oberen Ampel pfeife ich "Yesterday" und beginne dann mich angenehm über mich zu wundern.

2203: Telefonat mit Petra's Anrufbeantworter.
2218: Telefonat mit Ditmar.
2232: Ich hätte den loop gerne wieder mit Passwörtern. Ich bin doch keine Text-Müll-Lese-Maschine. I prefer not. I would rather not.
2243: Ich denke an k., wie fast jeder hier weiß ...

arrrrghhh ...

Sonntag, 05.03.2000, Stuttgart

Fräulein Smillas Gespür für Schnee
Licht aus.

hat - hat - hat

Samstag, 04.03.2000, Stuttgart

Schneesturm
Schreibtsich
Lawrence of Arabia
Licht aus.

Bezahlte Arbeit
stress
little fluffy clouds

Freitag, 03.03.2000, Stuttgart

Viel Bureau.
Das schwarze Plastik-Téléphone.
Die Korrekturen, die ausgeführten.
C'est la guerre. Dreck und Schlamm und Helm und Schützengraben.
Der Daten import & export.
Kurier-Dienst.
U-Bahn.
Haare korrigieren, schneiden, Betül, die Haare, das Wasser, das Waschen, das Kneten der Kopfhaut.
Im LIEGEN schlafe ich fast weg. Finger in den nassen Haaren. Tief. Well. Fast wäre ich wirklich eingeschlafen.

Es ist nur so gut wie es gerade ist.
Das ist der Satz bei dem ich bleibe.

Ich würde mich lieber wieder intensiver mit Literatur beschäftigen, meine innere Ruhe wieder haben,
zum:
nachdenken,
überlegen,
nachblättern,
überprüfen,
überschlafen,
überdenken,
niederschreiben,
lesen,
wirken lassen,
korrigieren,
umschreiben
fertig machen
und zum Abschluß bringen.

Soylent green

Donnerstag, 02.03.2000, Stuttgart

SOYLENT GREEN
(dt. Titel: "Jahr 2022 ... die überleben wollen)
Regie: Richard Fleischer, USA 1973, Farbe, 93 Minuten.
Darsteller/innen: Charlton Heston, Leigh Taylor-Young

... öffentlich verteilte, obladen-ähnliche grüne Plättchen ...

Das Blumenfeuerzeug ist leer.
Jetzt habe ich kein Feuer mehr.

Scheisswoche. Ich ertrinke in Arbeit. Bäh.

2153: Bett, Licht aus. Neo-Plasma.

more of the same III

Mittwoch, 01.03.2000, Stuttgart

Heute frage ich mich WAS gestern war.
If it's tomorrow or yesterday.

1900: Immer noch im blöden Büro.
1920: Lehen, Lehenstraße.
2120: Karl nimmt mich mit hoch nach Degerloch.
2215: Wieder zurück.
2218: Beendet: phosphor. Sven Lager.
0038: Licht aus.